Eyes on Nintendo

Interview mit Matthias Engert, Chefredakteur vom Mag64

Dieses Interview vom 30.01.2005 habe ich mit Matthias Engert, dem Chefredakteur des Mag64 führen dürfen. Matthias plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen seines Berufes, sinniert über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Videospiele und gibt einige sehr interessante Antworten!

Das Mag64 erreicht Ihr seit 1997 unter www.mag64.de!

Wie wird man eigentlich Spieletester/in? Sicherlich träumt so gut wie jede/r Videospieler/in davon, dieses Hobby beruflich ausüben zu können. Aber wie kriegt man letzten Endes den Hintern hoch und wird dann auch tatsächlich Spieletester?

Zunächst mal ist das Wort Spieletester in meinen Augen nicht ganz zutreffend. Was viele bei einem solchem Job immer übersehen ist das doch ein wenig mehr dran hängt als nur seine Konsole anzuschmeißen und locker drauf los zu zocken. Der Teil macht natürlich am meisten Spaß, sofern auch das Spiel das hält was man sich davon verspricht. Bei Titeln wie Resident Evil 4 beneidet man vielleicht den Redakteur, bei einem 3 Engel für Charlie möchte dann plötzlich niemand mehr tauschen. ;-)

Die Zeiten in denen man speziell auf dieses Tätigkeit hinarbeiten mußte sind
eigentlich vorbei. Man kann heutzutage in viele Redaktionen schauen und findet sehr viele Quereinsteiger in dieser Branche. Nimm mein Beispiel, das sich hier zufällig ganz gut anbietet. ;-) Vor 7 1/2 Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen das ich eines Tages mal Interviews gebe, geschweige denn ein Magazin zu leiten. Das ganze fing damals wie bei vielen auch bei uns als Hobby an, wobei 1997 die Bedingungen ein Internetmagazin zu schaffen noch ein wenig anders waren als heute. Wir hatten damals einfach Lust über unser Hobby zu schreiben und andere Leute daran teilhaben zu lassen. Und nach 7 1/2 Jahren kann man feststellen das wir zumindest nicht alles falsch gemacht haben.

Die Sache mit dem Hintern hoch bekommen ist sicherlich der interessanteste Teil der Frage. Denn wiegesagt stellen sich viele das ganze zunächst wunderbar vor. Doch Rückschläge erlebt man früher oder später immer wieder und erlebt nicht nur die rosigen Zeiten. Heutzutage gehört immer noch in meinen Augen auch mehr als nur eine Prise Idealismus dazu um so etwas anzugehen. Wer dann nur Geld verdienen will erlebt dann meist eine böse Überraschung. Was heißt Durchhaltevermögen ist wichtig und vor allem nicht den Spaß an der Sache zu verlieren. Niemand nimmt einem den Job ab wenn nur noch gelangweilt Titel vorstellt und belanglose Artikel verfaßt.

Und zu guter letzt gehört auch ein bischen Glück dazu. Auch bei uns war das nicht anders. Ob das damals eine Einladung zur Spielwarenmesse war, durch die wir an sämtliche Publisher gelangten, Technikfirmen von denen man Equipment gestellt bekommt oder einfach nur persönliche Kontakte die auch mal zufällig entstehen. Wobei gerade dies der schwerste Teil am Anfang war die Firmen davon zu überzeugen die "Spieletester" auch zu unterstützen. Denn alles kaufen ist nicht Sinn der Sache und natürlich auch eine Frage des Geldes.

Denkst Du, dass man sehr erfahren sein muss, wenn man Videospiele testen möchte? Genügt es, das Tutoriallevel zu spielen, und schon kann man das Spiel recht bald meistern und darüber berichten, oder muss man schon eine Art "Zock-Begabung" oder sogar Leidenschaft mitbringen!? Und: Reicht es aus, gut spielen zu können oder muss man auch wissen, wo man die Kommas in die Sätze stellen muss? Was ist wichtiger!?

Ich denke schon das eine gewisse Erfahrung nicht schaden kann. Aber Du wirst z.b. immer erleben das Leser an Deinem Sachverstand zweifeln wenn Du in ihren Augen die falsche Wertung veröffentlichst. Übrigens das älteste Thema seit es Spiele gibt. ;-) Dennoch ist natürlich Erfahrung nicht zu unterschätzen und dient in erster Linie der Glaubwürdigkeit. Niemand nimmt einem 12jährigen einen Konsolenvergleich zwischen dem SNES und dem GCN ab um es mal sehr überspitzt auszudrücken. Außerdem bereichert es die eigene Arbeit natürlich immens. Hat man viel gespielt sind Vergleiche wesentlich fundierter.

Dazu kommt auch das Thema mit dem man sich beschäftigt. Würden wir als Mag'64 jetzt plötzlich XBox oder PS2 Titel im Magazin vorstellen würde man uns mit Argus Augen beobachten. Das wissen wir auch selber und nicht nur deshalb wird das nicht passieren. Beim Thema wie man über Titel berichtet gehe ich persönlich allerdings kein Kompromisse ein. Aufgrund eines angespielten Levels oder halbfertig gespielter Spiele wirst Du bei uns keinen Test finden. Auch dies ist einer der wichtigsten Punkte beim Thema Glaubwürdigkeit. Wie Du das Spiel letztendlich einschätzt sei mal dahingestellt. Kannst Du den Lesern aber ein Spiel vorstellen das Du selber von Anfang bis Ende gezockt hast wird das honoriert. Diese Erfahrung haben wir zumindest gemacht und war in unserer Arbeit seit Anbeginn fast schon Religion.

Seien es Fehler im Spiel, wie sich ein Game im Verlauf entwickelt oder ob aus einer anfänglichen Gurke hinten raus vielleicht ein Klasse Spiel wird. Das kann man eben nur sagen wenn man es durch hat. Diese Kontinuität ist heutzutage wichtig um sich treu zu bleiben und nicht unter zu gehen. Auch wenn man Internetlesern oftmals Oberflächlichkeit nachsagt spüren sie mit der Zeit ganz genau wie Du Deine Arbeit machst. Das Thema Zock Begabung sehe ich da nicht so eng. Wer mit Spielen an sich zu tun hat bringt schon irgendwie ein Gen dazu mit. Sonst würde er das Thema schnell wieder lassen.

Bist Du als Tester von Videospielen eher Spieler oder eher Tester? Achtest Du mehr auf den Spass den man beim Spielen hat, auf den Schwierigkeitsgrad, auf Ruckler, Clippingfehler - oder kann man das sowieso nicht trennen?

Hier muß ich gestehen bin ich niemand der ein Game bis in's letzte Byte auseinandernimmt. Was heißt das technische Fehler, sofern sie den Spielspaß nicht trügen nicht auseinander genommen werden. Deswegen sehe ich mich persönlich immer noch mehr als Spieler denn als "Tester". Wenn mir ein Spiel Spaß macht kann man über kleinere Fehler hinwegsehen. Aber eben nur soweit es den Spielspaß nicht beeinträchtigt. Stellt man wirklich extreme Fehler fest zieht das natürlich den Eindruck im gesamten nach unten. Oftmals ist es dann auch schade das eine eigentlich geniale Spielidee zunichte gemacht wird. Dafür gibt es soviel Beispiele. Aber glücklicherweise auch das Gegenteil. Spiele die eigentlich nach nichts aussehen, aber mit ihrem Gameplay zu überzeugen wissen. Es ist halt schade das heutzutage immer noch zu sehr auf die Grafik und damit den Ersteindruck geschaut wird. Für mich einer der größten Fehler den Spieler selber machen können. Die Gewichtung sollte schon beide Teile in sich vereinen, wobei eben der Spielspaß noch einen Tick höher steht.

Wie schwer fällt es Dir, möglichst objektiv zu sein und ein Spiel nicht zu über- oder unterbewerten?

Ja das ist auch so ein uraltes Thema und jedem Redakteur wird irgendwann mal Parteilichkeit nachgesagt. Das meine Wenigkeit
bestimmte Genre oder Titel gerne zockt ist bekannt und wird einem gerne mal zum Nachteil angerechnet. Allerdings muß meine Sichtweise ja auch irgendwo herkommen. Über allem steht aber für einen Redakteur das man nie vergißt das Spiele Geld kosten. Da wir natürlich nichts für Hard & Software bezahlen müssen ist die Gefahr nach einer gewissen Zeit immer groß das man dahingehend etwas abstumpft. Auch ein Grund warum unsere Tests etwas länger sind und die Spiele ausführlicher vorgestellt werden um dem Leser alles mögliche erzählen zu können. Auch frage ich mich gerne mal nach einem Test ob ich dafür Geld ausgeben würde. Es ist also wichtig vor allem das nicht zu vergessen.

Objektivität ist dann allgemein immer eine Gradwanderung. Das wissen wir und ist seit 7 1/2 Jahren so. Wobei es natürlich leicht ist zu sagen ich bin immer Objektiv. Das wäre etwas einfach und nimmt einem auch keiner ab. Dennoch versuchen wir alle Titel zunächst unter den gleichen Gesichtspunkten zu sehen, auch wenn es immer Titel geben wird die einfach so in's Haus schwirren oder auf die man sich schon Monate freut. Dazu ist man dann doch zu sehr Spieler. Aber Wertungstechnisch direkt Titel bevorzugen, das wird es nicht geben. Hier spielen viele Bereiche mit hinein und man wird sonst leicht unglaubwürdig. Wobei über das Thema im Endeffekt die Leser urteilen. Auch spielt die Erfahrung eine Rolle was man speziell bei den typisch gehypten Spielen spürt. Man kann nach Jahren diesen Hype anders verarbeiten und umsetzen. Wenn man sieht was nach den ersten Veröffentlichungen des neuen Zelda Spiels los war sollte klar sein was ich meine. Man sollte nicht auf jeden Zug aufspringen und vieles erst einmal in Ruhe abwarten.

Schwerster Punkt und von vielen Lesern immer unterschätzt ist z.b. das Thema Kinderspiele. Games mit Themen wie Barbie, Biene Maja oder andere Kinderserien Umsetzungen muß man auch als Redakteur anders angehen. Würde ich einen 18jährigen Shooter Crack ein Barbie Game zum Testen geben würde der schnell abwinken. Wer aber einmal Emails von Eltern und Großeltern erhalten hat die genau diese Games suchen merkt schnell das man diese Games nicht einfach über einen Kamm scheren kann. Hier muß man dann andere Maßstäbe ansetzen, was nicht immer leicht ist. Kenne dasselber zur Genüge. Auf der einen Seite testet man einen blutigen Shooter und hat gleichzeitig ein solches Kinderspiel in der Testreihe. Gerade hier ist das Thema Objektivität besonders wichtig. Man schreibt viele Artikel oftmals auch für verschiedene Zielgruppen. Und sowas kann man schlecht stur nach Plan machen.

Was ist für Dich ein geeignetes Videospiel für Anfänger/innen? Was sollte man anderen zum Spielen anbieten, um sie möglichst bald "süchtig" zu machen?

Gute Frage (lacht). Mario Party ist schon immer ein Titel gewesen mit dem man unbedarfte schnell mal an die Konsole binden kann. Auch wir haben natürlich relativ viele Bekannte die nicht böse sind eine Redaktion in der Nähe zu haben. ;-) Sei es ein Mario Kart, zu N64 Zeiten ein Track & Field oder die Burnout Reihe waren immer Titel mit denen "Anfänger" schnell war geworden sind. Natürlich kommt es auch auf das Alter und den Typ Mensch an dem man das Thema Spielen näher bringen kann. Einen 10jährigen würde ich z.b. keinen Resident Evil unterschieben, während ein 30jähriger mit einem Barbie Spiel wenig anfangen kann. Viele Anfänger schauen meist erstmal zu was man denen so zeigt und sind oftmals von umständlichen Menus und Steuerungen wenig angetan. Deswegen sind vor allem Multiplayer Spiele sehr gut geeignet und ich bekommen die Kurve zurück zu einem Mario Party, der in der Runde perfekt geeignet ist.

Freust Du Dich als Spieletester noch so richtig auf ein Releasedate (Erscheinungsdatum), oder hast Du eh schon genug damit um die Ohren, die vorliegenden Spiele durchzuspielen, Testberichte darüber zu verfassen, Screenshots zu machen, Lösungshilfen anzubieten, alles in ein einheitliches Layout zu verpacken, usw. uwf.

Oh ich freue mich schon auf jedes neue Spiel. Das Feeling ist zum Glück noch nicht verloren gegangen. Es ist immer noch etwas besonderes ein neues Game in den Händen zu halten und vorstellen zu dürfen. Ganz gleich was im Endeffekt am Ende heraus kommt. Natürlich gibt es Zeiten im Jahr in denen man durchaus mehr im Akkord testet als jedes Spiel entspannt zu spielen. Aber damit lernt man umzugehen. Früher hätte ich nie auch nur im Ansatz daran gedacht das Knaller Spiele mehrere Tage ungeöffnet im Regal liegen, weil man einfach noch mit anderen Titeln zu tun hat. Auch dies ist ein Entwicklungsprozess und taktet sich auch so ein. Würde ich jedesmal den aktuellsten Titel sofort anspielen, blieben andere Sachen zu oft liegen. Auch wenn ich zugeben muß das es genug Momente gab wo man sich regelrecht zwingen mußte nicht schwach zu werden. ;-)

Alles andere wie Lösungen und Zusatzartikel sind dann eigentlich nicht das Problem. Auch hier kommt natürlich stark zum tragen ob einem das ganze Spaß macht. Irgendwie ist es bei mir zumindest bis heute so geblieben und selbst mehrere Lösungen nebenbei sind nicht das Problem. Man muß sich die Zeit natürlich gut einteilen um alles auf die Reihe zu bekommen. Aber solange das ganze Spaß macht ist das nicht das Problem. Was einem manchmal die Freude daran nimmt ist die leider oft zu findende Copy & Paste Mentalität. Denn auch wenn es Spaß macht diese Inhalte zu erstellen steckt dennoch viel Arbeit drin. Egal in welchem Magazin. Das ärgert einen dann schon sehr.

Kannst Du eigentlich noch richtig entspannt nur zum Vergnügen allein oder mit Deinen Kumpels ein Videospiel spielen, wenn da noch ein Haufen zu schreibender Artikel auf Dich wartet? Oder kannst Du auch mal drei Stunden am Stück spielen, nur um endlich diesen blöden Rekord Deines Kumpels bei einem Spiel zu brechen, der da noch auf Deiner MemoryCard schlummert?

Hier muß man klar sagen das diese Momente stark zurückgegangen sind. Über allem stehen die Inhalte im Magazin. Das war auch bei uns früher anders. Natürlich gibt es immer mal Tage oder Nächte wo man mit Freunden ein Spiel bis zum Abwinken zockt. Aber diese Momente sind nicht so häufig wie man sich das gemein hin vorstellt. Persönlich merkt man dies auch, da es doch viele Spiele gibt die man nach dem eigentlichen Test gerne noch weiterzocken möchte, aber einfach nicht kann weil sonst alles andere wieder liegenbleibt. Wenn dann sind es die schwachen Zeiten im Jahr wo man dafür Zeit findet. Aber da holt man sich meist Importe oder schreibt Tagebücher. ;-) Mit der Spielzeit an sich habe ich dagegen kein Problem. Wenn es eh ansteht dann können auch mal 8 Stunden und mehr vergehen. Wobei mein unerreichter Rekord aus N64 Zeiten stammt. 18 Stunden am Stück hat es mich seinerzeit mal vor einem Ogre Battle 64 gehalten. Da war einfach noch mehr Zeit und das Spiel sowieso Klasse. Das war ein Wochenende. ;-))

Ist die Videospiel-Industrie zu faul geworden, sich neue Spielkonzepte auszudenken oder ist es einfach zu riskant, neue Dinge etablieren zu wollen? Spiele wie etwa Beyond Good And Evil sahnten überall tolle Wertungen ab, hätten aber sicherlich bessere Verkaufszahlen haben können. Woran liegt so etwas Deiner Meinung nach?

Dieses Thema ist in meinen Augen vielschichtiger und hat eigentlich mehr mit der Entwicklung der Branche über die letzten beiden Konsolen Generationen zu tun. Ich bin mir sicher das Konzepte und Ideen keineswegs ausgegangen sind. Dennoch ist vor allem der Markt an sich Schuld daran das wirkliche Innovationen immer weniger werden. Der Erfolgsdruck und Bilanzen sind heutzutage oftmals leider wichtiger als der spielerische Inhalt eines Spiels. Der Vergleich zu SNES Zeiten bietet sich immer an. Auch damals gab es Konkurrenz, dennoch konnten alle gut davon leben. Einerseits ist in meinen Augen auch die Kaufkraft seinerzeit eine völlig andere gewesen als heute, was es vielen Firmen erlaubte selbst mit Experimenten noch richtig gutes Geld zu verdienen. Heutzutage müssen viele auf ihr Geld schauen und gehen dabei lieber auf Nummer sicher. Darunter leiden dann kleinere Publisher. Titel gehen aufgrund wenig PR in der Masse unter und der Verdienst der Firmen ist zu gering als das man seine Entwicklungsbudgets in neue innovative Konzepte steckt. Das ist dann eine schleichende Entwicklung über mehrere Jahre.

Auch wir als Spieler haben daran unseren Anteil. Verdient eine Firma mit immer der gleichen Serie und Inhalt auf's neue ihr Geld, ist sie natürlich auch nicht bestrebt daran etwas zu ändern. Vielen fällt dabei immer EA auf die schnelle ein die dies seit Jahren so handhaben. Ich für meinen Teil habe damit an sich nicht so das Problem, solange die Titel dennoch spielerisch überzeugen können. Aber wählen die Spieler zwischen einer bekannten Serie und einem unbekannten Titel, der eben vielleicht ein neues Konzept bietet so fällt die Wahl doch meist auf den bekannten Titel.

Und ein letzter Punkt den viele in meinen Augen nicht sehen ist das heutzutage mit den aktuellen Konsolen Generationen auch die Möglichkeiten nicht mehr die sind Innovation zu bringen wie zu den Zeiten des Wechsel SNES-N64. Vieles ist einfach ausgereizt und wird so teilweise auch gezwungen als innovativ dargestellt. Ich für meinen Teil kann damit leben wenn die Entwickler es mit den heutigen Möglichkeiten schaffen würden die Inhalte auszubauen und das Gameplay an sich zu erweitern. Da gibt es meiner Meinung nach mehr Nachholebedarf als das ewige Geschrei nach Innovationen. Denn nicht alles ist dann auch sinnvoll. Innovation ist nicht immer gleichbedeutend mit einer tollen Sache.

Wobei aber gerade hier Nintendo immer noch Vorreiter war und ist. Nicht umsonst ein Grund warum auch wir seitdem wir NES sagen konnten zocken. ;-) Man mag Nintendo viele Fehler vorwerfen in ihrer Firmenpolitik, aber vieles das heute alltäglich ist im Spielegenre wäre ohne Nintendo nicht vorhanden. Mit dem NDS könnte Nintendo deswegen erneut Erfolg haben, da man hier schon ein für Spieler neues Konzept entwickelt hat, das es so noch nicht gab und eben neue Möglichkeiten aufzeigt. Ob das ganze dann auch angenommen wird und erfolgreich wird ist immer eine andere Sache.

In den letzten Jahren sind Fortsetzungstitel sehr beliebt gewesen. Ein sehr gutes Beispiel dafür dürfte wohl Mario Party sein. Viele beklagen, dass die Minispiele von Titel zu Titel im Grunde immer die gleichen seien. Was z.B. bei Teil 4 ein "Domino-Desaster" ist, ist bei Teil 5 der "grüne Daumen". Wie siehst Du das?

Darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich für meinen Teil empfinde nach wie vor den 3er auf dem N64 als den Mario Party Titel überhaupt, den auch wir heute noch den GCN Versionen vorziehen. Das hat aber weniger mit den Minispielen an sich zu tun. Gutes Beispiel ist Mario Party 4, bei dem alle durch die Bank weg und dazu zähle ich auch mich, die diesen Titel bei uns gespielt haben nicht an den Minispielen Anstoß fanden, sondern an den kleinen Ladezeiten bei jedem Spielerzug. Es sind also oftmals Kleinigkeiten die hier Schuld am Pro oder Contra sind. Ansonsten habe ich mit Fortsetzungen keine Probleme. Man muß einfach jeden Titel auf's neue unter die Lupe nehmen bevor man sein Urteil fällt. Klar winken viele Spieler gerade bei EA's Sportupdates immer wieder ab. Dennoch zeigen gerade diese Titel in beiden extremen das man mit Fortsetzungen Erfolg haben kann. Deswegen ist das über einen Kamm scheren in meinen Augen viel zu oberflächlich.

Würde man dies machen müßte jeder über einen Resident Evil 4 herziehen. Denn hier gibt es mehr Titel der Serie auf dem GCN als z.b. von einem Tiger Woods PGA Tour. Die Argumente hinken da oftmals.


Sollte man bei Serien wie Mario Party es endlich gut sein lassen, wo doch schon die z.B. Teile 1 bis 3 viel Spass machten oder soll man so lange nachschieben, bis es niemand mehr haben mag? Offensichtlich mögen die Spieler/innen ja solche Spiele und freuen sich auf jeden neuen Titel dieser Serie; woran liegt das? Möchten die Spieler/in einfach nur up-to-date sein, und dabei aber das eigentliche Spielprinzip nicht missen?

Ich denke das gerade beim Thema Mario Party auch mittlerweile die Fan Gemeinde groß genug ist um noch weitere Versionen zu "verkraften". Natürlich muß Nintendo aufpassen den Bogen nicht zu überspannen und ich für meinen Teil sage mir auch ab und zu das vielleicht nur aller 2 Jahre eine Fortsetzung auf den Markt kommen sollte. Das Up-to-date sein ist glaube ich weniger ein Argument. Es ist einfach bei vielen Spielern zu spüren das bei jährlichen Versionen die Erwartungshaltung immer eine andere ist und das ganze in eine gewisse "Normalität" artet. Das Thema Vorfreude auf ein Spiel sollte man auch heutzutage nicht unterschätzen.

Wie verhält es sich, wenn völlig neue Elemente in eine beliebte Serie eingebracht werden sollen, die mehr als nur die Story und Items variieren, sondern das gesamte Erscheinungsbild in ein völlig neues Licht rücken? Bei The Legend Of Zelda war es z.B. mit Ocarina Of Time die 3D-Grafik, und bei Mario Party kommt mit Teil 6 ein Mikrofon an den Start. Hat man eher die Befürchtung, dass das nur ein Schlag Wasser werden kann?

Nein ich denke nicht das man da Befürchtungen haben muß. Wichtig denke ich ist dabei das der Spieler nicht das Gefühl bekommt zu etwas neuem gezwungen zu werden. Natürlich spielt bei vielen solchen Dingen auch der persönliche Geschmack eine Rolle, aber solange neue Elemente eine Serie nicht verwässern sehe ich diese Gefahr nicht. Wäre Mario Party 6 nur mit Mikro spielbar wäre das was anderes. So aber denke ich wird jeder dem es gefällt das ganze auch benutzen und wer damit nichts anfangen kann läßt es eben. Anders ist das ganze z.b. bei den Multiplayer Titeln mit dem GBA wie FFCC oder Zelda Four Swords. Der Zwang hier eben unbedingt mehrere GBA Geräte zu besitzen ist da schon schwerwiegender. Natürlich ist das ganze innovativ und für denjenigen der diese Ausrüstung hat ein echter spielerischer Gewinn. Wer aber darauf verzichten muß, weil ihm das Equipment fehlt fühlt sich schnell als Spieler übergangen und zu etwas gezwungen. Und genau das sollte ein Spiel eben nicht tun.

Wozu eigentlich ein solches Mikrofon? Macht es keinen Spass mehr, Videospiele einfach nur mit einem Controller zu spielen? Warum ist das heute anders? Wozu Mikrofone und Kameras? Anpassung an den Massenmarkt?

Nun eine gewisse Experimentierfreude ist doch immer was feines. Aber wie schon oben erwähnt sollte es immer Alternativen geben. Ob bei Mario Party das Mikro oder bei einem Donkey Konga die Trommeln. Solange man die Wahl hat verschiedene Varianten zu benutzen ist in meinen Augen alles in Ordnung. Das war zu Super Scope Zeiten so und wird sich so denke ich auch nicht ändern. Deswegen ist so etwas als Zusatz immer willkommen und hat da auch wenig mit dem Massenmarkt zu tun.

Sind Videospiele vielleicht einfach nur zu kompliziert geworden? Früher hatte das NES zwei Hauptbuttons, zwei "Kontrollbuttons" und ein Steuerkreuz; Wenn man sich hier die N64- oder GameCube-Controller im Vergleich anschaut... Wenn ich z.B. Super Mario Land und Super Mario Sunshine vergleiche, hat sich doch mächtig was getan. Ist das verwirrend - oder einfach nötig, um neue Konzepte zu bieten und bieten zu können? Benötigt man einen Supersprung und Saltos? Oder ist das letzten Endes doch gar nicht so schwierig?

Auch dies ist eine Entwicklung über Jahre gewesen. Würde man heutzutage jedem Spieler ein VR-Helm in die Hand drücken würde er auch erstmal aus allen Wolken fallen und könnte sich das ganze im Normalbetrieb kaum vorstellen. So war es damals auch als die Möglichkeiten vielschichtiger wurden. Ich für meinen Teil denke schon das man heutzutage eine gewisse Komplexität in vielen Spielen haben muß. Denn viele Spiele bieten ja dadurch auch einen erhöhten Spielspaß. Könnte Samus einfach nur laufen, springen und Ballern, sie würde denke ich in der Masse der Spiele einfach untergehen. Hier orientiert man sich schon an den Bedürfnissen der Spieler die dies ja auch wünschen. Und solange da ganze dem Gameplay zugute kommt hat damit auch niemand ein Problem.

Was viele Europäer verärgert, ist die Tatsache, dass manche Spieltitel mit grosser Verzögerung zu uns kommen. Man denke nur an Animal Crossing oder Mario Golf: Toadstool Tour. Macht es Sinn, solche Titel noch zu testen? Sicherlich sind es grossartige Titel, aber sind sie nicht einfach schon zu alt und haben es schwer gegen Genrekonkurrenz?

Nun das wird wohl noch so sein wenn wir in Rente gehen. ;-) Auf der anderen muß man der Branche positiv bescheinigen das sich in diesem Gebiet in den letzten Jahren glücklicherweise viel getan hat. Heutzutage sind wir Europäer manchmal sogar eher dran oder müssen nicht lange warten. Teilweise gibt es sogar die Chance auf verbesserte Versionen. Sinnvoll diese Titel zu testen ist ganze allemal. Nicht jeder besorgt sich die Importe und wartet eben doch auf die PAL Versionen und möchte dann auch noch wissen was sie bieten. Ärgerlicher ist dann eher schon die Firmenpolitik, wo eigentlich fertige Spiele künstlich verzögert werden um zum einen nicht zuviele Titel auf einmal auf den Markt zu bringen oder etwas um das Weihnachtsgeschäft abzupassen. Aber auch hier werden wir als Spieler nichts gegen machen können und man wird über das Thema noch in 10 Jahren Diskutieren.

Eine Frage, die sich sicherlich sehr viele von uns immer mal wieder stellen: Was machen die bloss mit all den Spielen, Konsolen und dem Zubehör, das sich bei denen ansammelt? Müsst Ihr das zurückgeben? Verkauft Ihr das ganze Zeug? Habt Ihr dadurch immer passende und günstige Geschenke zu Weihnachten, Ostern und zum Geburtstag für Eure Freunde und Verwandte?

Eine interessante Frage. ;-) Sagen wir es mal so. Ich wäre manchmal nicht traurig darüber mehr Platz in den heimischen Gefilden zu haben. Es sammelt sich schon einiges an mit der Zeit. Zurückgeben müssen wir nichts. Und verkauft wird schon gleich garnichts. Die Regale füllen sich mit der Zeit und dienen natürlich auch zum Beantworten von Fragen, wenn man in alte Games für eine Frage nochmal reinschauen muß. Verschenkt wird da auch nichts. Es seid denn die lieben Publisher schicken Dinge mehrfach und wollen es nicht zurück was ab und zu mal passiert. Damit kann man dann schon verschiedenes machen, mündet aber meist in Gewinnspielen. Klar ist es immer wieder ein interessanter Moment wenn Außenstehende die Räumlichkeiten das erste mal sehen und einen selber als jemanden hinstellen der zuviel Geld hat. :-) Es sind ja nicht nur die reinen Titel und Verpackungen. Allein für Pressemappen und PR Kits könnte man durchaus einen Raum gebrauchen.

Wie kommt Ihr an all diese Spiele und Konsolen? Kauft Ihr das selbst? Fragt Ihr bei den Händlern nach, ob die Euch das ausleihen? Werdet Ihr direkt von Nintendo beliefert?

Glücklicherweise müssen für Hard & Software nichts bezahlen. Das wäre auf die Dauer auch arg teuer. Glücklicherweise werden wir von den Publishern mit allem versorgt und dürfen uns deshalb nicht beklagen. Machen wir ja auch nicht. ;-) Egal ob das nun Nintendo ist oder kleinere Publisher. Auf der anderen Seite ist dies aber eben auch Grundlage unseres Arbeitens wie bei jedem Magazin. Ohne Inhalte kann niemand bestehen. Dabei ist es gemein hin auch garnicht so kompliziert diese Sachen zu bekommen. Gefällt den Firmen das was Du machst ist es nicht das Problem Kontakte zu knüpfen. Wobei auch die Firmen aber schnell merken ob Du einfach nur auf Muster scharf bist oder eben auch etwas dafür tust. Damit meine ich aber keine Wertungen mit der rosa Brille abgeben. :-) Wobei das auch bei uns anfangs kein Selbstläufer war und sich das ganze mit der Zeit entwickelt hat.

Abschliessend noch einige Begriffe, zu denen Du bitte ganz nach Deinem Belieben Stellung nimmst.
* Bill Gates kauft Nintendo
Wird nie passieren.

* Nintendo DS
Innovatives Gerät das große Erfolgschancen besitzt.

* Mario Party 6 unterstützt Mikrofon
Freue mich drauf......;-)

* Nintendo verspricht eine Revolution mit dem GCN-Nachfolger
Wollen wir es hoffen. Aber vor der E3 in diesem Jahr ist alles Spekulation.

* Lösungshilfen/Komplettlösungen
Finde ich sehr wichtig und oft die meistbesuchten Seiten im Magazin.

* 60Hz-Modus-Zwang bei Videospielen für Europäer
Zwang ist nie was gutes.

* Freeloader
Für viele der Heilsbringer und vor allem sinnvoll.

Danke für für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg mit dem Mag64!
Wir haben zu Danken. Hat Spaß gemacht die wirklich gelungenen Fragen zu beantworten und hoffe eure Leser sind mittlerweile nicht eingeschlafen. ;-)
Das hoffe ich natürlich ebenfalls! ;-)

Auch wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!
Vielen Dank

TheUnknown *, 27.653 Zeichen •
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