Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas

Nintendo Switch

Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas, Covermotiv
Bereits in den ersten 2 Spielminuten ist da so ein gewisses Feeling... Dieses "Das kenne ich von irgendwo her"-Feeling... Spätestens dann bei der ersten Bootsfahrtsequenz klickt es aber gewaltig! The Legend of Zelda: The Wind Waker! Das heißt, natürlich spielt sich Oceanhorn eh schon stark wie eine 2,5D-Variante der Zelda-Games, so ist im Kern unsere Aufgabe, mehrere Inseln zu bereisen, dort jeweils Dungeons zu durchschreiten, Schalter- und Schiebepuzzelein zu lösen, Gegner zu besiegen, Waffen und Items in Truhen zu finden, diese einzusetzen... Kurz: Zelda halt! Aber die Paralellen zu The Wind Waker sind doch am stärksten. Denn durch die Bootsreisen von Insel zu Insel und dem ganz allgemein nautischen Beigeschmack.

Allerdings fehlt Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas die Ausgereiftheit, der Feinschliff. Die Schipperei auf dem Meer ist eher eine halb-interaktive Videosequenz, in der man etwa mit Pfeilen auf im Wasser dümpelnde Kisten oder Tischenfische schiesst, während die Überfahrt selbst allerdings abgewartet werden muss und das Herumschießen mit Pfeilen eigentlich nichts bringt. Die Rätsel in den Dungeons sind zu Beginn völlig zu recht simpel, damit erst einmal man die Spielmechaniken hineinfinden kann, werden aber auch später nicht nennenswert komplexer und berufen sich zu großen Teilen darauf, Schalter X umzulegen oder Kiste Y irgendwohin zu schieben. Geil finde ich an dieser Stelle aber dennoch den kleinen Schalter in der Nähe jeden Rätsels, mit dem man ebensolches Rätsel auf "null" zurückstellen kann, um von vorn beginnen zu können, wenn man sich mal verhaspelt hat. Leider nur benötigt man diesen Schalter viel zu selten...

Dabei fühlte ich mich nach jeder eingelegten Spielepause in den jeweils ersten 30 Minuten zuerst immer unterhalten. Denn die Musik ist grandios, die Atmo in den Höhlen ist klasse, Grafisch kann das Game sich mehr als sehen lassen und die hintergründige Technik ist an sich tadellos: Keine Abstürze, keine Slowdowns, sogar eine ansprechende Physik ist gegeben: Fässer, Felsen und dergleichen können auf Gegner geschleudert werden und so weiter... Ich tat mich zuerst schwer herauszufinden, warum Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas bei mir dann keinen richtigen Spaß macht, aber dann fiel es mir plötzlich auf: Die Spielwelt und ihr Drumherum sind vereinnahmend und zeigen jede Menge Möglichkeiten, was man jetzt eigentlich alles machen könnte, doch sind diese Möglichkeiten nicht wirklich gegeben und gefordert wird man eigentlich auch nicht.

Mit anderen Worten: Der Schwierigkeitsgrad könnte etwas zackiger sein, denn alles in allem ist das Gameplay, die Reise durch die Spielwelt, weniger ein Abenteuer, als vielmehr ein routiniertes Ablaufen der erforderlichen Wegpunkte, um bis ganz ans (Spiel-)Ende gelangen zu können. Denn einerseits sind neben den Rätsel auch zumeist die Gegner recht einfach auszutricksen und oft nach 2-3 Treffern erledigt, und andererseits hat man keine Freiheit, sich wirklich einmal umzusehen. Da alle Pfade, egal ob Insel oder Dungeon, so gestaltet sind, dass nur von A nach B nach C laufen kann - und muss. Solange man nicht einen bestimmten Pfortenschlüssel oder einen kleinen Pfad (zum Beispiel hinter eine Hütte) gefunden hat, geht es auch nicht weiter. Beinahe alle Truhe liegen stets mehr oder weniger direkt am Weg, sodass praktisch alle Waffen, Items, Goldmüzen und dergleichen immer (erst) dann gefunden werden, wenn sie für das Vorankommen im Spiel unbedingt notwendig sind. Es fehlt das Entdecken von einem kleinen Goldschatz hier oder vielleicht auch einem Herzcontainer dort, weil man von Neugier getrieben vom Weg abkam, mit den gegebenen Fähigkeiten herumprobierte dann eine Belohnung einkassierte.

FAZIT
Man merkt Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas seine Smartdevices-Herkunft deutlich an - es erschien ursprünglich Ende 2013 für iOS. Auf einem solchen Gerät ist ein Titel wie dieser sicherlich ein Hit, denn wieviele so toll aussehenden und toll klingenden Action-Adventures gibt es dort schon? Für die eine oder andere Bus- oder Bahnfahrt optimal, wenn obendrein ab und zu mal eine der anderen Apps vermeldet, dass man schnell mal wegen irgendeiner Nachricht jemandem antworten sollte, ist sicherlich alles super. Aber für lange Sessions bei Abendruhe am Fernseher fehlt es leider an Immersion, sodass sich stets nach grob 30 Minuten eine gewisse Zähigkeit einstellt - und das bei einer Gesamtspielzeit von rund 12-14 Stunden.

Somit kann ich den Oceanhorn-Erstling leider nur eingeschränkt empfehlen. Ja, ich schrieb, Erstling, denn der zweite Teil ist bereits angekündigt. Wenn man hier an den richtigen Stellschrauben dreht, könnte dieses Franchise echt ein Kracher werden. Darum sollte man unbedingt den kommenden zweiten Teil im Auge behalten!

TheUnknown *, 4.773 Zeichen, veröffentlicht am 09.10.2017 •
Singleplayer: 64%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei FDG Entertainment
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Releasedate: 22.06.2017, Preis: 14,99€, 1 Spieler/in

Bilder

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