Cover: Homo MachinaKennst du die Buchreihe "Das Leben des Menschen" von Fritz Kahn? Stell dir deinen Körper als eine riesige Maschine vor, in dem fleißige Arbeiter ihr Tagewerk verrichten, um eben diesen in Bewegung zu versetzen. Denn genau das hat der Herr Kahn damals gemacht. Den meschlichen Körper als ein enormes Konstrukt aus Rohren, Pumpen, Filtern, Apparaten, Anzeigen und Armaturen dargestellt. Homo Machina ist ganz eindeutig eine Hommage an eben diese Werke und wandelt sie in ein interaktives Erlebnis um.

Das Spiel funktionert zwar auf dem Fernseher, es ist aber eindeutig für den Handheld konstruiert. Auf letzterem hälst du die Nintendo Switch einfach quer und verwendest ausschließlich den Touchscreen zum Interagieren. Die Variante für den Fernseher unterstützt die Funktion, einen einzelnen Joy-Con als Pointer zu verwenden, dabei kommt es allerdings zu ein paar Unannehmlichkeiten. So kann der Pointer einerseits auf Knopfdruck rekalibriert werden, die simulierte Maus ist andererseits aber etwas überempfindlich und wackelt stets über den Bildschirm. Auch die Entfernung zum Fernseher kann eine entscheidende Rolle spielen, da das Bild nicht angepasst wurde und diese somit nur ein Drittel der Gesamtfläche verwendet - Lesen ist somit je nach Abstand nur mit guten Augen möglich.

Ein Tag im Leben
Die Geschichte beginnt im Gehirn des namenlosen Mannes - genauer gesagt im Willenszentrum -, wo der Direktor äußerst nervös auf die Verabredung des heutigen Abends reagiert. Aber bis dahin vergeht ja noch etwas Zeit und es müssen zunächst andere Aufgaben in Angriff genommen werden. Also erstmal die fünf Sinne einschalten, Gefühle im Auge behalten, Nerven und Muskeln in Gang setzen und den Augen den Befehl zum Öffnen der Lider geben.
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Bis das Frühstück verdaut und die tägliche Arbeit erledigt ist, braucht es schon eine Menge Einzelschritte. Dass danach die Energie durch etwas Entspannung wiederhergestellt werden muss, kann jeder nachvollziehen. Doch vor lauter Entspannung das Date zu vergessen, bringt jeden Körper in Wallung. Da heißt es, die Beine in die Hand nehmen, um die Frau seiner Träume nicht sitzen zu lassen. Das Stelldichein läuft zwar etwas holprig an, doch der Abend wird durch einen gemeinsamen Tanz gerettet.
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Die Erklärung dieses Tagesablaufs ist sehr kurz gehalten, genauso wie das Spielerlebnis mit rund einer Stunde Nettospielzeit. Ich hätte mich gerne noch etwas länger mit der Interpretation der einzelnen Körperfunktionen befasst, so liebevoll waren diese umgesetzt. Kameras und Projektoren als Augen und Gedächtnis, ein großes Reagenzglas für den Adrinalinausstoß und verschiedene Messer, Scheren und Fließbänder für den Vorgang des Kauens. Die insgesamt 14 Bildschirme, auf denen Aufgaben erfüllt werden müssen, sind alle sehr liebevoll in Szene gesetzt und nur zwei davon werden im Laufe der Handlung wiederholt. Zwar ist nicht immer sofort verständlich, welche Elemente jetzt genutzt werden können und welche nicht, beziehungsweise, wie die verlangte Interaktion ausfallen soll. Dber Homo Machina übt nur an einer Stelle Zeitdruck auf dich aus und gibt gelegentlich auch dezente Hilfestellungen. Ist die Geschichte beendet, lassen sich die einzelnen Kapitel auch direkt anwählen.
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Im Körper leben und arbeiten demnach ein ganzer Haufen kleiner Männlein und Weiblein, die alle sehr charmant und humorvoll in die Geschehnisse integriert sind. Der Direktor wirkt ohne die Hilfe seiner Sekretärin schon fast hilflos und ein paar Arbeiter sind sich nicht zu schade, kleine Witzchen oder Wortspiele über ihren Arbeitsplatz zu machen. Auch wenn dies lediglich in Textform geschieht. Dafür knacken und zischen die Maschinen bei jeder Bewegung und erfüllen die Szenen mit der nötigen Atmosphäre. Es sprudelt nur so vor Leben, dass es eine Freude ist, den Ereignissen zu folgen.
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FAZIT
Dieses Kleinod sollte sich niemand entgehen lassen. Es ist eine liebevolle Umsetzung der Originalwerke und bereichert dieses durch Interaktion und Animation. Das Abenteuer ist bedauerlicherweise etwas kurz geraten, denn ich hätte gerne sehr viel mehr Zeit im Maschinenraum namens "menschlichen Körper" verbracht.
Simon Singleplayer: 79%

Verfasst von Simon am 13.04.2019,
bemustert durch ICO Partners
für bis zu 1 Person/en
Release am 25.04.2019