The Lost Child

Nintendo Switch

The Lost Child, Covermotiv
DÄMONEN
Das moderne Japan. An einer U-Bahnstation begehen immer mehr Menschen Selbstmord. Die Frage nach dem Warum findet keine Antwort. Ihr seid Hayato Ibuki, Journalist beim LOST, und gerade dabei, vor Ort zu recherchieren, als Euch ein wahrhaftiger Engel in Gestalt einer jungen Frau begegnet. Lua, so heißt der von Gott gesandte Engel, offenbart Euch, dass Ihr auserwählt wurdet. Leider nur weiß Lua auch nicht alles, weshalb Sie Euch fortan begleitet. Sie hat eine Spur, aber mehr auch nicht...

So entspinnt sich bereits innerhalb der ersten Stunde allmählich ein durchaus interessanter, eindeutig japanischer Plot, der Lust auf mehr macht: Es tobt ein von den Menschen unbemerkter Kampf von Gut gegen Böse auf der Erde, und die Dämonen breiten sich immer weiter aus. Ihr trefft auf diverse Schlüsselfiguren, die regelmäßig auftauchen, die fast allesamt in Menschengestalt erscheinen, wie Samael oder Lucifel (Anm.: Kein Tippfehler!). Ob sie gut oder böse sind...? Das ist nicht immer ganz eindeutig. Ihr sammelt Informationen, seid investigativ unterwegs - und stellt Euch den Dämonen, mit Lua an Eurer Seite. Dämonen könnt Ihr mit Eurer Dämonenknarre "Gangour" einfangen und in astraler Form an Eurer Seite kämpfen lassen.

Das Gameplay selbst teilt sich auf in A) Dialoge, wie man sie aus frühen Computer-Rollenspielen kennt: Man spricht Personen an, um - hoffentlich - Informationen von ihnen zu erhalten, geht zum Händler, um dort Dinge zu kaufen und verkaufen, lässt Gegenstände identifizieren, damit sie nutzbar werden, sammelt allerlei Fakten, und geht so systematisch Quest für Quest durch und besucht deshalb viele Orte; zumeist übrigens parallel statt linear! Jede neue Information kann weiterhelfen, oder gar einen neuen Layer erkundbar machen.

Der andere Teil ist B) ein reinrassiger, rundenbasierter Dungeon Crawler, wie er heute beispielsweise bei der Etrian-Odyssey-Serie. Nur, dass die Dungeons nicht Dungeons heißen, sondern Layer. Man bewegt sich durch labyrinthartige Etagen eines Layers und mit jedem Schritt läuft man Gefahr, von Dämonen angegriffen zu werden. Irgendwo auf einer Etage gibt es immer mindestens eine Treppe, die auf die nächste Etage führt - letztlich gilt es also stets, diese zu erreichen, um an jeweilige Layerende zu gelangen, wo fast immer ein Boss wartet.

ALSTRALS
Wohingegen die Standarddämonen, denen man sonst so begegnet, häufig eher einfach zu besiegen sind, bieten die Bosse einen derben Kontrast: Sie zu besiegen ist nicht immer einfach. Gerade der allererste war eine echte Hürde und ich befürchtete schon, im Spiel nicht mehr weiterkommen zu können. Jeder Versuch scheiterte kläglich. Bis ich beschloss, Hayato und Lua noch ein wenig zu leveln. Doch nicht die Level von Hayato und Lua waren das Problem, sondern mein Verständnis für das Gameplay:

Die Astrals, also besiegte und per Gangour eingefangene Dämonen - ich hatte sie nicht genutzt. Und schon glich sich das Kräfteverhältnis aus. Denn nicht nur können bis zu drei Astrals gleichzeitig an Eurer Seite im Kampf aktiv sein, sodass Eure Party auf 5 Mitglieder/innen anwächst, sondern Ihr könnt ebenfalls einige Astrals als Sub bereithalten, sodass Ihr diese mit euren Main-Astrals hin- und hertauschen könnt. Allerdings nur zwischen den Runden, nicht mittendrin.

Dadurch werden zwar die Auseinandersetzungen mit dem Dämonenfußvolk nur nochmals einfacher, aber die Oberfieslinge lassen sich trotzdem nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen. Die Rangeleien sind jetzt lediglich fair für beide Seiten, aber beileibe kein Zuckerschlecken für Euch. Hier ist jede Menge Taktiererei gefragt. Tumbes Draufkloppen hilft nicht weiter, sondern Überlegen, welche Aktion, welcher Zauber oder welches Item jetzt zum Einsatz kommen sollte.

KOMMANDOS
Das ist letztlich auch die einzig echte Schwäche an The Lost Child. Denn während die Bosskämpfe spannend sind und Spaß machen, ist das Durchschreiten der Layer mehr simple Routine. Zwar ist das Lösen der Rätsel, um diverse Pfade freizulegen unterhaltsam, doch ansonsten läuft man alle Wege ab, um irgendwo die Treppe für die nächste Etage zu finden. Doch die Kampfsequenzen erlauben zu Beginn jeder Runde erfreulicherweise, diese automatisch ablaufen zu lassen. Einfach nur X drücken und mit A bestätigen. Praktisch, geht es doch schnell und umkompliziert. Warum sich bei den einfachen Gegnern die Mühe machen, für die gesamte Party Kommandos zu erteilen?

Doch wo Titel wie Etrian Odyssey ebenfalls automatisch ablaufende Kämpfe ermöglichen, ist hier dennoch nötig, aufzupassen, was geschieht, und gegebenenfalls sofort einzugreifen; man erspart sich Zeit und Tastendrückerei, mitdenken muss man dennoch. Bei The Lost Child halten die Kämpfe eigentlich nur auf, weil man beim Durchschreiten der Layer-Etagen dauernd unterbrochen wird. Sicher, man erhält Karma, wodurch man seine Astrals leveln kann, und auch Erfahrungspunkte für Hayato und Lua, die dadurch von allein immer mal wieder einen Level steigen und dann durch Euch 5 Skillpunkte verteilt bekommen.

Das ist alles in Ordnung - bloß sind die dafür nötigen Kämpfe uninteressant. Nur ganz selten muss man hier nämlich manuell eingreifen, weil automatische Kämpfe ohne Heilung der eigenen Party ablaufen. Heilen geschieht leider "nur von Hand" - also greift Ihr kurz ein, heilt einmal, vielleicht auch zweimal, und dann hat sich's. Solange Ihr nicht versäumt, Eure Astrals ab und an durch Vergabe von gesammelten Karma-Punkte zu leveln, kann eigentlich nichts schief gehen.

Sollte allerdings dennoch mal was schiefgehen, also sollte Hayato sterben und deshalb der Game-Over-Screen erscheinen, hat man immer die Wahl, durch Bezahlen von Geld oder Karma am letzten Punkt - also genau vor Kampfbeginn - im Layer erneut ansetzen zu können. Nur dann, wenn Geld und Karma nicht ausreichend vorhanden sind, endet das Spiel und muss ab dem letzten Save Point wieder aufgenommen werden. Doch auch hier ist das Sterben Hayatos eher nervig als problematisch, da eigentlich immer mehr als reichlich Geld und Karma vorhanden ist.

TECHNIK
Grafisch ist The Lost Child völlig in Ordnung. Zwar nichts, was Standards setzt, aber aller ist hübsch und farbenfroh anzusehen und jederzeit absolut ruckelfrei. Bei den Layern und Orten ist überdies Variation vorhanden, sodass man ständig neues entdeckt. Bei Musik und Soundeffekten ist es dasselbe: Dem Ohr wohlgefällig, doch nichts, was einem den Boden unter Füßen wegzöge. Die Sprachausgabe ist super, jedoch nur auf Englisch oder Japanisch genießbar. Ansonsten ist The Lost Child durchweg Englisch: Alle Dialoge und Menüs - Englisch.

Die Steuerung geht gut von den Fingern. Was auch daran liegt, dass die Buttonbelegung sinnvoll und überschaubar ausfällt: A bestätigt, B macht rückgängig, X ruft das Verwaltungsmenü auf, beziehungsweise im Kampf die automatischen Aktionen. Mit linkem Analogstick oder Steuerkreuz wird ausgewählt und durch die Layer gelaufen.

Die Story arbeitet hin und wieder mit Cliffhangern, ohne aber echte Überraschungen zu bieten. Doch alles in allem ist sie vielversprechend genug, dass man wissen möchte, wie es weiter geht. Leider nur ist der Schwierigkeitsgrad nicht der härteste: Ich habe direkt auf dem mittleren (Normal) der drei gestartet und dann auch den schweren (Hard) eine Weile ausprobiert. Bis auf die Bosskämpfe funktioniert der Großteil von The Lost Child mehr wie eine Art sehr interaktives Buch, bei dem man durch diverse eigene Entscheidungen geringen Einfluss nimmt. Selbst auf Hard war das nicht viel anders. Lediglich, dass nun etwas öfter mal geheilt werden muss und die Bosskämpfe beinahe schon unverschämt schwer sind (die Bosse richten hier sehr hohen Schaden an!), ist alles unverändert. Andererseits ist für Neueinsteiger oder lediglich an der Story selbst Interessierte erfreulich, dass der Schwierigkeitsgrad auf Easy äußerst niedrig ist: Selbst Bosse sind mit wenig Mühe ruckzuck weggefegt.

FAZIT
The Lost Child gefällt mir richtig gut. Und das steht dieser ansonsten formidablen Software sehr im Wege. Die Story macht Laune, die Charakter auf ihre Weise schrullig, das Gameplay ist abwechslungsreich und das Kampfsystem lässt Raum für Taktik. Nur ist eben diese in besagten Zufallskämpfen nicht nötig, weshalb man The Lost Child eigentlich nur der Story und Bossfights wegen spielt. Was durchaus lohnt, wenn es sich nur nicht aufgrund der Zufallskämpfe so zäh anfühlen würde.

Wer Lust einen storylastigen Titel mit kleinen Rätseln hat, oder endlich mal Dungeon-Crawling-Genre kennenlernen möchte, darf gern einen Blick riskieren. Genreveteranen aber werden sich hier unterfordert fühlen. Doch in jedem Fall: Englisch sollte man schon können!

TheUnknown *, 8.683 Zeichen, veröffentlicht am 02.07.2018 •
Singleplayer: 72%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei MSM
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Switch Joy-Con Switch Joy-Con Grip Switch Pro Controller Switch Tablet Mode Switch Tabletop Mode Switch Television Mode Kann außerdem auch über den Nintendo eShop heruntergeladen werden Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 22.07.2018, Preis: 49,99€, 1 Spieler/in

Bilder

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