Cover: Citizens of EarthCitizens of Earth ist eine Mischung aus Oldschool-RPG und jeder Menge schrägem Humor. Wer sich ein schnelles Bild machen will, stelle sich ein Spiel vor wie z.B. Earthbound oder Final Fantasy aus des NES-/SNES-Ära, aber mit dem überdrehten Witz eines Monkey Island, Zak McCracken oder Day of the Tentacle. Dabei ist das Gameplay selbst ernst, da allerlei Hauptquests und Nebenquests erledigt und Kämpfe erledigt werden müssen, aber alles das ist in eine teils absurde (im positiven Sinn!) Story gesteckt worden.

Man wacht also morgens auf, wird von Mami geweckt und aus dem Bett beordert. Wohlgemerkt: Wir sind ein erwachsener Mann, und immerhin der Vizepräsident der Erde! Auf dem Weg runter ins Wohnzimmer stoßen wir auf unseren Bruder, der uns ein Geschenk auf den Küchentisch gelegt hat, wie er sagt. Und nach einigen weiteren Augenblicken schließen sich bereits Mutter und Bruder an. Wir verlassen das Haus und treffen auf Demonstranten, die uns nicht wohlgesonnen sind; sie greifen an, was uns ins rundenbasierte Kampfgeschehen bringt.

Doch statt jetzt lapidar mit Waffen, Fäusten, Füßen oder auch Zaubersprüchen zu hantieren, gehen die Demonstranten etwa mit Megafonsalven vor, und brüllen uns irgendwelche Parolen entgegen, was uns Energie abzieht. Wenn wir dran sind, hält Mutter den Demonstranten beispielsweise eine saftige Standpauke und plädiert auf deren Schuldgefühle, was widerum Energie bei den Demonstranten abzieht. Mutter kann unter anderem aber auch "Lieben", was dazu führt, dass sie sich opfert, und einem Mitglied der Party die Lebensenergie auffüllt. Was ansonsten auch ein Brötchen, Kaffee, oder was auch sonst es ist erledigt, sofern wir genug Vorräte dabei haben. Im Laufe des Spiels werden die Gegner immer schräger, wie auch die Angriffe und sonstigen Aktionen. Später gehen wir sogar ins Internet und Kämpfen unter anderem gegen Viren. Wenn die angreifen, stehlen sie uns einen Teil der Privatsphäre, also: Energie.
Screenshot Screenshot
Die Fähigkeiten unserer Party werden im Laufe der Zeit mehr und mehr, je mehr gelevelt wird, desto mehr nehmen die Fähigkeiten zu: Die Party wird stärker, schneller und so weiter, aber die Variationen für Kämpfe nehmen zu. So können später besonders starke Angriffe durchgeführt werden, bald sogar gegen alle Gegner auf einmal, Statuswerte, wie Verteidigung oder "Vergiftet" können widerhergestellt, beziehungsweise kurzzeitig erhöht oder gesenkt werden.
Screenshot Screenshot
So entspinnt sich also ganz allmählich eine witzige, unterhaltsame Geschichte, bei der profane Dinge des ganz alltäglichen Lebens, aber auch korrupte und/oder inkompetente Politiker und Bürokraten, die Nerdigkeit von Computerspezialisten und noch vieles mehr auf's Korn genommen werden. Vordergründig geht es allerdings darum, dass im Kaffeeshop "Moonbucks" einige merkwürdige Dinge vorgehen.
Screenshot Screenshot
So besuchen wir im Laufe des Abenteuers mehrere Locations, lösen so manche Sidequest, der Sorte "Finde A für Person B" oder "Sammele alle Cs auf, damit Person D der Party beitritt". Und so treten dann also immer mehr Menschen unserer Party bei, etwa ein Verschwöhrungstheoretiker, ein Bäcker, ein Maskottchen, eine Reporterin - alle mit den ihnen eigenen Besonderheiten für den Kampf.
Screenshot Screenshot
Und weil die Party wächst und wächst, können immer nur höchstens drei von ihnen zur selben Zeit aktiv sein, der Rest ist währenddessen also passiv, und kann weder eingreifen, noch leveln. Allerdings haben die Citizens of Earth - also unsere Party-Mitglieder/innen! -, auch diverse Talente. Das unseres Maskottchens ist zum Beispiel, jederzeit - außer während des Kampfes! - den Schwierigkeitsgrad des Spiels anpassen zu können.
Screenshot Screenshot
Ist es zu leicht oder zu schwer? Dann wählt man das Maskottchen-Talent und kann in vielen Abstufungen einen Regler nach links (leichter) oder rechts (schwerer) bewegen. Allerdings hat das immer auch Vor- und Nachteile. Je leichter des Spiel wird, desto weniger Boni und Erfahrungpunkte bekommen wir; und je schwerer es wird, desto mehr Boni und Erfahrungspunkte können eingeheimst werden. Allerdings ist die Entwicklung der Partymitglieder/innen vorgegeben. Es levelt zwar nur, wer gerade aktiv ist, aber dann verbessern sich die Fähigkeiten automatisch, das heißt, man hat keine Kontrolle darüber, welche Fähigkeiten sich wie sehr verbessern sollen, oder ob man gewisse Fähigkeiten zugunsten von anderen unbeachtet lässt.
Screenshot Screenshot
Übrigens: Den Schwierigkeitsgrad jederzeit einstellen zu können, ist oft auch notwendig, weil das Spiel, wenn man den Schwierigkeitsgrad unangetastet lässt, phasenweise von ganz allein auch mal zu viel schwer oder viel zu leicht wird. Und das ist irgendwie auch die Schwäche von "Citizens of Earth", denn der Schwierigkeitsgrad ist stellenweise zu unausgegoren. Entweder man müsste vor schweren Passagen jedes Mal noch 1-2 Stunden zum Aufleveln Zeit verplempern, oder man ist irgendwann etwas zu sehr erstarkt, dass anderen Passagen so simpel werden, dass man die Kampfsequenzen als reine Zeitverschwendung wahrnimmt. Das ist zwar ein Problem, das seit Anbeginn des Genres existiert, allerdings wird es eigentlich immer erst gegen Ende eines Abenteuers nervig - bei "Citizens of Earth" aber kann man oft auch schon mal in einen Bereich vordringen, der noch nicht notwendig wäre, man das aber erst merkt, wenn die Gegner zu heftig werden; gleichsam merkt man gern auch mal, dass man wohl einen Bereich zum ersten Mal betritt, der wohl in einem früheren Zeitpunkt im Spiel sinnvoller gewesen wäre, weil man hier alle Gegner nur noch müde lächelnd wegputzt.
Screenshot Screenshot
Andererseits sind die Kampfsequenzen bisweilen ohnehin etwas zeitraubend, weil man die Gegner auf der Karte zwar sehen und theoretisch ausweichen kann, nur gelingt das selten, weil die Gegner fast immer schneller sind als man selbst und die Chancen, einen Kampf, ob man will oder nicht, kämpfen zu müsen, stehen in der Regel 80 zu 20.
Screenshot Screenshot
Das Setting, also Look and Feel des Titels, sind dafür umso genialer, wie ich finde. Die Musik hat teilweise etwas Futurama-esques an sich und bietet bisweilen ein paar schicke Ohrwürmer, dabei ist die Musik allerdings fast nie treibend, sondern eher als chillig zu beschreiben. Grafisch ist auch alles in Butter. Der Comic-Stil ist genau auf meiner Wellenlänge und der persiflierende Animations- und Zeichnstil passt perfekt dazu.
Screenshot Screenshot
Etwas ärgerlich ist auch der oft zu sehende Ladebildschirm mit dem Spielelogo. Man wechselt etwa von Stadt in den Wald, oder in einem Gebäude von Etage A auf Etage B - und schon sieht man den Ladebildschirm. Zwar nie allzu lange, aber dennoch summieren sich die jeweils ca. 3-5 sekündigen Wartezeiten auf Dauer und können mit der Zeit stören. Nicht sooo sehr, aber sie sind durchaus spürbar.
Screenshot Screenshot
Bevor ich abschließe möchte ich noch erwähnen, dass Citizens of Earth insgesamt dreimal ohne für mich ersichtlichen Grund einfach so ganz plötzlich einfror, sodass ich die Hardware nur noch abrupt abschalten konnte (Power-Button mehrere Sekunden gedrückt halten), weil absolut nichts mehr ging und die Lautsprecher ein ohrenbetäubendes Fiepgeräusch von sich gaben. Immerhin aber hat "Citizens of Earth" ein Autosave-Feature, das nach Kämpfen, beim Betreten und Verlassen von Gebäuden und so weiter in einen Autosave-Slot speichert.
Screenshot Screenshot
Sodass, selbst, wenn man seinen Spielstand zuletzt vor 1-2 Stunden gespeichert hatte, man nie mehr als vielleicht 5-6 Minuten Spielzeit noch wiederholen muss, weil man das Spiel neustartet und dann den Autosave lädt. Das Entwickler-Team weiss allerdings um diverse "Game breaking Bugs" und hat bereits bekannt gegeben, dass daran "rund um die Uhr" gearbeitet werde und schon bald Patches nachgereicht würden. Insofern sollten die von mir erlebten Abstürze nicht mehr allzu lange existieren.
Screenshot Screenshot
FAZIT
Insgesamt gefällt mir Citizens of Earth recht gut. Ich mag Look and Feel und auch die Idee, die Kämpfe mit quasi absurden Angriffen und Aktionen zu spicken, hat für diverse Lacher und Schmunzler bei mir gesorgt. Leider nur sind der etwas unstete Schwierigkeitsgrad und die doch etwas arg viel passierenden Kämpfe bisweilen etwas lästig.
Screenshot Screenshot
PS: Citizens of Earth ist auf Wii U und 3DS das absolut selbe Spiel. Es gibt keinerlei Sonderinhalte, welche die eine von der anderen Version unterscheiden würden. Auch ist es auf beiden Plattformen 100%ig eingedeutscht.
Jörg Singleplayer: 74%

Verfasst von Jörg am 25.01.2015,
bemustert durch Nintendo
für bis zu 1 Person/en
Release am 22.01.2015