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Das Geheimnis von Dragonville - May's Mystery

Das Geheimnis von Dragonville - May's Mystery, Covermotiv COOL, FRISCH ANS WERK
Als ich in den Releaselisten damals den Titel "Das Geheimnis von Dragonville - May's Mystery" las, dachte ich sofort, es wäre wieder mal nur irgendein doofes Wimmelbildspiel, mit einem übertrieben spannungsversprechenden Titel. Jetzt traf es neulich bei mir ein und als ich das Cover-Artwork sah, was meint Ihr, was mir da sogleich durch den Kopf schoss? "Ein Klon des großartigen Professor Layton", dachte ich, "cool, dann frisch ans Werk".

Das Modul eingelegt, DS angeschaltet und nach wenigen Augenblicken wisperte eine rätselig-verspielte Melodie durch die Lautsprecher. Ich wählte einen der drei Spielstände, gab meinen Namen ein und sofort begann ein kleines Introvideo. Das Mädchen May Stery und junger Bruder Tery Stery fliegen in einem Heissluftballon. Doch irgendwas geht schief, sie gelangen in ein Unwetter und René, der Ballonführer, fällt aus dem Gefährt ins Wasser.

VOR DEM STADTTOR
Als May nach dem Malheur erwacht, erhalten wir Kontrolle über sie und probieren erst einmal alles aus. Menüstruktur, Mays Tasche (Spiel speichern, Inventar verwalten, Minispiele nocheinmal spielen, etc.)... Nachdem wir das getan haben, befassen wir uns erstmal wieder mit May.

Sie stellt fest, dass sie irgendwie notgelandet sind, aber dass ihr Bruder nicht zu finden ist. Doch da liegt ein Brieflein. Tery hinterlies ihr die Botschaft, dass er sich auf in die nahe Stadt Dragonville machte, aber er sie nicht wecken wollte. Er werde bald zurück sein.

May aber hat keine Lust zu warten, sie steht auf und begibt sich vor das Stadttor. Doch sie darf nur passieren, wenn sie den Namen der Person weiss, die sie besuchen möchte. Die Antwort "Tery" ist schon einmal falsch und sonst kennt sie ja niemanden in Dragonville. Was also tun? Ohne einen Namen geht es nicht. Also guckt sie sich um. Da stehen an einer Wand mehrere Grafittis und eines lautet "Bürgermeister Doyle ist ein Trottel". Na, wenn das kein Hinweis ist! :)

Wir probieren unser Glück und wir dürfen tatsächlich eintreten. Zuerst begegnen wir Alphonse, der ein trauriges Lied spielt, weil er unglücklich ist. May beschliesst, ihn etwas aufzuheitern, indem sie mit ihm gemeinsam dieses Lied spielt. Also ist es unsere Aufgabe, genau dies zu tun: Alphonse spielt immer einige Noten vor und wir spielen sie nach...

RÄTELNÜSSE, RÄTSELPUNKTE
So bahnen wir uns, der kleinen May helfend, ihren Bruder zu finden, durch insgesamt 4 große Locations, lernen dutzende Personen kennen, knacken über 270 Rätselnüsse, seien es Logik-, Rhythmus- oder Verständnisrätsel, oder ebenso auch eine Handvoll Wimmelbildchen und kleine Puzzler und schauen sogar immer mal wieder Zwischensequenz-Videos an...

Für das Lösen einer Aufgabe gibt es anschliessend Rätselpunkte, und je weniger vorgegebene Hinweise wir für die Lösung in Anspruch nehmen und je seltener wir ein Rätsel wegen eines eventuellen Fehlversuchs neubeginnen müssen, desto mehr gibt es von diesen Rätselpunkten auf unser Konto. Das heisst, wenn ein Rätsel z.B. maximal 40 Punkte bringt, wir uns aber helfen lassen und vielleicht auch zwei Fehlversuche hinter uns hatten, bekommen wir z.B. nur noch 20 von den 40 Punkten, was zusätzlich anspornt, die Rätsel möglichst direkt zu absolvieren, damit wir später, wenn wir das Spiel mal durchgespielt haben werden, einen stattlichen Highscore vorweisen können.

Doch hat das Ganze einen kleinen Haken. Bereits schon zu Beginn muss man genau aufpassen, wie die Rätsel formuliert sind und was wohl als Lösung erwartet werden würde. Ein gewisses Maß an Lese- und Allgemeinbildung sowie Querdenker/innen-Vermögen sollte man mitbringen. Somit eignet sich dieses Abenteuer der kleinen May Stery nicht ohne Weiteres für jüngere Kinder. 12 bis 13 Jahre alt sollte man sicherlich schon sein, um es ganz allein versuchen zu können, sonst wäre der Frust zu groß, weil man die vielen Dialoge und Rätselerklärungen mitsamt -hinweisen nicht selbst lesen und die Aufgaben nicht selbst lösen kann. Ansonsten empfehle ich, das Spiel in einem Erwachsener-plus-Kind-Team zu spielen, wo dann die Texte von der erwachsenen Person vorgelesen werden und durch eigene Hinweise bei der Lösung eine kleine Stütze gegeben wird.

VERSTÄNDLICHKEIT
Allerdings macht dieser Titel nicht alles richtig, einige Dinge stören ein wenig. So ist die allgemeine Textlastigkeit bisweilen etwas nervend. Denn man kann einen Dialog nicht überspringen, sondern muss ihn Sprechblase für Sprechblase wegdrücken, was mitunter schon mal locker volle 15 bis 20 Sekunden dauern kann, ohne, dass man eventuell nicht mal wirklich den Text mitliest, sondern ihn einfach nur schnell wegdrückt!

Doch wenn man einfach nur wegdrückt statt mitzulesen, entgehen eventuell wichtige Fakten. Und wenn wir eines der Rätsel lösen wollen, müssen wir sehr häufig mehr als 4-5 Sprechblasen wegdrücken. Gelingt es uns allerdings nicht, das Rätsel sofort zu knacken und wir wollen es erneut versuchen, müssen wir erneut alle Sprechenblasen wegdrücken, weil uns alle Rätsel-Gesprächs-Dialoge noch einmal gezeigt werden! Eine Funktion, mit der man das Rätsel direkt neustartet, wäre sehr sinnvoll gewesen.

Auch wäre ab und zu die Verständlichkeit besser zu prüfen gewesen, denn die Formulierungen der Aufgabenstellungen einiger Rätseln sind hin und wieder irritierend. Und zwar nicht in dem Sinne, dass sie ganz genau mit spitzfindiger Artikulation verfasst wurden, sondern in dem Sinne, dass sie nicht klar und deutlich erklären, was sie eigentlich wirklich verlangen. Beispiel 1) Bei "Carmens Lippenstift" muss man Dreiecke verschieben, allerdings so, dass "die roten Teilstücke so auf dem Mund des Affen platziert werden, dass alles korrekt zusammenpasst." Und man stiert nur auf seinen DS und denkt sich: "Welcher Affe? Was davon sind bitteschön die Lippen? Und wie soll ich die ganzen Dreiecke auf diese viel zu kleine Fläche quetschen?"... Beispiel 2) Oder bei "Murmelkiste" heisst es am Ende "...wie viele Male müsstest du das tun, um von jeder Farbe zwei zu haben?". Die viel unmissverständlichere Formulierung wäre gewesen: "...wie viele Male musst Du das mindestens tun, um ganz sicher zu sein, auf jeden Fall zwei zu haben". Beispiel 3) Als letztes Beispiel soll "Minidominos" dienen, wo es heisst: "...platziere die Dominos so, dass die Zahlen in der dritten Spalte die Summe 4 ergeben." Nun, das würde man ja gern tun, aber was und wo soll denn da bitteschön die dritte Spalte sein? Die dritte Spalte von was? Und was wäre denn bitte die erste Spalte und was die zweite? So hockt man da mit seinen Dominosteinen, bestaunt die rot markierte Fläche im Innenteil und schüttelt nur den Kopf...

DIE LETZTEN ZWEI STUNDEN
Ebenso wirkt die eigentlich gut gemachte Zwischensequenz-Synchro nach vielen Sätzen etwas zusammengeklebt. Sodass jeder Satz für sich zwar immer überzeugend klingt, man aber trotzdem das Gefühl hat, die Synchronsprecher/innen haben jeden Satz einzeln ins Mikro gesprochen und ein Regisseur hat sie dann später in der richtigen Reihenfolge aneinandergereiht zusammengeklebt. Ist kein wirkliches Manko, aber wenn man genauer hinhört, fällt das doch etwas auf.

Nicht zu vergessen ein durchaus vermeidbarer Pferdefuss, für mich leider der größte Klops: Man kann einfach vor jedem Rätsel abspeichern, dann das Rätsel beginnen, ruhig alle Hinweise und Fehlversuche völlig ausreizen, bis man weiss, wie man das Rätsel perfekt lösen kann, und dann lädt man seinen Spielstand neu und kassiert mal eben locker flockig die volle Punktzahl, weil man nun die Lösung ja kennt. Hier liegt es dann an jedem selbst, diese kleine Lücke zum Schummeln auszunutzen - oder eben nicht auszunutzen.

Übrigens, Thema Speichern: Unseren Spielstand müssen wir stets allein abspeichern. Wer 2 Stunden gespielt hat und dann einfach abschaltet, hat ein Problem: der letzte Fortschritt, also die letzten 2 Stunden, sind dann futsch. Darum immer darauf achten, regelmäßig abzuspeichern.

FAZIT
Die grob 30 Stunden Gesamtspielzeit vergehen fast wie im Fluge, dafür sorgen die vier verschiedenen, großen, Locations, die realistischen und teils witzigen - nur manchmal etwas zu langen - Dialoge. Die Rätsel sind mehr als zahlreich, schön knifflig, die Grafik ist sehr schick gezeichnet, der Sound vermittelt eine angenehme Mystik-/Rätsel-Atmosphäre...

Ist das Abenteuer um May also bis hierher auf jedenfall eines Hitstempels wert, sind es die partiell enorme Textlastigkeit und die teilweise unklaren Aufgabenformulierungen mancher Rätsel, die dafür sorgen, dass May Stery nicht ganz auf einer Stufe mit Professor Layton steht, obwohl sie wirklich nicht allzu weit davon entfernt ist, genau dies zu tun.

Denn man arrangiert sich mit diesen beiden Dingen irgendwie und bei 270(!) Rätseln bleiben ja immer noch mehr als genug übrig, die richtig Spaß machen, und weshalb man der kleinen May auch unbedingt eine Chance geben sollte, um den Machern zu zeigen, dass sie fast am Ziel sind, und bitte mit Teil 2 - den ich mir wünsche! - ein Quäntchen mehr Feituning an den Tag legen sollen.

Ergo: Vorallem Layton-Fans, und davon gibt es ja sehr viele, dürfen ruhig zugreifen, um sich an 270(!) weiteren Rätseln zu erfreuen, die schon zu Beginn recht knifflig sind. Auch Neueinsteigerer/innen in das Rätsel-Adventure-Genre sollten ruhig mal ein Probespielchen wagen - es könnte sich sehr lohnen, denn die kleine May hat das Zeug, sich im Rätselgenre einen großen Namen zu machen.

Singleplayer: 80%

TheUnknown *, 9.440 Zeichen, veröffentlicht am 14.07.2011 •
Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Buschbaum Media & PR GmbH.
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Rezensionstext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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