Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia

Nintendo 3DS

Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia, Covermotiv
Auf dem Kontinent Valentia herrscht ein Bürgerkrieg. Das im Norden gelegene Königreich Rigel versetzte dem fragilen Frieden mit Zofia im Süden den Todesstoß, als rigelianische Truppen den König Zofias meucheln. Inmitten dieser Wirren spielen Celica und Alm, je für sich, eine entscheidende Rolle. Beide sind zusammen im kleinen Dorf Ram aufgewachsen, unter der Obhut des alten Ritters Sir Micen. Doch eines Tages muss Celica auf eine entfernte Insel fliehen, um ihren Verfolgern zu entkommen. Warum das Kind verfolgt wird? Das soll Alm erst viele Jahre später erfahren, als sich ihre Wege im Bürgerkrieg immer wieder Kreuzen. Es scheint, als seien die Schicksalsfäden von Celica und Alm eng verwoben. Doch werden sie sich als Freund oder Feind gegenüberstehen?

Echos aus der Vergangenheit
Bei Fire Emblem Echoes Shadows of Valentia für den Nintendo 3DS handelt es sich um ein Remake. Das Original erschien unter dem Titel Fire Emblem Gaiden 1992 ausschließlich in Japan für das Nintendo Entertainment System. Der Titel genießt den Ruf, er sei das "schwarze Schaf" der ansonsten in Fernost hochgelobten Serie. Ob das Remake besser dasteht und was verbessert wurde, lest Ihr im Folgenden.

Damals wie heute laufen die Schlachten nach dem typischen Fire-Emblem-Schema ab: In der Spielerphase wählt Ihr der Reihe nach die Aktionen der Einheiten in Eurer Truppe. Dabei kann jeder Recke Eures Trupps sich zunächst eine begrenzte Anzahl von Schritten über schachbrettartig in Quadrate aufgeteilte Schlachtfeld bewegen. Kommt Ihr so nah genug heran, könnt Ihr gegnerische Einheiten attackieren. Dafür müssen etwa Schwertkämpfer auf das der feindlichen Einheit direkt benachbarte Feld treten, wohingegen Magier und Bogenschützen auch aus der sicheren Entfernung angreifen können

Abhängig von den Statuswerten der kontrahierenden Einheiten beginnt eine kurze Kampfsequenz. Werte wie die Geschwindigkeit, Angriff und Verteidigung entscheiden, wie häufig ein Krieger zuschlägt und wieviel Schaden dabei entsteht. Besonders verheerend sind kritische Treffer, die gern zum schnellen Verlust eines wertvollen Kämpfers führen.

Jede Einheit gehört einer Klasse an. Ritter tragen schwere Rüstungen. Sie haben zwar einen geringen Bewegungsradius, jedoch können physische Angriffe ihnen so gut wie nichts anhaben. Nur die Magier können ihnen wirklich gefährlich werden, denn ihre magischen Angriffe durchdringen den Stahl. Berittene Einheiten haben einen großen Bewegungsradius und oft eine hohe Schlagkraft. Noch besser bewegen sich nur fliegende Einheiten über das Schlachtfeld, denn sie sind unabhängig vom Untergrund und überwinden sogar Mauern und Flüssen. Doch Vorsicht! Bogenschützen machen mit den Fliegern kurzen Prozess.

Es ist unbedingt nötig, die Stärken und Schwächen jeden Charakters auf dem Feld zu kennen, um siegreich hervorzugehen. Fire Emblem-Veteranen dürfte auffallen, dass das Waffendreieck bei Shadows of Valentia nicht zu Einsatz kommt. Doch auch ohne dieses Feature, dass nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip den Ausgang von Kämpfen beeinflusst, ist das Gameplay in jedem Fall konsistent und durchdacht.

Nicht nur die Kampffertigkeiten seiner Recken muss man kennen, sondern auch die sozialen Strukturen in der Truppe. Zu wissen, wer zu wem einen guten Draht hat, ist entscheidend, weil Angriffe einer Einheit mächtiger sind, wenn sie an der Seite eines guten Freundes ausgeführt werden. Je häufiger Seite an Seite in die Schlacht gezogen wird, desto fester wird das Band der Freundschaft.

Trotz etlicher Möglichkeiten in jedem Spielzug, solltet Ihr Euer Vorgehen immer sorgfältig planen. Denn das typische Merkmal von Fire Emblem ist der unwiederbringliche Verlust gefallener Kämpfer. Das bedeutet, dass Einheiten Eurer Truppe, die auf dem Schlachtfeld fallen, für immer verloren sind. In Fire Emblem Echoes Schadows of Valentia gibt es seltene Brunnen, mit deren Hilfe es möglich ist, einmalig eine Einheit wieder aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Doch auch diese Möglichkeit ist im wahrsten Sinne schnell ausgeschöpft. Daher sollte Euch alles daran liegen, schwache Einheit zu schützen, bis sie durch Levelanstieg zu wahren Kriegern gewachsen sind.

Nach dem Sieg über gegnerische Truppen winken Erfahrungspunkte. Für jeweils 100 von ihnen erreicht einer Eurer Schützlinge eine neue Stufe. Das bedeutet einen Anstieg der Statuswerte. Doch gerade wenn jemand gerade erst zu Eurer Truppe gestoßen ist, muss man ihn behandeln, wie ein rohes Ei. Ansonsten ist er im Gefecht nichts als Kanonenfutter.

Der Kontinent Valentia
Als Spieler befehligt Ihr die Truppen von Alm und Celica parallel über die Oberweltkarte, den Kontinent Valentia. Alm und Celica müssen dabei ihre eigenen Wege gehen. Dabei treffen sich nicht nur auf die Schergen des Imperiums Rigel sondern kommen auch an friedliche Orte wie etwa Dörfer. Diese erforscht Ihr im Stile eines Point-and-Click in Standbildern. Hier gilt es, Items aufzustöbern, einzukaufen und vor allem, mit den Bewohnern zu reden. Nicht selten trefft Ihr auch auf neue Rekruten, die bereit sind, für Eure Zwecke in die Schlacht zu ziehen.

Dann gibt es noch die Dungeons. In Third-Person-Ansicht streift Ihr in der Rolle von Celica oder Alm durch dunkle Gruften und Höhlen. Dabei könnt Ihr Kisten zerschmettern und allerlei nützliche Items einsacken. Trefft Ihr auf einen Gegner, beginnt eine Schlacht. Ihr solltet immer versuchen, den Gegnern zuvor einen Hieb mit dem Schwert zu verpassen. Denn dann gehen sie mit reduzierten Lebenspunkten in den Kampf. In den Dungeons ist es wichtig, nicht stets dieselben Charaktere alle Gegner ausschalten zu lassen. Denn sonst bekommen sie es mit der Müdigkeit zu tun und starten selbst mit erheblich schlechteren Statuswerten.

Da ist es gut, dass in den Tiefen der Höhlen und Gruften zumeist eine Statue der Göttin Milla darauf wartet, Euch für den erfolgreichen Abschluss eines Dungeon zu belohnen. Hier können nicht nur Lebensmittel geopfert werden, um die Erschöpfung der Truppe zu heilen, Ihr könnt auch Einheiten weiterentwickeln. So wird etwa aus einem einfachen Bogenschützen ein Scharfschütze. Vorausgesetzt ist jedoch, dass der Charakter bereits ein bestimmtes Level erreicht hat. Manchmal finden sich in den Dungeons auch Brunnen, an denen Ihr die Statuswerte einzelner Kämpfer geringfügig verbessern könnt. Einmalig, versteht sich. Insgesamt lockern die Dungeons das Gameplay sehr auf. Das Spiel gestaltet sich damit actionlastiger als andere Vertreter von Fire Emblem.

Auge um Auge, Ohr um Ohr
Je nach Spielsituation zeigt sich Shadows of Valentia anders. Die meiste Zeit bekommt Ihr es mit der strategischen Ansicht in den Schlachten zu tun. Dabei betrachtet Ihr das Geschehen zweidimensional aus der Vogelperspektive. Treffen zwei Einheiten im Kampf aufeinander, zoomt das Geschehen herab und es wird eine dreidimensionale Kampfanimation gezeigt. Diese ist sehr dynamisch und lebendig. Jede Kampfanimation ist einzigartig, da sie von den beteiligten Einheiten, den Terraineigenschaften und auch von den erzielten Treffern abhängig ist.

Das grafische Niveau ist dabei recht ansehnlich. Die Charaktermodelle sind sehr detailliert. Jedoch ist die Texturqualität nicht berauschend. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die dreidimensionalen Standbilder in den Dörfern und die Dungeons. Wer weiß, vielleicht hätte der 3DS in diesen Belangen noch etwas mehr leisten können. Dennoch bleibt Fire Emblem Shadows of Valentia optisch ansprechend. Die mittelalterliche Optik führt einen in ein magisches Königreich wie vor hunderten von Jahren.

In Sachen Sound kann man dem Titel dagegen nichts vorhalten. In den Schlachten treibt einen die Hintergrundmusik an. An sicheren Orten, etwa in Tempeln oder in den Dörfern, kommt man durch die sanften Melodien regelrecht zur Ruhe. Der Titel reiht bei der Präsentationsqualität nahtlos zwischen anderen Vertretern der Reihe ein. Besonders zu loben ist, wie bei Fire Emblem üblich, die gute Arbeit der englischen Sprecher. Sie verkörpern ihre Alter Egos wirklich gut und verleihen ihnen eine Seele. Der Wermutstropfen: Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht und auch die japanischen Originalstimmen sind nicht optional wählbar.

Heute ist alles besser
Wer schon einmal einen Titel der Reihe gespielt hat, wird es kennen: Der frustige Moment, in dem ein Krieger gegnerischer Seite mit einem kritischen Treffer unwiederbringlich eine der eigenen Einheiten auslöscht. Nicht selten hat man freiwillig die ganze Schlacht von Beginn an erneut gestartet, nur um dem liebgewonnenen Weggefährten dieses Schicksal zu ersparen. Wohl um den Frust zu reduzieren, gibt es im Remake Shadows of Valentia Millas Zeitenrad. Mithilfe dieses magischen Gegenstanden könnt Ihr im Kampf einige Male in der Zeit zurückspringen. Auf diese Weise lassen sich verkorkste Züge und unglückliche Einzelmanöver ungeschehen machen. Doch selbst dieses mächtige Utensil nimmt Euch nicht die Verantwortung ab, sorgfältig Eure Züge zu planen. Denn Millas Zeitenrad darf nur sehr begrenzt verwenden werden.

In den Dungeons werden Ihr recht häufig auf Gegner treffen, die mehr oder weniger leichte Beute sind. Um diese Gefechte zu beschleunigen, besteht die Möglichkeit, die eigenen Truppen durch einfache Auswahl einer Taktik weitestgehend autonom agieren zu lassen. Dann heißt es, zusehen und Daumen drücken. Ein Feature, dass Euch gerade beim Aufleveln schwacher Einheiten entgegenkommt.

Neu ist auch, dass Ihr zu Beginn des Spiels gleich mehrfach die Wahl habt. Es gibt zwei verschiedene Schwierigkeitsgrade. Zudem habt Ihr die Möglichkeit anstatt des "Klassischen"-Modus auch den "Einfachen"-Modus zu nutzen. Hier kehren besiegte Kämpfer aus Eurer Reihe in der nächsten Schlacht zurück und sind nicht für immer verloren.

Wo Nintendo draufsteht, können auch die Amiibo nicht weit sein. Mit den neuen Figuren von Alm und Celica lassen sich zwei zusätzlichen Herausforderungen freischalten. Die Fire Emblem Amiibo aus der Super Smash Bros.-Reihe, zum Beispiel Marth, können im Kampf beschworen werden. Das kostet jedoch satte 10 Lebenspunkte. Also entscheidet Euch weise!

Fazit
Meine Erfahrungen mit Fire Emblem haben sich bisher auf den Ableger für den GameCube, Path of Radiance, beschränkt. Ich begrüße das aufgelockerte Gameplay durch die Dungeons und die deutlich geminderte Frustrationsrate. Alles in allem empfinde ich Shadows of Valentia als recht leicht. Auf jeden Fall ist es ein mehr als gelungenes Spiel, dass nicht nur hartgesottene Strategie-Fans fesseln wird. Es erzählt eine spannende Geschichte und weiß spielerisch zu überzeugen. Nicht zuletzt sind es auch all die Nebengeschichten der Charaktere in Eurer Truppe, die den Charme von Fire Emblem Echoes Shadows of Valentia ausmachen.

Jojo *, 10.758 Zeichen, veröffentlicht am 17.05.2017 •
Singleplayer: 85%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Nintendo of Europe
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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amiibo Kann außerdem auch über den Nintendo eShop heruntergeladen werden Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 19.05.2017, Preis: 44,99€, 1 Spieler/in

Bilder

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