Nintendo Labo: Ein Vater zieht Bilanz

Kolumne vom 07.08.2018, 21:47

Bereits bei der Ankündigung von Nintendo Labo war ich mir bewusst, dass ich definitiv nicht der Zielgruppe entspreche. Doch mein Sohn war begeistert. Er liebte die ersten Trailer und wollte am liebsten alles umgehend haben. Da meine Familie äußerst bastel- und spielbegeistert ist, fiel die Entscheidung nicht schwer: Nintendo Labo kommt ins Haus!

Mein Sohn tendierte zum Roboter-Set, schließlich ist es viel cooler als ein Klavier oder eine Angel. Ich hingegen dachte etwas sachlicher. Sollte ich ein Set kaufen, und er würde es nach drei Tagen in die Ecke stellen und nicht wieder anrühren? Oder sollte ich lieber für mehr Abwechslung sorgen, indem ich mit dem Multi-Kit mehrere Anwendungsmethoden anstrebte? Ich entschied mich letztlich für das Multi-Kit, dazu ein passendes Sticker-Set, und er bekam es zum Geburtstag.

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Die Umsetzung
Wir begannen also am Abend mit dem Haus. Ich hielt es für eine gute Idee, da er hier durch die verschiedenen Schalter ein Gefühl für die Funktionen erhält und das Tamagotchi-artige Spiel ihn sicher begeistern würde. So war es auch, doch erstmal musste gebaut werden.

Für seine Verhältnisse hat er lange durchgehalten. Das Haus war schon über die Hälfte fertig, als der berühmte Satz: "Papa, mach du mal weiter" über seine Lippen kam. Ich erinnerte mich umgehend an fast alle LEGO Sets, die er in den letzten Jahren geschenkt bekam und ich meistens aufbauen durfte. Leider sind diese Zeiten vorbei und er ist sehr gut selbst in der Lage die bunten Plastikklötze nach Anleitung zusammenzustecken. Darum feierte ich dieses kleine Revival mit Pappbögen und beendete das Set im Alleingang.

Er war entzückt von dem niedlichen Tierchen, welches im Haus lebte, und der vielfältigen Art mit diesem zu interagieren. Jedoch hatte ihn nach bereits einer Viertelstunde neuer Ehrgeiz gepackt und er wollte mehr. Beziehungsweise ich sollte für mehr sorgen... Die Angel fiel ihm ins Auge und er war sogar bereit, mir zu assistieren. So trennte er die Teile aus und spulte die Anleitung vor. Ihr könnt euch an diesem Punkt allerdings schon denken: Ich saß am Ende alleine an der Fertigung. Erst als es darum ging, das Paket in Betrieb zu nehmen, war er wieder an meiner Seite.

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Am nächste Morgen erlebte ich erstaunliches. Er machte sich selbst an die Arbeit und baute ohne mein Zutun sowohl das RC-Auto-Set, als auch den zusätzlichen Würfel des Haus-Sets. Ich dachte der Funke wäre endgültig übergesprungen und ihn hätte der Ehrgeiz gepackt. Tatsächlich: Alle Pappkonstruktionen landeten zusammen mit der Switch in einer großen Kiste und stolz präsentierte er alles seiner Großmutter und seinen Cousinen. Hier war ich leider nicht dabei, da mich die Arbeit rufte. Doch als ich am Abend nach Hause kam, war die Kiste noch immer gefüllt mit unseren Bauwerken.

Die Tage danach
Die Kiste blieb für die nächsten Tage an Ort und Stelle stehen. Ich fragte täglich nach, ob er nicht vielleicht noch etwas neues bauen oder mit den bereits fertigen Sets spielen möchte, doch Interesse war seinerseits nicht wirklich vorhanden. Bis ich mich gestern mit dem Karton hinsetzte um ihn aus der Reserve zu locken und siehe da, es funktionierte. Mir schwebte eigentlich das Motorrad vor, er entschied sich jedoch für das Klavier. Selbst mein Argument, er könne das Set auch in Mario Kart 8 Deluxe benutzen, zog nicht.

Bis ich ihn ins Bett stecken musste, hatte er am Klavier seine Freude. Doch jetzt liegt erneut alles wieder in der Kiste. Die Sticker sind auch immer noch originalverpackt... Hmmm...

Labo ist für Leute mit Geduld, mit dem Willen zur Perfektion und zumindest einem Grundinteresse an Mechanik. Mein Sohn fällt leider eher in die Kategorie Das-ist-mir-zu-schwer-da-gebe-ich-lieber-auf. Aber bei LEGO hat es ja auch ein wenig gedauert, bis ich nicht mehr helfen durfte...

Wie sind eure Erfahrungen mit im Familien- und Bekanntkreis, wenn es um Nintendo Labo geht? Wird noch und nöcher damit gespielt? Oder gammelt es nach 2-3 unterhaltsamen Spielstunden nun irgendwo in einer Kiste vor sich hin?

Rolf Belmont *, 4.106 Zeichen •

Kommentare

TheUnknown *
TheUnknown
Registriert:
08.05.2010, 09:25:43
Kommentar #1 vom 07.08.2018, 21:56:23 Uhr
Mich wundert das überhaupt nicht. Ich habs schon mal gesagt, und ich sags nochmal: Die Software bietet einfach nicht genug Komplexität. LEGOs kannst Du in zig tausend Variationen immer wieder neu zusammenbauen, Mario Kart bietet viele Strecken, Fahrer, Items, Multiplayer - sogar online... Die Labopappe baust Du einmal zusammen, dann ist sie fertig, stellst fest, dass sie tatsächlich funktioniert und dann merkst Du, dass Du bereits alles gesehen hast.

Die Idee ist geil, aber die zugehörige Software muss einfach viel mehr bieten, als schnödes Techdemo-Niveau; da gehört ein ordentlicher Unterbau dazu.
Tarik
Tarik
Registriert:
08.02.2011, 04:37:16
Kommentar #2 vom 08.08.2018, 10:47:47 Uhr
@Rolf Belmont: Danke für diesen Erfahrungsbericht, hat Spaß gemacht zu lesen. :)

Zitat von TheUnknown:
Mich wundert das überhaupt nicht. Ich habs schon mal gesagt, und ich sags nochmal: Die Software bietet einfach nicht genug Komplexität. LEGOs kannst Du in zig tausend Variationen immer wieder neu zusammenbauen, Mario Kart bietet viele Strecken, Fahrer, Items, Multiplayer - sogar online... Die Labopappe baust Du einmal zusammen, dann ist sie fertig, stellst fest, dass sie tatsächlich funktioniert und dann merkst Du, dass Du bereits alles gesehen hast.

Die Idee ist geil, aber die zugehörige Software muss einfach viel mehr bieten, als schnödes Techdemo-Niveau; da gehört ein ordentlicher Unterbau dazu.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
DStroke *
DStroke
Registriert:
09.05.2010, 03:40:32
Kommentar #3 vom 09.08.2018, 15:55:55 Uhr
Mir echt es ähnlich. Das bauen macht Mega Laune. Dann spielt man das neu gebaute an und mehr passiert da irgendwie leider nicht.
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