Nur die Harten komm' in' Garten!

Kolumne vom 28.04.2013, 07:16

Die Konsole wird angeschaltet, ein buntes Zucken auf dem Fernsehbildschirm, sofort startet die Titelmelodie und das Titelbild ist zu sehen. Ich drücke Start, wähle einen Save-Slot, gebe meinen Namen ein - und ich bin plötzlich ganz allein! Im Titelbild steht wenigstens noch, dass ich Start drücken soll und bei der Auswahl des Save-Slots und der Namenseingabe steht ebenfalls, was ich tun muss. Aber jetzt, gleich zu Spielanfang - Informationsebbe! Mein Charakter steht da, in der Mitte des Spielfelds, tut nichts, steht einfach nur so rum und ich weiss nicht, was ich tun soll. Ah, das Steuerkreuz bewegt den Charakter. Aber auf A und B passiert gar nichts. Es gibt sogar einen Statusscreen, aber der ist komplett schwarz und hat ansonsten nur nichtssagende Markierungen und inhaltslose Felder zu bieten. Kein Wunder, ich habe vor 30 Sekunden erst angefangen, da kann ja noch kein Status sein... Was soll ich nur tun? Blödes Spiel!

Ah, da ist ja eine Höhle oder sowas in der Art, da laufe ich mal hin. Plötzlich steht da ein alter Mann vor mir, ich soll das Schwert an mich nehmen, ansonsten sei es zu gefährlich für mich. Ich nehme das Schwert und verlasse die Höhle - und nun? Ich habe ein Schwert, das auf A reagiert, aber ansonsten ist nichts anders als vorher. Ich laufe hierhin und dorthin. Allmählich verstehe ich das Spiel! Ich wandere herum und besiege einige Gegner. Die roten sind nach einem Treffer erledigt, die blauen nach zwei. Ab und zu erhalte ich Diamanten oder sowas, die ich aufsammle und am oberen Bildschirmrand wird angezeigt, wieviele Diamanten ich bereits habe: ganze 23; gar nicht übel. Aber was soll ich eigentlich machen!? Die ganze Zeit nur Diamanten sammeln und Gegner besiegen? Blödes Spiel!

Außerdem bin ich auch schon sechsmal gestorben! Die Gegner sind viel zu schwer, da zu schnell - und schießen können sie auch -, und ich fange immer wieder neu vor dieser blöden Höhle an, die Gegner sind auch alle wieder da und ich muss ständig dasselbe tun und komme nur sehr langsam voran. Wo soll ich hin, was soll ich tun? Was ist die Geschichte? Wer ist der Endgegner, falls es überhaupt einen gibt? Habe ich Verbündete oder ist die ganz Welt nur voller Feinde? Ich hab die Nase gestrichen voll - ich schalte das Spiel aus, es ist blöd!

Warum ist das Modul eigentlich goldfarben? Alle anderen Spiele, die ich habe, sind grau - nur das hier nicht. Es ist nicht blau, nicht grün, nicht rot oder schwarz - sondern gold! Das muss doch für was Exklusives stehen. Ausgerechnet gold - besonderer geht's kaum. Der Hersteller muss sich sehr sicher sein, dass dieses Spiel ganz, ganz toll ist, wenn es sogar in gold daher kommt. Aber wieso wird mir nicht erklärt, was ich machen soll? Warum ist es sogar am Anfang so übertrieben schwer? Und wozu? Blödes Spiel!

Tja, liebe Leute! Kommt Euch das bekannt vor? MIR schon! Natürlich spreche ich von "The Legend of Zelda", das allererste Zelda-Spiel, das damals für das NES erschienen ist. So waren die Spiele damals. Anmachen, Start drücken, los geht's - kein Schnickschnack. Erklärungen? Häh, wozu!? Tutorials? Lachhaft! Ein leichterer Schwierigkeitsgrad? Ja, den gab es manchmal, aber sogar DER war nicht von Pappe. Und beim eben erwähnten Erst-Zelda kam man teils stunden- oder gar tagelang nicht weiter, weil man nicht gleich jeden Hinweis von diversen NPCs verstand, die erklärten, wo ungefähr dies und das zu finden sei. Wie ich schrieb: SO war das damals! Man verstand die Spiele durch Ausprobieren und man las die Spieleanleitungen meistens erst, wenn man fast durch war und entdeckte dann: "Ach, es gab noch eine Funktion, mit der ich dasunddas machen konnte? Und ich Depp habe ich das immer soundso gemacht - ich hätte es etwas einfacher haben können!"

Es gab kein Internet, keine Tutorials, kein Action Replay, kein Game Genie, keine geheimen Super-Duper-Cheats - es gab gar nichts! OK, Button-Code-Cheats gab es mit der Zeit auch, aber sie waren nicht sehr verbreitet und selbst dann waren die Games immer noch knüppelhart! Man hatte nur das Modul und in der Anleitung kurz und knapp (und ich meine WIRKLICH kurz und knapp!) die Story des Games, mitsamt einer kleinen Übersicht für die Buttonbelegung! Und natürlich war der Schwierigkeitsgrad beinahe immer mächtig gesalzen! Und heute? Überall Hinweise, Pfeile, Texttafeln, bunte Markierungen oder fliegende, weisse Pünktchen mit Flügeln, die einem ein Schnitzel ans Ohr schwatzen! Guck mal hier! Geh mal da rein! Vielleicht solltest Du dort mal eine Bombe hinlegen! Schau mal, da ist ja was, das kannst Du bestimmt mit dem Gegenstand von vorhin verbinden! Guck mal, da ist ja ein kleine Öffnung, vielleicht ist dahinter ein Eingang?

Ihr wisst, von wem die Rede ist: Navi. Und Ihr Name ist Programm! Nur, dass selbst Navis für's Auto nicht SO redselig sind. Stellt Euch vor, Ihr würdet während der Fahrt nicht nur hören, wo Ihr als nächstes abbiegen müsst, sondern auch noch: Guck mal, da ist ein großes, rundes Ding, ob man damit das Auto eventuell lenken kann!? Und da, schau mal, dieser komische Knüppel, damit kann man bestimmt auch rückfährts fahren! Oh, diese rote Lampe da über Dir, vielleicht solltest Du am besten warten, bis die Lampe grün wird?

Wäre das nicht grauenvoll? Natürlich wäre es das! Doch es ist nicht nur die Fee Navi, sondern es sind die meisten Spiele heute. Überall wird alles haarklein erklärt. Für jede noch so nichtige Aktion muss man 2 Minuten lang ein Tutorial abschliessen. Tatsächlich gab es sogar schon Spiele, die wollten, dass ich nach links und rechts laufe, oder auf eine kleine Plattform springe. Und bis ich das nicht getan habe, ging es auch nicht weiter. Doch, in Ordnung, ein Tutorial kann manchmal sinnvoll sein, immerhin gibt es oft mehr als nur Laufen und Hüpfen und dann ist es gut, wenn man weiss, welche Möglichkeiten man hat. Aber heutzutage wird einem ja schlichtweg alles abgenommen. Selbst kreativ sein kann man kaum noch. Sicher, in Super Mario gibt es eine Menge Spieler/innen, die noch sehr viel gekonnter und gewagter als ich durch die Level springen, da mache ich mir nichts vor. Bei Mario Kart ist es auch so. Ich bin sicherlich erfahren und habe 'ne Menge Skill, wie man ja heute sagt, aber es gibt einige, die sind trotzdem besser.

Aber ich kriege trotzdem keinen Weinkrampf, wenn ich mal nicht weiterkomme. Passwörter? Spielstände? Dass ich nicht lache! Ich brauchte früher nicht mehr als 3 Leben und vielleicht 2-3 Continues. Ich kam immer irgendwie ans Ziel! Egal wie lange es dauerte, ich hab's immer irgendwann geschafft. Ein Spiel wie Mega Man 3, es hat nicht wirklich viele Level und für sich genommen sind die alle relativ kurz, aber verflixt nochmal, was bin ich da oft draufgegangen. Continue folgte auf Continue! Aufgeben kam nicht in Frage. Im Internet gucken, wie es gemacht wird? Hahaha! Guter Witz! Welches Internet!? Es gab keins! Da konnte man Wochen an einem Mega Man 3 sitzen und die Bewunderung war auch da, wenn man auf dem Schulhof sagte: Ich habe gestern endlich Dr. Wily besiegt! Und dann sezierte man jeden Schritt. Welche Taktik und welche Waffe... Welche sind die gefährlichen Stellen? Und und und...

Doch heute? An jeder Stelle wird alles fünfmal erklärt, alle 5 Minuten wird zwischengespeichert, für die ganz Unfähigen gibt es nochmals obendrauf einen besonders vereinfachten Spielmodus; oder der Computer spielt selbst das Spiel durch...

Aber wie komme ich eigentlich auf all das? Ganz einfach. Zum Einen hat Internet-Blogger Hughes Johnson einige sehr humoristische Grafiken erstellt, die zeigen, wie NES-Spiele sehr wahrscheinlich heute aussähen.

Und zum Anderen erklärte Capcoms Rey Jimenez in einem Interview mit Silocinera, dass bei den Probespielen zum wiederbelebten NES-Klassiker DuckTales Remastered, das bald (wieder-)veröffentlicht wird, die Kids mit dem alten DuckTales-Gameplay-Konzept von heute kaum was anfangen könnten. Geheime Wege finden, wenn man einfach mal probiert, durch eine Wand zu gehen, das Gameplay ist allgemein zu fordernd, das müsse man ihnen extra erklären, pipapo.

Und da dachte ich, ich greife beides mal auf und verfrachte das in eine Kolumne. Und um es vorwegzunehmen: Ich liebe nicht nur Retro-Games wie A Link to the Past oder Mega Man 3. Ich liebe genauso Super Mario Galaxy 2 oder LEGO City Undercover. Man sollte also meine vorangegangenen Ausführungen nicht ZU ernst nehmen! ;)

Dennoch muss ich zugeben, dass viele Spiele heute in der Tat eher etwas einfacher und (viel!) selbsterklärender sind. Im Besonderen wird quasi künstlich die Spielzeit verkürzt. Denn es ist ja wirklich so, dass dauernd zwischengespeichert wird, sodass man einen Level oft immer nur einmal spielt, abgesehen von den Rücksetzpunkten, wenn man es doch mal vergeigt. Damals gab es keinen Rücksetzpunkt, oder höchstens zwei pro Level. Heute gibt es wesentlich mehr! Alles wird dauernd gespeichert. Sicherlich sind Quick Saves sinnvoll, oder das Speichern nach einem (längerem) Kapitel ist es ebenfalls. Auch ist das eine tolle Sache für Games wie Mario Party, wo man dann jederzeit unterbrechen und später weitermachen kann - aber bei einem Mega Man würde es mich schon anätzen, wenn ständig zwischengespeichert würde.

Nun könnte man ja sagen: Verzichte halt auf das Zwischenspeichern und schalte es in den Optionen ab, wenn das möglich ist. Ja klar, aber erstens ist das fast nie möglich und zweitens nutzt man sowas automatisch, wenn es angeboten wird.

Darum meine Frage: Sind die Spiele von heute einfacher als damals? Ich meine nicht Güte, den "Spielspaß", sondern die Schwierigkeit.

Klaro, ich weiss, es gibt auch heute viele Games, die sind hart, gar keine Frage. Aber trotzdem meine ich, sind wir Gamer/innen weich geworden. Save-States, unendlich Continues, Auto-Play-Features, Hinweise auf jeden noch so kleinen Unfug.

Geht Euch Navi auch so auf den Senkel? Sind die andauernden Hinweise eine Unverschämtheit, eine Beleidigung der Intelligenz? Sind Checkpoints und ständiges Zwischenspeichern ein Segen? Verkürzen die nur künstlich die Spielzeit? Sollten sie besser nur eine Option sein? Und würdet Ihr dann auf sie verzichten? Was ist anders als damals? Was ist geblieben? Sind die Spiele von damals wirklich schwerer?

TheUnknown *, 10.271 Zeichen •

Sind Videospiele heute einfacher als damals?

0,00%Ja, alle!
80,00%Ja, die meisten schon!
6,67%Ja, einige durchaus!
6,67%50-50, kommt auf das Spiel an!
6,67%Nein, die meisten nicht!
0,00%Nein, gar keins!
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Kommentare

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