Ports, Ports und nochmal Ports

Kolumne vom 27.11.2016, 15:01

Der Switch-Trailer ist draußen, der Hunger ist teilweise gestillt und nun wissen wir im Groben, was die Konsole kann. Was jetzt noch fehlt sind Preis, Spezifikationen, Release-Datum und das Wichtigste: die Spiele! Immerhin haben wir da schon etwas sehen können, nämlich Mario Kart 8, Splatoon... Moment, haben wir da ein Wii-U-Video oder ein Switch-Video geschaut?

Richtig, Nintendo bringt für die Switch einen Port von Splatoon, mit mehr Waffen, neuen Outfits, neuen Maps. Aber ebenso ein aufgebohrtes Mario Kart 8 mit zwei Items, neuen Charakteren wie König Buu Huu und neuen Strecken. Das alles hat man im Video schon mal erkennen können. Im ersten Moment dachte ich mir "WOW, cool!". Ich liebe MK8 und Splatoon, ich spiele sie immer noch im Multiplayer online und freue mich, sie auf der Switch wieder zu sehen.

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Aber nach alle den vergangenen Wochen tauchen weitere Spiele auf, Pokémon Stars soll eine Switch-Version von Pokémon Sun & Moon vom 3DS sein, und LEGO City Undercover und Xenoblade Chronicles X sollen auch eine Remastered-Version auf der Switch bekommen. Dann sehen wir weitere Wii-U-Titel, die den Weg auf den 3DS finden, wie Yoshi's Woolly World und Super Mario Maker.

Einerseits finde ich es natürlich super, wenn man Titel, die auf der Wii U gut sind, auch auf anderen Konsolen spielen kann. Aber das zeigt auch, wie wertlos die Wii U geworden ist. Schlechte Verkaufszahlen zeigen, dass viele Leute nicht in den Genuss der eigentlich gut gemachten Titel kamen. Das dachte man sich wohl auch bei Nintendo und möchte wohl einerseits was Gutes tun, indem man die Titel für die breite Masse "erneut" präsentiert, andererseits spart man damit auch Entwicklungszeit und -kosten, da es die Grundstruktur schon gibt und nur noch portiert, also quasi aufpoliert und um Inhalte ergänzt werden muss.

Die Wii-U-Spiele könnte man nun quasi als Beta-Versionen ansehen, die dann in Vergessenheit geraten werden. Die Wii U wird mehr oder weniger durch die Ports aus der Timeline verschwinden. Dann kann man später nicht mehr sagen ,"Hey, Mario Kart 8 auf der Wii U war super!", denn die Antwort wird sein: "Was Wii U!? Hab ich nicht gespielt, Mario Kart Switch ist aber richtig cool!" Ich als Wii-U-Besitzer kam in den Genuss der meisten Top-Titel, habe sie gerne gespielt und finde sie richtig hammer! Aber wenn die Switch dann ab März 2017 draußen ist, will ich mir dann all die Ports nochmal kaufen? Irgendwie ja, weil die Spiele vermutlich genug zusätzliche Inhalte bieten und wirklich gut im Multiplayer funktionieren werden, und wahrscheinlich besser sind, als die "Originale". Trotzdem müssen sie mir genug Neues bieten können, was für mich den Vollpreis rechtfertigt.

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Ich bin da etwas hin- und hergerissen, denn einerseits finde ich es gut, dass die Spiele bei den geringen Verkaufszahlen auf der Switch sozusagen eine Wiedergeburt erfahren, da die harte Arbeit der Entwickler nicht die verdiente Anerkennung bekam. Andererseits will ich aber auch keine 10 Ports zum Start der Switch und der weiteren Monate haben, weil ich die ja irgendwie schon kenne. Nintendo kann ja nicht davon ausgehen, dass die meisten Neukunden der Switch die Wii-U-Version nicht besitzen bzw. die Wii-U-Nutzer wirklich den selben Inhalt nochmal spielen und auch dafür bezahlen wollen.

Wie seht ihr das Ganze? Findet ihr das mit den Ports auch zu viel? Sollte Nintendo lieber neue Spiele bzw. Ableger von Mario Kart und Splatoon machen, oder sind aufgebohrte Ports für euch in Ordnung?

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Kommentare

TheUnknown *
TheUnknown
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Kommentar #1 vom 27.11.2016, 15:11:21 Uhr
Ich denke, man darf hier einfach nicht übersehen, dass tatsächlich die Kosten für die Teile reingeholt werden sollen; die haben sich auf Wii U eben nicht gut genug verkauft. Andererseits wüsste ich so spontan nichts für MK8 und Splatoon, was man da gerade groß verbessern könnte, was man nicht durch DLCs und Patches bei den aktuellen Ablegern hinbiegen könnte. Die Games sind per se sehr gut und nur bei einigen Kleinigkeiten fehlt etwas Bemutterung (Battle Modus in MK8, oder Turf War auch in Freundes-Teams in Splatoon); und mehr Maps, Charaktere und Items sieht man immer gern. Eventuell werden sie noch die Grafik etwas aufmotzen, aber ansonsten sehe ich keinen Grund für ein MK9, wo MK8 doch wirklich klasse ist. Dennoch: Es werden natürlich auch echt neue Games erscheinen, ist doch klar. Das ist jetzt eben die Übergangsphase und da will man versustes Geld wieder reinholen. Aber das wird ja nicht immer so weiterlaufen, sondern gewiss nur am Anfang (um den Launch herum) so sein.

Trotzdem bleibt bei mir der Wunsch danach, dass die Switch-Port-Versionen nicht wieder den Vollpreis kosten, wenn man bereits auf der Wii U dafür gelatzt hat. Denn SONST können Sie dann doch lieber NEUE Titel bringen.
Lugmillord
Lugmillord
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Kommentar #2 vom 27.11.2016, 15:26:35 Uhr
Also wenn ich jetzt mal nur das in Betracht ziehe, was wir bisher wissen, brauche ich die Switch nicht, eben weil ich keine Konsole kaufe, um dann Ports zu spielen, die ich eh schon habe. Allerhöchstens Splatoon könnte ich in Erwägung ziehen, allerdings muss dann auch der Zusatzinhalt überzeugen.
Sprich: Im Januar müssen sie wirklich Neues zeigen, denn ich bin kein Fisch, der am vergammelten Köder anbeißt.

ABer prinzipiell ist das Porten / Remaken / Remastern in den letzten Jahren deutlich mehr geworden, nicht nur bei Nintendo (auch wenn man es bei denen grad seeeeehr stark merkt, weil ja irgendwie nichts anderes mehr rauskommt als Ports). Alle wollen auf der sicheren Schiene fahren, aber für den Kunden ist das natürlich die tristeste Situation, bei der einfach nichts neues erscheint. Remasters meiner Lieblingsspiele - klar, das eine oder andere würde ich mir holen, aber dann muss der Unterschied auch signifikant sein, z.B. ein N64-Spiel auf Wii U Grafik pimpen. Selbst bei WW und TP denke ich mir, soo groß ist der Unterschied echt nicht, da reicht mir die GC-Grafik.
froster
froster
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Kommentar #3 vom 27.11.2016, 16:15:00 Uhr
als die Wii U angekündigt wurde, zeigte man Szenen zu einem Spiel das New Super Mario Bros Wii sehr sehr ähnlich sah. Am Ende wurde daraus bekanntlich New Super Mario Bros U welches grafisch ein kleines Update darstellt zur Wii Version, die Grundmechanik aus der Wii Version beibehält aber doch ein eigenständiges Spiel ist mit tollen Umfang und einigen netten Ideen.

Wenn ich nun dieses Szenario auf den Switch Preview Trailer übertrage und mir die Mario Kart-Szene anschaue ist dies prinzipiell genauso schon mal geschehen wie ich bereits oben erzählt hab.

Worauf ich hinaus will: klar, man wird die Wurzeln eines MK9(Switch) wohl erkennen aber Nintendo wird sich bei der Umsetzung nicht lumpen lassen und auch die überzeugen die schon MK8 gespielt und geliebt haben.
Crazy Canary
Crazy Canary
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Kommentar #4 vom 27.11.2016, 17:12:15 Uhr
Ich finde Ports an und für sich nicht schlecht.

Der erste Pro-Punkt, der mir immer wieder in den Kopf schießt, ist der, dass man durch WiiU-Ports ein größeres Publikum erreicht, das sich aus welchen Gründen auch immer keine WiiU geleistet haben und somit diese Games auch verpassen würden. Ich unterscheide hierbei zwischen "downgraded" 3DS Ports und "upgradable" Switch Ports, denn ich stehe den 3DS-Ports kritischer gegenüber als den Switch-Ports. Denn WiiU-Games müssen für 3DS selbstverständlich angepasst werden (Online-Features von Mario Maker raushauen, schmälere Gegnerhorde in HWL usw.), während die Switch-Ports theoretisch nur besser gemacht werden können (mehr Inhalte, bessere Grafik, höhere FPS usw.). Als jemand der das originale HW gespielt hat, schau ich mir HWL dann ein wenig naserümpfend an, aber gekauft hab ich mir das nur wegen den Extra-Inhalten, die ich letztlich auf der WiiU gespielt hab. Ich als WiiU-Besitzer würde daher nicht den Schritt zurück zu 3DS machen, andere ohne WiiU, die die Games im Original nicht gespielt haben, werden da nicht so kritisch sein. Aber den wahrscheinlichen Schritt vorwärts mit Switch-Ports, den nehm ich gern, genauso wie vermutlich auch diejenigen, die keine WiiU besessen haben und sich nun freuen, MK8 usw. nachholen zu dürfen.

Zum anderen sehe ich auch einen Vorteil darin, dass Ports schlicht und ergreifend die Bibliothek einer noch jungen Konsole auffüllen. Ich weiß ja nicht wie's den anderen geht, aber ich persönlich würde da lieber eine Port-gestützte Bibliothek sehen als eine komplett leere. Denn eine Port-gestützte kann immerhin Käufer anlocken, eine leere wohl nur Hardcore-Nintendo-Fans wie mich, die das Teil einfach Day One dastehen haben wollen. Zumal die Entwicklung eines Ports durchaus schneller ist als die eines komplett neuen Games, wodurch die Chance, schnell die Bibliothek der Switch zu füllen besteht.

Sicher, nicht alle werden es einsehen, ein Game noch mal zu kaufen, das sie schon haben, und ein Großteil derjenigen, die sich in den ersten Monaten eine Switch zulegen, werden ohnehin Nintendo mögen und bereits eine WiiU besitzen. Aber ohne Ports gäbe es schlicht und ergreifend weniger Launch-Titel, ein Problem, das 3DS und WiiU hatten. Zugegeben, an 3DS-Ports habe ich weniger Interesse und sehe sie mehr zynisch als reine Geldmacherei, um noch ein bisschen aus dem 3DS rauszuziehen, aber auch hier treffen meine Punkte zu, wenn auch in einer leicht abgeschwächten Form.
DStroke *
DStroke
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Kommentar #5 vom 01.12.2016, 11:04:07 Uhr
Ich finde das ja generell auch gut mit den Ports, da man eben dann eine größere Spielebibliothek, vor allem auch zum Start haben könnte. Aber ich muss mir dann wirklich überlegen, ob ich Lust habe manche Spiele nochmal zu kaufen, wenn ich schon auf der Wii U alles durchgespielt habe. Die werden ja auch keine 10€ kosten und der Vollpreis muss es mir schon wert sein. Die meisten sind Multiplayer Titel, also da wird mir quasi garantiert lange spaß zu haben, aber Splatoon und MK8 habe ich mich satt gespielt und hab immer wieder Lust auf ne Happen zwischendurch. Das Feeling, "boah geil, muss ich jeden Tag machen" vermute ich wird es nicht mehr geben. Aber ich lass mich überraschen.
Tif
Tif
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Kommentar #6 vom 02.12.2016, 11:35:57 Uhr
Ich bin bei der Sache auch ziemlich hin und her gerissen. In den meisten fällen bin ich kein fan von remakes von Spielen die erst ein paar Jahre alt sind. Denn die Entwicklung dieser HD-Remakes kosten mehr Zeit und Ressourcen als man denkt. Zeit und Ressourcen die man genau so gut in neue Spiele stecken könnte.

Ich sehe aber auch, dass es für den Erfolg der Switch wichtig ist, mehrere gute Starttitel zu haben. Und da sich die Wii U ja leider so schlecht verkauft hat und damit auch nur "wenige" Leute die Wii U Spiele besitzen sind die Remakes eine nahe liegende Lösung für das Spiele-Engpass zum Release problem.

Und da es nur dann auf lange Sicht neue (hoffentlich) gute Nintendo-Spiele geben wird wenn die Switch ein Erfolg wird nehme ich die HD-Remakes für das große ganze in kauf.
DStroke *
DStroke
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Kommentar #7 vom 02.12.2016, 12:43:45 Uhr
Zitat von Tif:
Denn die Entwicklung dieser HD-Remakes kosten mehr Zeit und Ressourcen als man denkt. Zeit und Ressourcen die man genau so gut in neue Spiele stecken könnte.

Ich sehe aber auch, dass es für den Erfolg der Switch wichtig ist, mehrere gute Starttitel zu haben. Und da sich die Wii U ja leider so schlecht verkauft hat und damit auch nur "wenige" Leute die Wii U Spiele besitzen sind die Remakes eine nahe liegende Lösung für das Spiele-Engpass zum Release problem.

Da wir nicht wissen woran Nintendo wirklich alles arbeitet, ist es schwer zu sagen, ABER die Switch ist schon so lange geplant denke und der Wii U Fehlschlag ist ebenfalls lange bekannt, weswegen viele Ressourcen in die Switch geflossen sind. Deswegen sollten doch rechtzeitig ne Menge neuer Titel im Launch Zeitfenster möglich sein.
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