Art Academy: Atelier

Nintendo Wii U

Art Academy: Atelier, Covermotiv
"Wer einen Apfel zeichnen kann, kann alles Zeichnen." Das hat ein bekannter Künstler einmal behauptet. Zwar habe ich den Namen vergessen, doch scheint was dran zu sein an der Aussage. Bei Art Academy: Atelier steht das vitaminreiche Stillleben zumindest sehr früh auf dem Stundenplan. In der Lernsoftware führt der virtuelle Tutor Vince seine Schützlinge Schritt für Schritt mit ausführlichen Erklärungen durch die Lektionen. Damit möchte er die musischen Geschicke des Schülers formen und perfektionieren. Und am Anfang steht das Obst.

Der virtuelle Kunstunterricht
Art Academy, was ist das eigentlich? Vorne weg muss die Serie vom klassischen Videospiel unterschieden werden. Der Ausdruck "Lernsoftware" beschreibt Art Academy am passendsten. Nachdem der Nintendo DS einen und der Nintendo 3DS sogar zwei Art Academy-Titel spendiert bekamen, feiert der Zeichenkurs nun mit der Wii U erstmals auf einer Heimkonsole ein Release. Auch im nunmehr vierten Ableger der Reihe kritzelt, tuscht und radiert Ihr Euch unter Anleitung von Mentor Vince vom Einsteiger zum Profi, vom Geschmiere mit Fingerfarbe zum Ölgemälde, sprich vom Schüler zum uneheliche Urenkel des Da Vinci, der / die ihm die Mona Lisa nachempfindet. Die kleinschrittigen und detaillierten Lektionen sind dabei von simpel zu tiefgreifend aufsteigend geordnet in den Kategorien Einsteigerkurs und Fortgeschrittenenkurs.

Was nun leicht und was doch eher knifflig ist, bleibt natürlich abhängig von der individuellen Begabung des Kunststudenten. Während Neulinge an Tusche und Zeichenstift von Beginn an dazu lernen, gewinnen geübte Zeichenkünstler erst in aus späteren Lektionen an Wissen. Selbst wer nach dem Kindergarten nie wieder einen Pinsel in den Fingern hatte, wird sich wundern, welch kleine Meisterwerke unter der Anleitung von Vince entstehen. Peu á peu führt die Software den Nutzer dabei an unterschiedliche Zeichenwerkzeuge vom Zeichenstift über Buntstifte und Tusche bis hin zu Tools zum Hinzufügen von Verwischungen heran. Daneben finden sich Licht- und Schatteneffekte ebenso wie eine realistische Darstellung und Verfremdung von Oberflächen im Curriculum.

Innerhalb der Lektionen gibt Vince das zu verwendende Tool vor, beschreibt den nächsten Schritt visuell und in Worten und Zeigt das erwartete Ergebnis. Das Verführt manchmal zum stumpfen Nachahmen. Aber weil das Ergebnis zum Ende der Unterrichtseinheit nicht bewertet wird und daher nur zählt, dass Euch selbst gefällt, was Ihr geschaffen habt, bietet Art Academy genügend Freiraum zum Herumprobieren und Experimentieren. Selbstredend ist für den Lernerfolg die eigene Motivation entscheidend. Ohne Geduld und Muse wird kein Künstler aus Euch, auch nicht mit der besten Lernsoftware.

"Ateliermotive" und "Landschaftskompositionenen" lauten die Namen der zwei zusätzlichen Modi. Im Modus Ateliermotive habt Ihr die Gelegenheit Stillleben zu zeichnen oder zu malen. Abhängig von der gewählten Vorlag lassen sich Belichtung oder Pose des Modells variieren. Landschaftskompositionen erlaubt es, wie der Name schon verrät, Landschaftsbilder nach Vorlage zu erschaffen. Wer der Kreativität freien Lauf lassen möchte, kann im Modus "Freies Zeichen" unter Verwendung aller Tools tun und lassen, was beliebt.

Die Technik der Pinselführung
Bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit wird Art Academy: Atelier die Wii U nicht treiben. Die Präsentation weiß aber zu gefallen, ist bunt, aber auch nicht zu sehr. Man hat immer das Gefühl, mit einer seriösen Software zu arbeiten und fühlt sich nicht wie mit einem Malbuch. Das Zusammenspiel zwischen TV und Gamepad ist gut gelungen. Das Touchpad des Controllers nimmt die Berührungen mit dem Stylus spürbar präziser auf, als das des DS oder 3DS anno dazumal. Vorbei die Zeit, als man sich damit arrangieren musste, dass der Strich einen Pixel dem der Stelle erscheint, an der der Stylus aufkommt. Die Steuerung, die hauptsächlich über den berührungsempfindlichen Bildschirm stattfindet und durch die Tasten des Gamepads sinnvoll ergänzt wird, geht nach kurzer Eingewöhnung wie selbstverständlich von der Hand. Apropos Hand: Eine Linkshänderoption wurde glücklicherweise integriert. Die "Schritt-Rückgängig-Option" die in Pokémon Art Academy ihr Debüt feierte, ist ebenfalls wieder verfügbar. Neben dem Controller wurden auch weitere Möglichkeiten der Wii U gewinnbringend eingebunden. Allen voran das Miiverse. Ganz unkompliziert und fix könnt Ihr Eure Werke mit der Community teilen. Es ist außerdem möglich, den Entstehungsprozess von Gemälden als Zeitraffer-Video zu speichern und diese auf YouTube hochzuladen. Wer die Eigene Kunst zum Beispiel ausdrucken möchte, kann Bilder via SD-Karte im gängigen Format JPEG auf den PC exportieren.

Namensgebendes Highlight des Wii U-Malkurses ist die dreidimensional-begehbare Galerie, in der Ihr Eure liebsten Meisterwerke in Szene setzen und ausstellen könnt. Ein nettes Bonbon, das dazu einlädt, Freunde zu einem virtuellen Rundgang durchs Atelier einzuladen. Dazu gibt's übrigens eine Surround-Soundausgabe. Ob die bei den dezenten Effekten und der unaufdringlichen Hintergrundmusik wirklich von Nöten war, überlasse ich Eurem eigenen Urteil.

Bei all der Lobpreisung muss sich Art Academy: Atelier dennoch zwei Kritikpunkte gefallen lassen. Der offensichtlichere sind die enormen Ladezeiten. Gerade im Verhältnis zum geringen, technischen Anspruch des Titels muss man oft lang warten, bevor der Pinsel geschwungen werden darf.

Der zweite Kritikpunkt ist vermutlich meckern auf einem hohen Niveau. Art Academy bietet auf der Wii U zwar wirklich viel Werkzeuge doch diese sind, verglichen mit gängigen Zeichenprogrammen auf dem PC, wenig anpassbar. Das heißt, dass man meist nur die Farbe und die Größe des jeweiligen Pinsels wählen kann. Wer jedoch nie mit einem anderen Programm gearbeitet hat, wird das kaum bemerken, geschweige denn vermissen.

Fazit
Ich selbst Zeichne gern in meiner Freizeit, digital und mit Bleistift auf Papier. Außerdem habe ich bereits Erfahrungen mit Pokémon Art Academy sammeln können. Daher würde ich mich vorsichtig als geübten Zeichner bezeichnen. Trotzdem habe ich von Vince bei Art Academy: Atelier noch so einige Tricks und Kniffe gelernt.

Gerade im Verglich mit dem Vorgänger Pokémon Art Academy sind mir deutlich seltener versehentlich gezogene Striche und Kleckse aufs Bild geraten. Das Zeichnen geht noch flüssiger von der Hand. Ich habe einige Erfahrung mit gängigen Zeichenprogrammen auf dem PC und bin der Meinung, dass Art Academy: Atelier die meisten relevanten Features bietet. Noch besser und direkter zeichnet es sich nur mit echten Farben und Stiften auf gutem altem Papier. Die Lektionen sind eingängig, detailliert und schlüssig. Ich lege den Titel sowohl jedem ans Herz, der seine Fähigkeiten mit Zeichenstift und Pinsel erstmals entdecken möchte, als auch den fortgeschrittenen Picassos unter Euch, die gern noch das Eine oder Andere dazulernen möchten.

Jojo, 6.950 Zeichen, veröffentlicht am 08.07.2015 •
Singleplayer: 77%

Für die Bereitstellung des Testmusters bedanke ich mich bei Nintendo
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Wii U GamePad Nintendo Network Kann außerdem auch über den Nintendo eShop heruntergeladen werden Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Releasedate: 26.06.2015, Preis: 29,99€, 1 Spieler/in

Bilder

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Kommentare

Crazy Canary
Crazy Canary
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20.07.2013, 18:59:54
Kommentar #1 vom 08.07.2015, 14:32:42 Uhr
Ich kann schon an einen Apfel zeichnen - nur bei Menschen klappt das nicht. Die sehen immer irgendwie aus wie Aliens. Naja, mal schauen ob ich zugreife. Vielleicht wenn's ein bisschen billiger ist.
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