Haben Videospielmagazine noch eine Zukunft?

Kolumne vom 19.02.2017, 21:08

In den letzten Tagen habe ich mir, nach einer langen Pause, die neuste Ausgabe des inzwischen letzten deutschen Nintendo-Magazin, der NZONE, gekauft. Nachdem ich durch die 100 Seiten des Magazins durch war, habe ich mir die Frage gestellt: Wie lange gibt es Videospielmagazine noch?

Am Anfang fing alles mit einem kleinen aber feinen Newsteil an. Wogegen in meiner Kindheit Videospielmagazine noch wichtige eine Informationsquelle waren, haben sie im Gegensatz zum Internet deutliche Probleme mit der Aktualität. Ein Magazin hat irgendwann Redaktionsschluss und kann so eventuell erst nach über einem Monat über eine wichtige News berichten.

Nach den News kam der Vorschauteil mit Artikeln zu den kommenden Videospielperlen für Switch, 3DS und Mobile. Hier hat mir der Aufbau sehr gut gefallen, ein gut recherchierter Artikel wie z.B. zu Mario Kart 8 Deluxe, wo neben dem neuen Schlachtmodus, und das es keine neue Rennstrecken geben wird, auch über die mir bis dahin unbekannte optionale neue Schlauch-Steuerung, die verhindert das Anfänger (andauernd) von der Strecke fahren, berichtet wird. Jeder Artikel wurde mit einer kurzen Meinung des Mitarbeiters garniert und ein kurzer Info-Kasten mit Wartungstendenz und Veröffentlichungsdatum rundeten den ganzen Bericht ab.

Als Kind war für mich immer der Testteil das Wichtigste eines Magazins, der ähnlich wie die Vorschau aufgebaut war. Der Infokasten beinhaltete nun neben der finalen Wertung/Fazit auch eine Untergliederung, wie gut Grafik, Sound, Steuerung und Einzel-/Mehrspieler sind und ein Pro & Contra, wo verschiedene Aspekte von "++ ist Fantastisch" bis "-- ist ein starker Kritikpunkt", aufgelistet wurden. Am Ende des Testteils kamen dann noch die Topspiele, wo die 50 besten Retailspiele, die 50 besten VC-Spiele und die 30 Besten eShop-Spiele mit ihrem Testergebnis aufgelistet wurden und zu den Retail- und VC-Spielen gab es immer noch eine Rangliste nach Videospielgenre.

Ähnlich wie "Did you know Gaming?" sucht sich auch die NZONE alte Themen raus wie z.B. Nintendos schräge Spiele-Experimente" heraus und berichtet darüber was mir persönlich sehr gut gefallen hat und sicherlich je nach Thema bei den ein oder anderen Erinnerungen erweckt.

Der Letzte Teil vorm Finale ist der Community Teil mit Leserbriefen, Communtyaufgaben, die N-Zone Superliga (e-Sports) und Bildeinsendungen. Wie ich findem ein sehr lebhafter Teil und ich habe mit Freude die Leserbriefe zu Nintendo Switch und Co. gelesen.

Nun ja, wir befinden uns im Jahre 2017 wo jeder in Minutenschnelle im Internet News, Testberichte und Kolumnen, sogar mit Usermeinungen, findet und in den dazu gehörigen Foren findet man lebhafte Communities. Verschiedene Formate, wie z.B. ein Podcast haben ebenfalls eine Art Vorschau, indem über neue Information über Game XY gesprochen wird, und wiederum andere Formate bringen einem Retroklassiker und skurrile Gaminginformationen näher. Deshalb frage ich mich, wofür monatlich 4-5€ für eine Printmagazin bzw. für die Digitaledition 1-2€ weniger bezahlen, wenn man das eigentlich auch alles im Internet findet - und das sogar um sonst...!?

Was denkt ihr, werden Videospielmagazine noch eine lange Zukunft haben und was könnten Magazine unternehmen, um attraktiver zu werden?

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Kommentare

Lex
Lex
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Kommentar #1 vom 20.02.2017, 03:19:35 Uhr
Ich sage nein, dass hat keine Zukunft. Dank dem Internet sind solche Informationen leichter schneller und vor allem günstiger zu bekommen.
Jojo *
Jojo
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26.04.2012, 19:15:13
Kommentar #2 vom 20.02.2017, 09:12:44 Uhr
Ich halte dagegen. Der Service dieser Zeitschriften ist es, Informationen eines Zeitraumes zu einem bestimmten Thema zusammenzutragen und hochwertig sowie unterhaltsam aufzubereiten. Für Menschen, die nicht jeden Tag das Internet nach News durchforsten, ist das noch immer ein wichtiger Dienst. Eben für die, bei denen Games nur ein Hobby am Rande ist. Ebenso aber auch für Profis, die sich für die fundierte Meinung der Fachpresse interessieren. Klar, durch das Internet werden die Auflagen gesunken sein. Aber ein paar Jahre geb ich dem Medium schon noch :thumbsup:
eMGe *
eMGe
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14.02.2011, 12:35:00
Kommentar #3 vom 20.02.2017, 09:14:12 Uhr
Das finde ich sehr interessant. Auch ich habe mir am Wochenende die aktuelle N-Zone nach Jahren mal wieder gegönnt.
Ich muss schon sagen, dass ein Heft in der Hand, welches man durchblättert, ein ganz anderes Gefühl vermittelt, als online News zu lesen (hat schon einen gewissen charm).
Trotzdem sehe auch eher eine dunkle Zukunft für Magazine. Zum Einen wegen des Preis, zum Anderen wegen die Aktualität. Ich denke, dass individuelle Rubriken und Reportagen (Community, Wettbewerbe, Kolumnen), wie du sie beschrieben hast, in die richtige Richtung gehen, aber ob dies langfristig ausreicht, um im Markt zu bleiben, ist wieder fraglich, da sie Dinge auch problemlos online möglich wären.
Tif
Tif
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09.11.2016, 15:44:03
Kommentar #4 vom 20.02.2017, 10:41:47 Uhr
Print Medien haben ihre besten Zeiten gesehen, das Stimmt und ich glaube auch, dass sie irgendwann mal aussterben werden. Bis dahin ist imho aber noch ein sehr langer Weg. Für mich haben Print Medien drei große Vorteile.

1. Auch wenn ich viele News und Berichte meistens schon viel früher Online lesen kann finde ich in Print Medien sehr häufig Informationen über ein Spiel/Thema das ich davor noch nicht kannte. Der vorteil hier ist das ich bei einem Magazin eher dazu bereit bin "alles" zu lesen und dadurch auch auf Sachen aufmerksam gemacht werde die mir ansonsten in der Informationsflut des Internets entgangen wären.
2.Dadurch das die Zeitschrift direkt vom Konsumenten bezahlt werden sind diese deutlich weniger von Sponsoren und Werbung abhängig und sind damit grundsätzlich freier. Nicht für Online Medien zahlen zu müssen kommt mit einem Preis.
3. Ich kann die Zeitschrift überall lesen, ohne Strom Internetverbindung und damit auch im Ausland/Urlaub etc. pp.

Okay Punkte 1 und 2 kann man auch mit digitalen Medien lösen und Punkt 3 wird auch irgendwann mal technisch gelöst sein. Aber gerade für die ersten Punkte fehlt es so viel ich weiß noch an guten Angeboten.

Zumal viele Spielzeitschriften bereits jetzt schon ihren Schwerpunkt von News und Tests auf Kolumnen und Reportagen geändert haben um sich den Online Trend anzupassen.
Lugmillord
Lugmillord
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13.06.2014, 20:24:00
Kommentar #5 vom 20.02.2017, 10:57:27 Uhr
Ach, ist es inzwischen die letzte? Wusste ich gar nicht.

Ich lese die N-Zone auch nicht wegen News. Dafür habe ich so eine gewisse Seite, die sich [LINK ZU EYESONNINTENDO.DE] nennt. Habt ihr vielleicht schon mal gehört. Aber die anderen Sachen sind immer ganz nett - im Prinzip all diejenigen Teile, nach denen ich im Internet nicht schauen würde. Spiele, die mich nicht hinreichend reizen, um danach zu suchen. In der Zeitschrift sind sie aber so oder so und dann denke ich manchmal auch "ach, kannst dir ja mal zu dem Spiel was durchlesen". Und ich bin auch einer, der gerne etwas Haptisches in der Hand hat. Deswegen trauere ich nach wie vor auch um die gedruckten Spieleanleitungen. Die waren immer so toll :(

Bzgl. Zukunft - schwer zu sagen. Ein Weilchen gebe ich denen noch, weil eben auch andere, gerne etwas in der Hand haben oder einfach nicht so mega viel im Internet rumgurken wegen Spielen. Eine gewisse Zielgruppe ist also definitiv da. Aber ob sich das ewig halten wird, bezweifle ich auch.
miscrtnone
miscrtnone
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06.11.2016, 17:19:08
Kommentar #6 vom 20.02.2017, 22:47:24 Uhr
Die meisten Printmedien haben mit sinkenden Auflagen zu kämpfen, sogar die Bildzeitung. Wie in der Kolumne erwähnt, sind die Leistung der Spielemagazine im Netz kostenlos zu haben. Sicherlich wird die ein oder andere Zeitschrift überleben mit Hilfe von Onlineangeboten als zweites Standbein etc. solange das angesprochene Publikum noch groß genug ist. Aber das klassische Printmedium wird ja nicht nur vom Internet angegriffen, sondern auch von Tablets und Smartphones und E-Readern, die das exklusive Mobilitätsfeature mopsen.

Was sie dagegen machen könnten:
Das ist recht schwierig, wenn das so einfach wäre, dann hätten die Redakteure sicherlich die Idee schon gehabt.

Vielleicht im Bundle mit physischen, nicht kopierbaren Inhalten, das leistet das Internet nicht. Z.B. "baue Dir Deinen exklusiven Amiibo bestehend aus 10 Teilen selbst zusammen" und dann verteilt auf 5 Ausgaben. Auch exklusive Inhalte und Informationen "Teardown Nintendo Switch - Hier exklusiv" wären vermutlich nicht schlecht aber diesen würden vermutlich recht bald kopiert und ins Netz gestellt ... Aber bei beidem ist die Beschaffung schwierig...

Die Frage ist, ob das wirklich so schlimm ist, dass eine Zentralisierung auf wenige Printmagazine stattfindet, solange es genug Onlineangebote gibt...
DStroke *
DStroke
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09.05.2010, 03:40:32
Kommentar #7 vom 25.02.2017, 17:50:45 Uhr
Schwierig, ich finde in der heutigen Internetzeit in der stundenweise irgendwelche News veröffentlicht werden, da kommt das Papier und die Redaktionen gar nicht mehr mit. Die erscheinen monatlich und auch wenn man da Sachen ins Detail betrachtet, hat man dennoch immer wieder 30 Tage +/- veraltete Informationen ;)

Aber es hat ein anderes Feeling solche Berichte durchzublättern und zu lesen. Ich weiß nicht ob es überhaupt Sinn macht, solche Magazine am Leben zu erhalten, aber es würde mich schon interessieren wie der Absatz der N-Zone und so ist. Aber ist ok wenn es diese Möglichkeiten der Papierform noch gibt.
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