Cover: Nintendo Pocket Football Club22 Leute rennen hinter einem Ball her
Dieses Mal seid ihr allerdings nicht aktiv einer der Ballrenner, sondern dürft das ganz gemütlich von euren Stühlen aus betrachten und sagen, was Sache ist! Nintendo Pocket Football Club ist nämlich kein Taschenfußball, sondern ein Fußball-Manager der etwas anderen Art. Der Entwickler des Spiels, Hiroyuki Sonobe, wollte eine Mischung aus Manager für jederman und Action auf dem Bildschirm zaubern, und ob ihm das gelungen ist, erfahrt ihr jetzt.

Zu Beginn gibt es natürlich wie erwartet ein Tutorial und eure Assistentin begrüßt euch herzlich. Das schöne an NPFC ist die Gestaltung des eigenen Teams. Somit dürft ihr euch erstmal den Namen eurer Mannschaft aussuchen, ein Kürzel dafür, die Nationalität, das Emblem, die Farben des Emblems und der Trikots für Heim und Auswärts festlegen. Selbst die Namen der einzelnen Spieler sind im späteren Verlauf des Spiels änderbar. Natürlich gibt es von Anfang an etwas mehr Text zu lesen, aber ich rate euch schön, mitzulesen, was die Dame sagt, denn alles wird immer wieder gebraucht. Aber keine Angst, das Fragezeichen ermöglicht euch jederzeit alles im Detail nachzulesen und das ist ebenfalls eine Empfehlung von mir, denn die Basics des Tutorials reichen nicht unbedingt aus, um wirklich alles zu verstehen.

So nun befindet ihr euch in einer Fußballstadt und seht auf dem Touchscreen sechs Bereiche. Einer davon ist der "Uhrturm" welcher als Speicherpunkt dient, dann gibt es das "Trainingsgelände", bei dem ihr Training, Aufstellung und weiteres machen könnt, den Punkt "Verband" mit allen Tabellen und Vereinen im Detail, den "Flughafen" für den Multiplayer bzw. das Drahtlos-Menü. Der nächste Bereich ist die "Geschäftstelle" in der das Teammanagement und sonstige Geldangelegenheiten passieren - und natürlich zuguterletzt das "Stadion", wo die großen und kleinen Spiele ablaufen.
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Keine Müdigkeit vortäuschen
Ihr fangt klein an, als unbekannte Truppe in der Einsteigerliga. Insgesammt gibt es vier Ligen. Nach der Einsteigerliga wäre nachfolgend die Anwärterliga dran, dann die 2. Liga und natürlich die 1. Liga. Auch in drei Cups wird angetreten und zwar dem Verbandscup, Eurocup der Clubs und Weltcup der Clubs. Doch soweit darf man noch gar nicht denken, denn zum Start gibt es erstmal ein Testspiel und hier darf man sich sogleich mit einer der Hauptspielmechaniken vertraut machen: Sobald man das Stadion betritt, gibt es eine Liste von Mannschaften, die gerade Lust haben, gegen euch zu spielen. Ihr habt dabei freie Wahl, wem ihr euch entegenstellen wollt, denn je mehr euer ausgewähltes Manager-Mii während den Spielen am meckern ist, desto mehr Karten bekommt ihr auch. Wo, wie, was... Karten? Wieso sollen gelbe oder rote Karten gut sein??
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Nein, es gibt keine Strafkarten, sondern in NPFC handelt es sich um Trainingskarten. In jedem angetretenen Fußballspiel sammelt ihr einige von diesen Karten, von denen ihr dann bis zu drei Stück bei einem Spieler einsetzen könnt. Diese sind in taktisch, technisch, körperlich und "diverse" unterteilt und es werden Standards, Abwehrkette, Elfmeter, Sandsack, Autogramme trainiert. Natürlich lernt ihr in dem Spiel nicht, wie toll man Autogramme auf dem Touchscreen schreiben kann, sondern jede Karte trainiert bestimmte Fertigkeiten.
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Spielerfertigkeiten sind Schießen, Schnelligkeit, Ausdauer, Technik, Zähigkeit, Sprungkraft und Willensstärke, und sollten dann natürlich je nach Funktion der Spieler trainiert werden. Die Werte gehen von D bis zum spitzenmäßigen S - und wie die Werte bei eurer Mannschaft anfangs aussehen, könnt ihr euch sicher denken, nämlich bescheiden.
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Das Kartensystem ist also ein großer Bestandteil des Spiels und findet ihr gewisse Kombinationen an Karten, entwickeln sich diese zu Spezial-Combos, bei denen sich bestimmte Fertigkeiten stärker weiterentwickeln. Habt ihr diese gefunden, könnt ihr diese jederzeit erneut kombinieren, vorausgesetzt ihr besitzt die richtigen Trainingskarten. Weiterhin ist es möglich den Typ eines Fußballers zu trainieren. Anfänglich sind das alles Allrounder, jedoch stellen sich bei bestimmten Fertigkeiten auch spezielle Typen ein, wie Stopper, Antreiber, Vorbereiter oder Sprinter.
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Während ihr bei jeder Art von Spiel Karten bekommt, sieht es mit dem Ansehen bei euren Fans anders aus. Denn für ein Fußball-Team sind die Fans natürlich ganz wichtig. Spielt ihr also tollen Fußball oder gewinnt ihr, wandert die Prozentzahl nach oben, verliert ihr jedoch ständig, sind die Fans ganz und gar nicht zufrieden und das wirkt sich natürlich auch auf das Gemüt der Spieler aus. Im Stadion könnt ihr euch zwischen "Übungsspiel" und "Freundschaftsspiel" entscheiden. Das Übungsspiel geht nur 45 Minuten, das Freundschaftsspiel aber die vollen 90 Minuten (alles läuft natürlich mit verschnellerter Zeit ab). Das Übungsspiel dient wirklich nur zur Übung, was sich vor allem gegen überlegenere Mannschaften lohnt, denn hier bekommt man Trainigskarten, aber das Ansehen bei den Fans wird nicht beeinträchtigt. Bei Freundschafts- und die Ligenspielen sind eure Fans natürlich mit dabei und unterstützen euch tatkräftig.
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Anpfiff
Jetzt wollen wir mal schauen, wie sich das ganze "spielt". Bevor es losgeht, befindet ihr euch in der Starthalle und könnt, bevor das Spiel beginnt, ein paar Einstellungen vornehmen. Zuerst kann natürlich etwas an den Mannschaftsaufstellung oder den Spielern geändert werden. Aber auch die Formation, vielleicht, ob ihr 4-4-2 mit zwei Stürmern, oder lieber 4-5-1 spielen wollt, ist alles möglich und es muss alles getestet werden, um mit eurem Team die beste Kombination für den Sieg zu finden.
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Zu einem guten Manager gehört natürlich auch die Taktik-Bestimmung. Hier gibt es drei Kategorien, einmal die "Zonen", wo sich die Spieler auf dem Feld aufhalten sollen. Dann gibt es den Punkt "Angriff gegen Verteidigung", spielt man immer nach vorne, mit einer ausgeglichenen Spielweise oder eher eine Abwartetaktik. Als letztes darf man noch "wichtige Gegenspieler" markieren, die es ganz besonders zu decken lohnt. Die Trikotwahl dürft ihr bei Bedarf auch vornehmen und dann geht es zum Anstoß.
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Auf dem oberen Bildschirm tummeln sich die niedlichen Pixelmänner eures Clubs in typischer Fußballmanier. Der Stil ist absichtlich im Retro-Pixel-Look gehalten und er funktioniert wunderbar. Während euer Team spielt, könnt ihr auf dem unteren Bildschirm verschiedene Menüs anklicken. Neben den Mannschaften, Spielern mit Ausdaueranzeige, Spielstand usw., wechselt man in der nächsten Kategorie zur Auswechselbank. Hier können die Positionen der Spieler und selbstverständlich auch Wechsel vorgenommen werden. Anhand der Ausdauer der Spieler, von lila über gelb, bishin zu rot und leer, kann man erkennen, wo es wohl dringend zur Auswechslung kommen sollte.
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Der dritte Bereich zeigt die Laufwege aller Spieler an. Der vierte Bereich dient zur Information und besteht aus vier Tabs. Neben den Statistiken, wie Schüsse aufs Tor, Spielstand etc., werden die Torschützen aufgelistet, erhaltene Trainigskarten angezeigt und wer gerade verletzt ist. Der letzte Bereich zeigt aktuelle Ergebnisse an, damit man sieht, was bei parallel laufenden Spielen so los ist.
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Leider hat man hier als Manager kaum Interaktion. Während auf dem oberen Bildschirm das Spiel automatisch abläuft, kann man auf dem unteren nicht wirklich viel tun. Das wichtigste Fenster ist der Auswechseltab, weil man hier sowohl die Ausdauer der Spieler sieht, also auch geschwind die Spieler mit Y und Wechseln per L Taste auf die Bank austauschen kann und per X bestätigt. Hier haben sich innerhalb der wenigen Zeilen schon drei Negativpunkte des Spiels angesammelt. Zum Einen hätte ich mir als Manager mehr direkte Anweisungen während des Spiels gewünscht - aber auch außerhalb. Selbst die Taktik, Zonen oder wichtige Spieler kann nur verändert werden, wenn jemand eingewechselt wird. Nach diesen beiden Punkten wäre der dritte Nachteil, dass man die Spiele nicht überspringen kann oder zumindest verschnellern.
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Natürlich wollte Mr. Sonobe die Beziehung von uns Spielern zu den kleinen Pixelfußballern verstärken und das hat er tatsächlich geschafft. Es macht unheimlich Spaß seiner Manschaft beim Spielen zuzuschauen und man fiebert wirklich mit. Ich jubel sogar unterwegs, wenn mein Team ein Tor schießt und dann noch gewinnt. Ebenso frustriert und traurig bin ich, wenn das Match nicht so lief wie gedacht, aber was Mr. Sonobe auch im "Iwata asks"-Feature meinte, er wollte es so gestalten, dass man immer wieder den Mut fasst, sein Team weiter zu trainineren und auch eine Niederlage nicht so frustet, dass man keine Lust mehr hat. Aber ab und zu möchte man doch ein Spiel etwas schneller genießen und kann die 10 Minuten in Echtzeit leider nicht überspringen.
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Ein schönes Feature dagegen ist das Speichern der Wiederholung, hier ist es möglich, 6 Tore oder 4 Komplettspiele zu speichern, die man sich dann immer wieder anschauen kann.
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Kommen wir zum Geschäft
In Fußball sind die Spieler wichtig und ab und zu kommt es ja auch zu Verletzungen. Dies kann im Training passieren oder auch im Spiel. Vor allem wenn die Spieler erschöpft sind, was sich als grüne, gelbe oder rote Anzeige erahnen lässt. Deshalb ist es wichtig in der Geschäftstelle neue Spieler einzukaufen. Diese können gerade ohne Manschaft sein, aber auch von anderen Teams weggekauft werden. Die Aufmachung ist übersichtlich, so ist es möglich in Positionen ST, MF, VT und TW einzuteilen und die Löhne im Blick zu haben. Vertragsschluss nicht vergessen.
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Nach jeder Saison kann es natürlich noch zu höheren Löhnen bei Topspielern kommen, aber das Budget wird je nach Sieg ebenfalls erhöht. Jeder Spieler bietet ein gewisses Potential. Diese Potential-Leiste ist auch besonders wichtig beim Trainieren, denn bei Spielern mit hohem Potential, klappt der Ausbau ihrer Fähigkeiten besser.
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Ansonsten gibt es leider nicht mehr viel zu managen. In NPFC geht es ausschließlich um das Trainieren mit den Trainingskarten und dem Ausprobieren verschiedener Spieltaktiken, etwas Spielereinkauf, und natürlich das Anschauen der Spiele inkl. Erhalten neuer Karten.
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Straßenfußball
Der Multiplayer und die Onlinefunktionen haben aber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Mit Freunden ist es möglich, Spieler zu transferieren oder sein Team gegen das Team des Freundes antreten zu lassen. Per StreetPass darf man sich fremden Teams stellen, jedoch mit einer Einschränkung, dass hier alles vollautomatisch abläuft. Die Spieleinstellungen werden vorher festgelegt und mit diesen Konditionen spielt sich das Spiel inkl. Auswechslungen ganz allein. Aber es ist wieder möglich, sich ein Team auszusuchen, falls mehrere vorhanden und ob es ein Übungs- oder Freundschaftsspiel werden soll. Trainigskarten gibt es erfreulicherweise dazu.
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Die SpotPass-Funktion soll bei Nintendo die Kassen klingeln lassen, denn hier gibt es spezielle Schwerpunkt- und Szenarioteams, die es bei Erscheinen des Spiels zu kaufen gibt. Damit könnt ihr je nach Spezifizierung eure Defizite eures Teams konkret trainieren.
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Die offenbar interessanteste Funktion, die es auch erst ab Erscheinen des Spiels geben wird, sind Ranglistenturniere, die Nintendo veranstalten möchte. Die Ergebnisse werden auf der NPFC-Seite präsentiert.
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Prince Charming
Das gibt es keinen Zweifel, die Pixelfußballer haben ihren Charme. Der Stil passt wunderbar zum Spiel und man findet hier und da immer wieder kleine, aber feine Details. Wenn eure Mannschaft nach einem Tor zujubelt, werden riesige Flaggen mit eurem Emblem geschwenkt und Motivationsrufe geträllert. Auf der Tribüne sind Banner mit SCHIIIEEEEß oder "Schiri, Telefon" und andere witzige Sachen zu sehen. Bei Grätschen, Tricks der Spieler und hechtenden Kopfbälle sind die Animationen niedlich umgesetzt worden. Der 3D-Effekt wurde ebenfalls klasse gemacht und zeigt bei voller Regler-Stufe, wie es sein sollte. Mit dem Stick darf man sich eine komplette Übersicht vom Spielfeld verschaffen. Per R-Taste schaltet ihr dann zwischen allen Namenanzeigen, sieht sehr chaotisch aus, oder der Standard-Einstellung um, mit Namen des aktuellen Ballbesitzers.
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Was andere Manager oder Fußballspiele interessant gemacht hat, waren die Originallizenzen. Somit wusste man, wenn man eine gewisse Mannschaft kauft, welche Spieler dabei sind oder hat den Reiz mit seiner Lieblingsmannschaft zu spielen. Bei NPFC sind die Namen allerdings alle fiktiv, wenn auch mal einige Namensähnlichkeiten auffallen, wie z.B. Messi als Messina auftaucht. Diese Lizenzabwesenheit, könnte natürlich bei vielen Fußball oder Manager begeisterten an Reiz verlieren, gerade beim Kauf von Spezial-Teams, zumal der Preis von 14,99 EUR für einen derartigen eShop Titel schon relativ hoch ist.
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Die Soundkullisse ist definitiv stimmig und die Musik tut was sie soll, nicht mehr und nicht weniger.
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FAZIT
Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass ich bei dem Spiel immer dasselbe im Kreis mache: Spieler trainieren, Spiele bestreiten, Spieler trainieren, Spiele bestreiten - und es ist tatsächlich so. Auch wenn es nicht wirklich viel Abwechslung gibt, motivert es dennoch ungemein, seine Spieler zu verbessern und sie dann spielen und gewinnen zu sehen. Es macht Spaß, sein Team zum Sieg zu verhelfen und man leidet mit, wenn es auch mal schief geht. Die Frage ist eher, reicht mir das für einen Fußball Manager? Möchte man nicht mehr Interaktion haben und viel mehr tun?
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Für eine vollwertige Fußball Simulation kann das Spiel mit Sicherheit viel zu wenig, denn es beschränkt sich nur auf einen bestimmten Teil und das funktioniert ganz gut. Auch, wenn ich FSK 0 etwas zu niedrig einschätze, wird sich doch jeder Casual-Gamer zurechtfinden, aber die Core-Gamer noch den Reiz der Ligen-Aufstiege und natürlich Online-Ranglisten ausschöpfen können. Sobald die Spieler besser trainiert sind und es mit den Aufstiegen in höhere Ligen klappt, wird das Spiel auf jeden Fall unterhaltsamer.
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Ob der Umfang jedoch für den stolzen Preis von 14,99 EUR ausreicht, soll am besten euer Manager entscheiden.
Dennis Singleplayer: 83%
Multiplayer: 77%


Verfasst von Dennis am 10.04.2014,
bemustert durch Nintendo
für bis zu 2 Person/en
Release am 17.04.2014