Little Inferno

Nintendo Switch

Little Inferno, Covermotiv
Little Inferno ist ein Spiel ohne wirkliches Ziel. Im Grunde könnte man es tatsächlich dahingehend zusammenfassen, dass man in einen Kamin viele verschiedene Dinge hineinlegt, damit sie darin verbrennen. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn Little Inferno hat einen Reiz, der schwer zu beschreiben ist, denn dieses virtuelle Verbrennen von ganz alltäglichen, virtuellen Gegenständen motiviert. Ja, macht sogar Spaß. Warum ist das so?

Die Gegenstände, die man verbrennen will, muss man zunächst bezahlen, und zwar mit klingender Münze. Dann dauert es, je nach Gegenstand und dessen Kosten, zwischen ein paar Sekunden und wenigen Minuten, bis der Gegenstand zur Verfügung steht, und kann dann entweder sofort, aber auch erst lange Zeit später, in den Kamin gelegt werden - das Münzen bringt, mit denen man neue Gegenstände kaufen kann.

Das allein macht Little Inferno aber nicht zu einem interessanten Spiel. Nein, das macht die Combo-Mechanik. Das bedeutet, verbrennt man zwei, manchmal auch drei, geforderte Gegenstände zur gleichen Zeit, gibt es einerseits einen ganzen Haufen Extramünzen obendrauf, aber andererseits gibt es ein Häkchen in der laaaaangen Liste möglicher Combos. Doch erklärt die Liste auf verschlüsselte Weise, welche Combos möglich sind. Ein eher einfaches Beispiel ist die Umschreibung "Magnetisches Herz", das zwei Gegenstände benötigt. Hmmm, ok... In den diversen Bestellkatalogen für Gegenstände befindet sich irgendwo ein Herz und woanders ein Magnet... Hmm... Naja, mal ausprobieren... Und in der Tat: Little Inferno belohnt dies sogleich mit dem Hinweis, eine Combo sei gemacht worden, super! Andere Umschreibungen aber sind eher schwer zu deuten, und einige wenige wird man sogar nur durch puren Zufall hinbekommen - "Nicht meins!" ist zum Beispiel so eine Umschreibung, auf die ich mir keinen Reim machen konnte.

Doch gibt es noch eine weitere Komponente, die das knobelintensive Gameplay herausfordernd machen. Denn die Gegenstände tauchen erst nach und nach in den Katalogen auf, und sind auch erst dann zu kaufen. Nämlich, erst, wenn man Gegenstand A einmal gekauft hat, kann man ab dann Gegenstand B kaufen - wenn dafür genügend Geld auf der hohen Kante ist. Denn wenn nicht, muss man sich durch andere Kaminzündeleien die Knete zuerst zusammensparen.

Und die Kombination aus Gegenstands-Combos, Geld und Verfügbarkeit der Gegenstände machen die Lust auf mehr in Little Inferno aus! Wenn man da seit Ewigkeiten eine Umschreibung in der Comboliste sieht, die partout keinen Sinn zu ergeben scheint, und dann plötzlich ist ein weiterer Gegenstand verfügbar und es klickt im Oberstübchen... Oder wenn man sich für die Umschreibungen alle Gegenstände noch mal in Ruhe anguckt, sich ihre kurzen Infotexte durchliest, man sich allerlei anderer Begriffe dafür ins Gedächtnis ruft und dann hat man einen Geistesblitz, den man sofort ausprobieren will... Das sind Momente, da kommt Freude auf.

Ferner kann man sein Geld auch anderweitig ausgeben, denn zu Beginn hat man für Platz für bis zu drei gekaufte Gegenstände, bevor man sie in den Kamin legt. Da aber der Forscherdrang immer größer wird und die Lust darauf, alle Combos zu schaffen, wächst der Wunsch nach mehr Platz. Also kann man sich weitere Plätze kaufen - die aber teuer sind. Den ersten zusätzlichen Platz gibt's fast noch für lau. Aber schon der dritte kostet 450 Münzen - durchaus ein Vermögen, das erstmal mühsam angespart werden will.

TECHNIK
Das Gameplay ist damit eigentlich schon zusammengefasst: Gegenstände kaufen, sie im Kamin verbrennen, versuchen Combos auslösen, für Geld neue Gegenstände kaufen. Aber so plump, wie es sich hier liest, ist es bei weitem nicht. Little Inferno macht Spaß. Und ruck-zuck sind mal eben 4-5 Stunden ins Land gezogen.

Das liegt teilweise auch an der Steuerung. Denn man hat selbst ist Form einer kleinen Cursor-Hand zu sehen. Mit dieser Hand greift man Gegenstände, legt sie im Kamin ab, blättert sich durch Kataloge und so weiter. Ich persönlich ziehe hier die Steuerung auf dem Touchscreen vor, da die Alternative ist, einen linken oder rechten Joy-Con wie eine aufrechte Wiimote in der Hand zu halten, und damit zu pointen. Vom technologischen Standpunkt aus betrachtet, funktioniert das Pointen absolut perfekt, da der Joy-Con immer seine relative Haltung zur vorher festgelegten Nullstellung nimmt und dann den Cursor auf dem Fernseher/Screen darstellt. Doch in der Praxis ist das einfach nicht das Gelbe vom Ei. Ein Joy-Con ist nunmal viel zu zierlich, um länger als 30-45 Minuten auf diese Weise bedient zu werden, weil die Hand ihn nicht sauber umschließen kann, weshalb es an Ergonomie fehlt und die jeweilige Hand zu krampfen beginnt.

Der Umfang ist schwierig einzuschätzen, weil man an und für sich ewig spielen kann, denn es gibt kein echtes Spielende. Man könnte sich höchstens selbst das Ziel stecken, dann aufzuhören, wenn man alle Combos erlangt hat. Und wann das ist, liegt auch daran, wie clever und spitzfindig man sich anstellt. Aber als groben Richtwert darf man wohl von um die 15-25 Stunden ausgehen.

Wer übrigens nicht nur allein spielen will, kann das auch kooperativ zu zweit tun, wobei Spieler/in 2 hier ebenfalls einen Joy-Con zum Pointen verwendet - was außerdem bedeutet, dass im Zweispieler-Modus keine Touchsteuerung möglich ist. Zu zweit ist das Gameplay eigentlich unverändert zur Einspielerspieler/in-Erfahrung, denn Spieler/in 2 greift eher unterstütztend ein, wenn es um das Bewegen von Gegenständen in den Kamin geht. Von einer Arbeitserleichterung oder -teilung kann hierbei also keine Rede sein, aber immerhin kann man sich gemeinsam den Kopf zermartern, was mit welcher Comboverklausulierung gemeint sein könnte und sich dann zusammen über eine gefundene Antwort freuen. Dem gegenüber steht, dass man für sich ganz allein mehr Ruhe hat, oder man jemandem darüber diskutieren müssten, was nun gekauft oder verbrannt werden müsste. Weshalb Little Inferno mir allein eine Winzigkeit mehr zusagt.

FAZIT
Little Inferno ist eine überraschend unterhaltsame Software, der man ihr Potenzial nicht ansieht. Man muss es einfach selbst spielen, um es zu verstehen. Und der große Vorteil dabei ist, man braucht keinerlei Gamingerfahrung mitbringen. Absolut jede/r kann sofort loslegen, da nicht Fingerfertigkeit gefragt ist, sondern Phantasie und Auffassungsgabe.

TheUnknown *, 6.355 Zeichen, veröffentlicht am 28.03.2017 •
Singleplayer: 78%
Multiplayer: 75%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Tomorrow Corporation
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüberhinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Switch Joy-Con Switch Tablet Mode Switch Tabletop Mode Switch Television Mode Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 23.03.2017, Preis: ca. 9,99€, 1-2 Spieler/innen

Bilder

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