Eurosport Winter Stars

Nintendo Wii

Eurosport Winter Stars, Covermotiv
3-2-1-GO!
Ich starte die Disc und gebe wie verlangt meinen Namen für das Spielerprofil ein. Und noch ehe ich's mich versehe, bin ich auf einmal auf der Piste; keine Menüs, keine Optionen, keine Erklärungen, gar nichts! 3-2-1-GO! Zack, bin ich auch schon mit meinen Skiern losgedüst, aber was genau ich machen soll oder warum, weiss ich nicht. Keine 20 Sekunden später verliere ich den Halt, überschlage mich und breche mir dabei das rechte Bein. AUA!

Erst jetzt verrät das Spiel, dass es volle Absicht war, mich ohne jede weitere Erklärung auf die Piste zu stellen; denn es gehört zur Story, dass ich mir das Bein breche. Mein gesamtes Team steht nun vor dem Aus. Alle sind abgereist, bis auf ein paar Sportler/innen, die mir bedripst erklären, dass alle davon ausgegangen sind, dass mit meinem Sturz der Cup nicht mehr zu gewinnen sei. Ich bin schockiert, dann traurig und dann will auch ich meine Sachen packen. Aber die drei Anderen erklären, dass sie dennoch motiviert sind, weiterzumachen und nicht aufgeben wollen... Es würde schon schiefgehen, und ich könnte doch den Trainer abgeben, denn ich sei ja ein guter Sportler, der vielen noch was beibringen könne. Nach kurzer Überlegung willige ich ein und das Team nimmt wie geplant am Cup teil.

AUWEIA!
Die erste Disziplin ist der Viererbob, und das Spiel bietet mir vorab mehrere Möglichkeiten. Ich kann z.B. mein Team mit gesammelten Erfahrungspunkten upgraden, ich kann mir erklären lassen, wie ich die kommende Disziplin spielen muss und worauf es dabei ankommt, etc. Papperlapp, die Steuerung erklären lassen - macht doch heute niemand mehr; ich will sofort loslegen. Aber ich versage total. Vierter und letzter Platz, auweia! Dann folgt der Biathlon. Dritter Platz. Ski-Abfahrt. Dritter Platz. Und zuletzt Eiskunstlauf mit dem vierten Platz.

Ich und somit mein Team haben es nicht gepackt und wir müssen den Cup nochmal von vorn spielen. Nach insgesamt drei Anläufen haben wir den Cup tatsächlich gewonnen. Super. Und so langsam verstehe ich das Konzept und bin mehr und mehr begeistert. Mir gefällt Eurosport Winter Stars erstaunlich gut. Es fängt bei der Präsentation an, geht über die Musiken, bis hin zur Steuerung - die wirklich mal anders ist und über das "schüttele so schnell wie möglich und lenke etwas nach links und rechts" hinausgeht - stattdessen wird vor allem Timing und Aufmerksamkeit verlangt.

Mit jedem gewonnenem Cup kommen mein Team und ich weiter und weiter in unserer Karriere. Wir sammeln Erfahrungspunkte, um unsere Ausrüstung zu verbessern oder um unsere Fähigkeiten zu steigern. Der Clou ist, dass die investierten Erfahrungspunkte nicht für das gesamte Team gelten, sondern nur für die Sportler/innen der jeweiligen Disziplin. Wenn ich also meine Biathletin auflevele, nützt das den anderen gar nichts; deshalb ist Vorsicht und Übersicht zu wahren, wer momentan wie gut ist, welche Diszplinen anstehen, und ob vielleicht auch mal Erfahrungspunkte eingespart werden können, weil durch Geschick mit Wiimote und Nunchuk eventuell noch fehlendes "Talent" eine Weile ausgegleichen kann.

ETWAIGE CUPS UND HERAUSFORDERUNGEN
Denn die Cups werden natürlich schwieriger zu meistern und selbst das beste Controller-Handling nützt irgendwann nichts mehr, wenn nicht auch die Fähigkeiten des Teams wachsen: mehr Ausdauer, mehr Haltung, mehr innere Ruhe, bessere Konzentration und all diese Dinge... Abseits der Cups gibt es ausserdem noch haufenweise Herausforderungen (und zur Belohnung somit weitere Erfahrungspunkte), wie etwa, beim Viererbob innerhalb einer bestimmten Zeit im Ziel zu sein und während der Fahrt eine vorgegebene Menge Münzen aufzusammeln. Zu beachten ist aber, dass etwaige Cups und Herausforderungen immer erst bestritten werden dürfen, wenn zuvor andere Cups und Herausforderungen erfolgreich abgeschlossen wurden. Das Team kann nämlich auf seinem Weg an die Spitze vorbei an 16 Cups und 40 Herausforderungen diesen Pfad nehmen, oder jenen, oder einen anderen... denn die Karriereliter verläuft nicht linear, sondern verästelt.

Außerdem kommen im Laufe der Zeit weitere Teammitglieder/innen hinzu, sodass am Ende 11 Disziplinen in immer wieder anderen Konstellationen und Gebieten/Umgebungen, sowie steigenden Schwierigkeitsgraden gespielt und gewonnen werden müssen: Viererbob, Snowboardcross (Stunts beim Snowboardfahren machen), Short Track (Eisschnelllauf), Biathlon, Ski Alpin Freeride (Stunts beim Skifahren machen), Ski Alpin Abfahrt, Skifliegen (Skispringen), Eiskunstlauf, Schneemobil (quasi Motocross mit Schneemobilen), Curling und Paraski (Mischung aus Skispringen und Paragliding).

PRÄSENTATION
Die Präsentation legt viel Wert auf Cutscenes - vor und nach jeder Disziplin. Bereits das Intro, mit dem Beinbruch und so weiter, ist sauber gemacht. Die Gestiken, Mimiken, Bewegungen - flüssig und realistisch. und keineswegs abgehakt oder roboterhaft. Lediglich die Darstellungsqualität hinkt dem heutigen HD-Standard hinterher, was natürlich der schwachbrüstigen Wii-Power geschuldet ist (leichtes Kantenflimmern, Zahnpartien der Charaktermodelle wirken im Verglich zu dem, was man von PS3 und 360 kennt, wie Styropor, usw.); doch für Wii-Verhältnisse ist das fast schon State of the art und alles in allem trotzdem sehr hübsch anzusehen und voller Details.

Dazu die perfekt produzierte und vor allem deutsche(!) Synchro (unter anderen mit fähigen Größen wie Sascha Rotermund oder Simona Pahl am Mikro). Man sieht, wie Offizielle das Equipment der Sportler/innen überprüfen und Notizen auf ihren Kladden machen, wie Reporter und Reporterinnen vor den Kamera stehen und live berichten, wie das Team sich miteinander unterhält, sich Mut zuspricht, miteinander scherzt, sich über Siege freut und über Niederlagen ärgert, und und und...

Beeindruckend, welcher Aufwand betrieben wurde, und wie gut das (für Wii-Verhältnisse!) aussieht und klingt. Nicht zu vergessen, dass wir es hier nicht mit 10-Sekunden-Videos zu tun haben, sondern die meisten dauern im Schnitt ihre 60-120 Sekunden, und bieten somit nicht nur eine willkommende Abwechslung, sondern sie lockern das Geschehen auf und verbinden den/die Spieler/in mit den Sportlern/innen auf dem Bildschirm auf geschickte Weise. Wer übrigens all dem nichts abgewinnen kann, kann die Videos jederzeit durch einen Tastendruck überspringen.

MULTIPLAYER
Neben der Karriere wird übrigens auch ein Multiplayer geboten; sowohl offline zu zweit als auch auch online zu bis viert. Im Offline-Multiplayer wird die Spielart gelegt und die Anzahl der zu spielenden Runden. Herrscht bei den Spielarten durchaus Abwechslung, sind die spielbaren Disziplinen immer auf drei reduziert: Ski Alpin Freeride, Snowboard Cross und Schneemobil. Das bedeutet, welche Spielart und wieviele Runden auch immer festgelegt werden, in jeder Runde ist es eine der drei genannten Disziplinen mit den möglichen Spielarten im Splitscreen: 1) Wettkampf (ohne jedes Extra ein ganz normales Wettrennen fahren), 2) Erobere die Flagge (Wettrennen, während man versucht sich gegenseitig die Flagge abzuluchsen, um mit ihr ihrs Ziel zu gelangen, 3) Coin Tornado (Wettrennen, und auf der Strecke müssen am meisten Münzen aufgesammelt werden, 4) Fun Race (Wettrennen mit Itemeinsatz) und 5) Rocket Race (quasi ein normales Wettrennen, aber mit Raketen, deren starke Schubkraft nicht zu sehr eingesetzt werden darf, da sie sonst explodieren und somit Zeit kosten).

Einen regulären Wettkampf, bei dem es nach jeder Disziplin entsprechend Punkte gibt, um am Ende zu schauen, wer am meisten Punkte gesammelt hat, gibt es leider nicht. Auch besteht nicht die Möglichkeit, abwechselnd zu viert oder mehr innerhalb derselben Session zu spielen. Sehr, sehr schade und beinahe schon ein Muss.

Im Online-Multiplayer sieht es ganz genauso aus, mit dem Unterschied, dass nicht nur zu zweit sondern mit bis zu vier Personen gespielt wird, wobei das Ganze über eine Lobby geregelt wird und dass CPUs fehlende menschliche Spieler/innen ersetzen, sodass immer zu viert gespielt wird.

TECHNIK
Insgesamt hatte ich zur Grafik, Musik und den Videos schon einiges geschrieben, deshalb kann ich es bei folgenden Worten belassen: Grafik und Sound/Musik gefallen mir sehr gut - vor allem für Wii-Verhältnisse. Mir gefällt auch sehr, dass es keine gläsernen Wände gibt. Das heisst, man kann im Sprung durchaus über die Banden gelangen, allerdings gilt dies dann automatisch als Sturz, sodass man die Chance hat, wenn man über die Banden gelangt, aber noch im Sprung ist, eventuell zu korrgieren. Bei vielen anderen Spielen gehen die Banden ja unsichtbar bis in den Himmel, sodass man man eigentlich immer nur daran entlang gleietet; schön, dass gezeigt wird, dass das auch anders geht.

Bis auf die relativ geringe Kritik zur Gestenerkennung im gleich folgenden "Negative Kritik"-Abschnitt habe ich auch zur Steuerung nicht mehr viel zu schreiben. Gut gelöst, interessant und ohne wirre Hampeleien und Armverrenkungen umgesetzt (vor allem beim Eiskunstlauf gefällt mir das Gesten-Konzept gut) - und nur bei 2-3 Disziplinen wünsche ich mir, dass die Steuerung sauberer mitspielen würde. Endlich wurde mal ein Weg gefunden, nicht immer einfach nur dauerhaft stumpf die Wiimote auf- und abschütteln und im richtigen Moment einen Button drücken zu müssen.

Unterstützt wird nebenbei erwähnt noch das Wii Balance Board, dass durch Gewichtsverlagerung auf das linke oder das rechte Bein die Neigungen von Wiimote und Nunchuk ersetzt. Funktioniert gut, doch ist das Gefühl der Kontrolle über das Geschehen mit Wiimote und Nunchuk irgendwie besser.

NEGATIVE KRITIK
Nun denn, fangen wir, auch mal ein wenig zu jammern! :) Es kann ja wohl unmöglich ALLES toll sein, oder?! Richtig, ein paar Kleinigkeiten möchte ich auch bei Eurosport Winter Stars aus der "Negative Kritik"-Kiste kramen.

1) Habe ich bei einer Disziplin - bei mir ist das der Biathlon - einmal den Bogen raus oder habe dort schon viele Erfahrungspunkte investiert, komme ich bereits zu Beginn der Karriere bis zu 90 Sekunden vor allen anderen ins Ziel, während ich auch noch locker mal 8 oder mehr der 10 Scheiben beim Schießen treffe - ich habe ja viel Zeit und keine Hektik. Sicher, das relativiert sich im Laufe der Karriere etwas, denn der Schwierigkeitsgrad zieht peu à peu an und sooo oft muss man auch nicht am Biathlon teilnehmen, aber so sind dann einige Disziplinen - je nach eigenem Skill - simpler als nötig. Hier wäre es eventuell sinnvoll gewesen, dass die CPU-Teams ebenfalls Erfahrungspunkte in sich investieren könnten, oder sich ein wenig dem Geschick des/der Spielers/in anpassen würden. Zumindest habe ich nicht Eindruck, dass dem so wäre.

2) Bei Ski Alpin Ride und Snowboardcross mangelt es etwas an einer ordentlichen Gestenerkennung. Man muss nach einem Absprung mit Wiimote und Nunchuk eine eingeblendetete Geste nachgemacht werden, um Stunts zu vollführen. Aber mein Sportler tut einfach gar nichts in der Luft - oder er tut es zu spät, sodass er noch in der Ausführung des Stunts wieder Bodenkontakt aufnimmt und sich natürlich derbe auf's Maul legt. Deshalb ging ich dazu über, hier die Gesten und Stunts beim Springen einfach zu ignorieren, oder am besten gar nicht erst zu springen, und schlicht und ergreifend auf Geschwindigkeit zu setzen und nach Möglichkeit nicht allzu oft in eine Bande zu kesseln, sodass ich dann trotzdem gut darstehe, wenn ich ohne spektakuläre Action wenigstens als Erster oder Zweiter im Ziel bin; besser, als sich permanent unschön langzulegen und deshalb auf jeden Fall Letzter zu werden. In kurzer Zeit Tastenfolgen (Z, C, C, B, A, B, B, Z - oder was weiss ich) eingeben zu müssen, statt die Controller zu schlenkern, wäre sicher die bessere Wahl gewesen.

3) Andererseits reagieren Ski Alpin Ride und Snowboardcross gleichsam sehr sensibel auf Lenk-Gesten. Um zu lenken, müssen Wiimote und Nunchuk nach links oder rechts geneigt werden, doch leider erwidert mein Sportler jede noch so zaghafte Controller-Neigung mit viel Einsatz, sodass die eigentliche Schwierigkeit fast allein schon darin besteht, beim allerkleinsten Lenken bloß nicht in die Banden zu donnern. Seltsamerweise reagiert dieselbe Lenk-Gesten-Steuerung bei der Disziplin Ski Alpin Abfahrt in absolut korrektem Maße.

4) Einen kleinen Bug habe ich auch entdeckt. Nicht wirklich schwerwiegend, passierte mir bis jetzt auch nur ein einziges Mal - aber immerhin offenbar ein Bug. Ich war gerade in der Karriereübersicht, wollte die nächste Station auswählen, brach dann aber erstmal ab und ging im Menü einen Punkt zurück, um doch lieber erstmal noch Erfahrungspunkte zu investieren. Danach wollte ich wieder eine Station der Karriere auszuwählen, aber der Punkt, diese gewählte Station zu starten, wurde nicht eingeblendet - bei allen Stationen. Sie konnten ausgewählt werden, aber nicht bestätigt. Ich habe das Spiel dann per Resetbutton verlassen und meinen Spielstand neugeladen - und da war die Auswahl wieder. Nichts war verloren gegangen, alles ok. Halb so wild - aber immerhin ein kleiner Bug, oder? :)

FAZIT
Ich hätte bei einer Wette um das beste Mehrkampf-Sportspiel 2011 für Wii mein Geld auf jeden Fall auf das neue Mario & Sonic gesetzt, welches jedoch nicht so wirklich zünden wollte. Umso mehr überrascht mich Eurosport Winter Stars, das dem Igel und dem Klempner 'ne lange Nase macht...

Besonders im Karriere-Modus, also dem Einzelspieler-Part, trumpft Eurosport Winter Stars auf und nur wenige Kleinigkeiten trüben das ansonsten runde Spielerlebnis. Bedauerlich ist auch, dass man deutlich merkt, wie sehr die Wii in Sachen Pferdestärken ihren Widersachen PS3 und 360 hinterherhinkt, denn dort sieht der Titel nochmals besser aus.

Der Multiplayer benötigt dringendst eine Wettkampf-Funktion, bei welcher alle Disziplinen nacheinander und/oder in Zweier-Paarungen gespielt werden können, um am Ende in einer Tabelle zu sehen, wer auf welchem Platz rangiert. Immer nur dieselben drei Disziplinen mit unterschiedlicher Ausrüstung zu spielen, wird sehr schnell sehr langweilig - vor allem, wenn es nur zu zweit ist, oder man im WiFi mit den anderen nicht kommunizieren kann.

Geheimtipp!

TheUnknown *, 14.140 Zeichen, veröffentlicht am 24.11.2011 •
Singleplayer: 84%
Multiplayer: 58%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Koch Media
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Wii-Fernbedienung Wii Nunchuk Wii Balance Board Nintendo WiFi Connection Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 18.11.2011, Preis: ca. 35-40€, 1-4 Spieler/innen

Bilder

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