Cover: Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016 für den 3DS ist da. Toll, oder? Hmmm... naja... geht so. Warum kriegen die's einfach nicht mehr hin, ein richtig gescheites Mario-&-Sonic-Olympia-Game zu kreieren? Das ist jetzt das drölfzigste Spiel dieser Reihe und es wird immer flacher und flacher.

Dabei sind die ersten Eindrücke wirklich, wirklich toll. Grafik und Sound vermitteln tatsächlich das Gefühl von "In Rio sein", das fängt beim Titelbild an und zieht sich durch alle Menüs. Doch ansonsten war's das eigentlich soweit. Denn gerade die Musik (Samba und Co.) nerven bereits nach dem vierten oder fünften Mal. Nein, nein, sie sind super gemacht und für sich sind sie klasse, aber die Musik ist etwas zu krachig und lebendig - in Ermangelung eines passenderes Wortes. Man hat gerade eine Disziplin abgeschlossen und schon peppt und fetzt es volle Möhre so durch die 3DS-Lautsprecher, dass es in der Tat etwas Krachiges an sich hat. Die Musik lässt sich in den Optionen zwar leiser stellen, doch ist es dennoch ärgerlich, dass die Musiken doch eher nervig sind.

Grafisch hält sich einerseits ein durchaus hohes Niveau, doch andererseits könnten alle Disziplinen in praktisch jeder belibigen Halle oder Arena stattfinden - das muss nicht unbedingt in Rio oder sonstwo in Brasilien sein. Wären die Menüs nicht, die ich wahnsinnig geil gestylt finde, sowie natürlich die musikalische Präsenz - und nicht zu vergessen der Titel des Spiels! -, könnte man es genauso gut als irgendein Sport-Spiel verkaufen, dass minispielartig aufgeteilt ist, und in dem Mario, Sonic und ihre Kumpels mitmischen.
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Einigermaßen unterhaltsam ist vorerst noch der Einzelspieler-Abenteuer-Modus, in man einen Mii auswählen und dann bestimmen muss, ob für Team Mario oder für Team Sonic antritt. Dann ist man in einer schematischen Form der Copacabana (auch hier gilt: würde sie nicht so heißen, könnte es genauso gut auch Cambridge oder München oder sein). Hier muss man an sieben In-Game-Tagen möglichst alle Disziplinen trainieren und am besten noch auf Platz 1 gewinnen. Dafür gibt es dann Punkte, welche ihrerseits in neue Outfits investiert werden können. Diese Outfits geben dem eigenen Mii, sofern sie getragen werden, Verbesserungen der Statuswerte, was dann beispielsweise die Geschwindigkeit oder Stärke verbessern, oder auch verschlechtern kann. Entsprechend der geforderten Disziplin kann es also sinnvoll sein, sich vorher umzuziehen. Leider ist man hier jedoch auf seinen Mii festgelegt. Als Peach, Bowser, Tails oder sonstwer spielen geht nicht, sondern das geht nur in den anderen Modi.
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Wie vorhin erwähnt ist das leider nur vorerst einigermaßen unterhaltsam. Schon nach einer Handvoll Disziplinen stellt sich die Routine ein: Zum Trainingsgelände laufen, die Disziplin genannt kriegen, und sie solange spielen, bis man es geschafft hat, auf Platz 1 gekommen zu sein, dann die nächste Disziplin genannt kriegen, und so weiter... Hinzukommt, dass alle Charaktere, denen man begegnet, völlig gleich daherreden, egal, ob es Yoshi, Peach, Sonic oder oder oder ist. Immer dieselben Sätze in leicht abgewandelter Form ("Gehe als nächstes daundda hin!", "Trainiere Disziplin XY fleißig, um gut zu werden!", "Du hast keine Chance gegen mich!").
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Die Outfits könnten hierbei zwar durchaus Abwechslung einbringen, doch ist selbst das Kaufen und Umziehen immer mit Hin- und Herlaufen durch die Copacabana sowie das Aufrufen von Menüs und Untermenüs verbunden: Es geht nicht flüssig von den Fingern, ist eher umständlich. Zumal es durchaus häufiger ohne spezialisierte Outfits geht, sobald man den Dreh raushat. Was mich zum nächsten Punkt bringt.
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Die übrigen Spielmodi sind allesamt um die minispielartig aufgebauten Disziplinen herumgestrickt. Man spielt allein gegen CPUs und/oder im Multiplayer für bis zu vier Personen. Die Disziplinen sind, wie bereits erwähnt, soweit ordentlich in Szene gesetzt und die Bedienung ist an und für sich auch okay, doch dauert es manchmal, bis es klick macht, weil das Spiel sich einfach nicht ausreichend verständlich erklärt. Beim Speerwerfen etwa bekommt man zuerst immer angezeigt, in welchem Winkel man gleich abzuwerfen hat, wenn es perfekt werden soll, dann muss man auf dem Touchscreen hin- und herschrubbeln, bis man die gewünschte Geschwindigkeit erreicht hat, und dann muss man im richtigen Moment den eben genannten Winkel per Strich auf dem Touchscreen draufmalen. Ist eigentlich simpel, aber man muss es eben erstmal begreifen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich zum Beispiel kapierte, dass ich bei der Anzeige für den perfekten Winkel nichts tun kann, außer hingucken und einprägen. Beim Abwurf ist es ähnlich, einen Strich einzuzeichnen ist nicht weiter schwer, wenn man denn verstanden hat, wie er in Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016 zu machen ist, wenn man nicht gegen die Anderen total abstinken will. Die ersten 10 Versuche gingen jedenfalls erstmal kräftig daneben, weil ich immer übertrat, und die nächsten 10 gingen daneben, weil ich nicht einmal halb so weit warf, wie meine Gegner.
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Natürlich ist war dies ein extremes Negativbeispiel. Das Gros der Disziplinen ist wesentlich leichter verständlich. Trotzdem brauchte es auch bei simplen Vertretern wie dem 110m-Hürden-Lauf 2-3 Versuche, bis ich als Erster durchs Ziel kam. Denn wenn man richtig Vollgas geben will, kriegt man es jedenfalls nicht hin, den 3DS auf herkömmliche Weise in beiden Händen vor sich zu halten, weil man im Leben nicht schnell genug auf der einen Taste herumhämmern/-schrubbeln kann, während man mit der anderen immer mal wieder einen Hürdensprung machen soll. Da ist Kreativität und nicht selten auch Akrobatik gefragt. Andere Disziplinen sind mir doch etwas zu gefährlich für meine 3DS-Hardware und darum verliere ich sie ganz gern. Warum zum Henker soll ich mein Circle Pad wie wahnsinnig im Kreise drehen müssen? Da ist doch schon vorprogrammiert, dass das Teil bald draufgeht.
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Löblicher sind da schon die komplexeren Ausnahmen, wie Rugby oder Golf. Hier kommt es nicht bloß auf sekundenandauerndes Volle-Pulle-Gas-geben an, sondern man spielt mehrere Minuten und kann Taktik und/oder Überlegungen einbringen, wie jetzt vorzugehen ist. Dennoch sollte man hierin jetzt nicht sein Heil sein. Denn, ja, ok, sie sind soweit gut umgesetzt und bergen anfänglichen Spaß in sich, doch für echt ausgeklügelte Partien langt es auch wieder nicht.
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amiibos werden ebenfalls unterstützt, doch sie machen nichts weiter, als die spielbaren Charaktere etwas aufzupowern. Online ist auch vorhanden, dient aber leider nicht dem tatsächlien Online-Multiplayer, sondern lediglich dem Abfragen der Online-Highscore-Listen. Und erneut wird das nicht automatisch gemacht, sondern pro Disziplin muss man stets einzeln anfordern, dass die Highscores abgerufen werden - was dazu noch je bis zu 15-20 Sekunden dauern kann. Umständlicher geht es kaum.
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FAZIT
Man hätte sich, ist jedenfalls meine Meinung, lieber auf die Disziplinen Fußball, Rugby, Volleyball und Golf stürzen sollen, vielleicht noch Tennis dazu, das alles richtig fett mit Gameplay-Tiefgang, Optionen, Arenen, Items und dergleichen aufbrezeln, garnieren mit Online-Gameplay, als Kirsche auf der Torte die Charaktere aus den Welten von Mario und Sonic und fertig wäre ein granatenmäßiger Hittitel gewesen. ...und die Olympia-Lizenz hätte man sich schenken können, denn Reihen wie Mario Football oder Mario Golf zeigen ja, WIE man das zu machen hat. Stattdessen kriegen wir leider nur ein bloß zu geringen Teilen akzeptabel gutes Spiel.
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Mal ernsthaft, liebes Entwickler-Team: Ihr betreut diese Spielreihe jetzt schon seit Jahren und trotzdem kriegt Ihr's einfach nicht gescheit auf die Kette. Nur "ganz okay" langt einfach nicht. Für'n Zwanziger wär's in Ordnung, aber nicht zum Vollpreis.
Jörg Singleplayer: 61%
Multiplayer: 65%


Verfasst von Jörg am 13.04.2016,
bemustert durch Nintendo
für bis zu 4 Person/en
Release am 08.04.2016