Harvest Moon DS: Der Großbasar

Nintendo DS

Harvest Moon DS: Der Großbasar, Covermotiv
Mit dem Großbasar geht es in eine neue Runde "Harvest Moon" auf eurem DS. Für diejenigen, die mit dem Spielprinzip noch nicht vertraut sind: In Harvest Moon übernehmt ihr die Rolle eines Farmers bzw. einer Farmerin (Geschlecht frei wählbar), der/die neu ins Dorf zieht und dort einen eigenen Bauernhof eröffnet. Neben täglichen Arbeiten wie Tiere pflegen, Feldarbeit erledigen und Hof ausbauen, könnt ihr im Dorf außerdem Kontakte pflegen und Freundschaften aufbauen, indem ihr möglichst oft mit Leuten redet, ihnen Geschenke macht und an Festen teilnehmt.

Eine große Rolle spielt dabei immer die Familienplanung: In jedem Ableger der Harvest-Moon-Reihe gibt es mehrere Junggesellen und Junggesellinnen, sprich Heiratskandidaten, die ebenfalls im Dorf leben. Sobald ihr euch für jemanden entschieden habt, den ihr später heiraten möchtet, versucht ihr mit Kontaktpflege und Geschenken dessen Herz zu erobern. Hierbei sollte beachtet werden, dass jede/r Bewohner/in, wie im richtigen Leben, natürlich verschiedene Dinge bevorzugt, und andere widerum so gar nicht leiden kann. Passt also auf, was ihr wem schenkt und welche Antworten ihr in Gesprächen gebt, denn wie sehr euch jemand mag, wird von den sogenannten Freundschaftspunkten (FP) beeinflusst. Verschenkt ihr etwas, das gemocht wird, steigern sich die FP, während sie bei den falschen Geschenken ganz schnell wieder tief absinken. Sobald ihr dann verheiratet seid, besteht im späteren Spielverlauf auch die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen.

Ausgestorbener Basar
Das Spiel dreht sich diesmal größtenteils um den Großbasar des Brisendorfs, in das ihr frisch eingezogen seid. Bürgermeister Felix empfängt euch am Dorfeingang und erzählt euch vom wöchentlichen Basar, der die zentrale Einnahmequelle des Dorfs darstellt. Jedes Wochenende findet er statt und lockte früher zahlreiche Verkäufer/innen und Besucher/innen an. Jedoch hat sich dies über die Jahre sehr zurückentwickelt und nun sieht der Bürgermeister in euch eine neue Chance. Er bittet euch, einen Stand zu eröffnen, eure Erzeugnisse dort zu verkaufen und dem Basar zu neuem Glanz zu verhelfen.

Ab hier wird es interessant. Statt eure Farmerzeugnisse täglich in den Lieferkasten zu legen und am Ende eines Arbeitstages das Geld zu kassieren, wie man es aus den anderen Harvest Moon-Teilen kennt, müsst ihr hier alles bis zum Wochenende aufheben und auf dem Basar verkaufen. Das ist insofern tückisch, da der Platz in Rucksack und Beutel natürlich sehr begrenzt ist, d.h. ihr könnt keine Unmengen an Dingen aufheben. Zudem wurden weitere, realistische Elemente eingebaut: So sind eure Erzeugnisse nach längerer Aufbewahrungszeit weniger frisch und können sogar verderben. Dies könnt ihr später teilweise verhindern, indem ihr euer Lager zu einem Frische-Lager ausbauen lasst, was aber jede Menge Geld kostet und ihr euch zu Beginn natürlich noch nicht leisten könnt.

Wo wir gerade beim Lager ausbauen sind: Bis auf ein einziges kleines Geschäft im Dorf, das Tierfutter und Saatgut für die aktuelle Jahreszeit verkauft, sowie einem Café, in dem sich Kochrezepte erwerben lassen, könnt ihr all eure Einkäufe ebenfalls nur einmal pro Woche beim Basar tätigen, auf dem sich ausnahmslos jeder Handel abspielt - seien es Tierkäufe, Umbauten, Werkzeuge, Küchengeräte, Erze und... bitte? Ja, ihr habt richtig gelesen. Auch Erze kauft ihr auf dem Basar, für viel Geld. Denn eine Mine gibt es nicht mehr. Ihr habt stattdessen die Möglichkeit, mit Verlust von etwas Energie in Flüsse zu springen. Dabei bleiben ab und zu Gegenstände an eurer Kleidung heften, selten eben auch mal Erze.

Das Problem mit dem Platz
Bis hierhin eigentlich alles kein Problem und für Harvest Moon Fans alles bloß eine Frage der Umstellung. Dennoch gibt es eine Sache, die mich gestört hat. Denn für welchen Preis ihr für eure Gegenstände beim Basar verkaufen könnt, seht ihr auch wirklich dann erst auf dem Basar selbst. Denn wie ich erwähnte, ist der Platz im Rucksack sehr begrenzt, und so ist es logischerweise wichtig, euren Bestand an Dingen für den Verkauf auf das zu reduzieren, was den meisten Gewinn einbringt - aber was das ist, erfährt man so im Grunde erst hinterher, wenn man mit der Ware angekommen ist.

Hinzu kommt, dass sich fast alles, das verkaufbar ist, in verschiedene Qualitäten einteilt. Von einem halben (schlechteste Qualität) bis zu fünf Sternen (beste Qualität). Alles schön und gut, jedoch brauchen gleiche Items von verschiedenem Wert auch noch verschiedene Slots im Rucksack! Stellt euch also vor, dass alleine die Eier eurer Hühner auch mal 3 oder mehr Slots im Rucksack verbrauchen, nur weil das eine Ei einen halben Stern mehr hat als das andere. Ständig konnte ich nichts mehr einstecken und bekam die Meldung "Dein Rucksack ist voll." - lästig!

Aber nicht nur die unzureichende Unterbringungsmöglichkeit für Items stellt ein Problem dar. Sobald der Rucksack oder das Lager bis auf den letzten Slot voll sind, könnt ihr zwischen Rucksack und Lager auch nichts mehr hin- und herschieben. Lasst es mich so erklären: Ihr habt zwei Stücke Bauholz mit einer Qualität von 1½ Sternen im Lager und drei weitere von gleicher Qualität im Rucksack. Nun wollt ihr euer Bauholz im Lager ablegen, um Platz zu schaffen - denn dasselbe Produkt von gleicher Qualität wird ja normalerweise auf einem Slot zusammengelegt. Pech gehabt, geht nicht! Das funktioniert komischerweise nur, wenn euer Lager noch nicht bis auf den letzten Slot belegt ist, obwohl das, was ihr ablegen wollt, ja ohnehin keinen weiteren, eigenen Slot benötigen würde... DAS muss echt nicht sein.

Ganz viel tolles Zeug
Neben weiteren, kleineren Mängeln wie etwa der typischen Harvest-Moon-Krankheit, einige Textfehler in der Übersetzung zu haben, oder der Tatsache, dass keine Tierzucht mehr möglich ist und ihr jedes Tier einzeln kaufen müsst, ist "Der Großbasar" ein durchaus sehr gelungener Ableger. und so ist mir auch vieles positiv aufgefallen, zum Beispiel, dass die Samen für Feldsaat nicht mehr versehentlich auf ein ungepflügtes Feld geworfen und verschwendet werden können.

Auch der Spielablauf wurde etwas beschleunigt: Haustiere können euch bei der Arbeit helfen, indem sie einige eurer Nutztiere an sonnigen Tagen selber nach draußen und später wieder herein bringen. Auch die Tierhaltung selbst erfordert nicht mehr ganz so viel Geduld. Statt jeden Tag mit den Tieren zu sprechen und immer wieder zwangsweise den gleichen Text lesen zu müssen, wie gut es eurer Kuh doch heute wieder geht, reicht es aus, den B-Knopf zu drücken und dafür ein Herz von eurem Tier zu kassieren. Bürsten und melken bzw. scheren müsst ihr natürlich weiterhin.

Die Fortbewegung des eigenen Charakters ist ebenso schneller geworden. Ihr kommt beim Laufen ziemlich flott von A nach B, ohne wieder drei Stunden unterwegs sein zu müssen. Übrigens wurde jetzt das Springen eingeführt, demnach könnt ihr leicht auch höher gelegene Stellen erreichen und sogar Abkürzungen nehmen. Ich denke das wird mir in älteren den älteren Harvest-Moon-Spielen sehr fehlen, ist unglaublich praktisch ;)

An Informationen wird es euch nicht mangeln, denn direkt zu Beginn des Spiels, und auch später bei Tierkäufen oder anderen Gelegenheiten, könnt ihr euch nach Bedarf vieles erklären lassen, das sich glücklicherweise nicht geändert hat; was vor allem für Einsteiger hilfreich sein dürfte. Eine Änderung ist jedoch, dass hier wirklich alles im Kalender verzeichnet ist, bis hin zu den Geburtstagen der einzelnen Dorfbewohner. Eine weitere Änderung findet sich in Sachen Energie eures Charakters. Dieses Mal gibt es nämlich keine Power-Früchte zu finden, die eure Energieleiste erweitern, und ebenso keine heiße Quelle, um die Energie wieder aufzufüllen. Stattdessen nimmt diese weniger ab und lässt sich mehrmals am Tag im Bad eures eigenen Hauses um ein Stückchen erfrischen.

Die Windmühlen
Dieser Teil der Reihe führt ein neues Windmühlensystem ein. Kennt ihr noch die kleinen Maschinen im Stall, wo ihr Erzeugnisse hineinwerft, um sie weiter zu verarbeiten? Und kennt ihr noch die Dorfschmiede zur Verbesserung eurer Werkzeuge? Vergesst das Ganze, braucht ihr nicht mehr. Denn nicht nur der Basar ist neu, nein, auch vieles drumherum hat sich geändert. Im Brisendorf gibt es drei Windmühlen, die jeweils unterschiedliche Dinge herstellen. Die Windmühle auf eurer Farm dient beispielsweise (unter anderem) dazu, die Erzeugnisse eurer Tiere weiter zu verarbeiten, während eine weitere Windmühle wiederum mithilfe von Erzen und Bauholz/-stein eurer Werkzeug verbessern kann.

Witzigerweise wurde an dieser Stelle das Mikrophon des DS mit eingebunden: Steht ihr draußen vor der Windmühle und pustet in das Mikrophon, drehen sich die Windräder schneller und beschleunigen so euren Bearbeitungsvorgang.

Mehrspieler-Modus
Das Spiel bietet außerdem einen Multiplayer, den ihr, wie bei Animal Crossing, entweder mit der drahtlosen DS-Datenübertragung oder per Freundescode im WiFi verwenden könnt. Global ohne Freundescode zu spielen ist nicht möglich, aber das wäre hier ja auch recht sinnfrei.

Zu den Mehrspieler-Aktivitäten zählt z.B. das Handeln miteinander oder das gemeinsame Bewirtschaften des Hofs jenen Spielers, der hostet. Die Bewohner des Dorfes haben im Mehrspieler-Modus zudem andere Dinge zu erzählen und im Winter könnt ihr mit euren Mitspielern nebenbei noch Schneeballschlachten veranstalten. ;)

Der wohl wichtigste Punkt ist jedoch, dass ihr nicht nur im eigenen Dorf, sondern auch online bei Freunden Käfer fangen und angeln könnt, und dabei Krabbeltierchen und Fische findet, die möglicherweise bei euch nicht erhältlich sind. Da es eine Liste aller existierender Fische und Käfer gibt, wird hier mitunter der Sammlerdrang geweckt.

Fazit
Harvest Moon: Der Großbasar schafft es wunderbar, sein Grundprinzip beizubehalten und gleichzeitig jede Menge frischen Wind in die Sache zu bringen. Mit den etlichen Neuerungen wurde gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad etwas angehoben, da ihr diesmal nahezu alles teuer kaufen müsst und es länger dauert, euch mit den Dorfbewohnern anzufreunden.

Grafisch ist es zwar keine Meisterleistung, aber dank des niedlichen, typischen Harvest-Moon-Japan-Stils leicht zu verschmerzen. Sowohl für Neueinsteiger als auch für Veteranen zu empfehlen, weil es jegliche Erklärung parat hat, die man als Anfänger braucht, und für Fans neue Herausforderungen bietet, ohne sich gleichzeitig alles nochmal von vorn erklären lassen zu müssen, wenn man es bereits weiss.

Quutamo, 10.501 Zeichen, veröffentlicht am 10.10.2011 •
Singleplayer: 83%
Multiplayer: 60%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei dtp entertainment
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Multi-Card-Play Nintendo WiFi Connection Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 30.09.2011, Preis: ca. 35-40€, 1-4 Spieler/innen

Bilder

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