Marios multimediale Meilensteine

Kolumne vom 10.02.2018, 12:41

Mamma Mia, die Gerüchte haben sich also als wahr erwiesen! Nintendo arbeitet zusammen mit Illumination an einem animierten Film über unseren Lieblingsklempner. Nachdem diese Neuigkeit die Runden gemacht hatte, gab es viele verschiedene Reaktionen seitens der Fans und eine davon ist am interessantesten gewesen: purer Pessimismus. Auch wenn man bisher kaum etwas über den anstehenden Streifen weiß, so sind viele bereits zu dem Entschluss gekommen, ihre Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Warum dem so ist? Na ja, sagen wir mal, dass Nintendos Maskottchen außerhalb von Videospielen eher wenige positive Erfolge verbuchen kann.

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Obwohl Mario bereits einen Auftritt in der Serie "Saturday Supercade" hatte, war es "The Super Mario Bros. Super Show!", die 1989 als Marios erster richtiger intermedialer Schritt gesehen wurde, da sie nach seinem kometenhaften Aufstieg ausgestrahlt wurde. Die von DIC Entertainment produzierte Zeichentrickserie ist heute jedoch für andere Aspekte bekannt: Schlechte Animationen, abstruse Geschichten und einem völlig stumpfen Humor, welcher sich in gefühlt jedem zweiten Satz auf Pizza und Pasta Witze verlassen hat.

Die einzelnen Folgen bestanden oftmals daraus, dass Mario, Luigi, Prinzessin Toadstool und Toad durch das Pilzewunderland reisten und in eine Film- oder Märchenparodie gerieten. Am Ende jeder Episode wurde der böse König Koopa bezwungen, sowie Frieden in der jeweiligen Region wiederhergestellt. Was das nun mit Super Mario zu tun hat? Ehrlich gesagt nicht viel. Das große Problem, welchem diese Serie und auch andere Werke in dem Zeitraum gegenüberstanden, war, dass man nicht besonders viel Material hatte, mit dem man arbeiten konnte. Spiele der Mario-Reihe hatten, vor allem vor den RPGs, eine bestenfalls rudimentäre Handlung, die sich nicht wirklich für eine Serie eignet. Deshalb machte man einfach irgendetwas, ganz egal, ob eine Korrelation zum Ausgangsmaterial besteht. Die Super Show war mit 65 Folgen trotz der niedrigen Qualität relativ erfolgreich, was aber alleinig auf die Markenwahrnehmung des Klempners zurückzuführen ist.

Dennoch ist diese Serie, sowie ihre beiden Nachfolger, die auf Super Mario Bros. 3 und Super Mario World basieren, tatsächlich als Meilenstein zu verzeichnen. Nicht nur ist sie das Paradebeispiel dafür, wie eine Videospieladaption fürs Fernsehen nicht aussehen sollte, sie ist auch zu einem Stück Internetkultur geworden, das man eigentlich nicht mehr wegdenken kann. Jedem dürften die "Mama Luigi" Folge und ihre zahlreichen editierten Iterationen geläufig sein. Dennoch ist sie eigentlich nur das kleinere Übel...

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1993 erschien "Super Mario Bros." in den Kinos, eine live-action Adaption der Reihe mit dem gleichen Namen. Ich glaube nicht, dass ich eine große Einleitung für dieses Machwerk verfassen muss. Jedem, der auch nur ansatzweise etwas mit Videospielen am Hut hat, weiß, was hier famos falsch gemacht wurde. Ähnlich wie bei den Zeichentrickserien gibt es kaum - und wenn dann sehr lose - Zusammenhänge zu den Spielen, was sich schon alleine deshalb erkennbar macht, dass nicht Peach die Jungfrau in Nöten ist, sondern Daisy. Goombas sind keine Pilz-artigen Wesen, sondern humanoide Gestalten und Bowser ist plötzlich ein Wesen aus einer alternativen Zeitlinie, in der die Dinosaurier nie ausgestorben sind. Schade, dass Wario keine Rolle in diesem Film spendiert bekam, denn er hätte sicherlich einen passenden Satz abgeben können: so ein Mist!

Hierbei handelt es sich, neben Street Fighter und Mortal Kombat, um das Magnum Opus der schlechten Videospielverfilmungen. Zwar wurde auch hieraus aufgrund der offenkundigen Schlechtheit ein Kult geboren, der den Film auf ironische Art und Weise genießt, aber es wurde damit auch ein Schaden angerichtet, der über einen langen Zeitraum irreparabel schien. Laut Reggie Fils-Aime war es dieses Werk, das "einen schlechten Geschmack bei Nintendos Entwicklern" hinterließ und dafür sorgte, dass Nintendo heutzutage mit Adleraugen darauf schaut, wie andere Firmen ihre Marken handhaben. Erst in jüngeren Jahren scheint es durch die Übernahme von Tatsumi Kimishima so, dass sich diese Regelungen gelockert haben. Zumindest ein bisschen.

Auch wenn Marios Vergangenheit außerhalb seiner Spiele eher düster wirkt, sollte man nicht vergessen, dass auch Publikationen erschienen, die einen deutlichen qualitativen Kontrast darstellen. Es gab unter anderem diverse japanische Zeichentrickfilme und Comics über Jumpman, von denen nicht alle ihren Weg Übersee geschafft haben. Selbige scheinen das Pilzkönigreich und ihre Bewohner auch ein ganzes Stück besser zu verstehen, als es diverse Anzugträger jemals geschafft haben. Als Positivbeispiel möchte ich die im amerikanischen Nintendo Power Magazin veröffentlichten "Super Mario Adventures" Comics benennen, welche noch dieses Jahr von Kazé in Deutschland herausgegeben werden. Ich persönlich würde sie sogar als das Beste betiteln, was außerhalb der Spiele jemals den Namen Mario tragen durfte. Sie sind lustig, unterhaltsam und stellenweise sogar spannend, aber ich möchte nicht zu viel vorweg geben, falls ihr plant, die Comics zu erwerben. Ich kann es euch als Fan der Reihe nur ans Herz legen.

Wie man sieht, war also nicht alles schlecht, was die multimediale Vergangenheit des Klempners anbelangt. Leider sind seine zwei größten Werke heute jedoch nichts mehr als Pointen oder anders gesagt: Sie sind Meilensteine, aber auf der komplett falschen Art und Weise.

Erinnert ihr euch an Marios Vergangenheit außerhalb seiner Spiele? Wenn ja, hat sie eure erste Reaktion bei der Ankündigung des neuen Films beeinflusst?

Lunk *, 5.690 Zeichen •

Kommentare

Hobbit
Hobbit
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Kommentar #1 vom 10.02.2018, 15:46:19 Uhr
Ich für meinen Teil musste an die wirklich grausige Serie denken, bei der ich damals als Kind auch nicht so recht wusste, was das nun mit den Spielen zu tun hatte.

Aber sind wir mal ehrlich, ist die Storry der Spiele bei genauerer betrachtung nicht auch ein "wenig" abstrus?

Ich meine da bekriegen sich Mario und Bowser nahezu ununterbrochen, Bowser entführt Peach, Kämpfe um die ganze Welt entbrennen aber wenn Mario, nachdem er tausende Tode gestorben ist, wie immer gewonnen hat fahren alle zusammen Kartrennen in freundschaftlicher Rivalität.
Zumindest ich Lese es so, dass gerade Mario, Bowser und Peach in ihren jewailigen Luxusleben einfach furchtbar langweilig ist und sie die ganzen Entführungsnummern deshalb inszenieren. Wenn was kaputt geht, dass gehört doch sowieso den dreien oder ihren anderen Freunden, also who cares?
Lunk *
Lunk
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20.07.2016, 16:13:20
Kommentar #2 vom 10.02.2018, 16:48:03 Uhr
An sich hast du nicht ganz unrecht, aber die in den Spielen präsentierten Abstrusitäten machen immerhin in der bereits etablierten Welt Sinn und können an sich sogar als Running Gags gesehen werden. Zu Zeiten der Super Show hatte Mario gerade mal zwei Spiele in der Hauptreihe mit recht unterschiedlichen Welten, weshalb man sich nur lose auf diese verließ und lieber Witze über die Nationalität des Klempners machte, was heute unvorstellbar wäre.

Aber hey, das ist ja eh Ansichtssache. :grins:
Ligiiihh *
Ligiiihh
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Kommentar #3 vom 10.02.2018, 23:45:47 Uhr
Ich denke, dass war damals wirklich einfach der rudimentären Lore zu verschulden, die damals rundum das Mario-Universum existierte, nämlich fast gar keine. Mehrere Hintergrundinformationen von damals wurden auch schon wieder verworfen, weil sie nicht ins große Gesamtbild passen, das sich bis heute entwickelt hat. Die Super Mario Bros. Super Show hat damals, wenn man genau hinschaut, sogar ziemlich viel, bis ins kleine bisschen, Lore übernommen, die bei den Schauplätzen und Charakteren/Gegnern anfängt, bishin zu Soundeffekten und der Tatsache, dass die Brüder aus Brooklyn kommen. Damals war die Diskrepanz von Serie und Spielen nicht so groß we heute, weil man, wie schon richtig erfasst wurde, damals nicht die Immersion von dem Mario-Universim hatte, wie heute. Retrospektiv gibt es natürlich viele grobe Verstöße.

Dass das Mario-Universum aber heutzutage etwas zeitgemäßer und originalgetreuer interpretiert wird, erkennt man beispielsweise an Ubisofts Mario & Rabbids, dass trotz der cartoonigeren Art (und vor allem den Rabbids!) doch fast als Nintendo-Spiel hätte durchgehen können, wären einige technische Aspekte nintendo-typischer ausgefeilt gewesen. Bei Illumination, die sehr hochwertige Animationen anfertigen, habe ich auch großes Vertrauen, dass sie sich sehr nah an die Vorlage halten und den richtigen Humor treffen.

Aber ich sehe den Film auch nur noch als Hoffnung auf guten Fanservice. Da kann die Handlung noch so banal sein, ich brauche nur dutzend korrekt interpretierte und (episch) dargstellte Mario-Universum-Aspekte, und schon bin ich zufrieden. Dass das in vielerlei Hinsicht gut funktionieren kann, zeigt mMn die Super Mario Bros. Z-Flashserie, die gleichzeitig total an den Haaren herbeigezogen und doch authentisch ist.
TheUnknown *
TheUnknown
Registriert:
08.05.2010, 09:25:43
Kommentar #4 vom 11.02.2018, 07:37:45 Uhr
Ich bin einer derer, die ihre Hoffnungen im Zaum halten. Pessimistisch bin ich allerdings nicht. Ich balte schin für durchaus möglich, dass der Film gut werden kann. Das Problem mit vielen Videospielfilmen war früher, dass sie nichts mit den Spielen zu tun hatten, oder wahnsinning viel hinzugedichtet wurde. Heute ist das Problem, dass solche Filme krampfhaft episch und groß sein wollen. Darum gehen die Protagonisten aus irgendeinem Grund auf eine Reise, die nicht in ihrer bekannten Welt stattfindet, sondern z.B. auf unserer Erde. Somit fallen viele typische Elemente weg, man stößt kaum auf alte Bekannte und Gebiete vieler verzockter Nachmittage, weil der Film ja meist gar nicht auf seinem etablierten Terrain geschieht. Und das ist für mich oft schon der Auslöser, dass mir so ein Film schlagartig schon mal zu 50% missfällt. Ich bin darum vorsichtig mit Freude, aber ich bin offen dafür, dass mit der Film gefallen wird.
froster
froster
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02.06.2013, 15:27:18
Kommentar #5 vom 11.02.2018, 12:33:42 Uhr
also ich weiß ja nicht wie alt ihr wart als ihr die Super Mario Bros. Super Show zum ersten Mal gesehen habt...
...ich kann mich noch gut genug daran erinnern dass ich die Sendung so um 2000 herum auf dem Pay-TV Sender Nickelodeon via Premiere geschaut habe, ich war so 5 oder 6 Jahre alt und für mich war es das Tollste überhaupt meine Lieblingscharaktere auch als Serie erleben zu dürfen neben Super Mario All-Stars auf dem SNES.
In meinen Kinderaugen war das eine super Sendung, es ist ganz klar dass man nun als Erwachsener da mit nem anderen Auge das betrachtet und bewertet. Ich bin mir auch relativ sicher dass die Sendung für Kinder (6 bis 12 Jahre) gedacht war und für diese Zielgruppe war es ein super Format!
Lunk *
Lunk
Registriert:
20.07.2016, 16:13:20
Kommentar #6 vom 11.02.2018, 13:21:41 Uhr
Zitat von froster:
also ich weiß ja nicht wie alt ihr wart als ihr die Super Mario Bros. Super Show zum ersten Mal gesehen habt...

...ich kann mich noch gut genug daran erinnern dass ich die Sendung so um 2000 herum auf dem Pay-TV Sender Nickelodeon via Premiere geschaut habe, ich war so 5 oder 6 Jahre alt und für mich war es das Tollste überhaupt meine Lieblingscharaktere auch als Serie erleben zu dürfen neben Super Mario All-Stars auf dem SNES.

In meinen Kinderaugen war das eine super Sendung, es ist ganz klar dass man nun als Erwachsener da mit nem anderen Auge das betrachtet und bewertet. Ich bin mir auch relativ sicher dass die Sendung für Kinder (6 bis 12 Jahre) gedacht war und für diese Zielgruppe war es ein super Format!

Als ich die Serie das erste Mal gesehen habe war ich in etwa im gleichen Alter, mit dem Unterschied, dass ich sie zu der Zeit auf Fox Kids gesehen habe. Ähnlich wie du, fand ich die Super Mario Bros. Super Show damals super, größtenteils, weil es eine Serie über Mario war. Trotz meiner damaligen Qualitätsstandards hindert mich das nicht, die Serie mit den kritischen Augen eines erwachsenen Individuums zu betrachten, was ich hiermit auch getan habe. Eine Serie für Kinder zu schreiben ist oftmals für Autoren ein Freifahrtschein, um dem Publikum jegliche Ansprüche auf Qualität abzusprechen. Eine gute Zeichentrickserie sollte zwar auch die Kinder genügsam unterhalten, aber auch der älteren Zuschauerschaft irgendeine Art von Qualität bieten. Positivbeispiele wären da Batman: TAS, Avatar: Der Herr der Elemente und Spongebob Schwammkopf. Bei letzterem Beispiel war nicht umsonst zu Zeiten der dritte Staffel fast jeder zweite Zuschauer über 18 Jahre alt, da der Humor einfach zeitlos ist.
Alle Mario Serien von DIC machen von vorne bis hinten den Anschein, dass sich keiner der Verantwortlichen Mühe gegeben hat. Die Animation ist durch diverse fehlerhafte Proportionen und Farbgebungen der Figuren grauenhaft, die erzählten Geschichten bauen nahezu allesamt auf Werken anderer Künstler auf und der Humor beschränkte sich zu enormen Teilen auf die Nationalität der Mario Brüder. Ich weiß nicht, ob wir so positive Erinnerungen an diese Serie hätten, wenn sie nicht um Nintendos Maskottchen ginge.
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