Prince of Persia: Die vergessene Zeit

Nintendo DS

Prince of Persia: Die vergessene Zeit, Covermotiv
Von Früher bis Jetzt
Klapp! Ein Tor geht auf, der Prinz von Persien tritt auf den Plan und ist bereit auf seine Rettungsmission zu gehen. So hat das damals anno 1989 alles angefangen. Ziemlich simpel, und Spieltiefe baute sich nur durch den Aufbau und den Schwierigkeitsgrad der Levels zusammen. Und es hat gereicht! Man spielte gegen die Uhr, hoffte, die Prinzessin noch rechtzeitig zu erretten, ohne allzu oft abzustürzen, einer fiesen Falle oder einer der Schergen des Bösen unterlegen zu sein.

Seit dem ist viel Zeit ins Land gegangen und der Prinz hat sich stark verändert. Das nicht nur optisch, sondern auch spieltechnisch, seit dem er bei Ubisoft arbeitet. Und was ihm meiner Meinung nach auch sehr gut getan hat, da die letzte PC- und Konsolenumsetzung doch mehr einen experimentellen Charakter hatte.

Seit 2005, mit dem Titel "Battles of Prince of Persia", ist die Spielereihe auch auf dem DS vertreten, und der neueste Ableger "Prince of Persia - Die vergessene Zeit" ist im seit 20. Mai im Handel. Grund genug für mich, mir das neue Werk etwas näher anzuschauen.

Keine Kompromisse
Was mir als Erstes sehr positiv auffiel, ist, das ähnlich wie im ersten Teil, keine Kompromisse gemacht werden. Spiel in den DS-Kartenslot einlegen, anschalten, Start drücken, und ab geht die Post.

Das Menu bietet nicht viele Einstellungsmöglichkeiten, was es auch nicht braucht. Es gibt die Möglichkeit, mehrere Spielstände auf dem Modul zu speichern, sodass das Spiel von mehreren Personen genutzt werden kann. Die Story ist erfrischend kurz und bündig, und man versucht erst gar nicht, eine Storyblase im Spiel aufzubauen, um Lücken zu füllen. Vielmehr hat man sich auf alte Tugenden zurückbesonnen, Spieltiefe durch Leveldesign und -aufbau. Was zur Story noch zu erwähnen wäre, ist, dass sie an die des Teils "Sands of Time" nahtlos anknüpft.

Einfallsreiche Umgebung und kleine Macken
Die Grafik ist echt super. Ich denke, das dürfte so ziemlich das Optimum sein, was der DS zu bieten hat. An vielen Stellen hatte ich einen richtigen Tiefeneindruck, der einen kleinen Wow-Effekt bei mir hervorbrachte. Zudem wirkt die Grafik nicht allzu verspielt, sondern macht einen eher "erwachsenen" Eindruck. Was mir aufgefallen ist, ist, dass die Übersichtskarte, wo jedes Level dargestellt wird, als grüner oder roter Punkt etwas an die Mario-Reihe erinnert. Aber sich darüber zu echauffieren wäre doch sehr übertrieben. Nur böse Zungen würden sagen "Das nennt man halt Inspiration".

Die Moves des Prinzen wurden so gut wie es möglich war eins zu eins aus den PC- und Konsolentiteln der letzten Jahre übernommen und wirken einfach super. Auch hier haben die Programmierer einen echt guten räumlichen Eindruck auf den DS zaubern können. Aber dieses sind alles nur kleine Aspekte.

Viel entscheidender fand ich das Leveldesign. Anfangs kommt es nur schleppend in Fahrt, steigert sich aber von Level zu Level und von Spielwelt zu Spielwelt. Das heisst, an manchen Stellen werden die Designer richtig fies aber, lieben aber dabei immer fair, sodass es schaffbar bleibt und die Frustration über einen Levelabschnitt nicht allzu lange anhält.

Ein weiterer Pluspunkt für den Titel sind die gut gemachten Bossfights, wovon es vier an der Zahl gibt. Diese machen viel Spaß und steigern sich vom Schwierigkeitsgrad wie bei den Leveln - und somit ist das Spiel gut ausbalanciert.

Was mich allerdings einige Nerven kostete, war die doch etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung mit dem Touchpen. Es brauchte echt einige Zeit, bis ich den Dreh raushatte, und selbst dann stürzte ich oft durch unpräzise Steuerungsmöglichkeiten in den Abgrund. Was noch hinzukommt, ist das Gefuchtelte mit dem Stift, sodass man sich oftmals auch die Sicht selbst versperrt, und dann das nächste Hindernis oder eine Falle etwas zu spät erkennt.

Eine kombinierte Steuerung oder eine Auswahl, ob man lieber Touchpen oder Steuerkreuz benutzen möchte, hätte ich viel besser gefunden. Apropos Sicht: ab und zu lässt einen - wie bei der Wii-Version - die Kamera-Perspektive etwas im Dunkeln tappen, das kommt aber nur sehr selten vor und ist daher zu verschmerzen.

Kleine Leckerbissen für zwischendurch
"Prince of Persia - Die vergessene Zeit" ist bei weitem kein Jump & Run, wo man das Level durchrennt. An vielen Stellen haben die Designer nette kleine, nicht allzu schwere Rätsel eingebaut. Kistenverschieberästel, Kombinationsrästel und Schalterrätsel sind wahrlich keine bahnbrechende Neuheit, aber bringen die nötige Abwechslung vom Hindernissparkur.

Hin und wieder gibt es im Spiel kleine Einlagen wie ein Ritt auf dem Pferd des Prinzen. Dabei sieht man dann den Prinz in Thrid-Person-Sicht auf dem Pferd sitzend eine Strecke abreitet - währenddessen hat man die Chance, zusätzliche Smaragde, Rubine und Saphire einzusammeln.

Auf zum Händler
Mit diesen edlen Steinchen geht man dann zum Händler, der über die Übersichtskarte durch ein eigenes Icon zu erreichen ist. Dort kann man seine erspielten Steinchen gegen allerlei nützliches Equipment eintauschen. Darunter ist zum Beispiel die Erweiterung der Lebensenergie oder mehr Energie für den Dolch der Zeit, mit dem man die Zeit zurückdrehen oder verlangsamen kann. Es ist auch möglich, sich mit einem besseren Schwert für mehr Schlagkraft oder eine andere Rüstung auszustatten. Die Rüstung hat leider nur eine optische Funktion und dient höchstens einer Personalisierung des Spieles indem man sich die eigens favorisierte Optik des Charakters aussuchen kann. Nun ja, nicht nötig, aber ganz nett.

Zusatzfunktionen für DSi-Besitzer
Für DSi-Besitzer hält das Spiel noch die Möglichkeit bereit, einen individuellen Hintergrund zu erstellen. Außerdem ist es laut Ubisoft möglich, 4 Bonuslevel und zusätzliche Gegnerklassen freizuschalten, in dem man an bestimmten Abschnitten des Levels eine Lichtquelle in die Kamera hält. Leider konnte ich dies nicht testen da ich "nur" Eigentümer des DS Fat bin.

Fazit
Erstaunlich ist es für mich, dass ich doch zu einem sehr positiven Endergebnis komme. Erstaunlich, weil "Prince of Persia - Die vergessene Zeit" für mich nicht die Liebe auf den ersten Blick war. Eine allzu unausgegorene oder komplizierte Steuerung kann einem anfangs den Spielspaß echt vermiesen.

Zudem kommen noch die kleinen Patzer bei der Kameraführung, und dass die Boni nur für DSi-Besitzer zugänglich sind, hinzu. Ich empfand dies mehr als kleine(!) negative Punkte. Persönlich kann ich auf die vier Extralevel gut und gerne verzichten, solange der Rest gut ist - und das ist er. Aus diesem Grunde komme ich auch zu einer hohen Wertung, da das Gesamtkonzept einfach stimmt, und das Spiel weiß durch die Rätsel und kleinen Sondereinlagen echt zu begeistern.

Der Preis von 30 Euro ist akzeptabel und ich kann ich nur eine Kaufempfehlung aussprechen. Wer Prince of Persia immer mochte, sollte sich dieses DS-Abenteuer nicht entgehen lassen.

BlackWolf1981, 6.908 Zeichen, veröffentlicht am 10.06.2010 •
Singleplayer: 90%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Ubisoft
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 21.05.2010, Preis: ca. 25-30€, 1 Spieler/in

Bilder

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