Patchwork-Gamer

Kolumne vom 02.12.2012, 09:45

Vieles hat sich als Thema für diese Kolumne angeboten, denn die letzten Tage brachten jede Menge Wii-U-Meldungen hervor, die interessant zu diskutieren wären; Freezes, riesige und ewig dauernde Updates, Konsolen, die plötzlich keine Spiele mehr abspielen, angeblich total langsame Hardware und so weiter und so fort.

Startschwierigkeiten will natürlich niemand: weder der Kunde, noch der Publisher. Aber irgendwie ist das auch alles schon Dutzende Male durchgekaut worden, was sollte man dazu noch groß sagen?

Ganz totschweigen wollte ich das Thema aber auch nicht, schließlich ist es nunmal eine ärgerliche Sache für die Kunden, wenn ein Gerät nicht 100%ig einsatzbereit ist; ist ja schon schlimm genug, dass man überhaupt patchen muss. Hat jemand von Euch schon mal seinen CD-Player geupdated oder seine Brotschneidemaschine? Seinen Kühlschrank, oder seinen Kugelschreiber? Warum soll man es als Kunde also seine Konsole updaten müssen? Sollte man nicht verlangen können, dass das Ding einfach läuft, und fertig?

Ja sicher, heute sind die Zeiten andere als damals. Es gab kein Internet, schon allein deshalb waren viele Updates überhaupt nicht nötig, weil es ja keine Sicherheitslücken gab, durch die jemand eingreifen konnte, oder es gab keine Möglichkeiten, von außen mit Tools am Gameplay herumzufummeln, sodass die anderen Spieler/innen am anderen Ende der Leitung unfair benachteiligt wurden.

Trotzdem ist es doch seltsam, oder? Wir scheinen es mittlerweile als total selbstverständlich anzusehen, einen frisch installierten Computer, eine zum ersten Mal angeschlossene Konsole, ja sogar einen gerade erst verkabelten Fernseher erstmal zu updaten.

Es spricht ja nichts dagegen, wenn man im Laufe der Zeit kostenlos zufällig entdeckte Fehler beseitigt oder Zusatzfunktionen bekommt, und das sogar bequem von zuhause aus. Aber man kann heute ja wohl kaum noch von ein paar zufällig entdeckten Fehlern sprechen.

Ich erinnere mich SEHR gut daran, wie es damals schon für DOS-Spiele natürlich auch einige Patches gab, aber die darin gefixten Fehler traten bei mir NIE auf. Natürlich installierte ich den Patch trotzdem, wieso auch nicht, aber ich hatte, obwohl ich Aberdutzende Stunden damit verzockt hatte, nie auch nur den geringsten Patzer entdeckt, der den Patch wirklich nötig gemacht hätte. Außerdem waren Patches eine Seltenheit, sie kamen nicht bei jedem Spiel und nicht alle paar Tage vor.

Heute aber kauft man ein Spiel und muss es erstmal umfangreich patchen. Zwei Wochen später schon wieder, dann vier Wochen später erneut und so weiter. Selbiges gilt für Konsolen und Betriebssysteme von Computern. Wie ich bereits erwähnte: ich verstehe und weiss, dass es immer irgendwie einige Doofis gibt, die versuchen, Sicherheitslücken auszunutzen, um Geräte zum Absturz zu bringen, oder um Daten zu löschen, oder um beispielsweise die Logindaten für den Bankaccount zu hacken. Das ist heute eben so und es ist gut, dass man durch Patches und Updates etwas dagegen unternehmen kann.

Aber - und DAS ist das Ärgernis! - die allermeisten Patches, gerade im Videospielesektor, betreffen eher selten Sicherheitslücken, sondern doch wohl eher den klassischen Bug. Und habt Ihr Euch schon mal die Liste der sogenannten Changelogs (Tabelle mit den Veränderungen des Patches) angeguckt? Das sind nicht 5-6 Punkte, nein, haufenweise wurden da Dinge bereinigt. An Stelle A ging es nicht weiter, Funktion B war unzuverlässig, Spielmodus C war zwar schon intergriert, aber wegen zu vieler Fehler noch inaktiv, Level D startete immer wieder von Neuem, wenn man an Punkt E Aktion F aufsührte...

Und da frage ich mich: Warum kann ich als Kunde nicht ein bereits fertiges Produkt bekommen, sondern muss es erst noch ausgiebig patchen, damit es nicht andauernd hängen bleibt, seine Savestates verliert, oder der Multiplayer nicht ständig laggt? Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Patches kostenlos und oft unkompliziert zu installieren sind, aber es geht mir vor allem um die Haltung der Publisher.

Man programmiert ein Spiel oder eine Konsole nur noch soweit fertig, dass es im Groben funktioniert und stellt es dann schnell in den Laden. Dann progammiert man weiter und bietet mehrere Patches an, damit der Kunde nach ca. einem halben Jahr eine (meistens!) völlig intakte Version bekommt. Wieso können die nicht das Spiel oder die Hardware einfach direkt von Anfang erstmal richtig fertigstellen und erst DANN das Ding in die Geschäfte verfrachten?

Warum mich das stört? Es ist doch schließlich kostenlos? Ja sicher, eine Gebühr an den Entwickler zahle ich nicht, aber es kostet Zeit! Und das nicht unbedingt wenig. Allein für die Wii U und eine Handvoll Wii-U-Spiele habe ich insgesamt schon gut und gerne 4 Stunden nur rumgehockt und gewartet. Und wenn ich währenddessen halt was Sinnvolles getan habe (Geschirr spülen, Einkaufen, Hausaufgaben...), hat es mich immerhin Geld für den Strom - und bei einigen vielleicht sogar Internet-Traffic - gekostet. Aber es bleibt ja nicht bei diesen 4 Stunden; ich habe vor, in Zukunft weitere Spiele zu zocken - und die muss ich dann gartantiert patchen - und das gewiss mehrfach. Neben der Wii U addieren sich so dann auch andere Konsolen und Handhelds, nebst deren Spiele, dazu Computer, Smartphones, Fernseher...

Und denkt mal weiter! Was ist in einigen Jahren, wenn der Downloadserver nicht mehr online ist? Wie patche ich dann mein Spiel, auf das ich plötzlich mal wieder Lust bekommen habe? Was, wenn der interne Speicher meiner Konsole nach 10 Jahren defekt ist, ich zwar findig genug bin, einen neuen zu integrieren, aber was dann? Wie bekomme ich dann das Gerät wieder zum Laufen?

TheUnknown *, 5.704 Zeichen •

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