Bonus-Level wären wie Urlaub, wenn...

Kolumne vom 11.04.2013, 06:50

Was wäre, wenn das Leben wie in einem Videospiel wäre? Habt Ihr Euch das schon mal gefragt? Was wäre anders als jetzt? Was wäre besser, was wäre schlechter?

Das Coolste wäre, dass man eigentlich nie sterben würde. Man hat immer mehrere Leben, in Zweifelsfalle gibt es Continues; da muss man dann zwar einen ganzen Lebensabschnitt wiederholen, aber hey, auch jetzt gibt es bereits Déjà-vus, wo wäre der Unterschied, wenn wir einiges also mehrere Male erleben würden!? Und ganz ehrlich, einiges würde sich lohnen, zu wiederholen. Der erste Kuss zum Beispiel, oder das erste Mal auf ein Konzert gehen.

Andererseits: Das ganze Leben wäre irgendwie gleich - denkt nur mal an ein gutes Jump 'n Run. Jeder Lebensabschnitt fände nur woanders statt, aber im Grunde täte man stets dasselbe. Doch drehen wir das mal um: Wieviele Menschen gehen tagaus, tagein zur Arbeit, verlassen für 6-10 Stunden das Haus, tun in der Zwischenzeit immer dieselben Handgriffe und sagen dabei dieselben Floskeln? Macht es da einen Unterschied, ob man ständig dasselbe täte, wenn das Leben wie in einem Videospiel wäre?

Außerdem: Die Bonus-Level könnten dann sowas wie der Urlaub sein. Nicht zu vergessen, dass man in Videospielen oft auch sowas wie eine neue Schwierigkeitsstufe oder einige Bonuslevel bekommt - sowas gibt es im realen Leben leider nicht. Wenn man damit fertig ist, kommt ja offenbar nichts mehr (da ist man sich ja noch nicht so ganz sicher), doch bei einem Videospiele-Leben wüsste man es: Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod, es geht weiter. Und wir sammeln Erfahrung für das, was danach kommt (schwerere Gegner usw.). Auch die Frage nach einem Gott wäre nun unwiderruflich beantwortet: JA, den gibt es und er will nur unser Bestes; schon auch in seinem eigenen Interesse, und alles, was uns passiert, ist zwar in gewissem Sinn vorherbestimmt, wird aber von diesem Gott beeinflusst. ...und ein Satz wie "Die Wege des Herrn sind unergründlich" bekäme eine völlig neue Perspektive, denn man wüsste endlich definitiv, dass dem so ist und das alles, was passiert, von ihm gewollt wäre.

Auch kleine Dinge wären kein Problem mehr: Nie mehr Zähne putzen, nie mehr rasieren, nie mehr alle 28 Tage Bauchweh, nie mehr zur Schule gehen müssen, sich nicht mehr mobben lassen müssen. Wäre das nicht cool? Wir würden uns nur noch um die allerwichtigsten Dinge im Leben kümmern - ja, sogar Schlafen oder Pinkeln müssten wir äußerst selten - oder hat jemand beispielsweise Samus, Mario oder Sam Fisher jemals austreten sehen?

Ebenso wären Dinge wie Korruption und Verschlagenheit von Staatsorganen nicht mehr existend. Peach zum Beispiel. Sie grinst zwar relativ debil, aber diese Dame ist ja gar nicht in der Lage, sich auch nur ansatzweise hinterhältig zu benehmen. Sicher, was die sonst so treibt, weiss eigentlich niemand, doch es muss ja einen Grund geben, warum das ganze Pilzkönigreich sie verehrt und warum Mario sie immer wieder und wieder rettet - das muss ja schließlich auch was mit Sympathie zu tun haben. Ähnlich ist es auch mit Prinzessin Zelda: Was wissen wir eigentlich wirklich über sie? Eigentlich nicht wirklich viel. Sie hat magische Fähigkeiten und andauernd muss Link für sie irgendeinen Mist wieder gradebiegen - aber sie wird geliebt und steht für Güte und Gerechtigkeit schlechthin.

Hier hätten Personen wie Peach und Zelda also irgendwie viel Bezug zur Realität: Niemand weiss, wer sie an die Macht wählte, keiner will's gewesen sein, niemand hört zu, wenn die was sagen, keiner weiss, was sie sagen, niemand weiss, was genau sie mit ihrer Macht anstellen, doch in jedem Fall müssen andere ihre Launen ausbaden und sie retten. Und obwohl sie es wieder und wieder und wieder tun, werden sie trotzdem immer wieder von Neuem gewählt.

Kriege gäbe es aber leider immer noch - gibt ja genug Games, die dieses Thema als Leitmotiv nahmen und wo kräftig von der Uzi Gebrauch gemacht wird. Und auch bei so harmlosen Games wie Super Mario gibt es zumindest Bowser, der seine Folgschaft gängelt und ihnen für sein persönliches Versagen ständig die Schuld gibt - obwohl: auch das passt eigentlich mehr zur eben genannten Politik, denn immer waren es die Anderen! ;) Aber wie dem auch sei: Solche Dinge gäbe es also auch weiterhin - schade eigentlich. Doch bei all den tollen, positiven Dingen, die so ein Leben vorzuweisen hätte, würden solche Kleinigkeiten nicht ins Gewicht fallen. Während sich die anderen gegenseitig ärgern, freue ich mich halt einfach meines Lebens.

Auch wäre das Leben nach dem Tode, oder viel mehr: Produktlebenszyklus, viel toller. Denn nach 20-30 Jahren wird alles das, was man getan hat, gewertschätzt und man gilt als Klassiker. Wäre es nicht super, in einem Atemzug mit Mega Man, Simon Belmont oder Link genannt zu werden? "Ja, damals, der Hans Müller, man, das waren noch Zeiten, muss man unbedingt kennen!"

Und überhaupt wäre das Ableben viel geiler als in der Realität. Man wird älter, zerbrechlicher und wenn man Glück hat, ist man in den letzten Momenten von seinen Liebsten umgeben. Doch im Videospiel kriegt man immer eine Auszeichnung, und sogar eine laaaange Liste mit Namen von allen, die am eigenen Leben irgendwie involviert wären. Man tritt ab, wenn man in seiner Topform ist, auf dem Höhepunkt, bestens ausgerüstet, viel Erfahrung gesammelt und nebenbei hat man seine Nemesis besiegen können - klingt doch viel besser, als fortan einsam vor sich hinvegetierend immer nur aus dem Fenster zu starren und die guten, alten Zeiten herbeizusehen - sofern man dazu überhaupt noch in der Lage ist, oder?

Doch dann geht es ja noch weiter. Man bekommt am Ende das Mädchen - oder den Jungen! -, lebt glücklich bis an das Lebensende, das in der Regel aber eh nie eintritt, denn wie oft ist am Ende der Held gestorben, als die Credits liefen? Und ab und zu wird man nochmal für ein kleines Abenteuer abberufen, um danach aber auch gleich wieder in Frieden weiterzuleben, während all die Anderen davon schwärmen, was für ein famoses Leben man lebte.

Was erwartet uns stattdessen in der Realität? Geschirr spülen, Einkaufen und das Fernsehprogramm. Wäre es nicht schön, wenn das Leben mehr zu bieten hätte als das? Ich möchte wie Ryu gern um die Welt reisen, oder wie Simon Belmont mal ein echtes Schloss bei Nacht erleben, während draußen Blitze zucken, in den Weltraum fliegen, wie Samus Aran, so hilfsbereits sein wie Super Mario, so mutig wie Link, nützliche Dinge erfinden, wie Professor I. Gidd...

Vielleicht würde dann ja auch von mir mal jemand schwärmen und bekunden, welch großes Leben ich lebte? Und wenn ich richtig gut war, kriege ich ja vielleicht sogar noch 'ne Fortsetzung, wer weiss...!? Naja, ich zock jetzt erstmal 'ne Runde Mega Man. Mensch, was der immer für Sachen erlebt. Ich wünschte, ich wäre so wie er... ...hmmm... ...was Oma wohl gerade macht?

TheUnknown *, 6.889 Zeichen •

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