Iron Man 2 - Das Videospiel

Nintendo Wii

Iron Man 2 - Das Videospiel, Covermotiv
Kleines Vorwort
Ich gestehe! Ich liebe Marvel-Comic-Verfilmungen. Die haben einfach immer, trotz oft recht simpler Story, einen gewissen philosophischen Tiefgang. Zudem haben die Geschichten der Comics, die in den Zeichenstudios von Marvel entwickelt wurden, schon Generationen fasziniert. Außerdem spiegeln sie immer etwas den Geist der jeweiligen Zeit wieder.

Da der Eisenmann mit seinen 47 Jahren in die Zeit des aufkommenden kalten Krieges "hineingeboren" wurde, ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte sich mit der totalen Aufrüstung - des Kräftewettlaufs zwischen den USA und der damaligen UDSSR - und seiner Sinnhaftigkeit beschäftigt. Natürlich auf eine sehr fantastische Art und Weise, wo reale Begebenheiten, eingebettet in einer Fanatsiewelt, Platz nehmen durften. Ob das Feeling der Filme und der Comics sich in dem Wii-Titel wiederfinden lassen, will ich Euch im folgenden Text näher bringen.

Kein Federlesen
Iron Man 2 kann alles von sich behaupten, aber nicht, dass es langwierig und schwer zu verstehen sei. Das Menü ist logisch und leicht zu verstehen; so kommt man schnell zum eigentlichen Spielgeschehen. Quasi rein in den Anzug, und ab geht die Post.

Der Protagonist Antony Stark alias Iron Man klärt am Anfang des Spieles seine Beweggründe seines Heldendarseins, in einer für die Wii recht schicken Rendersequenz auf. Leider muss ich sagen, dass das auch nur bei dieser einen Briefingsequenz bleibt. Im weiteren Spielverlauf wird diese durch langweilige Bilderabfolge der Charaktere abgelöst. Da hätte ich mir von einem Lizenztitel etwas mehr erhofft - zum Beispiel Filmsequenzen oder zu mindestens weitere Rendersequenz.

Tristes Einerlei
Die Grafik von Iron Man 2 ist ziemlich angestaubt, und wirkt so, als wäre das Spiel bereits 6-10 Jahre alt. Grafik ist ja bekanntlich nicht alles ist, aber bei einem Actionspiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu antiquiert aussehen. Schließlich lebt dieses Genre in gewisser Weise von den Möglichkeiten der Grafikengine.

Aber viel schlimmer ist, dass sich die Umgebungen der WII-Version total gleichen, und immer so wirken, als ob man schon mal dagewesen sei. Die Gegenstände sind sehr oft lieblos aufgestellt und der Levelverlauf ist oft sehr gradlinig. Etwas Abwechslung bringen da die Fluglevels, in denen ihr durch die Lüfte saust und in guter alter Arcademanier den Bösewichtern den Garaus macht. Da die Fluglevels allerdings ebenfalls gleich ablaufen und die vorbeirauschende Landschaft sich auch nur minimal verändert, ist dies auch nicht gerade die Erholung auf Dauer.

Allgemein wirken die Texturen sehr matschig und die Polygonmodelle, außer denen des eisernen Mannes, wirken sehr kantig. Die Bewegungen der Gegner sind auf wenige Moves begrenzt. So wirken sie wie ständig ins Spiel kopiert. Was die Bewegung des Hauptcharakters angeht, so hat Sega da doch etwas mehr Mühe gegeben. Die Bewegung des Iron Man sind stimmig und sehr schön anzusehen.

Zum Beispiel wenn er mittels A-Knopf auf den Rücken eines Robotorgegners klettert und ihm wichtige Schaltkreise entreißt, was zu einem fulminanten Ende des Gefährts führt. Oder wenn man durch das Schütteln des Nunchucks eine Nahkampfattacke ausführt, kommt es nach mehreren Schlägen zu einer Art kleiner Finishing-Move-Sequenz. Aber leider laufen auch diese kleinen Erfrischungen immer gleich ab, und haben sich nach dem dritten bis vierten Mal Ansehen auch wirklich abgenudelt.

Was ich noch irgendwie witzig fand, ist, dass die Gegenstände im Spiel kein Schadensmodell haben. Das bedeutet, alles kann in die Luft fliegen und sich in Rauch auflösen: Computerschaltpulte, Barrieren, Fässer, Telefonzellen und sogar Parkuhren explodieren, wie in einem schlechten deutschen Free-TV-Actionfilm. Das sieht lustig aus, zeigt aber leider auch, wie begrenzt die physikalische Berechnung des Spiels angesetzt wurde und alles andere als Zeit gemäß ist.

Mehr Power
Es mag mittlerweile der Eindruck entstanden sein, dass Iron Man 2 für mich keine positiven Aspekte enthält. Aber das stimmt nicht, es gibt auch einige coole Features. Dazu gehört das Sammeln von Technikpunkten, mit dessen Hilfe man sich seine Iron Man-Suits aufmotzen kann. So kann man z.B. die Schubdüsenleistung, die Rüstung verstärken oder mehr Firepower hinzugewinnen. Das macht schon Spaß. Außerdem hat man diese Upgrades auch bitter nötig, denn die Gegner sind oft in großer Zahl vertreten. Später kann man auch den Anzug bzw. den Charakter wechseln. Schönes Feature, leider nicht bis zum Ende gedacht.

Anstatt dass man sich schon zu Beginn einer Mission den Charakter auswählen kann, mit dem man das Level bestreitet, muss man die Mission erst wiederholen, um diese Auswahl zu bekommen. Da die Levels wie bereits schon erwähnt, nicht viel Abwechslung bieten, war meine Motivation recht gering dies zu tun.

Masse statt Klasse oder auch von der fehlenden Intelligenz
Wie viel KI braucht ein Actionspiel, das auf einem Comic basiert? Meiner Meinung nach so, viel wie es spielerisch Sinn macht. Und leider Gottes fehlt es dort bei Iron Man 2 am meisten. Selbst der niedrigste Instinkt, der Selbsterhaltungstrieb, scheint bei den Gegnern dieses Spiels ausgehebelt zu sein. Lieber stürzen sich diese in wilder Massenschlacht auf einen ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

Na gut, da kommt ja auch immer genug nach so das einem das Leben dadurch schwer gemacht wird. Zum Teil fängt es dann auch an zu nerven, und das Spiel verkommt zur reinen Ballerorgie. Die Bosskämpfe sind da schon besser gelungen und erinnern entfernt an Metriod Prime-Bosskämpfe - aber auch nur entfernt. Man muss Schwachstellen mittels des eingebauten Scanners aufdecken und kann so den Boss schneller und leichter besiegen.

Warum kein Multiplayer?
Die Frage ist berechtigt, da Iron Man 2 keinen Multiplayermodus beinhaltet. Ich hätte mir jetzt sowas vorgestellt wie bei dem Spiel 'The Conduit': Einfach ein paar Caputre-The-Flag-Maps oder ein paar Deathmatch-Arenas hätten dem Spiel mehr Pepp gegeben.

Aber noch besser hätte es dem Spiel getan, wenn man einen Coop-Modus eingefügt hätte. Das hätte bei der Story der Filmvorlage für Teil 2 auch Sinn gemacht - und hätte für mich so einen wirklicher Kaufgrund dargestellt.

Wii-Version zur Mittelmäßigkeit verdammt?
Da ich ja auch noch weitere Konsolen besitze, wie zum Beispiel die Playstation 3, habe ich mir die Pendant-Version auf dieser angeguckt. Dabei ist mir aufgefallen das diese sich dermaßen krass von der Wii-Version unterscheidet, dass man auf den Gedanken kommen könnte, dass die Spieleproduzenten die Käufer von Actiontiteln nicht gerade unter den Wii-Besitzern sehen. Gut, bei den vielen Casualprodukten für die Wii ist das zwar nicht verwunderlich, aber doch sehr schade. Denn die Wii kann mehr, als man ihr bei Iron Man 2 zugetraut hat.

Videosequenzen packt die Wii ohne Probleme. Bei der Grafik ist sie auch nicht Spitzenreiter, aber nur, weil sie kein HDMI hat, muss man ihr nicht so wenig zutrauen - schließlich hat sie schon oft bewiesen das sie zu mehr in der Lage ist. Und wenn für die Wii, bei Actiontiteln wie diesem, immer nur das Argument der "anderen Steuerung" bleibt, dann finde ich das sehr schwach. Also liebe Produzenten: mit etwas mehr Liebe an die Wii-Umsetzungen gehen. Es geht!

Fazit
Ich bin etwas enttäuscht. Von einem Lizenztitel hätte ich mir etwas mehr versprochen, gerade weil Iron Man zu meinen Lieblings-Marvelhelden zählt. Fairer Weise muss man sagen, man weiß nicht inwieweit Sega die Lizenz ausreizen durfte.

Aber heute muss man ja leider auch bedenken, dass heutigen Lizenztitel immer das Image des schnellen Euros anhaftet. Und beim Spielen von Iron Man 2 befiel mich dieses Gefühl doch so manches Mal.

Es gibt Punkte, wo man sehr wohl merkt, dass man dieses nicht so plante, aber leider auch nicht verhindert hat - jedenfalls für die Wii-Version. Wenn man alles zusammenzählt, und dann noch bedenkt, dass das Spiel auf dem Markt mit gut 40-45€ zu Buche schlägt... Auweia!

Das finde ich aufgrund der doch recht mittelmäßigen Präsentation einfach nicht gerechtfertigt.

BlackWolf1981, 8.097 Zeichen, veröffentlicht am 11.05.2010 •
Singleplayer: 55%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Sega
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Wii-Fernbedienung Wii Nunchuk Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 30.04.2010, Preis: ca. 40-45€, 1 Spieler/in

Bilder

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