Früher war alles besser - selbst die Zukunft

Kolumne vom 23.05.2012, 09:00

Keine Abwärtskompatiblität mehr - Buhu statt Juhu?
Nachdem ich an einer hitzigen Diskussion in einer Kolumne über die Handheld-Invasion beteiligt war und es doch schade finde, dass ich diese dann mit einem komplett anderem Thema zugemüllt hatte, beschloss ich, eine eigene Diskussion zu eröffnen. Hierbei möchte von euch wissen, ob es wirklich schlau von Nintendo war, die GBA-Slots, bzw. NGC-Kompatiblität bei den neuen Systemen herauszunehmen...

Zuallererst möchte ich mein Statement dazu abgeben: Ja, es ist natürlich schade, besonders bei den NGC-Slots, die auch von Wii-Spielen unterstützt wurden. Aber weshalb finde ich das ganze nicht halb so dramatisch wie einige andere hier? Das liegt wohl daran, das behaupte ich jetzt einfach mal ganz dreist, weil ich beide Seiten betrachte. Die der Anbieter und die des Konsumenten.

Delta T
Eins möchte ich von Anfang an klarstellen, denn vielen ist das nicht bewusst: Wir leben im Jahr 2012. Die NGC und der GBA sind über 10 Jahre alt, alles, was davor ist, ein riesiger Haufen Retro-Müll, den nur wir Hardcore-Fans mögen, wie es die heutige Generation mit ihren iPods behauptet, die eine unverschämt hohe Auflösung aufweisen und teilweise bessere Grafiken als ein NDS. Aber das mal beiseite, mir geht es nur um die Zeitdifferenz, wie der Titel schon sagt. 10 Jahre. Das ist eine fette Masse an Zeit, die Sekunden kann man geradeso mit allen Grashalmen der Welt abzählen. Wieso das jetzt so wichtig ist? Ganz einfach: Alles, was früher noch Top war, was wir alle in unser Herz geschlossen haben und wir größtenteils als selbstverständlich ansehen, ist obsolet. In 10 Jahren passieren solche Dinge, das sollte wirklich niemanden wundern.

Ich sehe was, was du nicht siehst
Wieso fällt das niemandem auf, der noch die alte Generation miterlebte? Nun, springen wir noch weiter zurück. NES, SNES, N64 und NGC. Zwischen diesen Konsolen herrschen jede Menge revolutionärer Neuerungen. SNES bot sehr (!) viel besseren Sound und Grafik, als die NES das noch tat. N64 toppte das nochmal mit eckigen 3D-Polygonen, aber immerhin 3D. Und die NGC? Bei der war die Grafik so geschlifen worden, dass wir uns kaum noch Besseres vorstellen konnten. Alles war schön und sauber gezeichnet, überall knallten einem Effektefeuerwerke zu, epische Musik, die nun auch über Midi-Qualität lag, brannte sich in unsere Ohren. Aber zwischen NGC und Wii? Die Bewegungssteuerung, nichts weiter. Zwar ist dies auch revolutionär gewesen, aber technisch merkte man eigentlich kaum noch was. Was also ist der entscheidene Unterschied zwischen "NGC + Wii" und "N64 + NGC?" Abwärtskompatiblität ist leicht umzusetzen und auch schlüssig. Klar, es wäre cool gewesen, hätte der NGC noch Module unterstützt, aber ein CD-Laufwerk hatte vollkommen gereicht für die meisten. Wer N64 spielen wollte, spielte mit der N64-Konsole mit originalem N64-Controller. Und irgendwann fanden die meisten Kiddies eh die NGC so viel besser, als die N64. Neulich lachte ein Saturn-Arbeiter einen Kunden aus, weil dieser vor wenigen Tagen noch nach GBA-Spielen fragte. Und das, meine Lieben, das könnt ihr doch sicherlich nachvollziehen (mal jetzt abgesehen davon, dass der Kollege vom Saturn nicht hätte so laut denken dürfen ;D)?

Also, zu was führt uns das letztenendes? Als die Wii herauskam, spielten viele noch NGC, hatten das ganze NGC-Equipment und die Spiele wurden auf speziellen Discs gespeichert. Also dachte sich Nintendo, sie sind mal so cool und bauen dies einfach als Zusatz für die Wii ein. "Wenn sich mit NGC noch Geld machen lässt, dann untersützen wir das auch." dachte sich Nintendo mit hoher Wahrscheinlichkeit. Aber wieso behielt man das jetzt nicht mit der neuen Version aus dem Vorjahr bei? Ganz einfach: Aus NGC ließ sich kein Geld mehr machen. Hätten sie das noch eingebaut, wären die Spiele nicht mehr von Nintendo selbst an den Spieler geliefert worden (bzw. über einen Zwischenstopp bei einem x-beliebigem Elektro-Fachhhandel), sondern von Internetseiten wie amazon, die sich die Spiele schon vor langer Zeit für den Verkauf sicherten oder halt bei Flohmärkten. Und wäre die Wiederaufnahme des Verkaufs von NGC-Spielen wirklich so schlau gewesen? Eben nicht. Die neue Generation schreit geradzu nach Wii, PS3, XBOX und 3DS. Wer will schon NGC? Etwa die ältere Genration? Die hat das alles doch schon! - Und ab hier sind wir an einem Punkt angelangt, an welchem sich die Geister scheiden. Wir sind alles Zocker, aber wir sind nicht alle eine Einheit. Die einen wollen nur mal ab und zu spielen, die anderen ihr ganzes Leben lang und andere wiederum zocken einfach gerne, sodass sie sich nach neuem Futter umschauen. Doch wir, die noch interessiert an GBA und NGC sind, überwiegen nicht. Der Otto Normalverbraucher will Frischfleisch, nichts Gutes von der Tiefkühltruhe.

Böse Blutsauger
All dies führt natürlich für die meisten unserer Fans dazu, Nintendo mit dem bösen Finger anzuklopfen und sie als pöhse pöhse Firma abzustempeln, die nie an ihre Kunden denkt. Aber so richtig ist das nun doch nicht. Vergesst aber niemals: Nintendo ist keine Wohltätigkeits-Organisation. Was sie da machen, dient in erster Linie dem großen Geldmachen. Nichts weiter. Die wenigsten, was für uns natürlich traurig ist, sind mit solch einer Euphorie an einer Sache dran, dass sie uns dann quasi mit Fanservice überhäufen und wir diese Spiele dann als Crème de la Crème aller Videospiele ansehen, sei es einfach nur, weil Pit aus Kid Icarus schon einmal Doctor Mario gespielt hat (wobei ich sagen muss, dass diese Art von Content dann wirklich cool ist). Alles wäre natürlich viel einfacher, wenn wir alle plötzlich zu Otakus werden und uns alle gemeinsam an den 8bit-Sounds ergötzen, die in der Dragon Quest-Reihe durchgängig seit Teil 1 bis wasweißichwieviel benutzt werden, aber Japan ist nun einmal so viel kleiner als der Rest der Welt. Aber ich schweife ab: Nintendo muss Geld verdienen und das können sie schlecht, bzw. nicht optimal, wenn sie die Produktionskosten für den 3DS erhöhen, damit letztenendes ein GBA-Slot entsteht, niemand aber GBA-Spiele kauft, weil die niemanden interessieren. Und so langsam merkt man ihn doch, nicht wahr? Den Fortschritt. Sobald man bemerkt, das alles Alte, was man früher toll fand, nun... wie soll man sagen... alt ist. Das will niemand mehr, außer man selbst und seinesgleichen. Und die sind in der eindeutigen Unterzahl und jenseits großer grüner Zahlen auf der Umsatzleiste. Da ist es doch eigentlich noch nett, dass Nintendo die Ursprünge von Super Mario oder Zelda der neuen Generation näher bringen will... per Download gegen das nötige Kleingeld natürlich.

Es ist nicht schön
Bevor mich aber jemand falsch versteht: Es ist natürlich nicht schön. Viele von uns mögen noch GBA-Spiele und zocken noch öfter mehrere Runden Mario Party 6 zu viert auf der NGC. Aber man kann in einer Zeit, wo das Internet klar dominiert, nicht erwarten, dass man alte Sachen noch auf dem Silbertablett serviert bekommt. Alles Interessante für Neulinge wird fortan als Download angeboten, sei es Super Mario Bros. oder Zelda: Ocarina of Time. Denn nur auf diese Weise lässt sich schaderweise für Nintendo nur noch Geld machen. Und wir, die alten, können nur hoffen, dass der Lüfter der Wii nicht versagt und sie weiterhin nach zwanzigmaligem Einschieben von doppelt beschichteten DVD-Roms (Super Smash Bros. Brawl oder Xenoblade Chronicles) noch diese abspielt. Aber ein Glück kommt ja bald die Wii U raus, mit ihrer Abwärtskompatiblität zur Wii.

Ligiiihh, 7.567 Zeichen •

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