Nintendo und die E3/2017 - Wie misst man inhaltliche Qualität?

Kolumne vom 11.06.2017, 08:23

Nun ist es also wieder soweit. Am 13. Juni 2017 um 18:00 Uhr startet Nintendos E3/2017-Präsentation, die dieses Mal "Nintendo Spotlight" heißen wird. Manche munkeln, das dauere nur 30 Minuten, andere fordern, Nintendo solle einfach nur Trailer an Trailer anreihen. Das würde genügen, da ja anschließend die Treehouse-Livestreams folgen, welche ohnehin alle Titel im Detail vorstellen werden.

Aber ist es wirklich das, was wir wollen? Ein schnödes Runterspulen von Spielen? Wollen wir nicht auch den Zuckerguss? Ein wenig Bombast? Hier ein Scherzchen, dort ein denkwürdiges Zitat? Schließlich reden wir auch heute noch davon, dass Reggie Namen nimmt und Ärsche tritt, oder dass sein Körper bereit ist. Oder Iwata, wie er auf einen Bund Bananen starrt? Oder denkt doch nur mal daran, wie damals der erste Trailer zu Twilight Princess gezeigt wurde und die Zuschauer vor Ort regelrecht ausrasteten und Miyamoto danach unter tosendem Jubel die Bühne betritt.

Video-Quelllink: [LINK ZU WWW.YOUTUBE.COM]


Ist es nicht das, was wir wollen? Oder sind wir schon so abgeklärt und routiniert, dass es ausreicht, uns eine Trailer-Slideshow zu präsentieren? Natürlich, ich gebe es zu, wenn ich an die E3-Auftritte Nintendos zur Wii-Ära denke, schaudert es mich: Diagramme, ewig langes Gelaber über Statistiken und Käufer - und der Tiefpunkt: Das Wii-Fit-Drummsolo. All das hat wirklich richtig weh getan.

Video-Quelllink: [LINK ZU WWW.YOUTUBE.COM]


Das will ich natürlich auch nicht sehen, aber wieso kriegen Sony und Microsoft es die letzten Jahre so gut hin? Ich meine nicht per se die Spiele die gezeigt werden, sondern den Aufbau, die Struktur des Bühnenauftritts. Da kommt jemand auf die Bühne, begrüßt die Anwesenden und dann folgt Spiel auf Spiel auf Spiel. Ab und zu ein kurzes Interview auf der Bühne oder ein Stargast erklärt kurz etwas, und dann geht es weiter: Spiel auf Spiel wird gezeigt. Wieso geht das bei Nintendo nicht.

Oder: Will ich das überhaupt noch? Ich denke, eher nicht. Natürlich hätte ich gern eine coole Präsentation und 20 geniale Must-Have-Spiele in jedem Quartal, aber bei Nintendo war die E3 in den letzten 5-6 Jahren immer so la-la. Inhaltlich zumeist voll ok, und es wurden immer auch 3-4 tolle Titel angekündigt. Aber so insgesamt war das Drumherum eher dröge und ich blieb eigentlich nur noch am Stream, weil ich hoffte: "Kommt schon, nur noch ein richtig gutes Game, bitte, nur noch eines!". Denn in den rund 60 Minuten jedes Jahr waren auch viele Blender dabei - oder es wurde viel zu viel Zeit mit Interviewmitschnitten vertrödelt, in denen es darum ging uns zu erklären, wieso Yoshi's Woolly World so aussieht, wie es aussieht, oder wie man Fox McCloud zeichnen kann.

Das sind alles nette Infos, aber das kann man hinterher irgendwann zeigen - aber doch nicht während der 60 wichtigsten Fan-Minuten des Jahres! Außerdem sind mir viele Jokes und Gags zu sehr auf Nummer sicher. Die üblichen "Da werden bestimmt alle lachen!"-PR-Profi-Späße, die nicht spontan sind, sondern geskriptet. Aber selbst wenn dem so ist - das ändert nichts am Gesamtpaket.

Doch damit ich nicht missverstanden werde: Aus irgendeinem Grund befürchte ich nicht, dass ich, was die Spieleankündigungen anbelangt, enttäuscht werde. Ich weiss nicht wieso, aber ich schätze, meine Switch wird auch weiterhin fleißg bespielt werden. Darum: Nein, es geht mir nicht um die Spiele, sondern um die Präsentation. Ich freue mich jeden Tag mehr auf die E3 - oder nein! Auf die Ankündigungen für Nintendos Plattformen, um genau zu sein! Und dann will ich wenigstens diese paar Minuten lang zünftig angesprochen werden. Ich will kein Tamtam, sondern einfach zügige Infos zu Spielen.

Die Treehouse-Streams beispielsweise finde ich schon mal eine geile Sache! Blöd ist nur, dass man da 10-20 Stunden Material hat, aber keine Ahnung, wann was gezeigt wird. Man kann nur warten und hoffen... Das sind die Dinge, die ich meine. Wenn schon das, dann bitte wenigstens einige Minuten Balsam für die Seele...

Oder etwa nicht? Ist das alles Humbug? Nur die nackten Fakten zählen, egal, wie sie ins Bild gesetzt werden? Klärt mich auf, wie Ihr das seht....

TheUnknown *, 4.278 Zeichen •

Kommentare

Lugmillord
Lugmillord
Registriert:
13.06.2014, 20:24:00
Kommentar #1 vom 11.06.2017, 11:16:18 Uhr
Es stimmt schon, dass bei den damaligen Bühnenpräsentationen auch immer wieder längere Atempausen waren, die keinen wirklich interessierten. Trotzdem hatte es diese besondere "das ist hier was Großes"-Atmosphäre. 25-30 Minuten klingen im Vergleich zur Konkurrenz halt wenig, aber im Endeffekt bauen die eben Anspielpartien mit in die Show ein, die bei Nintendo dann im Treehouse kommt. Ich denke, es wird in Ordnung, aber eben nicht "bombastisch".
Bei einer Sache stimme ich aber zu - immer wieder keinen Ablaufplan für das Treehouse Live zu nennen, finde ich absolut bescheuert. Ich habe nicht die Zeit stundenlang immer wieder reinzuschauen, ob denn nun das Spiel gezeigt wird, das ich sehen möchte, um dann doch nur wieder bei irgendwas Drögem zu landen. Das kann echt nicht zu viel verlangt sein. Sonst schaue ich es nämlich gar nicht und suche mir nach der E3 die passenden Videos auf Youtube zusammen.
Crazy Canary
Crazy Canary
Registriert:
20.07.2013, 18:59:54
Kommentar #2 vom 11.06.2017, 18:29:13 Uhr
Ich denke, dass so Bühnen-Präsentation, wo man vorm Publikum steht und die Reaktion der Leute hört, ja das ist schon was Besonderes, etwas anders als das ich von einer Direct bekomme oder von Nintendo in den letzten Jahren. Ja, da denke ich mir schon "Jawoll, das ist jetzt die E3, wohl das Gaming-Event des Jahres und da gehören Bühnen-Auftritte auch dazu - wenn sie unterhaltsam sind und es sich nicht so anfühlt, als nehmen die ein paar Game-Ankündigungen die Zeit weg.

Bei letzterem beziehe ich mich klar und deutlich auf die angegebene Länge der Show. Bei einer Stunde, da hat man schon Zeit für Interviews, Auftritte und sonstigen Klamauk, aber wenn ich dann schon lese, dass die Spotlight nur 25 bis 30 Minuten lang ist, dann sind mir Vor- und Nachspeise Wurscht, her mit den Trailern! Sicher, ein bisschen Blabla zwischendurch, ja, schön und gut, aber nur als Übergang zum nächsten Trailer, nicht als Zeitfüller!

Zurück zum Vorherigen, dass ich von dem Spektakel unterhalten werden möchte, wenn ich eines serviert bekommen sollte. Interviews? Kurz und knackig. Stellt keinen hin, der keinen Plan bei hat, was er erzählen möchte und vom ersten ins tausendste kommt. Statistics? Lasst die im Besprechungsraum am Ständer lehnen! Die könnt ihr, wenn ihr denn so stolz drauf seid, auch als Pressemeldung loswerden. Gäste? Gut, aber auch nur kurz und knackig! Musik-Nummern, Sketches? Beides willkommen, muss aber zu einem oder mehreren Games passen (die Nintendo-Puppen von vor zwei, drei Jahren kommen in Erinnerung).

Zusammenfassend kommt es mir auf die Länge an: Je mehr Zeit man hat, desto offener bin ich für Interviews, Dev-Tours, Gäste, Sketches usw. Wenn man a la Nintendo schon zu Beginn sagt, dass es nur 25 Minuten werden wird, dann kann ich nur sagen: Trailer, Trailer, Trailer!
Du musst eingeloggt sein, um kommentieren zu können!
Eyes on Nintendo© 2002-2017, Eyes on Nintendo
Seit 22.12.2002, 23:00 Uhr
"Eyes on Nintendo" unterstützt den Einsatz von browserseitigen Cookies, unter anderem auch zum Ändern des Designs. Nähere Infos dazu findest Du hier.