Cover: Shin Megami Tensei: Strange Journey ReduxShin Megami Tensei: Strange Journey Redux ist eine Mischung aus JRPG und First-Person Dungeon Crawler. Man erforscht surreale Dungeons einer anderen Dimension und kann dabei, typisch für das SMT-Franchise, feindliche Dämonen rekrutieren für sich kämpfen lassen. Strange Journey Redux ist ein generalüberholter Port des DS-Spiels Strange Journey, welches nie seinen Weg nach Europa fand, und wartet mit aufgehübschter Grafik und einem neuen Story-Abschnitt auf.

Die bedrohliche Schwarzwelt
Die Erde ist in großer Gefahr - im Zentrum der Antarktis hat sich die mysteriöse Schwarzwelt aufgetan, eine von Dämonen bewohntes Parallelwelt, die sich stetig weiter ausdehnt und alles auf ihrem Weg vernichtet. Wird die Ausbreitung nicht gestoppt, wird die ganze Erde von der dunklen Welt vereinnahmt. Daher macht sich ein internationales Team, bestehend aus den besten Elitesoldaten und Wissenschaftlern der Welt, auf den Weg, um die Schwarzwelt zu entern und zu erforschen. Doch als der Trupp mit vier futuristischen Kampfschiffen in die fremden Gebiete einfliegt, werden diesen vom Himmel geschossen und verlieren den Kontakt zueinander.

Als Spieler schlüpft man in die Rolle eines amerikanischen Soldaten, der an Bord des Kommandoschiffes stationiert ist, das in einer Eishöhle abgestürzt ist. Nach der Bruchlandung geht es zunächst darum, die Funktionen des Schiffs wiederherzustellen und die anderen Kampfschiffe ausfindig zu machen. Um in der unwirtlichen Schwarzwelt zu überleben, steht der hochmoderne Demonica-Schutzanzug bereit, der sich an den Kampfstil des Trägers anpasst und mit verschiendenen Applikationen ausgestattet werden kann.
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Die Story und das Großteil des Geschehens wird mittels Textboxen und Dialogen erzählt. Hin und wieder kommt der Protagonist zu Wort, dann darf man sich zwischen verschiedenen Dialogoptionen entscheiden. Unterschiedliche Antworten haben teilweise auch Auswirkungen auf das Spielgeschehen. Grundsätzlich ist das Spieltempo eher langsam und man muss viel lesen, gerade zu Beginn des Spiels - bis man zum ersten mal den Fuß in einen Dungeon setzt, vergehen locker 45 Spielminuten. In dieser Zeit wird die Spielwelt aufgebaut und die Ausgangssituation erklärt. Dies ist durchaus gut gemacht und es kommt Stimmung auf, dennoch sollte man beim Spielen Geduld mitbringen.
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Erkundung der fremden Dimension
Das Herzstück des Spiels ist natürlich das Dungeon Crawling durch die verschiedenen Bereiche der Schwarzwelt. Man bewegt sich in der Egoperspektive durch Dungeons mit mehreren Subleveln und trifft nach einer gewissen Anzahl an Schritten auf gegnerische Dämonen. Wie nah man dem nächsten Kampf ist, kann man am Radar auf dem Bildschirm ablesen. Je nachdem, wie viele Schritte man vom nächsten Kampf entfernt ist, färbt sich dieser Radar gelb, orange, bzw. rot ein. Das Gameplay erinnert in Grundzügen also stark an die Etrian Odyssey-Reihe.
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Kommt es dann zur Begegnung mit Dämonen, startet ein RPG-typischer, rundenbasierter Kampf. Neben dem klassischen Besiegen der Dämonen hat man in allerdings auch die Möglichkeit, sie für sein Team zu Rekrutieren. Dies wird durch das mysteriöse "Demon Summoning Program" des Demonica-Anzugs ermöglicht. Die Dämonen wechseln aber natürlich nicht mir nichts, dir nichts die Seiten, zunächst muss man sie im Gespräch von sich überzeugen. Sie stellen offene Fragen, die man zu ihrer Zufriedenheit beantworten muss, bevor sie überhaupt darüber nachdenken, sich anzuschließen - jede Dämonenart hat ein anderes Wesen und reagiert unterschiedlich auf bestimmte Antworten. Anschließend verlangen sie noch Opfergaben, z. B. bestimmte Items, Geld oder einen Teil der Lebenspunkte des Protagonisten.
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So kann man sich durch Verhandlungsgeschick seine eigene Dämonen-Armee aufbauen. Neben dem Protagonisten können bis zu drei Monster gleichzeitig am Kampf beteiligt sein, weitere Dämonen können in der Hinterhand gehalten werden. Von äußerster Wichtigkeit ist, dass die rekrutierten Dämonen das gleiche "Alignment" haben wie der Protagonist. Das eigene Alignment wird zu Beginn des Spiels durch einen Fragebogen festgelegt, verschiedene Alignments harmonieren mit unterschiedlichen Dämonen. Die passenden Monster zu finden ist deshalb so wichtig, da bei einem Angriff jedes Teammitglied mit dem gleichen Alignment wie der Angreifer einen Folgetreffer landen kann. Hierdurch lassen sich mächtige Combos aufbauen, wodurch man in Kämpfen große Vorteile erlangen kann.
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Natürlich gibt es noch andere Faktoren, die man im Kampf beachten muss. Jede Attacke hat einen bestimmten Typen und jeder Dämon ist gegen bestimmte Typen besonders verwundbar. Trifft man zum ersten Mal auf einen neuen Gegner, kennt man diese Stärken und Schwächen noch nicht und ist zum herumprobieren gezwungen, doch je öfter man auf eine Dämon-Art trifft, desto mehr solcher Informationen kann man in Erfahrung bringen. Daneben gibt es weitere Spielmechaniken, so kann man zum Beispiel zwei Dämonen zu einem stärkeren Dämon fusionieren. Insgesamt ist das Kampfsystem des Spiels hochkomplex, aber dennoch sehr gut durchdacht, und bietet sehr viele Möglichkeiten zur Teamgestaltung.
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Spannende Kämpfe, gelungene Atmosphäre
Auch außerhalb der Kämpfe gibt es einiges zu tun: Um den Gefahren des Schwarzwelt gewachsen zu sein, kann man seine Ausrüstung verbessern und neue Funktionen für den Demonica-Anzug freischalten, indem man Forma sammelt. So werden spezielle Schwarzwelt-Metalle verschiedener Art bezeichnet, die man aufs Mutterschiff bringen kann, wo dann im Labor Ausrüstungs-Upgrades damit entwickelt werden. Bestimmte Arten von Forma gibt es nur in bestimmten Bereichen, wodurch die Suche nach dem richtigen Metall kompliziert werden kann.
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Grundsätzlich ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels recht hoch. Häufiges Speichern ist angebracht, denn unbedachte Aktionen führen schnell zum Game Over, und man sollte nicht ohne gute Vorbereitung in Bosskämpfe marschieren. Begrüßenswert ist, dass man zwischen drei Schwierigkeitsstufen wählen kann - eine Neuerung im Vergleich zum DS-Original. Ebenso neu ist ein kompletter Handlungsstrang samt neuem Dungeon, sowie viele kleine Verbesserungen, die zum Beispiel die Menüführung vereinfachen.
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Technisch ist Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux gelungen, die Steuerung geht leicht von der Hand und der epische Soundtrack trägt zur apokalyptischen Atmosphäre bei. Die Grafik wurde an den 3DS-Standard angepasst und ist ansehnlich, das Remake hat zudem neues Artwork für die Crewmitglieder spendiert bekommen. Der Bildschirmtext ist allerdings ausschließlich auf Englisch, und da es viel zu Lesen gibt, muss man die Sprache auch sicher beherrschen, um mit dem Spiel Spaß haben zu können. Ärgerlich ist auch, dass es ausschließlich japanische Synchronisation gibt - gerade bei diesem Spiel, mit einem internationalen Team und kaum Bezug zu Japan, hätte eine englische Sprachausgabe Sinn ergeben.
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Fazit
Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux ist ein hervorragender Titel, dem es gelingt, viele Gameplay-Konzepte in einem Spiel zu vereinen. Das komplexe, aber durchdachte Kampfsystem ist in eine interessante Story verwoben und sorgt für spannendes Dungeon Crawling über viele Spielstunden hinweg. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade und Verbesserungen machen das Spiel zu einem guten Einstiegspunkt für Neulinge. Wer genau weiß, dass er sich hier auf ein knallhartes JRPG einlässt, wird am Erkunden der Schwarzwelt von Strange Journey Redux definitiv Gefallen finden.
«CaptainOlimar» Singleplayer: 86%

Verfasst von «CaptainOlimar» am 25.05.2018,
bemustert durch Deep Silver
für bis zu 1 Person/en
Release am 17.05.2018