Cover: Another Code: R - Die Suche nach der verborgenen ErinnerungLAKE JULIET
Ashleys Mutter ist seit 13 Jahren nicht mehr am Leben - sie wurde ermordet, als Ashley 3 Jahre alt war. Ashleys Vater denkt immer nur an seine Forschungsarbeiten und hat kaum Zeit für sie. Während ihr Vater ständig woanders ist, ist Ashley mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Sie liebt Musik und möchte als Musikerin einmal auf eigenen Füßen stehen, weshalb sie fleissig auf der Gitarre spielt und mit ihrer Band probt. Nur ist sie eben auf ihren Vater gar nicht gut zu sprechen: Der denkt ja eh nur an seine Arbeit und lässt sie mit ihren Wünschen und Träumen allein...

Doch nach einigen Monaten Funkstille erhält sie eine Nachricht von ihrem Vater: Sie solle doch bitte zum Lake Juliet kommen. Er wäre schon dort und freue sich sehr darauf, mit ihr für ein paar Tage zu zelten und sich zu unterhalten. Ashley will erst gar zu ihrem Dad, doch sie will sich bemühen, die Beziehung zu ihm zu kitten, auch, wenn es natürlich alles seine Schuld ist. Sie packt also ein paar Sachen, steigt in den Bus und fährt los.

Am Lake Juliet angekommen wird sie sofort von einer unbekannten Person geschubst. Ashleys Tasche fällt dabei auf den Boden, wird von der Person genommen und schon ist diese mit der Tasche über alle Berge. Na toll, Ashleys ganzes Geld und viele andere für sie wichtige Dinge sind gestohlen worden. Das fängt ja gut an! Aber wenigstens hat sie noch sie den kleinen Anhänger, den sie nicht in der Tasche trug. Der Anhänger ist ihr ständiger Begleiter und das Einzige, was sie noch von ihrer Mutter hat. Am Zeltplatz abgekommen, stänkert Ashley erstmal ihren Vater an, warum der sie nicht von der Bushaltestelle abgeholt hatte. Nach einigen Minuten aber lockert sich die Unterhaltung etwas, beide werden ruhiger und es folgen die ersten Erklärungen.
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Ashleys Eltern arbeiteten damals an einem Projekt mit dem Namen "Another". Another kann Erinnerungen manipulieren und war deshalb für vielerlei Zwecke sinnvoll. Dann wurde Sayoko, Ashleys Mutter, von einem gewissen Fritzgerald ermordet, und so langsam kristallisiert sich heraus, dass das der Grund für Ashleys Vater war, sich so sehr in die Forschung zu stürzen. Er wollte zum Andenken an Sayoko das Projekt Another beenden und ausserdem ihren Mord aufklären können. Gemeinsam mit einigen anderen, die Ashley im Laufe der Zeit kennenlernen soll, versucht sie, sich an ihre Mutter zu erinnern. Ob sie dabei auch den Mord gänzlich aufdecken kann?

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EIN INTERAKTIVER ROMAN
Nun, Ihr merkt es vielleicht schon: Was ich hier schrieb, liest sich ein wenig wie ein Buch. Und genau das ist Another Code: R auch: Ein interaktiver Roman - ganz so, wie es auf dem Cover steht - aus der Sicht Ashleys, die von Euch durch das Abenteuer geleitet wird.
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Das Konzept zu Another Code: R ist sehr unterhaltsam und funktioniert fast ein wenig wie ein Point-&-Click-Adventure: Ihr lauft durch verschiedene Abschnitte, betrachtet die Umgebungen und Gegenstände, sprecht mit Personen, sammelt Gegenstände, die Ihr mal mit anderen Gegenständen kombinieren und mal benutzen müsst, um weiterzukommen, bzw. Euch an verschiedene Dinge, die Eure Mutter betreffen, erinnern könnt.
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Einziger Unterschied zu einem üblichen Point-&-Click-Vertreter ist die hohe Textlastigkeit. Jede Unterhaltung, jeder Gedanke, jeder Gegenstand, alles, was Ihr hört oder seht, wird durch eine kleine Textbox verdeutlich und natürlich durch Soundeffekte (Telefonklingeln, Metallklappern, usw.) gestützt. Ausserdem seht Ihr auf dem rechten Bildschirmrand stets das Konterfei Ashleys und das ihrer Gesprächspartner/innen, und erhaltet durch Gesten und Mimik fast den Eindruck, die Personen wären irgendwie real - denn nicht vergessen: Another Code: R ist ja eigentlich eine Art Buch in Videospielform, weshalb dieser Aspekt gut zum Tragen kommt und dem Spiel, oder vielmehr "dem Buch", eine besondere Note verleiht.
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EIN BUCH ZUM GUCKEN UND HÖREN
Damit Ihr aber nicht einfach nur dröge irgendwelche zweckmäßigen Texte lesen müsst, hat man sich enorme Mühe mit den Dialoge gegeben. So spricht Ashley wirklich wie ein Teenager und fragt ihren Vater beispielsweise, wo dieser eigentlich leben würde, wenn er nicht mal merke, dass heutzutage einfach jeder ein Handy hätte, als er erklärt, er sei der Ansicht, dass ein Mädchen in ihrem Alter kein Handy brauche. Oder wenn der Vater sich bemüht, Verständnis für Ashleys Standpunkt aufzubringen, aber er natürlich weiss, dass es eben auch Dinge gibt, die ein 16jähriges Mädchen noch nicht wirklich nachvollziehen kann und demnach ihr gegenüber etwas in Erklärungsnot gerät. Da kann man die Dialogschreiber/innen und Übersetzer/innen nur in höchsten Tönen loben!
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Das bringt mich auch schon zu Grafik und Sound. Im Kern sind es vorallem die zumeist fröhlich-nachdenklich stimmenden Hintergrundmelodien, die für Wohlgefallen und Konzentration beim "Spielen" sorgen - den Fernseher vor den Augen und die Wiimote in der Hand hat man jedenfalls nach 10 Minuten total vergessen. Gut ist auch der Grafikstil, der eine gelungene Mischung aus Fotorealismus, Cel Shading und Comiclook ist.
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Das kann man echt nicht anders sagen: Augen und Ohren bekommen genau das, was sie für solch eine Art Videospiel auch brauchen. Kurz: Perfekt gewählt, meiner Meinung nach.
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DAS & TAS
Das Gameplay geht genauso locker vonstatten, wie man es sich erhoffen würde. Ein paar kleine Inventar- und Aktionsbuttons und immer 2-3 Pfeile an den Bildschirmrändern, damit man bestimmen kann, wohin Ashley laufen soll. Und für eine kleine Übersicht, damit man weiss, wo man sich gerade befindet, erhält man sehr, sehr früh im Spiel links unten eine kleine Übersichtskarte.
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Zwei der von Euch besonders oft genutzten Dinge sind das DAS und das TAS. Das DAS ist ein kleines Gerät, mit dem Ihr mit Eurem Vater von überall kommunizieren und ausserdem Bilder machen könnt. Als kleiner Spaß am Rande sieht das DAS genauso aus wie ein Nintendo DSi! Passend dazu gleicht das TAS fast genau einer Wiimote, die um ein kleines Display erweitert wurde. Doch was Ihr mit dem TAS machen müsst, oder wie Ihr es bekommt, verrate ich an dieser Stelle mal nicht, schliesslich sollt Ihr ja auch von selbst darauf kommen und Euch nicht alles von mir vorkauen lassen! ;)
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Dennoch muss ich zum Thema Gameplay eines unbedingt erwähnen: Das Spiel hat eine dichte Atmosphäre, unterhält durchweg sehr gut, wird später richtig spannend, und Sound und Grafik passend optimal zu allem. Einzig die hohe Textlastigkeit kann für einige Spieler/innen etwas störend sein. Dann schätzungsweise 60~70% des Spielverlaufs tut Ihr nichts anderes als lesen, kombinieren und Textbausteine wegdrücken. Zugegeben, irgendwann merkt man das gar nicht mehr - wie bei einem Buch, bei dem irgendwann gar nicht mehr auffällt, dass man Seite für Seite weiterblättert -, doch seid Euch dessen gewahr: Tolles Game, aber es gibt viel zu lesen! Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass das Spiel linear verläuft. So, wie Ihr bei einem Buch mit jeder Seite dem Ende näher kommt, ohne Einfluss auf das Geschehen zu haben, macht Ihr mit Ashley auch nur das, was sie sowieso als nächstes zu tun hätte.
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FAZIT
Lediglich beinharte Fans der actiongeladeneren Genres sollten von einem Kauf absehen. Und auch, wenn es bei Another Code: R hier und da was zu lächeln gibt, ein Gagfeuerwerk wie Monkey Island oder Sam & Max ist das hier nicht - und will es nicht sein. Leider sind auch einige der Rätsel sehr offensichtlich, weshalb der Gesichtspunkt der Eigenständigkeit, also das Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben, kaum zum Vorschein kommt.
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Wem das aber nichts ausmacht, und wer Lust hat, mal ein anderes Videospiel zu spielen oder ein "Buch" mal anders zu lesen, der besorgt sich Another Code: R unbedingt und gönnt sich die schätzungsweise 12 bis 15 Stunden andauernde Wii-Unterhaltung. Denn es ist nicht nur ein interessantes Konzept mit toller Grafik, tollem Sound, hervorragend übersetztem Text und authentischen Dialogen, sondern es bietet auch eine extrem spannende und dichte Story.
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In diesem Sinne: Von mir gibt es auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für Another Code: R.
Jörg Singleplayer: 80%

Verfasst von Jörg am 25.06.2009,
bemustert durch Nintendo
für bis zu 1 Person/en
Release am 26.06.2009