Cover: Tom Clancy's Ghost Recon Shadow WarsDIE GHOSTS
Ein Größenwansinniger plant, ein neues russisches Reich zu errichten - und die Wahlen in Russland stehen unmittelbar bevor, und die Chancen, dass dieser Wahnsinnige an die Macht kommt, stehen gut. Halb Osteuropa wird von Terroranschlägen heimgesucht, um die gesamte Situation auf politischer und wirtschaftlicher Ebene zu destabilisieren, bzw. einzuschüchtern. Dies führt leider dazu, dass ein neuer kalter Krieg auszubrechen droht.

Man bittet die USA um Hilfe, um die Situation in den Griff zu kriegen. Die USA reagiert und sendet ihre allerbeste Einheit ab, die als Die Ghosts bekannt ist. Die Ghosts sind die Elite, die Besten der Besten, die obendrein mit dem neuesten Wissen und dem modernsten Equipment ausgestattet ist. Ihr müsst die Ghost-Truppe anführen, sie trainieren, ausrüsten, ihnen Anweisungen geben - um den Terrorismus in Osteuropa zu neutralisieren.

IN SOGENANNTEN ZÜGEN
Um also dem Terrorismus eins auf die Nase zu geben, wähle ich direkt mal den Kampagnen-Modus an. Dieser ist aufgeteilt in mehrere Kapitel, welche ihrerseits in Missionen unterteilt wurden, die Ihr linear abarbeiten müsst, um am Ende - nach insgesamt etwas über 60 Missionen - als Strahlemann/-frau darzustehen.
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Gespielt wird stets und ständig in sogenannten Zügen. Erst seid Ihr dran, dann die Gegner, dann wieder Ihr, dann wieder die Gegner, und so weiter... Ihr postiert einen Eurer Ghosts, lasst ihn vielleicht irgendjemanden oder irgendwas angreifen, heilt einen Kameraden, versteckt Euch hinter einer Mauer, oder sowas... und dann befehligt Ihr den nächsten Ghost, solange bis Ihr jedem Eurer Ghosts ein Kommando erteilt habt, wobei aber jede Einheit eine vorgegebene Maximalanzahl an möglichen Schritten pro Zug besitzt, die unterschritten, aber nicht überschritten werden kann. Dann tut die Gegnerseite mit all ihren Einheiten dasselbe, woraufhin Ihr dann wieder am Zug seid - bis irgendwann die Mission verloren oder gewonnen wurde...
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Wem hier jetzt ein Licht aufgeht, dem sei es bestätigt: Das hier klingt nicht nur wie bei Fire Emblem oder Advance Wars, nein, das spielt sich auch haargenau genauso: Ein Scharfschütze macht weniger Schaden als ein Kanonier, hat dafür aber eine größere Reichweite. Ein Sanitäter macht nur wenig Schaden, ist dafür jedoch quasi ein wandelndes Medkit, das pro Zug einen Kameraden verarzten kann (das heisst: Ein wenig Lebensenergie wird wieder wiederhergestellt), also muss man immer gut überlegen, welche Einheiten man auf welche Distanz in welcher Reihenfolge ziehen lässt.
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Welche unterschiedlichen Einheitentypen man gerade befehligt und wieviele Einheiten es insgesamt sind, hängt immer von der aktuellen Mission ab. Allerdings geht Shadow Wars noch eine Spur weiter. Es gibt Modifikatoren dafür, ob Ihr auf einer Anhöhe steht, hinter einer Ruine kauert, in einem Strauch lauert, in einem Gebäude Schutz sucht, im Wasser watet, oder ob der Gegner dies alles tut. Das bedeutet, eine Einheit, die etwa in einem Busch Schutz sucht, ist schwerer anzuvisieren, erhält bei einem Treffer also weniger Schaden.
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Auch kann es sein, dass Ihr von einer Brücke auf einen Gegner herabfeuert, und Ihr ihm mächtig eine übersemmelt, und weil die Distanz gering genug ist, er sofort gegenfeuert und Euch gleichsam eins überbrät; mit dem Unterschied, dass Ihr schwerer zu treffen seid, weil der Gegner im fast toten Blickwinkel die Klippen hinauf gucken muss, um auf Euch zu zielen, wohingegen Ihr beim Blick von oben nach unten ja praktisch freie Sicht habt.
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Nicht zu vergessen, dass Ihr unter Umständen Feuerschutz bekommt, wenn Eure Einheit X neben ihren Kameraden steht und gerade einen Treffer abbekommt. Denn dann schießt nicht nur Einheit X zurück (sofern ihre Entfernung zum Angreifer dies gestattet), sondern auch diejenigen Ghosts, die innerhalb einer gewissen Reichweite zu Euch und dem Angreifenden stehen, und dürfen aber trotzdem noch in der aktuellen Runde ihren Zug machen, sofern sie dies noch nicht taten.
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UNBEDINGT AUF "GANZ SCHWER"
Somit ergeben sich dutzendfach Variationen in der Taktik, um eine Mission abzuschliessen, was sich besonders auf dem schwersten Schwierigkeitsgrad bemerkbar macht. Wenn Ihr unbedingt auf "ganz schwer" siegreich sein wollt, werdet Ihr viele Missionen mindestens 5-10x von vorn beginnen müssen, und um sich möglich viel Mühe geben zu wollen, bietet Shadow Wars einen speziellen Anreiz:
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Jede Mission hat drei Schwierigkeitsgrade - Anfänger, Veteran und Elite -, die innerhalb einer Mission für sich genommen immer dieselben Anforderungen an Euch stellen, sich allerdings darin unterscheiden, wie intelligent und robust die Gegner sind und wie robust Ihr seid, bzw. wieviele Items hier und dort für Euch bereitliegen. Das heisst, auf "Anfänger" ist die Wahrscheinlichkeit hoher, dass Ihr mit einem Treffer größeren Schaden anrichtet und weniger Schaden einsteckt, bzw. häufiger auf ein Medkit stoßt, als auf "Elite".
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Auf welchem Grad Ihr eine Mission abschliesst, ist ganz allein Eure Sache - denn geschafft ist geschafft! -, und Ihr könnt jede Mission auf jeder Stufe auch unendlich oft neu spielen. Doch wenn Ihr eine Mission direkt auf Elite beendet, gibt es mehr Level-up-Boni, die Ihr später auf die Ghosts verteilen könnt (mehr Lebensenergie, bessere Waffen, etc), als wenn Ihr nur auf Anfänger oder Veteran Erfolg hattet. So könnt Ihr zwar eine Mission später nochmal auf Veteran abschließen, aber Ihr bekommt nur ein einziges Mal den Missions-Ende-Bonus. Und wenn das der Anfänger- oder Veteranen-Bonus war, gibt es später den Elite-Bonus nicht mehr, egal, wie oft Ihr diese Mission anschliessend auf Elite noch abschliessen mögt. Das heisst, Ihr verdient Euch entweder sofort den Elite-Bonus, oder Ihr bekommt ihn nie mehr, und müsst mit dem weniger wertigen Bonus Vorlieb nehmen, habt dafür aber wenigstens die Mission schneller erledigt...
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WENN ES MAL NICHT GLEICH HINHAUT
Und wer ungeduldig ist oder schnell den Mut verliert, wenn es mal nicht gleich hinhaut, könnte genau das gebrauchen, um zumindest mit dem Spielverlauf selbst voran zu kommen. Denn sobald auch nur eines der Missionsziele nicht erfüllt wurde, gilt eine Mission oft schon sofort als gescheitert. Dann darf man entweder beim letzten Speicherpunkt fortfahren - Speichern geht auch innerhalb einer Mission zu jeder Zeit und beliebig oft -, oder man muss die Mission komplett bei Null beginnen, was bei so einigen Missionen bedeutet, dass man bereits 45 oder mehr Minuten investierte, dann geht irgendwas schief und man darf von vorn spielen; wohl denjenigen, die zwischendurch mal abgespeichert haben! ;) ...und schiefgehen wird häufig so einiges, denn die Missionen sind schon auf Veteran kein Zuckerschlecken.
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Erschwerend kommt hier jedoch hinzu, dass es immer nur einen einzigen Speicherslot gibt, sodass man die Mission zwar jederzeit häppchenweise abspeichern kann, aber immer nur so, dass man keine Rückversicherung in einem zweiten oder dritten Slot hat, wenn man sich innerhalb der Mission mal falsch entschieden hat. Auch ist der Missionsspeicherpunkt futsch, wenn man die Mission dann abbricht und stattdessen eine andere Mission oder in einen der beiden anderen Spielmodi wechselt und dort eventuell auch abspeichert.
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ANDERE SPIELMODI
Apropos "Andere Spielmodi"! Neben den in viele Etappen-Missionen unterteilten Kampagnen gibt es noch die Kampfmissionen und Mehrspieler-Missionen.
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Die Kampfmissionen sind weit weniger zahlreich als die in den Kampagnen, stehen aber für sich ganz allein. Sind also losgelöst von irgendwelchen zusammenhängenden Stories, sondern bieten beliebiege Szenarios - und auch hier gilt das Schwierigkeitsgrad-bedingt-Bonus-Prinzip auf den eben schon genannten drei Stufen Anfänger, Veteran und Elite. Man kann also sagen, die Kampfmissionen sind genau wie die Kampagne, nur dass jede Mission hier für sich ganz allein steht, und dass weitere Kampfmissionen nur freigeschaltet werden, wenn Ihr in der Kampagne voranschreitet.
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Im Kern gilt ebendieses genauso für die Mehrspieler-Missionen. Mit der Ausnahme, dass es keinen Schwierigkeitsgrad gibt, denn der wird ja durch Euren menschlichen Gegner bestimmt. Statt nämlich gegen die CPU-KI anzutreten, spielt Ihr gegen einen Freund und wechselt Euch nach jedem Zug an ein und demselben Nintendo-3DS-Handheld ab.
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TECHNIK
Die Grafik bei Shadow Wars ist eigentlich sehr hübsch und recht detailliert, zerrt allerdings auch nicht wirklich an den Reserven der Hardware, wie es scheint. Mit kleinen Abstrichen in der Optik hätte man Shadow Wars ohne Weiteres ganz bestimmt auch auf dem normalen Nintendo DS bringen können.
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Und das gilt ganz besonders für den 3D-Tiefeneffekt. Natürlich funktioniert dieser und das Bild wird damit auch dreidimensional dargestellt, doch durch die Von-oben-Sicht fällt es gar nicht auf, dass alles im Bild eigentlich in 3D gerendert wird. Wenn man nicht ab und zu die Kamera mit dem Circle Pad schwenkt, um kurzzeitig eine andere Perspektive einnehmen zu können, oder wenn nicht von selbst ab und zu Kamerafahrten über das Gelände ziehen, um die Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge zu lenken, würde man es vermutlich sogar nie bemerken.
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Und deshalb frage ich mich, was ich hier mit einem 3D-Tiefeneffekt soll, der mich bei Shadow Wars sogar etwas stört; nicht wegen Schärfeproblemen, oder so, sondern einfach, weil es seltsam wirkt, sich ein Von-oben-Bild dreidimensional anzeigen zu lassen. Aber was soll's, den 3D-Tiefeneffekt kann man ja auch einfach abschalten, was ich auch sehr bald getan habe. :)
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Die Musik ist dafür wieder voll in Ordnung. Keine treibenden Rhythmen, aber passende Atmo-Sounds, die leicht militärisch-melodiös anmuten. Auch die Steuerung ist gut auf Buttons und Touchscreen gelegt worden und geht optimal von den Fingern. Also kein Grund zur Klage meinerseits.
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FAZIT
Gut gemacht, Ubisoft! Shadow Wars entpuppt sich als weitaus unterhaltsamer, als man es es zunächst vermuten mag - vor allem, wo ich das letzte Ghost Recon für die Wii als nicht so wirklich super empfunden habe. Was wieder einmal beweist, dass man ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen soll.
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Bis auf den 3D-Tiefeneffekt, der zwar technisch gut funktioniert, aber ansonsten irgendwie nicht wirklich passt und ausserdem aber abgeschaltet werden kann, habe ich soweit nichts zu meckern. Die Missionen sind insgesamt sehr zahlreich, haben alle jeweils drei einzeln anwählbare Schwierigkeitsgrade, und sind vor allem auf "Elite" schön herausfordernd. Die Storyline innerhalb der Kampagne zwischen den Missionen läuft zwar linear und von allein ab, wird jedoch wenigstens sehr anschaulich mit "Nachrichtensendungen" und so in Szene gesetzt...
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Wer Strategie-Titel - und vor allem Fire Emblem oder Advance Wars - mag, wird mit Shadow Wars bestimmt einen Kaufgrund für den Nintendo 3DS zum Launch haben, der ihn/sie mit gut 50-70 Stunden Nettospielzeit (also ohne Fehlversuche eingerechnet) bei einiger Laune halten wird, bis dann bald die nächste Charge an 3DS-Titeln auf uns zukommt.
Jörg Singleplayer: 84%
Multiplayer: 70%


Verfasst von Jörg am 21.05.2013,
bemustert durch Ubisoft
für bis zu 2 Person/en
Release am 24.03.2011