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Ein ehrlicher Rückblick aufs Miiverse

Kolumne vom 17.03.2019, 11:21

Als das Miiverse 2017 sein Ende fand, war ich überrascht, wie viele Leute diesem sogenannten Kommunikations-Service nachtrauerten. Selbst heute besteht der allgemeine Konsens daraus, dass der Verlust riesig war, Nintendo einen großen Fehler begangen hat und dieses Konzept doch bitte auf der Switch sein Comeback feiern sollte. Als jemand, der Big Ns Antwort auf soziale Netzwerke selbst für einen gewissen Zeitraum regelmäßig nutzte, kann ich diese Ansichten keineswegs teilen. Auf dem Papier war es keine üble Idee, die Umsetzung jedoch war der Punkt, an dem es epochal scheiterte und dafür sorgte, dass ehemalige Nutzer, aufgrund verschiedener Aspekte, bis heute so manch eine Anekdote darüber zu erzählen haben.



Nintendos Sprachpolizei
Dass der wahrscheinlich familienfreundlichste der drei Konsolenhersteller aufgrund solcher Phänomene wie der sogenannten "Bad Word List" des 3DS stellenweise abstrus viel Wert darauflegt, wie sich die Kundschaft innerhalb ihrer Software zu unterhalten hat, ist bereits seit langer Zeit bekannt und rein persönlich sehe ich auch kein sonderlich großes Problem darin. Schwierig wird es nur dann, wenn diverse Filter oder die Löschung harmloser Beiträge die sonst so simple Kommunikation aktiv behindern, wie es im Miiverse leider allzu häufig geschah. Wahrscheinlich am bekanntesten dürfte sein, dass man als deutscher Kommentator das Wort "After" in englischen Beiträgen nicht benutzen durfte, da es in unserer Sprache einen gewissen Teil des Körpers beschreibt, über den man lieber nicht reden sollte. Etwas weit hergeholt, aber das war noch der harmloseste Fall: Wenn man sich vielleicht über Paper Mario unterhalten wollte, welches durch die Veröffentlichung auf der Virtual Console seine eigene Community erhielt, war es unmöglich, das Kürzel des Spiels beziehungsweise der gesamten Reihe, PM, zu verwenden. Dies lag daran, dass es sich um eine Abkürzung handelt, die auch für Project M, der wohl beliebtesten Modifikation von Super Smash Bros. Brawl verwendet wurde und man es verhindern wollte, dass darüber gesprochen wird. Dennoch hatte dies, abgesehen davon, einfach lästig sowie unpraktisch zu sein, keine weiteren Konsequenzen für den betroffenen Account gehabt, im Gegensatz zu so manch anderen Facetten.

"Diese Überschrift wurde entfernt, weil..."
Bis heute konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, ob es tatsächlich eine menschliche Administrierung gab oder ob es reichte, gewisse Beiträge häufig genug zu melden, damit diese gelöscht werden mussten, aber in beiden möglichen Fällen war die Moderierung des Miiverse ein absolutes Desaster. Egal, wie sachlich Kommentare formuliert gewesen sein mögen, unter bestimmten Umständen wurden diese erbarmungslos gelöscht, mit der immer gleichen Begründung: "Der Beitrag wurde entfernt, da er gegen die Nutzungsbedingungen verstößt." Hierbei handelte es sich um den nächsten Schritt, denn sollte ein besonderer Begriff nicht im Vorhinein gesperrt, aber in Kombination mit mindestens einem weiteren Wort auch nur minimal anstößig gewesen sein, reichte dieser Umstand bereits, um den Beitrag verschwinden und die automatisierte Nachricht in dem Postfach auftauchten zu lassen. Worte wie "Shut" waren immer eine harte Gratwanderung, da es allein harmlos, aber oftmals mit Phrasen wie "Shut up" assoziiert wurde, was manchmal in einer Löschung resultierte. Tatsächlich wurden auch von mir persönlich eine Hand voll Beiträge gelöscht, was letztlich in einem zweiwöchigen Bann resultierte. Der verantwortliche, vollkommen schreckliche Beitrag meinerseits, der zu dem drastischen Entschluss führte, mich unschädlich machen zu müssen, sah wie folgt aus: "Es gibt Gründe, warum die Playstation 4 jetzt bereits erfolgreicher ist, als die Wii U." Ich selbst habe einige Theorien, warum dieser Kommentar gelöscht wurde, aber die Spekulationen möchte ich gerne euch überlassen. Mein vorangehender Punkt steht dennoch; wer auch immer für die konfuse sowie strikte Moderierung des Miiverse verantwortlich war, hat, zumindest in meinen Augen, auf ganzer Ebene versagt.



Manch einer möge sich nun denken, dass es sich hierbei doch nur um das überflüssige Genörgel eines Geeks handle, der nicht damit zurechtkommt, wenn seine irrelevanten Beiträge entfernt werden, aber die Löschung mehrerer Beiträge und der letzten Konsequenz in Form eines Banns hatten deutlich fatalere Folgen. Sollte das Schicksal nicht auf der eigenen Seite gewesen sein und es kam zu einem Konsolenbann, bedeutete dies nicht nur, dass man, offenkundig, keine Beiträge mehr in Nintendos sozialem Netzwerk veröffentlichen durfte, sondern dass die gesamte Konsole nicht mehr in der Lage war, online zu Spielen. Das bedeutet im Klartext, dass wenn beispielsweise ein jüngerer Geschwisterteil sich in seinem jugendlichen Hochmut mehrmals nicht so höflich auf dem Miiverse ausgedrückt hat, dass auch für alle anderen Nutzer Titel wie Super Mario Maker oder Splatoon ihren größten Verkaufsgrund verloren. Dies konnte nur damit umgangen werden, indem man sich eine neue Konsole sowie neue Accounts zulegte. Wie unfassbar problematisch dies gepaart mit der Handhabung des Miiverse war, muss ich vermutlich nicht weiter elaborieren. Selbst bei kurzer Recherche wird man Berichte finden, in denen geschildert wird, wie man aufgrund eines Screenshots, in dem ein Glitch zu sehen war, gebannt wurde und das kann wahrscheinlich niemand entschuldigen.



Gaming Communities
Zwar trugen Nintendos Methoden durchaus stark zu meinem eher negativem Bild des Miiverse bei, jedoch sind sie nur eine Seite der Medaille. Das Pendant zu einer grausigen, wirklich intransparenten Moderation, ist eine unangenehme Gemeinschaft, welche daraus erwuchs und ständig herausforderte, womit man davonkommen konnte. Im Groben und Ganzen konnte man die generelle Nutzerschaft in drei Kategorien einteilen: Zuerst kamen die ganz normalen Leute, welche Screenshots posteten und eher für sich selbst agierten, aber kein wirkliches Interesse an Diskussionen oder derartigem hatten. Danach folgten die Menschen, welche man als eingefleischte Nintendofans titulieren kann und bei jedem, auch nur minimal kritischen Wortmeldung zur Stelle waren. Zu guter Letzt folgten jene, eingangs erwähnte Nutzer, die sich eher aufgrund des Unterhaltungsfaktors beteiligten, ständig einen Bann herausforderten und vielleicht besser auf so manch ein berüchtigtes Imageboard gepasst hätten. Obwohl dies nicht mehr als eine schamlose Generalisierung ist, sei gesagt, dass es wie in allen anderen Bereichen Ausnahmen gibt, aber meiner Erfahrung nach waren es genau diese Menschen, welche vom Miiverse angelockt wurden und vor allem mit den letzten beiden Kategorien wurde ich regelmäßig konfrontiert, als ich das soziale Netzwerk bis Mitte 2014 im Zuge des Super Smash Bros. 4 Hype als eine Art Ersatz für diverse Foren nutzte.



Wo sollte man denn besser über Nintendo schwadronieren können, als auf einem Hub, welches genau von dieser Firma kommt? Überall, wie es scheint. Kritisierte man eine E3 Präsentation, wurde man gebeten, seine Konsole zu verkaufen und zu der Konkurrenz zu wechseln; verteidigte man jedoch eine Entscheidung des Unternehmens, war man ein dummer Fanboy und die eigenen Worte hatten keinen Wert. Die lustigste Anekdote, die mir dazu einfällt, ist folgende: In der Community zu den beiden Smash Bros. Ablegern, die bereits über ein Jahr vor der Veröffentlichung eröffnet wurde, habe ich nicht selten meine Meinungen zu neuen Ankündigungen kundgetan und als ich sagte, dass ich Rosalinas Einführung als neue Kämpferin nicht ganz nachvollziehen konnte, hatte mich wohl jemand für eine Weile im Visier. Als nämlich deutlich später die Möglichkeit etabliert wurde, auch Kommentare unter Beiträgen positiv zu bewerten, bemerkte ich, wie dieser Jemand alle Kommentare unter meinen alten Posts positive Bewertungen gab, abgesehen von meinen eigenen. Selbst Posts in denen man mir zustimmte, gab er ein "Yeah!"; es ging einzig und allein darum, mir eins auszuwischen. Retrospektiv bringt mich dies schon stark zum Schmunzeln, aber eigentlich ist es doch eher peinlich. Solche Erlebnisse, sowie viele andere auch, waren dort Alltag. Einige der bekanntesten sowie seltsamsten Wortmeldungen, die man im Miiverse finden konnte, werden der breiten Masse durch den Twitteraccount BadMiiverseposts bereits geläufig sein und bedürfen keiner detaillierten Erwähnung.

Ein paar lobende Worte
Es wäre unfair, zu behaupten, alles an diesem Kommunikations-Service wäre schlecht gewesen, denn dem war nicht so. Schon alleine, dass uns die Möglichkeit geboten wurde, in Form von selbst verfassten Nachrichten mit Leuten interagieren zu dürfen, ist eine Funktion, die man auf der Switch, selbst heute, vergeblich sucht. Auch vielen Zeichnern, die mit den minimalen, ihnen zur Verfügung gestellten Werkzeugen erstaunliche Bilder angefertigt haben, gebührt großes Lob. Allgemein war die Idee hinter dem Miiverse, wie bei vielen Dingen, an denen Nintendo sich versucht, gar nicht übel; es hätte nur anders strukturiert und gehandhabt werden müssen, um zu einem angenehmen Erlebnis zu werden. Genau als das würde ich es rückblickend auch bezeichnen, ein Erlebnis. Zu sehen, wie diverse Communities gehackt wurden, sodass die Titelbanner mit Meme-Bildern vertauscht wurden oder Leute zu erhaschen, die aufgrund von harmlosen Screenshots aus Super Mario 3D World gebannt wurden, war durchaus etwas, was nur im Miiverse hätte passieren können. Oberflächlich eine gute Idee, aber bei einem genaueren Blick ein völliges Chaos, dessen Ableben ich keineswegs nachtrauere oder, zumindest in solch einer Form, nicht auf dem aktuellen Hybrid wiedersehen möchte.

Doch das sind nur meine bescheidenen Ansichten. Wie fandet ihr das Miiverse? Habt ihr vergleichbares oder schlimmeres erlebt? Am aller wichtigsten jedoch, wünscht ihr es euch zurück?

Lunk *, 9.926 Zeichen •

Kommentare

TheUnknown *
TheUnknown
Registriert:
08.05.2010, 09:25:43
Kommentar #1 vom 17.03.2019, 11:30:11 Uhr
Ich bin gar nicht sicher, was interessanter ist. Deine Kolumne, oder der letzte Screenshot darin! Der ist nämlich reines Comedygold! :)

Im Ernst. Das Miiverse war in der Idee gut gedacht, aber Alternativen wie Twitter und Co waren schon viel zu lange etabliert; es hätte zusätzlich eine Miiverse-App geben müssen, damit es überhaupt eine Chance gehabt hätte. Aber selbst dann ist dieses letzte "hätte" sehr vage. Denn das Miiverse war viel zu unübersichtlich und man fand viel zu schnell ein vll. interessantes Thema nicht wieder. Und die Suche war ebenfalls witzlos. Hier hätte man sich viel mehr an bislang etablierten Forensystemen a la phpBB und Co orientieren müssen. Darüber hinaus wäre eine ECHTE Community viel sinnvoller, als der ewig gleiche sterile Raum, bei man nie wirklich mit anderen kommunizieren oder sich zum Spielen verabreden kann, weil alles zu unflexibel ist
Rolf Belmont *
Rolf Belmont
Registriert:
24.07.2018, 10:36:34
Kommentar #2 vom 17.03.2019, 15:01:58 Uhr
Das Miiverse war in der Idee gut gedacht, aber Alternativen wie Twitter und Co waren schon viel zu lange etabliert; es hätte zusätzlich eine Miiverse-App geben müssen, damit es überhaupt eine Chance gehabt hätte.

Und damit haben wir doch das Hauptproblem des Miiverse genannt. Es war eine geschlossene Plattform für Nintendo-Konsolen-Besitzer und welche die es interessierten. Die breite Masse und somit neue Kunden wurden damit in keinsterweise angesprochen und gewonnen. Was nützt es mir als Hersteller, wenn nur Leute von meinen Produkten reden, die ich bereits überzeugt habe?
Tarik
Tarik
Registriert:
08.02.2011, 04:37:16
Kommentar #3 vom 18.03.2019, 12:32:47 Uhr
Mich haben eigentlich nur zwei Sachen gestört:
1. Das Ding war sau lahm. Die Server waren lahm und das Wii U-Menü im Umgang damit war lahm.
2. Die Spoiler waren eine Hassliebe, vor allem in Super Mario 3D World.
Man konnte Spoiler zwar selbst kennzeichnen und ich glaube auch bei anderen melden, nichtsdestotrotz wurden beispielsweise in Super Mario 3D World in den Einblendungen nach dem Abschluss eines Levels oft Spoiler angezeigt.
Manchmal - wenn ich selbst schon bei der Suche nach dem Stempel verzweifelt bin - war ich dann dankbar, einen Tipp bekommen zu haben, wo er ist ... in anderen Fällen hat es mich genervt, weil ich ihn doch lieber erstmal selbst ausgiebig suche.
Im Zweifelsfall ist es jetzt ohne Miiverse besser. Wenn ich den Stempel partout nicht finde, muss ich halt googlen.

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