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Ein Jahr lang Spielerezensionen

Kolumne vom 21.07.2019, 17:17

Eigentlich wollte ich diese Kolumne "Ein Jahr lang Spieleredakteur" nennen. Doch eine genaue Erläuterung des Begriffs Redakteur auf Wikipedia lässt mich an der Formulierung zweifeln. Sicher gibt es redaktionelle Tätigkeiten, wie etwa News auf der Seite zu veröffentlichen, Screenshots aufnehmen oder etwas wie dieses hier - eine Kolumne schreiben. Doch Gedanken um das Layout oder ähnliches liegen mir fern. Ich freue mich über Rezensionsexemplare und schreibe meine Meinung dazu. Dabei versuche ich meine Erfahrung mit dem Produkt möglichst klar zu formulieren, Pros und Contras aufzuschlüsseln und eine Kaufempfehlung zu geben oder in wenigen Fällen abzuschlagen.

Was ich damit zum Ausdruck bringen will, ist folgendes: Ich bin kein Spieleredakteur. Ich bin ein Typ, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Ein Nebenberuf ohne Bezahlung, aber immerhin ein Beruf. Und wenn ich soweit gehen kann, dann auch eine Berufung. Denn ich habe schon immer gerne etwas mehr aus meinem Hobby herausgeholt, setzte mich kritisch mit gewissen Aspekten auseinander, sammelte Eindrücke und Informationen und richtete mein Augenmerk auf etwaige Verbesserungen des Spieleerlebnisses oder den Umständen, warum etwas im finalen Produkt vielleicht nicht so wie erwartet ausfiel. Mittlerweile mache ich das halt auf einer professionellen Ebene.

DAMALS
Bevor ich mich für Eyes on Nintendo verpflichtete, sah mein Spielekonsum anders aus. Neue Games mussten gerechtfertigt werden, einen gewissen Kosten-Nutzen-Faktor aufweisen und generell saß der Geldbeutel nicht locker genug, um bei jedem neuen Release zuzugreifen. Mein höchstes Gut war die Frage nach der Langzeitmotivation. Als bestes Beispiel fallen mir diverse Monster-Hunter-Titel oder auch Splatoon ein. Würde ich etwas auf First-Person-Shooter oder Rennsimulationen geben, hätte ich sicher noch mehr Titel für mich entdecken können - auch wenn diese auf den Plattformen meiner Wahl eher Mangelware sind. Rollenspiele wie die Xenoblade-Reihe oder die Veröffentlichung von The Elders Scrolls V - Skyrim auf der Switch waren ebenfalls gern gesehen.

War dieses Kriterium nicht erfüllt, versuchte ich dennoch so viel Zeit und Spaß aus meiner Investition zu ziehen, wie mir möglich war. Manchmal lag mein Fokus auch auf Multiplayer-Titeln, die ich mit meiner Familie spielen konnte. Gelegentlich übernahmen auch andere die Spieleauswahl für mich. Ich persönlich hätte zum Beispiel gut auf Mario Kart 8 Deluxe verzichten können, hatte ich doch in der vorherigen Konsolengeneration genug Zeit damit verbracht. Aber am Ende wurde ich von Frau und Kind überstimmt.


Ich spielte demnach selektiert. Habe mich im Vorfeld über das Produkt informiert und mir ein genaues Bild gemacht. Spontankäufe waren als alleinverdienender Familienvater nicht drin und oft wartete ich Aktionen oder Rabatte ab. Dementsprechend hatte ich im Vergleich zu meinen Jugendjahren eine eher große Wunschliste, als eine große Spielebibliothek. Doch dem sollte sich Abhilfe schaffen lassen.

HEUTE
Mein erster Titel für eine Rezension war 1979 Revolution: Black Friday und somit eher nicht in meinem üblichen Portfolio. Das Spiel sammelte eindeutig Inspiration von Telltale Games' Erfolgsformel - als sie damals noch erfolgreich waren - an der ich zwar meist eine Freude fand, davon zu hören, aber selbst Hand anzulegen, kam mir nicht in den Sinn. Was eine Ausnahme blieb, war die Diskussion mit Webmaster Jörg über die Formulierung innerhalb des Textes. Diese anfängliche Diskrepanz blieb glücklicherweise auch ein Einzelfall und mittlerweile sind wir an dem Punkt, an dem redaktionelle Änderungen am fertigen Artikel kaum noch vorgenommen werden.

Willkommen war die Möglichkeit, mein Interesse an kommenden Titeln im Vorfeld zu bekunden, um eventuell diesen oder jenen Titel rezensieren zu können - denn ein Spiel wird ja immer nur einmal an die EYON-Redaktion vergeben, sodass also auch nur eine Person im Team es zum Testen erhalten kann. Diese teamintern so genannte "Wunschliste" halte ich zudem immer gut organisiert und gefüllt. Leider stellten sich die ersten von mir gewünschten Titel als ziemliche Gurken heraus. Zu Fall of Light - Darkest Edition fand ich einfach keinen guten Zugang und Senran Kagura Reflexions... Hui! Sagen wir mal, es blieb weit unter meinen Erwartungen zurück. Doch danach ging es immerhin steil bergauf und kaum ein gewünschter Titel hat mich seither enttäuscht. Ich war auch sehr viel mutiger, was neue oder für mich lange Zeit nicht mehr gespielte Genres anging, entdeckte meine Liebe für Visual Novels und belebte mein Interesse an Point-and-Click-Adventures sowie Fighting-Games wieder.


Das Schreiben eines Reviews geht mir gut von der Hand und oft habe ich das Fazit schon vor dem eigentlichen Text in meinem Kopf zusammengefasst. Somit muss ich es nur noch ein wenig anpassen, sollte mir bei der ausführlichen Beschreibung ein neuer Aspekt einfallen. Was mir immer noch Kopfschmerzen bereitet, ist die Wertungsskala. Wenn Piczle Colors von mir zwei Prozentpunkte mehr bekommt als Aragami - Shadow Edition, heißt das, das Puzzlespiel ist im direkten Vergleich besser als das Stealth-Game? Solche Gedanken sollte man am besten aus seinem Kopf streichen und jedes Spiel für sich allein bewerten. Natürlich darf ich auf andere Spiele verweisen, um mir und den Lesern das Spielprinzip verständlich zu machen, aber so ein Vergleich sollte nicht in die Wertung miteinfließen. Es dient nur als Referenzmaterial oder Zitat.

Beim Schreiben dieser Zeilen blicke ich auf eine Anzahl von insgesamt 83 von rezensierter Games für die Nintendo Switch. Ein gewisser Verantwortlicher für diese Internetseite sagte mir einmal, dass die Geschwindigkeit und bewältigte Menge an Rezensionsaufgaben weit über dem hiesigen Durchschnitt liegt - und diesem Kommentar habe ich nichts hinzuzufügen. Mein Videospielkonsum und meine Blickweise auf das Medium haben sich gewandelt. Ich schaue jetzt viel genauer auf solche Dinge wie die Grafik oder FPS, was mir vorher, ehrlich gesagt, herzlich egal war, solange das Spielgefühl stimmte. Ferner spiele ich auf meiner Switch kaum noch privat - selbst der vorherige Dauerbrenner Splatoon 2 ist ins Hintertreffen geraten.


Mein Kaufverhalten hat sich zwar kaum verändert, aber dafür verlagert. Die E3/2018 verleitete meine Frau und mich dazu, günstig eine XBox One S zu erstehen und uns mit dem GamePass zu versorgen. Eigentlich unter der Voraussetzung keine Games selbst zu kaufen und es nur als Zweitkonsole zu benutzen. Da war ich wohl schief gewickelt... Wir besitzen mittlerweile fünf physische und ein digitales Spiel auf Microsofts Konsole und ich gebe zu, dass zumindest zwei davon auf meine Kappe gehen. Bei einer großen Aktion mit 5-zum-Preis-von-3-Games eines Elektrofachgeschäfts hat mein Bruder noch eine Person zum erfolgreichen Zusammestellen des Spieleaufgebots gebraucht und so kam ich in den Besitz von Devil May Cry 5. Das andere Spiel habe ich nicht selbst zu verantwortlich, es ist aber für mich gedacht. Meine Frau hat nämlich Kingdom Hearts III für "ein unschlagbares Angebot" über einen Online-Versandhandel erstanden.

Was mein Spielekonsum betrifft? Das vor wenigen Tagen angekommene Kingdom Hearts III ist noch originalverpackt, DMC 5 habe ich wohl circa bis zur Hälfte durch und auch packende Titel aus dem GamePass wie etwa Hollow Knight oder Outer Wilds habe ich nicht zu einem befriedigenden Abschluss bringen können. Doch wenn ich so recht darüber nachdenke, bin ich nicht traurig darüber. Ich arrangiere mich mit dem Gedanken meinen Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu blicken. Ich selektiere immer noch, aber in einer anderen Hinsicht. War ich vorher ein Gourmet, der sich genau das herauspickte, von dem er schon lange überzeugt war, bin ich jetzt eher ein Connaisseur, der auch mal fremdartige Sachen vorgesetzt bekommt und vielleicht sogar Gefallen daran findet...

Nun, hat euch meine Ausführung über das Leben eines freiberuflichen Spieletesters gefallen oder eher abgeschreckt? Wie stellt ihr euch den Alltag als Rezensent vor? Traumjob? Viel zu stressig? Und beachtet ihr Reviews überhaupt ganzheitlich, oder schaut ihr nur auf die Wertung ganz am Ende? Oder verfasst ihr gar selbst Rezensionen und habt dieselben oder andere Erfahrungen gemacht als ich?

Rolf Belmont *, 8.360 Zeichen •

Kommentare

DStroke *
DStroke
Registriert:
09.05.2010, 03:40:32
Kommentar #1 vom 11.08.2019, 10:07:25 Uhr
Ich bin ja ebenso ein Spieletester sowohl digital als auch analog und mit YouTube wird das alles noch aufwendiger. Bei den Reviews ist es wichtig bzw. gut in einem kurzen Zeitraum nach Erhalt das Spiel zu testen. In einem normalen Arbeits- und Alltagsleben ist das immer schwierig. Man will wo viel machen und findet nicht für alles die Zeit. Wenn man gerade brennend heiß drauf ist , erweist sich das natürlich als viel einfacher, dennoch klappt es auch da nicht immer.

So artet es manchmal als Stress aus, "weil man es fertig bekommen will". So spielt man vielleicht nicht wann einem die Lust danach ist, sondern weil man weiß es soll ja demnächst was abgeliefert werden. Gott sei Dank ist das nicht immer so. Aber besteht ein Unterschied, dass wenn ich mir privat Spiele kaufe, sie unbeschwerter spielen zu können.

Wenn jemand komplett sein Hobby zum Beruf machen kann wie bei IGN oder sowas, dann ist das besonders cool. Dennoch finde ich es immer wieder erfrischend was man für Schrott aber auch Perlen ins Haus bekommt, die man ohne Rezi Exemplare nie auf dem Schirm gehabt hätte.

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