Eyes on Nintendo
Kolumne vom 26.01.2012, 12:36 Uhr

Seifensopa

Wie so oft sitze ich vor meinem Laptop und durchforste das Internet. Doch irgendetwas scheint falsch zu sein. Ich weiß nur noch nicht, was. Als Erstes logge ich mich ganz normal auf einer Social-Network-Seite ein. Die typischen Statusmeldungen, die typischen Wochenendfotos. Allerdings teilen die Leute weniger Musik und lustige Bilder aus dem Netz. Dies bemerke ich allerdings fast nicht. Danach checke ich eyesonnintendo.de, um meine neuste Kolumne online zu stellen. Auch hier funktioniert alles super. Danach möchte ich mich an meine Hausaufgaben machen. Ich rufe Wikipedia auf. Etwas verwundert bemerke ich, dass alle Artikel irgendwie um einiges kürzer wirken - und weniger informativ. Genervt surfe ich die wohl bekannteste Online-Videoplattform an. Für längere Arbeiten brauche ich einfach Musik. Doch merkwürdigerweise gibt es kein einziges Video mit Musik mehr auf der Plattform. Ich bin verwirrt. Vollkommen. Nun sind mir Hausaufgaben egal, da muss "beruhigender Stoff" her. Ich suche nach Gameplayvideos von Spielen, die mich in letzter Zeit sehr gut unterhalten haben. Doch auch hier ist gähnende Leere. Ich verstehe das Internet nicht mehr. Es wirkt alles so kastriert, nichts ist mehr so wie es einmal war.

Das könnte leider ein recht realistisches(!) Szenario aus der Zukunft sein, falls der Gesetzesvorschlag SOPA angenommen wird. Doch was ist SOPA überhaupt? SOPA ist ausgeschrieben der "Stop Online Piracy Act" und soll es Urheberrechtsinhabern ermöglichen, ihren Inhalt wirksam vor ungewollter Verbreitung zu schützen.

Das hört sich so ausgeschrieben sehr nett und vorteilhaft an, denn Piraterie ist und bleibt illegal und sollte auch keinesfalls gefördert werden. Doch hat das Ganze mehrere unangenehme Rattenschwänze. So zum Beispiel kann es als verboten erklärt werden, Gameplay von Videospielen auf Youtube oder sonstige Videoseiten hochzuladen. Auch würde es das Gesetz erlauben, gerichtlich gegen die Betreiber dieser Seiten vorzugehen. Das Herunterladen eines Michael-Jackson-Songs beispielsweise würde mit einer Haftdauer von bis zu 5 Jahren bestraft werden - 1 Jahr mehr als sein Arzt bekommen hat, der immerhin für das frühzeitige Ableben einer Legende verantwortlich ist.

Das Gesetz ist eine Zensur des Internets und außerdem nicht mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit vereinbar. Außerdem recht gemein an dem Gesetzesentwurf ist, dass er eben amerikanisch ist. Wir Europäer haben nicht einmal ein Stimmrecht dagegen. Obwohl er die ganze Welt betrifft - oder schauen wir keine Videos auf Youtube, oder lesen keine Artikel auf Wikipedia?

Der Vorschlag hat zum Glück auch Gegner, die wirklich etwas erreichen können: So setzen sich zum Beispiel Google, Yahoo, Ebay und Facebook gegen ihn ein. Wikipedia hatte seine englischsprachigen Server am 18.01.2012 aus Protest sogar für 24 Stunden abgeschaltet.

Der Vorteil des Gesetzes allerdings wäre, dass damit geistiges Urheberrecht und die damit verbundenen Arbeitsplätze, leichter geschützt werden könnten. Manche Konzerne haben es im Internet manchmal schwer, sich nicht von Nachmachern verwechseln zu lassen. Dies könnte hiermit verhindert werden.

Und doch bin ich absolut gegen eine Fessel des Internets. Unsere Vorfahren haben hart für das reicht auf freie Meinungsäußerung gekämpft. Es sollte nicht möglich sein, es uns einfach so ohne Widerstand wieder wegnehmen zu lassen.

"Zensur ist die lebende Eingeständnis der Herrschenden, dass sie nur verdummte Sklaven treten können, aber nicht in der Lage sind, freie Völker zu regieren."

Wie seht ihr das? Seid ihr für mehr Kontrolle und somit auch für mehr Sicherheit im Internet? Bin ich mit meiner Meinung von totaler Freiheit fürs Internet etwas zu radikal? Oder wollt ihr auch weiterhin im Netz alle Möglichkeiten offen haben? Selbst wenn diese eure potentiellen Ideen gefährden könnten? Teilt eure freie Meinung mit anderen!

ReynTime *, 3.887 Zeichen •
User-Kommentare
DStroke *
Avatar von DStroke
Registriert:
09.05.2010, 03:40:32
Kommentar #1 vom 04.02.2012, 15:29:44 Uhr

Ich sag nur, meistens ist Zensur immer schlecht. Bekannterweise ist "Verbotenes noch reizvoller".

Und bei mancher Gesetzgebung v.a. im Bereich Strafenverteilung, kann man sich echt nur "uff die Stirn klatschen"
ReynTime *
Avatar von ReynTime
Registriert:
30.10.2011, 21:48:59
Kommentar #2 vom 11.02.2012, 22:02:02 Uhr

Schönerweise gibt es jetzt, da SOPA abgelehnt wurde wieder etwas Neues: Nennt sich ACTA und würde ungefähr das selbe bewirken...
TheUnknown *
Avatar von TheUnknown
Registriert:
08.05.2010, 09:25:43
Kommentar #3 vom 12.02.2012, 07:22:05 Uhr

Ja, und ich hoffe, das wird ebenso bald AD ACTA gelegt. Ich weiss wirklich nicht, was dieses ganze Mist soll. Wenn sie nicht wollen, dass CDs und DVDs kopiert werden, sollen sie keine Leselaufwerke auf den Markt bringen, sondern diese Formate für CD- und DVD-Player vorbehalten. Außerdem sollten sie dann auch keine Brenner auf den Markt bringen. Man kann schließlich auch DVD-ähnliche Formate entwickeln, die DVD-Player nicht erkennen und die z.B. für das Brennen von Datenbackups geeignet sind.

Wenn sie wollen, dass die Leute Dinge KAUFEN statt zu laden, sollen sie den Preis anpassen (17-20€ für eine Musik-CD - ja sicher!), etc. Die sollen mal ihre antiquierten Geschäftsmodelle überdenken, und nicht die Leute überwachen.

Überhaupt, wo soll das hinführen? Wieso nicht einen Gedankenlesechip implantieren?
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