KORG DS-10 Synthesizer

Nintendo DS

KORG DS-10 Synthesizer, Covermotiv
KLEINER BRUDER
Wer sich mit Musik ein wenig auskennt, kennt vermutlich den Synthesizer KORG MS-20; für viele Fans auch heute immer noch ein wunderbares "Instrument", oder zumindest ein begehrtes Sammlerstück.

An den kleinen Liebling aus dem Jahre 1978 angelehnt ist der KORG DS-10 - eine Software für den Nintendo DS. ...und eigentlich ist der DS-10 soetwas wie der kleine Bruder des MS-20; daher wurde aus der 20 eine 10 und das MS wurde zum DS.

Ich selbst bin zwar Musikfan und fühle mich in diesem Metier durchaus ein wenig zuhause, allerdings kommen bei Songs meines musikalischen Geschmacks nur äusserst selten Synthesizer vor und ich kann deshalb schlecht einschätzen, wie nah der DS-10 am MS-20 wirklich dran ist.

EIN PAAR TASTEN HIER UND DORT
Der DS-10 kann sich durchaus sehen und vor allem hören lassen! Was dieses Modul aus dem Nintendo DS herausholt, ist wirklich erstaunlich - aber genügt das, um z.B. selbst komponieren oder professionell damit arbeiten zu können?

Mit dem DS-10 "herumzuspielen" ist sehr einfach und es dauert keine 2 Minuten, da hat man ein paar Schalterchen betätigt, ein paar Pattern zurechtgelegt und hört nach dem Druck auf das Play-Symbol ein paar super Sounds. Nach und nach probiert man dann immer meh Optionen aus und kreiert, oftmals auch nur durch puren Zufall - wenn man ein paar Tasten hier und dort betätigt -, tolle Kompositionen.

Im Laufe der Zeit bedient sich die Software immer einfacher und wer sowieso mit Synthesizern arbeitet, hat von Anfang an keine Probleme, sich zurecht zu finden. Immer gezielter verbindert man bestimmte Klänge miteinander, immer mehr entspricht das, was man sich zu Beginn vorstellte, auch genau dem späteren Ergebnis: die Bedienoberfläche ist also klar und verständlich gegliedert und auch Laien verstehen auf Anhieb, was gemeint ist. Lediglich in den ersten paar Minuten muss man ein wenig suchen und ausprobieren.

DIGITALE MÖGLICHKEITEN
Aber reicht das aus, um den DS-10 als produktives Tool in der Musikbranche ernsthaft in Betracht zu ziehen - oder um vielleicht einfach nur ein wenig damit herumzuexperimentieren!?

Ja und nein! Wie schon erwähnt ist der DS-10 ein erstaunliches Stück Software. Doch alle verfügbaren Effekte, Schalter und dergleichen aufzuzählen, würde den Rahmen hier bei weitem sprengen; zumal sich alle Effekte, Tools, Spuren, usw., auch noch miteinander kombinieren und unterschiedlich aussteuern lassen.

Als "Instrument" für z.B. DJs oder für Produzenten im Studio ist hier also wirklich eine ganze Menge vorhanden, vor allem, wenn man den sehr günstigen Anschaffungspreis berücksichtigt (es sei denn, man ist noch nicht im Besitz eines Nintendo DS, versteht sich).

Was aber vor allem ärgerlich ist, ist dass es nur einen einzigen Weg gibt, seine Kompositionen vom Modul zu bekommen - und der ist rein analog! Sicherlich, professionell arbeitende Musiker haben genug ausgereiftes Equipment, um den Sound über den Klinkenstecker-Ausgang des Nintendo DS abzunehmen, ohne, dass die "Klangreinheit" durch die analoge Methode allzu sehr darunter leidet - und manche finden ja sogar, dass analoge Klangsysteme immer noch am besten, weil wärmer, klängen.

SLOTS UND ADAPTER
Doch warum hat man dem Modul nicht vielleicht einen kleinen Slot für Micro-SD-Karten spendiert? Oder einen speziellen Adapter beigelgt, der es ermöglicht, die musikalischen Werke von Modul über USB auf einen PC transferieren zu können - und sei es nur als MP3? Nicht, dass der Klang über den Kopfhörerausgang schlecht wäre - nein, keineswegs, er ist sehr gut! -, aber wirklich zeitgemäß ist das nicht mehr; und vielleicht auch manchmal unpraktikabel.

Bemängeln muss ich auch, dass der DS-10 nur je 16 Pattern und Steps per Pattern bietet. Das klingt zunächst viel, aber wenn man mehr als nur ein paar Töne zusammenmischen mag, sondern lieber komplexere Dinge fabrizieren möchte, stößt man schnell an Grenzen. Dies könnte man jetzt mit dem Mangel an Speicherplatz rechtfertigen, aber es wäre gewiss möglich gewesen, dies zu umgehen. Nötigenfalls durch eine alternative Erkennung einer separaten Speichererweiterung, wie z.B. für den Nintendo-DS-Browser, die in den GBA-Slot gesteckt wird - und schon wäre sehr viel mehr machbar gewesen.

STYLUSTIPPEREIEN
Bevor ich hier die Rezension abschliesse, muss ich wirklich die Kreativität und die Umsetzung loben. Was KORG DS-10 aus dem Nintendo DS herausholt, ist wirklich beachtlich! - nein, Korrektur: Erstaunlich! All die Funktionen und Möglichkeiten, auch im "Multiplayer", sind wirklich - ja, in der Tat erstaunlich.

Bedienen lässt sich der KORG DS-10 hervorragend. Der Touchscreen reagiert auf alle Stylustippereien sofort und die Bedienung des Keyboards, aller Knöpfchen, Stecker und Regler flutscht wahrlich von den Fingern, wenn man sich ein wenig eingearbeitet hat. Damit man aber nur mal so zum Rumspielen längerfristig seinen Spaß haben kann, fehlen hier vor allem Wege, seine Kompositionen z.B. direkt auf den Computer kopieren zu können; das ist zwar auch analog machbar (also über den Kopfhörerausgang am DS), aber oftmals erwarten einen dann Brummschleifen, Rauschen und so weiter - und ein profressionelles Mischpult hat kaum jemand. Ganz zu schweigen davon, dass es enorm umständlich ist, immer ein Kabel zwischen DS und Soundkarte des Computers zu legen und eine Aufnahmesoftware alles mitschneiden zu lassen.

Sicherlich eignen sich Synthesizer nicht für jedes Musikgenre gleichermaßen, daher scheint es sich hier eigentlich um ein Werkzeug für Pop- und Technoproduzenten oder für Club-DJs zu handeln. Und es ist offenbar auch wirklich so gedacht. Doch der zu knapp bemessene Speicher und die daraus resultierenden Beschneidungen, lassen komplexe Songstrukturen nur schwer zu. Dafür allerdings lassen sich hier und dort prima viele, viele tolle Melodien und Partituren herausarbeiten. Und für Club-Mixes und dergleichen hat man hier ebenfalls sehr, sehr viel Umfang zu erwarten - besonders, wenn man vielleicht gleich mehrere KORG DS-10 gemeinsam arbeiten lässt.

FAZIT
Inwiefern allerdings ein "echter Hardware-Synthesizer" sinnvoller wäre, ist schwer zu argumentieren. Der KORG DS-10 bietet erstaunlich viel für sehr wenig Geld, dafür aber muss man Abstriche im Umfang machen.

Es macht zwar wirklich Spaß, sich mit dem Synthesizer zu befassen und ein bisschen herumzuprobieren, doch bald schon lässt die Freude über dieses kleine Softwarewunderwerk nach, weil man nur kleine Melodien mixen kann. Für ganze Songs langt es auf gar keinen Fall, zumindest nicht, wenn man mit nur einem einzigen DS-10-Modul zu Werke geht. Doch das wäre einfach viel zu unpraktikabel - zumal es vermutlich für so manche einfach viel zu nervig wäre, die eigenen, kleinen Kunstwerke über den Soundeingang der Soundkarte mitschneiden zu müssen.

Wer aber Musikproduzent ist, und sei es nur als Hobby im eigenen Keller, der hat hier einen tollen Weg, seine Melodieideen schnell zu verwirklichen, oder wenigstens auf die Schnelle in den DS einzugeben, bis man wieder zuhause ist. Das dürfte leichter und konkreter sein, als sich Noten zu notieren, oder sich fest vorzunehmen, sich eine Melodie zu merken.

Und, nur, damit das wirklich vollkommen klar ist: Es gibt hier nicht den geringsten Highscore zu knacken oder irgendwelche versteckten Dinge freizuschalten. Es müssen keine Reaktionsrätsel gelöst, bestimmte Timings gemeistert werden, oder sonst irgendwas...! Dies hier ist ein Synthesizer, nicht mehr, nicht weniger. ;)

TheUnknown *, 7.486 Zeichen, veröffentlicht am 21.11.2008 •

Keine Wertung, da ausser Konkurrenz!


Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Nintendo of Europe
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Multi-Card-Play Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 10.10.2008, Preis: ca. 35-40€, 1-8 Spieler/innen

Bilder

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