Eyes on Nintendo

21: Blackjack

DSIWARE
21: Blackjack, Covermotiv ABRUNDUNG
Wir haben es alle schon einmal gespielt: "Blackjack" oder "21" oder "17 und 4". Dem Einen gefällt's, dem Anderen nicht. Das Kartenspiel selbst mag ja seinen Reiz haben, aber diese DSiWare hat ihn irgendwie nicht. Es beginnt damit, dass das gesamte Spiel in Englisch gehalten ist und auch in den Optionen kann das nicht geändert werden.

Die Optionen sind dann allerdings das so ziemlich das einzig wirklich Erfreuliche. So kann zum Beispiel bestimmt werden, ob auf 2:1 gespielt wird, 3:2 oder 6:5. Oder ob der Kartenpool, von dem der Dealer die Karten ins Spiel nimmt, aus 2, 3, 4, 5 oder 6 Blättern besteht. Die Optik des Hintergrunds ist ebenso zur eigenen Wahl freigegeben, allerdings ist diese auf Rot, Blau, Braun oder Grün begrenzt. Selbiges gilt für die Karten, deren Rückseite 5 verschiedene Muster ziehren kann. Auch steht zur Bestimmung, wie laut Musik und Soundeffekte sein sollen, und zusätzlich darf der Stil der Hintergrundmusik dem persönlichen Gusto entsprechen: Sax, Jazz, Guitar oder Hustle. Zur Abrundung gibt es noch das Hilfe-Menü und Statistiken, in denen auf vier Täfelchen einige Angaben festgehalten werden.

Nun denn, das eigentliche Spiel hält sich strikt an die offiziellen Regeln und ist nur innerhalb der in den Optionen bestimmbaren Werten variabel. Der Dealer spielt knallhart und wie die Karten kommen scheint keinerlei Berechnungsgrundlage zu folgen; natürlich mit der Ausnahme, dass man sich alle bereits gespielten Karten merken und dann so überlegen kann, was wohl noch kommen könnte.

DOS
Alles in allem wäre das also gar nicht so übel, denn das hier kostet ja auch nur schlappe 2€. Doch es fehlt jedes noch so kleine Grämmchen an Komfort. Das gesamte Spiel wirkt wie ein Port eines 30 Jahre alten DOS-Spiels - und ja, mit DOS meine ich wirklich jenes Kommandozeilen-Betriebssystem, wie es in den 1980ern modern war, mitsamt dem Stand damaliger Hardware. Grafik, Akustik, Bedienung, Umfang... Natürlich kann man mit dem Sytlus alles antippen und so seine Entscheidungen treffen, aber das ist auch alles, was man in die Neuzeit gerettet hat.

Alle Texttäfelchen sind kaum mehr als spartanisch zu bezeichnen und die kleinen Buttons auf dem Touchscreen sind nicht mehr als zweifarbige Hintergründe (blau und hellblau oder grün und hellgrün) mit weissem Text darauf. Diese Software verzichtet auf jeden noch so kleinen optischen Schnörkel.

Das ist grundsätzlich ja noch nicht mal das Problem, es geht beim Gameplay weiter. Man startet mit 1000$ und spielt dann unendlich lange weiter, bis man die Nase voll oder das Portemonaie leer hat. Das bedeutet, man setzt in jeder Runde zwischen 1 und maximal 1000$, gewinnt oder verliert dann und dann setzt man erneut, dann gewinnt oder verliert man und setzt dann erneut... Sollte man ein neues Spiel starten, entspricht auch dieses dem exakt selben Schema.

Wem macht sowas Spaß? Wem bloß? Der Reiz eines solchen Spiels ist doch, einen Teil seines Besitzes zu verlieren oder etwas hinzugewinnen zu können. Ich habe mal aus Lust an der Freude jede Runde 1000$ gesetzt und so dann nach 3 Minuten 16000$ zusammengehabt, dann folgte eine Pechsträhne und ich war wieder runter auf 2000$ - und mir war's total egal.

Man kann weder gegen andere spielen, noch gegen die Zeit möglichst viel Kohle verdienen müssen, oder in X Spielrunden hinzugewinnen müssen, oder sonst irgendwas. Man spielt stets und stumpf ganz allein am Tisch gegen den Dealer, startet immer mit demselben Betrag und man gewinnt oder verliert eben. Selbst, wenn man 10 Millionen zusammengewonnen hätte - wen juckt's? Es fehlt zu jeder Zeit der Reiz gewinnen oder verlieren zu können, oder besser oder schlechter als andere darzustehen. Und weil man eben auch nicht gegen die Zeit oder sonstwas spielen kann, fehlt jeder Reiz des Bemühens. Man könnte also Wochen damit verbringen, mit drögen 1$-Einsätzen einen fetten Berg Geld zu scheffeln, oder man tut dies mit 1000$-Schritten in kurzer Zeit - es macht keinen Unterschied!

Lobenswert ist lediglich, dass man das Spiel jederzeit speichern und irgendwann direkt an alter Stelle wieder aufnehmen kann.

FAZIT
Ich habe, da ich selbst Programmierer bin, durchaus Respekt vor dem Schaffen elektronischer Unterhaltung. Es hat nunmal Zeit und Mühe gekostet, diese Unterhaltung zu kreieren. Aber das hier ist ein Witz. Das Spiel macht einfach alles falsch, was es falsch machen könnte. Kein Multiplayer, keine CPU-Gegner am Tisch, die Grafik und der Sound sind gerade eben noch zweckmäßig und sogar für einen Game Boy Color keine Herausforderung. Ja sicher, es kostet nur 2€, aber wer will 2€ dafür ausgeben, ohne jeden noch so kleinen Reiz? Stellt Euch Super Mario Bros. vor: es gibt keine Gegner, keine Fallen, keine Löcher, keine Warpröhren, kein Zeitlimit, ja nicht einmal Wolken im hellblauen Hintergrund.

Und das ist genau der Haken: Jedes Spiel verläuft exakt gleich und nach spätestens 20 Minuten fragt man sich, was man da eigentlich gerade macht. Sinnvoller wäre es, sich vom Grabbeltisch für weniger Geld ein Kartenspiel zu kaufen und mit den Geschwistern darum zu spielen, wenn dieses Mal das Zimmer aufräumen oder diese Woche den Müll runterbringen muss - da geht es wenigstens um etwas.

Singleplayer: 11%

TheUnknown *, 5.255 Zeichen, veröffentlicht am 04.02.2012 •
Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Nintendo of Europe.
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Rezensionstext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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