Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten

Nintendo DS

Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Covermotiv
Wenn es um Rollenspiele geht, dann gehört Dragon Quest sicherlich zu den bekanntesten Serien dieses Genres. Mit vielen Charakteren, Klassen, guter Story und natürlich vielen Gegnern ist der heutige RPG-Standard sehr ordentlich erfüllt. Das dürfte mitunter auch erklären, wieso es mittlerweile schon 10 Teile dieser Serie gibt. Aber Moment, wieso wird dann hier Teil 6 getestet? Ganz einfach, bei "Wandler zwischen den Welten" handelt es sich um ein Remake. Das Original erschient 1995 für das SNES.

Ob es sich bei diesem Titel nun nur um einen billigen Abklatsch von anno dazumal handelt, oder ob sich in den knapp 15 Jahren wirklich etwas bei dem Spiel getan hat, findet ihr jetzt heraus.

Grafikwunder
Das Spiel beginnt mit einem recht simplen aber auch eher altmodisch gehaltenen Menü. Ein paar Textboxen, um einen von drei Spielständen auszuwählen und eurem Helden einen Namen zu geben - und schon beginnt das Spiel. Ihr werdet von einem Drachen zu einer dunklen Festung geflogen, bekommt von Mitstreitern erzählt, bald fände der finale Kampf statt, und ihr steht plötzlich vor dem finsteren Mordar, der euch mal eben fertig macht.

Plötzlich wacht ihr dann in einem kleinen Dorf auf und versucht, erstmal euch Gedanken zu sammeln. Allerdings reichte bereits diese kleine Szene, mich in Erstaunen zu versetzen: Die gesamte Umgebung - eure Sprite-Charaktere ausgeschlossen - sind in 3D! Das wirkt wirklich ziemlich beeindruckend, schließlich sind 3D Umgebungen in DS Spielen nicht gerade häufig zu finden. Als Sahnehäubchen kommt die Funktion hinzu, die gesamte Umgebung seinen Wünschen nach zu drehen, um so Gebäude, Mauern, Brunnen, etc. in voller Pracht zu bewundern. Nebenbei - wann immer später im Abenteuer der Name "Mordar" fällt, denkt man an diese kurze Anfangsszene zurück und hat somit schon eine Verbindung zum Schurken. Clever gelöst, Square Enix ;)

Aber jetzt mal wieder zurück ins kleine Dorf das ich vorhin erwähnt habe. Sobald ihr wieder auf den Beinen steht, warten auch schon die ersten Aufträge auf euch. Personen finden, Waren in einem anderen Dorf abliefern, Gegenstände besorgen - normaler RPG-Alltag eben. Wie ihr das Ganze allerdings anstellt, sagt euch das Spiel nicht. Wie die Steuerung funktioniert müsst, ihr selbst herausfinden. Den einzigen Hinweis den ihr bekommt, ist, wie man speichert. Dies könnt ihr nur in Kirchen - die wohl die wichtigste Einrichtung einer jeden Stadt ist. Hier könnt ihr aber nicht nur speichern, sondern auch besiegte Teamkameraden wiederbeleben oder eure nötigen Erfahrungspunkte für das nächste Level herausfinden. Ansonsten gibt es noch die Schnellspeichermethode, die euren derzeitigen Zustand im Spiel speichert, das Spiel beendet und beim Fortsetzen den Schnellspeicherpunkt wieder löscht. Im Grunde also nichts Neues.

War damals alles noch besser?
Genauso ist es auch beim Kampfsystem, welches übrigens ebensowenig wie der Rest im Spiel erklärt wird. Ich hab dann Eigeninitiative ergriffen und mal einen Blick in die beigelegte, in Farbe gedruckte, Spielanleitung geworfen. Auch wenn man anfangs ins kalte Wasser geworfen wird, ist das Kämpfen eigentlich recht simpel - fast schon zu simpel. Für den Angriff stehen eben "Angriff" und "Magie" zur Verfügung. Ihr wählt eine von beiden Optionen aus und im Rundenprinzip attackiert ihr dann eure Gegner, oder eure Gegner attackieren euch.

Sollte euer Gegner zu stark sein, könnt ihr ebenso mit der "Flucht"-Funktion aus dem Gefecht entkommen. Ansonsten gibt's noch die Möglichkeit, Items einzusetzen, oder die Aufstellung eures Teams - sofern ihr genug Mitstreiter habt - zu ändern. Dieses simple System ist aber auch der Hauptmanko des Ganzen. Außer auszuwählen, wie euer Charakter im Gefecht agieren soll, müsst ihr rein gar nichts machen. Keine Knopfdrücke in bestimmten Momenten um den Schaden zu erhöhen oder den eigenen zu verringern, keine speziellen Attacken die gutes Timing erfordern, rein gar nichts. Ihr wählt aus und guckt dann zu, was passiert.

Es fehlt eben der Faktor der zeigt, dass sich die Technik im Gegensatz zum Original-SNES Teil weiterentwickelt hat. Zugegeben, ich habe noch nie einen Dragon-Quest-Teil gespielt, daher weiß ich nicht, ob das in den anderen Teilen genauso ist, aber nichtsdestotrotz ist das auf Dauer ermüdend und ich hab immer öfters mal die Flucht ergriffen, weil ich einfach keine Lust mehr hatte weitere 2 Minuten meines Lebens zu "verdrücken".

Kämpfe sind nämlich gar nicht mal selten wenn ihr von einer Stadt zur nächsten reist. Das macht es umso wichtiger, ausreichend Heilitems einzupacken, um nach dem Sterben nicht wieder bei der letzten Kirche anfangen zu müssen. Wenn ihr aber als Sieger hervorgeht, bekommt ihr Erfahrung, um Level aufzusteigen, wodurch ihr neue Zauber erlernt, und zusätzlich noch einiges an Gold, um euch neue Waffen und Ausrüstung zu kaufen und dadurch auch einen Kraftschub zu kriegen. Wer geizig ist und sich keine Ausrüstung zulegt, kommt spätestens beim Verlassen der zweiten Stadt keine fünf Meter weit.

Apropos Stadt: Wenn man dann aber nach einigen Kämpfen in der ersten Stadt bzw. Schloss ankommt, bemerkt man auch gleich mal, dass in allen Siedlungen dieselbe Hintergrundmusik spielt. Auch das wirkt etwas schade, denn grafisch unterscheiden sich die Städte sehr und eine speziell darauf angepasst Musik wäre einfach noch das I-Tüpfelchen gewesen. Die Musik ist zwar auch so echt toll, aber auf Dauer auch eintönig. Vor allem im Verhältnis mit der Länge des Spiels sind einfach zu wenig Musikstücke integriert.

Interessanter ist dafür die Story, denn die bildet eindeutig das Kernstück des Spiels. Denn da ihr ja Wandler ZWISCHEN den Welten seid, gibt es logischerweise auch 2 Welten. Durch Löcher im Boden, später dann durch einen Zauber, könnt ihr zwischen der normalen Welt und der besonderen Phantomwelt wechseln. Beide Dimensionen erwecken den Eindruck, ähnliche Welten zu sein, sind aber dennoch höchst unterschiedlich, was Charakter- und Städteplatzierung angeht. Ein zerstörtes Schloss in der normalen Welt kann zum Beispiel in der Phantomwelt komplett unversehrt sein.

Bei eurem ersten Weltenwechsel habt ihr zunächst das Problem, komplett unsichtbar zu sein und von den Leuten gar nicht erkannt zu werden. Ihr findet dann jedoch ein paar Mitstreiter, denen es genauso geht, und sobald ihr dann es geschafft habt, wieder sichtbar zu werden, tja, dann legt die Story erst richtig los - neenee, ich spoilere nicht! ;) Nur soviel: Nach dem etwas trägen Start wird es doch richtig interessant und man will stets wissen wie es denn nun weitergeht.

Bis es jedoch soweit ist, vergehen so ca. 7 Stunden (vergesst nicht, dass das natürlich jetzt rein subjektiv geschätzt ist!). Die Einen können schon beim Finden von gewissen Personen Feuer und Flamme sein, während die Anderen erst bei irgendwelchen aufgedeckten Geheimnissen in Fahrt kommen. Ich würde mich zu Letzteren zählen, daher auch die relativ hohe Anzahl an Stunden. Im Verhältnis mit der Durchspielzeit ist das jedoch gar nicht so viel. Im Durchschnitt benötigt ihr für einen Durchgang ca. 30-40 Stunden. Das Ganze hängt eben davon ab, ob ihr euch nur auf die Hauptstory konzentriert, oder auch zusätzlich Nebenaufgaben löst und optionale Bosse besiegt oder sogar durch fleißiges Monster-besiegen genug Gold sammelt, um euch bis an die Zähne zu bewaffnen. Wer wirklich absolut alles im Spiel erledigen will, der dürfte sogar auf gut 50 Stunden Gesamtspielzeit kommen.

Schlusswort
Zusammengefasst bekommt man von Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten sicherlich ein gutes RPG mit sehr guter Grafik geboten. Spannende Story, teils sogar mit kleinen Humoreinlagen, lange Spielzeit und massenweise Aufgaben oder Dinge, die es zu entdecken gibt, dürften wohl die Hauptargumente für einen Kauf sein.

Allerdings sollte es nicht stören, dass die Technik hinter allem eher veraltet wirkt. Das Kampfsystem ist altbacken und auch Sound ist bei der Entwicklung wohl leicht untergegangen - wer's jedoch puristisch mag, wird hier bestimmt selig. Auch gibt es keine Funktion für den Touchscreen (Ausnahme bildet ein Minispiel für zwischendurch, aber das ist kaum erwähnenswert).

Obwohl dies mein erstes Dragon Quest ist, hat es mich trotz der kleinen Makel doch ziemlich beeindruckt. Der Umfang ist enorm und die Story sehr gelungen. Für RPG-Fans fast schon ein Pflichtkauf.

Bowserkoopa, 8.337 Zeichen, veröffentlicht am 25.06.2011 •
Singleplayer: 86%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Square Enix
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
Singleplayer: 84,00%
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Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 20.05.2011, Preis: ca. 35-40€, 1 Spieler/in

Bilder

Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Screenshot #1Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Screenshot #2Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Screenshot #3Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Screenshot #4Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, Screenshot #5

Kommentare

Ligiiihh *
Ligiiihh
Registriert:
09.05.2012, 20:13:57
Kommentar #1 vom 29.06.2011, 18:06:54 Uhr
Problem ist wohl eher, dass Dragon Quest einen ziemlichen Fanservice bietet, was das Gameplay betrifft. Alles, was das Spiel seit dem ersten Teil für NES prägte, wurde bis dato für jedes DQ-Spiel übernommen. Das Piepen beim Angreifen, das klassische Kampfsystem, das simple Storytelling usw.

Wer Dragon Quest also nicht seit den NES-Teilen kannte (oder zumindest seit einem bestimmten Teil mitverfolgt), wird ziemliche Wunder beim Einstieg erleben. Der Vorteil ist allerdings immer der Wiedererkennungswert, die Nostalgie und vor allem das klassische (aber gut bewährte) Gameplay.
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