Eyes on Nintendo

Audio-Interview mit Charles Martinet

Hier haben wir mal wieder ein ganz besonderes Special! Ein fast neunminütiges Audio-Interview mit Charles Martinet. Charles Martinet ist die Stimme von vielen Nintendo-Charakteren; vorallem natürlich von Mario, Luigi, Wario und Waluigi, falls das hier irgendjemand noch nicht gewusst haben sollte. ;)

Das Interview ist komplett in Englisch. Und da das ja nicht alle von Euch gleichermaßen verstehen, gibt es obendrauf noch die Mitschrift auf Deutsch, damit Ihr Euch beim Anhören besser orientieren könnt!

Das Interview als Abschrift in Deutsch zum Nach- und Mitlesen!


«Hellooo, it's-e me!» Ich bin Charles Martinet. «Hier ist Mario! Und Wario, hähähä! Und Waluigi, vergesst mich nicht! Hoooo, vergesst auch Luigi nicht! Und Baby Mario, huhuuu! Und Baby Luigi, hoooo!»

Seit fast 20 Jahren mache ich nun schon diese tollen, witzigen Stimmen. Und ich mach sie für Mario, Wario, Waluigi, Luigi, Baby Mario und Baby Luigi. Nun, das ist wunderbar... ...einer meiner Freunde rief an und sagte: "Es gibt ein Casting. Und du musst unbedingt zu diesem Casting. Es ist für eine Messe." Und ich dachte: "Ich möchte eigentlich nicht zu einem Casting gehen, wenn ich dorthin nicht eingeladen worden bin." Aber dann dachte ich: "OK, ich habe nichts zu verlieren, ich gehe mal hin".

Als ich an die Tür klopfte, und sie öffnete, fragte ich: "Kann ich bitte auch noch vorsprechen?". Aber die Kamera war schon längst abgebaut, und der Typ, der Produzent, schaute auf seine Uhr, und er: "Nun... ok... sie sind ein italienischer Klempner aus Brooklyn, und es ist eine Live-Show, und ihnen werden diese Dinge ins Gesicht geklebt, und sie werden als Mario, der Klempner, auftreten. Sie sprechen den ganzen Tag mit Kindern, sie sprechen mit Erwachsenen... Also machen sie eine Stimme eines italienischen Klempners aus Brooklyn, und stellen sie sich ein Videospiel vor, und fangen sie einfach an zu sprechen."

Und ich dachte: "Wow, ein italienischer Klempner aus Brooklyn. Wie hört sich das wohl an? " «Hey, wie geht's? Ich bin Mario, ich hänge gerade unter Deiner Spüle, also nerv' mich nicht!». Nein, das klingt nicht sonderlich nett. Für Kinder, und so. Und ich überlegte, was wohl netter klingen würde. Und ich hatte damals Grammio, "The Shrew", gespielt, vor vielen Jahren, vor einem Shakespeare-Auftritt. «Und Grammio war ein netter, italienischer Typ - so ungefähr!»

Ja, könnte viel freundlicher klingen, wenn ich ihn ein bisschen netter spreche, und ich dachte: OK, dachte ich, jetzt stell' dir noch ein Videospiel vor. Und ich hatte vorher nur Pong gespielt, und Asteroids, und Tank! Und ich dachte: Wie zum...? Was ist ein Videospiel? Und plötzlich hörte ich: ACTION!

Und ich: «Hallooo, ich-e bin es, Mario. Okidoki. Du und ich, wir werden einen Pizzateig machen. Du holst die Würstchen, ich hole die Pasta. Und wir legen die Spaghetti und die Pasta auf die Pizza. Und dann laufe ich dir mit der Pizza hinterher. Und dann läufst du mir mit der Pizza hinterher. Und dann machen wir Linguini. Und dann laufe ich dir mit den Linguini...» Und ich weiss nicht mehr, was ich genau sagte, aber ich habe nicht aufgehört zu reden, bis das Band zu Ende war. Und ich habe gemerkt, wie der Produzent da saß, und sich dachte: "Ich frage mich, wenn ich jetzt aufstehe und hinauslaufe, ob der da jemals aufhört zu labern!".

Und, das Band war also zu Ende. "STOP! STOP! Das Band ist am Ende, dankeschön. Wir melden uns bei ihnen!". Und, wissen Sie, das ist für einen Schauspieler der Todeskuss. Das heisst in der Regel: "Ich werde nie wieder etwas von denen hören!". Mir dessen sicher, ging also wieder hinaus und er rief Don James von Nintendo an und sagte ihm: "Ich habe unseren Mario gefunden!". Und von all den Bandaufnahmen, hat er ihm nur meine geschickt. Und das ist jetzt 19 Jahre her!

Ich liebe Nintendo-Spiele absolut! Ich liebe alle Mario-Spiele! Luigi's Mansion - das ja ist auch schon wieder eine Weile her, aber... aber... aber ich liebe auch die neuen Wege, die Herr Miyamoto... er... er ist solch ein Genie! Er kreiert diese riesigen Welten - für alle, damit sie damit spielen können! Ich glaube, es begann mit Nintendogs, wo... Du musst kein intensiver Spieler sein, um damit einfach nur total Spaß zu haben. In dieser Welt, oder in jener Welt, oder fit werden, oder Yoga machen... oder, was immer es ist... Also, ich liebe die Art, wie diese Spiele gemacht sind. Für jeden! Alle können es einfach aufnehmen und damit spielen. Meine Mutter kann es, mein Vater kann es. Leute, die normalerweise nicht spielen, können es in die Hand nehmen, und eine tolle Zeit haben.

Ich liebe Mario Kart für die Wii. Und meine Nichten und Neffen, und... wir spielen gemeinsam. Und ich verliere immer, sehr oft eigentlich. Und ich mag auch das Lenkrad, aber ich bin nicht so gut mit dem Lenkrad, wie ich es mit dem Controller bin. Ich habe einen 6 Jahre alten Neffen, und äh, er besiegt mich jedes Mal. Es ist so süß! Aber, um wieder zurück zu Luigi's Mansion zu kommen... Ich liebe dieses Spiel «Ma-Ma-Ma-Maaarioooooo», «Luigiii, hol mich hier raus!», «Ooohhhhhhhh!»

Wenn sie mir damals erzählt hätten, was für eine wundervolle Reise voller wunderbarer Spiele... Ich hatte es niemals geglaubt. Ich hatte es niemals gekannt. Es hat so viel Spaß gemacht. Und zu einem Event zu gehen, diese wundervollen Menschen zu treffen, und Kinder, Autogramme geben... ...einfach diese Leute zu treffen, und zu sehen, wie sehr sie diese Spiele lieben, ist solch eine Freude, und solch eine Ehre für mich.

Ich lebe in Sausalito, in Kalifornien, das direkt hinter der Golden Gate Bridge bei San Francisco liegt. Ich lebe in einem Haus, das eigentlich für Frederic Schillers Ur-Ur-Enkel gebaut wurde, der dieses "da, da, da, da, da" geschrieben hatte und ein Philsoph war. Es wurde in Österreich gebaut, wurde um das Horn herum geschifft, den Berg raufgehoben, und im Boden verankert, wo ich lebe... Es ist ein wunderschönes Haus! Und es wird immer nur "The Pink House" genannt. Und er liebte Muscheln, dieser Mann, also sind überall Muscheln eingraviert, und das ist sehr schön anzusehen.

Und dann, zum Spaß, fahre ich viel Fahrrad, auch für Wohltätigkeitsveranstaltungen, für Aids-Stiftungen, Aids-Kliniken, und noch für andere Wohltätigkeitsveranstaltungen, und ähm, ich wandere gern, ich spiele mit meinem Hund beim Spazierengehen, ich liebe auch Gärtnern. Und wenn ich nicht DIESE Arbeit mache, mache ich noch viele andere Stimmen für andere Spiele, für Fernsehwerbung, und sowas.

Ich habe einen Agenten in Los Angeles und einen in San Francisco, und ich habe ihnen einfach so Sounddateien geschickt - das Wunder des Computerzeitalters, einfach so Sounddateien verschicken... Ich kann überall auf der Welt arbeiten, ich geh in ein Studio, und... vor zwei Wochen habe ich für London gearbeitet, in meinem Studio, in einem anderen Studio, und neulich, ich hatte einen Kunden, der in New York ist, für eine Firma in Virginia, und die Person, die mit mir arbeitete war in Los Angeles und ich war in San Francisco, also, wir waren über das ganze Land verstreut - das ist das Wunder des digitalen Zeitalters...

Ich meinem ersten Auftrag, für Echtzeit-Animation... Die Leute sehen auf einer Art Fernseher Marios Kopf, und ich hatte Kontakte in meinem Gesicht kleben, um meinen Mund, und ich sagte: «Iihhhhhh», «Uuhhhhhh» oder «Aahhhhh». Dann reagierten die Kontakte, die Signale an einen sehr großen Super-Computer, der so groß wie ein Tisch war, weitergaben, und brachten das Gesicht auf dem Fernseher in Bewegung... Und das liess Mario «Hallooo» sagen, wenn ich «Hallooo», äh, «Ich bin-e es, Mario» - «Ichbin-e es, Mario», wissen sie.

Heute ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass ich zuhause, mit meinen Häschen-Hausschuhen an den Füßen, an meinen Laptops sitze, die Leute mit einer versteckten Kamera sehen kann, und so, über ein spezielles Mikrofon, im Nintendo World Store oder hier in Berlin auf diesem Kinder-Festival sein kann, oder sonstwo... aber ich bin zuhause, in meinem Büro, und ich sehe und höre sie, die Kinder, und sie sehen den gesamten Körper Marios herumlaufen, den ich kontrollieren kann. Und wenn ich spreche, geht das direkt in das Mikrofon, und wenn ich sage «Uhh», macht Marios Mund «Uhh». Und ich sage: «Hallo, ich bin's, Mario!» Es ist... es ist so einfach!

Ich kann die Leute sehen und zum Beispiel sagen: «Oh, mamma mia, sieh' nur, du trägst einen roten Hut, Marios Lieblingsfarbe, whuwhuuuu». Und sie sagen: «Hallo Mario, warum bist du nicht in deinem Spiel?» «Ich kam direkt aus meinem Spiel, um hier mit dir sprechen zu können. Aber keine Angst, wenn du wieder mein Spiel spielst, werde ich sofort zur Stelle sein und "Whuwhuuuuu" sagen, weil ich mich freue, dich zu sehen.» Man kann sich so einfach unterhalten, über alle Dinge dieser Welt!

Herr Miyamoto ist solch ein großes Genie, ich könnte mir nicht mal vorstellen, womit er als nächstes kommt! Ich war damals in Japan, um die Stimme für Mario Galaxy aufzunehmen, und ich hatte zuvor noch nichts von diesem Spiel gesehen. Und dann sehe ich Mario, kopfüber, und dann fliegt er von Planet zu Planet... das ist unglaublich! Wie kommt der nur auf solche Sachen? Ich kann mir das nicht vorstellen! Ich weiss, es kommt ein neues Mario-Spiel, aber ich... ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein wird. Aber ich weiss, es ist wird großartig sein.

Ich hoffe, in 20 Jahren werden wir genau an dieser Stelle in Berlin sein, und ich werde erzählen, dass ich diese wundervollen Stimmen für alle Charaktere nun schon seit 40 Jahren spreche. «Whuwhuuuu, dann wird-e Mario vielleicht ein-e bisschen mehr so klingen...»

TheUnknown *, 9.611 Zeichen •
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