Cover: Final Fantasy Fables: Chocobo's DungeonEchte Final Fantasy-Fans mögen zunächst die Nase rümpfen und die Frage, ob dieses Spiel wirklich spielenswert ist stellen. Aber ein Einblick in Chocobos Abenteuer bringt durchaus Potential mitsich.

Zur Story:
Eingeleitet durch ein Video, wird man zunächst in die Geschichte dieses Spiels eingeführt. Hier ist man als Chocobo mit seinem, in der Final Fantasywelt bekannten, Freund Cid unterwegs als Schatzjäger. Auf der Suche nach einem wertvollen Kristall kommt den beiden ein Mädchen namens Irma zuvor und schnappt ihnen den Kristall vor der Nase weg. Scheinbar durch den Kristall erscheint plötzlich ein breiter heller Lichstrahl, der alle aus dem Turm, indem der Schatz versteckt war, herausbeamt. Chocobo und Cid tauchen aus einem Brunnen in einer für sie fremden Stadt wieder auf. Die Bewohner dort sind überrascht aber auch überaus freundlich und erklären ihnen das sie in Lostime sind. Plötzlich ertönt ein Glockenschlag und Cid vergisst, was er getan hat, wo er ist und wer sein Freund Chocobo ist und über seinem Kopf ist eine dunkle kleine Wolke sichtbar.

Die Bewohner erklären fröhlich, das Vergessen etwas wunderbares sei und es das Leben einfacher mache. Shirma, ein junges Mädchen, das bemerkte was passiert war, schreitet ein und nimmt Cid und Chocobo mit auf die Farm ihrer Tante. Dort können sie den Glockenschlag nicht hören. Doch Zeit zum Ausruhen bleibt nicht, denn wundersamerweise fällt ein Ei vom Himmel, aus dem ein kleiner Babyjunge schlüpft. Shirma nimmt den Jungen zu sich, der erstaunlicherweise bereits ihren Namen kennt und sagt. Er selbst heisst Rafaello. Nun beginnt das Abenteuer, denn als die Glocke erneut ertönt und der Bürgermeister eine seiner Erinnerungen verliert, verschwindet Rafaello in die dunkle Gedankenwolke.
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Der Spielablauf:
In der Rolle des Chocobo muss man sich nun aufmachen, und Rafaello in die Gedankenwolken folgen, um dort die verlorenen Erinnerungen zurück zu gewinnen. Das Schema hierzu ist recht einfach. Jede verlorene Erinnerung ist ein Dungeon mit mehreren Stockwerken, durch die man sich durchkämpfen muss. Die Vorgehensweise basiert auf ein Rundensystem, indem man selbst und die Gegner abwechselnd einen Schritt oder eine Aktion macht. Tut man nichts, bewegen sich auch die Gegner nicht. Einige Gegner schlafen jedoch und bewegen sich auch nicht, wenn man sich selber bewegt, aber sie können natürlich aufwachen, wenn man ihnen zu nahe kommt.
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Als Hilfe gibt es ein Raster, welches man per Knopfdruck sichtbar machen kann (solange der Knopf gedrückt gehalten wird). Jedes Kästchen im Raster entspricht somit einem Schritt und auch diagonale Schritte und Angriffe sind möglich. Innerhalb der Stockwerke befinden sich aber nicht nur Gegner, sondern auch Fallen. Einige sind sichtbar, andere nicht. Auch Gegenstände lassen sich finden. Chocobo muss ab und an gefüttert werden, denn sinkt seine Hungeranzeige auf 0%, kostet ihn jeder Schritt und jeder Angriff, Lebenspunkte. Die nötige Nahrung findet man sowohl in den Dungeons als auch in der Stadt bei verschiedenen Händlern. Die Nahrungsanzeige sinkt langsam während man sich bewegt und Kampfhandlungen ausführt. Man kommt aber auch gut einige Stockwerke ohne Essen aus ohne dabei in größere Gefahr zu geraten.
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Neben der Hungeranzeige gibt es noch die SP-Leiste. Den meisten sicherlich bekannt, zeigt sie an, wie viel Energie man für Spezialattacken hat. Diese, und auch die Lebenspunkte, laden sich auf, indem man einfach läuft. Nützlich ist dies vor allem auf Zwischenebenen, auf denen keine Gegner sind. Da man auch auf der Stelle laufen kann, füllt man sich so mal schnell Leben und Energie wieder auf, muss aber den Hunger im Auge behalten. ;) Natürlich kann man das auch in den normalen Stockwerken machen, aber da hat man dann ziemlich schnell mal einen Gegner vor sich stehen, der einem dann auch prompt eins überbrät.
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Geschickterweise lockt man die Gegner aber lieber langsam an, wenn man sie in Sichtweite hat. Statt ihnen einfach schlicht entgegen zu laufen, empfiehlt es sich, einen Kick ins Leere auszuführen. So bewegt sich ein Gegner selbst einen Schritt vor, und wenn er vor einem steht, hat man den Vorteil, zuerst angreifen zu können.
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Jobs und Level:
Die Monster verfügen über verschiedene Angriffe und Zustände, wie man selbst auch, mit unterschiedlichen Reichweiten. Angriffe aus größerer Entfernung sind also auch möglich und bieten taktisch andere Perspektiven. Die verschiedenen Angriffstechniken kann man hier in einem Jobsystem wählen, bevor man einen Dungeon betritt. Nach und nach sammelt man also verschiedene Jobs wie z.B. Knight, White Mage oder den Standartjob Natural. Jeder Job wird extra gelevelt und hat je nach Levelstand unterschiedlich viel Lebenspunkte und Fähigkeiten, hier lohnt es sich also die einzelnen Jobs hoch zu leveln. Da man ja nicht unbedingt mit einem neuen Job in den schwierigsten Dungeon geht, der grad verfügbar ist, kann man in die alten bereits gespielten Dungeons zurückkehren, und dort seine Erfahrungspunkte sammeln. Für die Jobs fallen zusätzlich Jobpoints an, die eingesammelt werden müssen, während die normalen Erfahrungspunkte sofort gutgeschrieben werden.
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Nicht nur die Attacken sind wichtig, sondern auch der Schutz. Hierzu dienen Sattel und Schuhe/Krallen als Rüstungsgegenstände. Ketten bieten zusätzliche Optionen, wie z.B. erhöhte Chance auf kritische Schläge oder Schutz vor Zuständen. Die Rüstungsteile alleine sind zwar ganz nett, geben aber nicht unbedingt viel her. Um da mehr herauszuholen, kann man beim Schmied seine Rüstungen verbessern und mit anderen Rünstungen kombinieren! Dabei muss man einige Dinge beachten, die mittels eines Buches aber erklärt werden. So kann man zum Beispiel einen rostigen Sattel mit einem goldenen kombinieren, um so die negative Eigenschaft "Rost" zu verlieren und andere positive Eigenschaften zu behalten und verstärken.
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Besonderheiten:
Besonderheiten gibt es einige. So sind zum Beispiel nicht alle Dungeons gleich gestrickt. Es gibt Dungeons in denen man gewisse Handicaps hat. Handicaps können eine Levelbegrenzung sein, oder Hungeranzeige auf 0%, und ähnliches... Da muss man sich gut überlegen, welche Schritte man tut, oder besser lässt.
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Als zusätzliche Unterhaltung gibt es ein paar Minispiele; unter anderem ein Kartenspiel nach dem Tradingcardsystem. Die Karten können innerhalb des Spieles gesammelt werden. Der Clou ist, dass man nicht nur gegen die KI mit den Karten spielen kann, sondern auch im Onlinemodus mit Freunden!
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Angeln und Blumen pflanzen sind eine zusätzliche Geldquelle und Bringen Items. Andere kleinere Aktionen bieten aber nicht mehr als einen erhöhten Niedlichkeitsfaktor.
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Steuerung:
Zur Steuerung hat man 3 Möglichkeiten. 2 davon laufen über die Wiimote, die man entweder waagerecht oder senkrecht verwendet. Mag man beides nicht haben, kann man den Classic-Controller verwenden. Eine Option mit dem Nunchuck wurde leider nicht gegeben. Die Steuerung ansich ist simpel gehalten, und ist schnell verstanden und eingeprägt. Ein Manko hat die Steuerung über die Wiimote allerdings schon. So lassen sich die Diagonalen Schritte mit dem Steuerkreutz nur beschwerlich ausführen und man läuft dann doch schonmal in die Falle, der man eigentlich gerade ausweichen wollte. Die senkrechte Steuerungsweise empfinde ich eher als unkonfortabel, da man so alles komplett mit einer Hand steuert. Vielleicht sollte so eine Hand zum Knabbern frei bleiben? Wer weiss? :)
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Grafik und Musik:
Die Grafik ist in einem, für mittlerweile viele Spiele üblichen, Animestil mit großen Kulleraugen und hohen Niedlichkeitsfaktor. Die Qualität ist Bodenständig und bietet durchschnittliche Grafik, die aber trotzdem sehr schön anzusehen ist. Die Musik weckt schonmal alte Final Fantasy Erinnerungen, denn einige bekannte Melodien finden sich hier wieder. Sowohl sie als auch die anderen Melodien, fügen sich sehr schön in diese Spielwelt ein.
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Die Synchro in den Videosequenzen ist allerdings etwas mäßig, da Lippenbewegungen und Text eigentlich nur aus einem "Mund auf, Mund zu" bestehen. In den halben Sequenzen (quasi "erzwungene" Unterhaltungen) hören diese Mundbewegungen auch solange nicht auf, ehe man den Textkasten nicht wegdrückt, während die Synchronstimme längst fertig ist. Das kann schonmal witzig aussehen.
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Fazit:
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Schönes Spiel. Durch die Grafik und die Tatsache, dass man einen niedlichen gelben Vogel steuert, der auch noch mit anderen Tieren sprechen kann, hat das Spiel schon einen gewissen Kleines-Mädchen-Klischee-Touch erhalten. Das muss aber einen männlichen Spieler dennoch nicht davon abhalten zu spielen. :)
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Denn die Story ist sehr interessant und nicht allzu offentsichtlich, was zum Weiterspielen anregt. Anfangs nervig kann für erfahrene Spieler/innen aber das Tutorial sein. Hier wird jeder Schritt genaustens erklärt, und man hat viel Text "wegzudrücken" - auch, wenn man alles bereits verstanden hat.
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Ein weiteres Manko ist die Sprache. Das Spiel ist komplett in Englisch, was angesichts der Altersfreigabe fraglich erscheint. Denn dieses Englisch verwendet oft Umgangssprache - und sogar Akzente werden dargestellt. 6jährige Kinder dürften es tatsächlich schwer haben, hier durchzukommen. Geringe Englischkenntnisse reichen aber dennoch aus, um das Spiel beenden zu können.
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Wichtige Aktionen werden auf einer Minkarte mit einem Haken makiert, so weisa man sofort, wo man da hin MUSS, um in der Story voran zu kommen. Schade ist jedoch, dass sich die gesammte Geschichte in nur einer einzigen Stadt abspielt. Wer also erhofft hat, eine große Welt zu erkunden, wird hier leider enttäuscht.
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Das Spielsystem mit dem Raster finde ich persönlich ganz gut, da man so abschätzen kann, von wo ein Gegner auf einem zu kommt. Wenn ich mich da an alte Final-Fantasy-Teile erinnere, in denen man "mal eben" rüber in die andere Stadt wollte und, wenn man Pech hatte, 10Mal unerwarteter Weise angegriffen wurde, konnte das schon mal unangenehm werden. Hier kann man abschätzen, wo Gegner sind und überlegen, wie man am taktisch besten vorgeht, und ob die Tränke ausreichen, oder ob man sich besser aus dem Staub macht.
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Der Schwierigkeitsgrad ist in einem guten Maß. Nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwer. Hat man in einem Dungeon Schwierigkeiten, muss man sich Gedanken machen, ob ein anderer Job eher hilft, oder ob man nochmal in alte Dungeons geht, um noch etwas zu Leveln. So benötigt man jedenfalls ein paar Versuche mehr, aber den Dreh bekommt man recht zügig heraus. Auch die speziellen Dungeons machen es spannend, da dort ein ganz anderes Vorgehen angesagt ist.
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Die Spielzeit ist mit ca. 25-30 Stunden ausgiebig. Probiert man einiges aus, wiederholt Dungeons, oder beschäftigt sich intensiv mit den Minispielen (allein, um z.B. alle Sammelkarten zu bekommen), hat man auch länger Freude an dem Spiel.
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Alles in allem ist das Spiel eine unterhaltsame Möglichkeit, ein paar Stunden seines Nachmittags zu verbringen. Jüngere sollten sich vielleicht mit den Eltern zusammensetzen, damit sie die interessante Geschichte auch verstehen. Eingefleischte Final-Fantasy-Fans dürfen hierin allerdings keine Fortsetzung der großen Reihe sehen und müssen darauf wohl noch ein bisschen warten.
«Jule» Singleplayer: 85%
Multiplayer: 64%


Verfasst von «Jule» am 20.11.2008,
bemustert durch Koch Media
für bis zu 2 Person/en
Release am 07.11.2008