Wii Music

Nintendo Wii

Wii Music, Covermotiv
PAPPSCHUBER
So langsam dürfte die "Wii Games"-Serie keine großen Neuerungen mehr bieten: Wii Sports, Wii Play, Wii Fit... Was könnte man da noch groß machen? Tja, man schickt einfach Wii Music ins Rennen. Das wurde ja auf der E3/2006, als die Wii enthüllt wurde, mehr oder weniger ur-vorgeführt. Und zwei Jahre später, auf der E3/2008, wurde es ausführlich präsentiert. Jetzt, also gute zweieinhalb Jahre nach der Ur-Vorführung, ist es endlich da.

Und wie schon die anderen "Wii Games", hat Wii Music etwas besonderes an sich. Wii Sports lag der Wii direkt bei, Wii Play lag den Wiimotes bei, Wii Fit kam mit Balance Board in einem extra großen Karton, und sogar "Wii Sports Resort" wird später ebenfalls mit einem neuen Feature erscheinen: Einem gesonderten kleinen Dingelchen, das die Bewegungserkennung abermals verbessert, und "Wii MotionPlus" genannt wurde.

Und Wii Music? Ja, das kommt in einem Pappschuber - damit man erkennt, dass es sich auch hierbei um etwas handelt, dass sich von allen anderen Games unterscheidet. Jawohl, richtig: Wii Music liegt keine zusätzliche Hardware bei. Und, ganz ehrlich, der Schuber ist hübsch, er gibt optisch so einiges her... ...wirklich!

23 TRADITIONELLE LIEDER
Die Musik, die von den gut 60 Instrumenten kommt, ist nicht "live" eingespielt, sondern MIDI-Sound. Störend ist auch, dass die Instrumente alle oft ähnlich klingen. Gut, gut, eine Gitarre ist nunmal auch eine Gitarre und kein Schlagzeug, aber wozu dann diese Vielfalt, die, wenn man im Spiel sein Instrument bedient, kaum herauszuhören ist? Und, so lustig einige Klänge wie z.B. die vom Hundekostüm auch sind (Bellen in verschiedenen Tonarten), so schnell hat man über die witzigen Geräusche ein paar Mal kurz gelacht, und dann war's das.

Es gibt so gut wie keine großen Hits, sondern größtenteils nur Allerwelts-Melodien, macht unter'm Strich: 9 klassische Stücke ("Ode an die Freude", "Eine kleine Nachtmusik"...), 23 traditionelle Lieder ("Morgen kommt der Weihnachtsmann", "Oh, my darling Clementine"...), 13 Popsongs ("Material Girl", "Every breath you take"...) und 7 Stücke, die Nintendo-Fans bekannt sein dürften (das Mario-Bros-Theme, das Zelda-Theme...).

Natürlich, Wii Music soll für möglichst viele Menschen interessant sein, und wir alle mögen unterschiedliche Musik, darum ist Vielfalt auch wichtig, aber wer benötigt 23 Lieder wie "O Tannenbaum", "La Cucaracha" und "Bruder Jakob", wenn es insgesamt nur etwa 50 Songs gibt, die alle so oder so immer mehr oder weniger orchestral klingen? Gäbe es mehr Auswahl und Abwechslung, wäre das gar kein Problem, aber so sind dann knapp die Hälfte aller Songs Sachen, die man mit Freunden absichtlich verhunzt, sich darüber amüsiert, und dann hat sich's auch schon wieder ausgelacht.

Das ist besonders ärgerlich, weil gerade Dinge, wie etwa das aus F-Zero bekannte Mute-City-Theme oder das Mario-Bros-Theme, soweit wirklich nett sind.

IMAGINÄR UND DOCH RECHT REALITÄTSNAH
Ihr wählt zuerst die gewünschte Anzahl Spieler/innen und Eure Miis. Dann einigt Ihr Euch auf die Bühne, auf der Ihr performen wollt und legt Euch auf den gewünschten Song fest. Nun wählen alle ihre gewünschten Parts und die Instrumente, die verwendet werden sollen. Dann seht Ihr, etwa wie ein Musikvideo auf TV-Sendern, Euch auf der Bühne, wie Ihr Eure Instrumente spielt und daraus einen Song macht.

Löblich ist, dass alle Instrumente recht realitätsnah bedient werden - jedoch nicht realitätsnah genug: Die Trompete z.B. haltet Ihr Euch vor den Mund, sodass das Steuerkreuz der Wiimote zu Eurem Mund zeigt, und bedient sie mit den Fingern, wie eine echte Trompete. Allerdings drückt Ihr eigentlich immer nur auf die Tasten 1 und 2 - welche, ist dabei fast egal. Das Schlagzeug z.B. wird mit Nunchuk und Wiimote bedient; so, als würdet echte Drumsticks halten. Komisch ist nur, dass Ihr zwar immer mit den "Drumsticks" in die Luft haut, aber dass z.B. auch die Bass Drum ganz von allein spielt, auch, wenn Ihr z.B. auf die Tom schlagt. Es macht also keinen Unterschied, ob Ihr mit Wiimote oder Nunchuk "schlagt", denn das Instrument bestimmt eigentlich fast von ganz allein, was jetzt als nächstes kommt. Na gut, haltet Ihr z.B. die A-Taste, trefft Ihr immer das Becken, aber das ist nicht sonderlich tröstlich.

Und so geht das bei so gut wie allen Instrumenten: Sie spielen sich zwar imaginär und doch recht realitätsnah, aber trotzdem spielen die Instrumente sich im Grunde völlig von selbst. Egal, was Ihr auch macht, irgendein Ton kommt dabei immer heraus, und es ist praktisch immer der, der auch jetzt als nächstes in den Partituren steht. Ihr selbst kümmert Euch nur um das Tempo und die Tonart. Das bedeutet, wenn Ihr etwa bei den Gitarren wie wild in der Luft herumfuchtelt, statt im Takt zu bleiben, spielt Ihr viel schneller, als eigentlich nötig. Zwar erlangt man so dann natürlich kakophonische Klänge, aber die Melodie des aktuellen Stücks hört man trotzdem noch heraus - nur ist sie halt sehr, sehr schnell.

Und drückt Ihr - je nach Instrument - dabei noch eine bestimmte Taste, verändert sich der Ton ein wenig. Ihr dürft also keine eigenen Melodien oder eigenen Noten spielen, selbst, wenn Ihr das wolltet, und absichtlich so sehr daneben haut, wie nur irgendwie möglich: Es klingt immer noch sehr, sehr deutlich nach der Melodie des gerade performten Songs. Ihr könnt allerhöchstens das Instrument gar nicht bedienen, indem Ihr weder Wiimote und Nunchuk bewegt, noch irgendeinen Button drückt; aber das ist wohl nicht gerade das, was man allgemeinhin unter Künstlerischer Freiheit versteht.

GENAU ODER UNGENAU
Letzten Endes ist es zwar gar nicht so einfach, den richtigen Takt zu halten, und vll. ein bisschen mit den Tonarten rumzuprobieren, aber die Lust, die Motivation, der Spaß daran, lassen sehr schnell nach. Der reine Spaß-Part, also einfach nur ein paar lustige Töne zu fabrizieren, verflüchtigt sich schnell. Die Motivation, weiterzumachen, vielleicht besser zu werden, wird gebremst, weil die Instrumente eigentlich von ganz allein spielen. Und somit ist die Lust, einfach ein anderes Game zu zocken, dann sehr bald viel höher, als zunächst wahrscheinlich erwartet, wo doch damals auf der E3 so viel Tamtam gemacht wurde.

Musik-Games wie Guitar Hero, Rock Band oder Singstar transportieren das "Realitätsfeeling" einfach besser. Zugegeben, das Konzept von Wii Music ist ein völlig anderes, und auch bei Singstar langt es schon, die hintergründige Tonart zu summen, und bei Guitar Hero drückt man kleine Knöpfchen, statt Saiten zu zupfen, aber trotzdem macht es verdammt nochmal viel Spaß. Nicht nur, weil der Realismus höher ist, sondern auch, weil andere Dinge die Motivation hoch halten: Die Songs von den persönlichen Lieblingen, egal ob Pop-Sternchen, Hip-Hop-Altmeister oder Gitarren-Virtuose des Rock'n'Roll, zu imitieren, macht einfach mehr Fun, als die ollen Kamellen von damals zu tröten.

Ausserdem gibt es bei dieserlei Games ein Punktesystem, anhand dessen man seine eigene Leistung abschätzen kann. Bei Wii Music spielt man einfach drauf los, und am Ende bestimmt man ganz einfach selbst, wie gut man war, und gibt sich selbst die Punktzahl, die man gern hätte - völlig gleich, wie genau oder ungenau der Auftritt gerade war.

YOUTUBE KONKURRENZ MACHEN
Videoportale im Internet sind sehr, sehr beliebt. Man lädt ein Video hoch und teilt es mit anderen. Das geht auch in Wii Music! Ihr performt Euren Song, und am Ende dürft Ihr ihn als Clip abspeichern und Euch immer wieder angucken, oder über WiFi anderen schicken.

Aber wer will das schon? Darüber lachen kann man nur, wenn man gemeinsam gespielt hat und es sich gemeinsam anguckt - und ein zweites oder gar drittes Mal möchte man das bestimmt nicht sehen, weil man hinterher sowieso nicht mehr nachvollziehen kann, wie man was alles gemacht hat. Und, mal ehrlich: Darüber fachsimpeln, wie genau Noten getroffen wurden und so weiter, kann man auch nicht - will man auch gar nicht. Man kann sich höchstens mal dafür loben, dass man in einem bestimmten Abschnitt das Tempo sehr genau gehalten hat.

WER WIRD WII-MUSIC-IONÄR?
Es gibt aber eine Sache, die macht Wii Music vollkommen richtig: Das ist der Musik-Quiz-Part, der ist wirklich gut! Hier ratet Ihr nicht, wer welches Lied gesungen hat, oder wann Künstler X sein erstes Album veröffentlichte, sondern hier geht es um musikalische Allgemeinbildung.

Ihr sortiert verschiedene Töne von ganz tief bis ganz hoch, müsst erkennen, ob die eben abgespielte Note ein C oder D oder E war, welche der 5 Musiker einen bestimmten Dreiklang bilden, usw... Das macht ehrlich Spaß - und es gibt sogar ein Zeitlimit und Punkte, wenn man fertig ist. Sogar 8 verschiedene Schwierigkeitsstufen sind vorhanden.

DRUMKIT
Eine weitere soweit interessate Sache ist noch der Drumkit-Modus. Ihr haltet Wiimote und Nunchuk in den Händen, während Ihr auf einem Stuhl sitzt. Zu Euren Füßen befindet sich ein Wii Balance Board (welches Ihr also bereits besitzen müsst). Mit dem rechten Fuß bedient Ihr die Bass Drum, mit dem linken das Hi-Hat. Und mit Nunchuk und Wiimote bedient Ihr Becken, Toms, etc... Damit das Spiel aber weiss, welchen Teil des Drumkits Ihr bedienen wollt, müsst Ihr z.B. die A-Taste halten, oder eine Richtung des Steuerkreuzes und so weiter.

Der einzige Wehrmutstropfen ist hier aber, dass Ihr nur allein antreten könnt. Wie man auf einem Schlagzeug spielt, lernt man so aber nicht, weil das intuitive Wechseln zwischen Hi-Hat und Tom, nicht durch einen Richtungswechsel des Arms, sondern durch Drücken eines anderen Buttons vonstatten geht. So ist also zwar der Realismus nicht ganz so hoch, aber dafür macht es trotzdem Spaß, sich eine Weile mit dem Drumkit zu beschäftigen.

FAZIT MIT KLEBEBILDCHEN
Toll sind das Quiz, der Drumkit-Modus, und - zugegeben - der Dirigenten-Modus ist eigentlich auch noch ganz nett, obwohl man hier nur zwischen "schneller" und "langsamer" unterscheidet.

Alles in allem ist Wii Music aber bei weitem nicht das, was man davon eigentlich erwartete. Instrumente wie das Hundekostüm oder der DJ-Plattenteller (zum Scratchen) machen wirklich lustige Geräusche, und gerade, wenn man sie schnell bedient, klingt es noch komischer - aber das hält einfach nicht lange genug bei der Stange.

Darüber hinaus klingen viele Instrumente sehr ähnlich, zumindest auf der Bühne, und sie spielen sich auch noch fast von allein, weil es im Grunde egal ist, was man macht - wichtig ist soweit eigentlich nur das Tempo, und dass man irgendeinen Button drückt oder irgendeine Geste macht. Sicherlich ist es schwierig, eine so-realitisch-wie-möglich-Kontrolle auf Wiimote und Nunchuk zu übertragen, doch genau das ist leider das Problem: Ihr schrebbelt ein bisschen hin und her, lacht Euch anfänglich dabei kringelig, und dann versucht Ihr nochmal mit Eifer, das Ganze wirklich gut hinzubekommen; doch spätestens nach 2 Tagen ist einfach die Luft raus, weil der Ansporn fehlt, da man nicht mal Punkte bekommt oder sonstige Belohnungen, wie weitere Songs. Die bekommt Ihr, wenn Ihr eine bestimmte Menge Clips abgespeichert habt - dabei ist es ganz gleich, wie gut die geworden sind: Die Menge macht's!

Auch die Songs selbst sind nicht gerade das Gelbe vom Ei: Die Hälfte der Songs ist uninteressant, und 50 Songs sind auch nicht nicht sonderlich viel... ...und der spielerische Anspruch per se unterfordert - ja langweilt sogar - sehr schnell; freilaufende Kreativität hin oder her. Es müsste einfach mehr Möglichkeiten geben, eigenen Einfluss auf die zu spielende Melodie zu nehmen; etwa, indem man, mangels Übung, auch mal einen falschen Ton spielt, oder man zunächst nicht in der Lage ist, eine bestimmte Tonfolge sauber nachzuspielen...

Und nur für ein Quiz, das relativ schnell absolviert wurde, und ein einigermaßen realistisches Drumkit, für welches ausserdem noch das Wii Balance Board zwingend benötigt wird, lohnt sich der Kaufpreis einfach nicht.

Es ist wie mit diesen Sammelheften, in die man Klebebildchen von Fußballern klebt: Es ist hübsch, macht anfangs auch ein bisschen Spaß, aber dann merkt man, dass das ganze Zeug einfach viel zu teuer ist, und eigentlich weiss man auch nicht so recht, was man sich davon verspricht, wenn man später das Heft voller Bildchen geklebt hat - es liegt ja doch nur im Schrank rum.

Und angeben kann damit auch noch nicht mal, weil's einfach niemanden interessiert, solange man nicht wirklich Geige, Flöte, Gitarre oder Klavier spielen kann. Wer will schon einen Clip sehen, in dem lustige Computerfigürchen quasi automatisch eine Melodie nachspielen? Seine Eltern und Großeltern kann man damit zumindest nicht beeindrucken. :)

Sorry, Nintendo, aber diese Software ist der berühmte Satz mit X!

TheUnknown *, 12.711 Zeichen, veröffentlicht am 24.11.2008 •
Singleplayer: 50%
Multiplayer: 53%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Nintendo of Europe
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Wii-Fernbedienung Wii Nunchuk Wii Balance Board Nintendo WiFi Connection Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 14.11.2008, Preis: ca. 45-50€, 1-4 Spieler/innen

Bilder

Wii Music, Screenshot #1Wii Music, Screenshot #2Wii Music, Screenshot #3Wii Music, Screenshot #4Wii Music, Screenshot #5Wii Music, Screenshot #6

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