Cover: Jack N' Jill DXJack N' Jill DX ist ein Titel, der genauso auf dem GameBoy hätte erscheinen können. Er ist vollständig schwarz-weiss, mit einigen wenigen Grauton-Sprenkeln, die Spielfigur ist irgendwo zwischen Pac-Man und Kirby und überhaupt lebt dieser Titel von seiner Idee, nicht von Effekten oder Story. Und genau das will er ja auch!

Begrüßt werden wir von Jill, die zu Jack möchte. Sie erklärt uns, er müsse hier ganz in der Nähe sein und wenn wir jetzt A drücken, würde sie von ganz allein durch den Level laufen. Wir drücken und sie bewegt sich tatsächlich ganz allein vorwärts und gelangt kurz darauf schließlich zu Jack. Im zweiten Level müssen wir erneut zu Jack gelangen und ab und zu springen - indem wir im richtigen Moment A drücken. So kommen nach und nach immer mehr Elemente hinzu und es erwarten uns Stacheln, Trampoline, Gegner, Wandsprünge, wegbrechende Plattformen und sogar diverse Items. Und stoßen wir an eine Wand, drehen wir uns automatisch um 180° und laufen in die entgegengesetzte Richtung weiter...Doch im Kern bleibt Jack N' Jill DX stets ein Jump 'n Run. Mit dem einzigen Unterschied zu Mario, Sonic und Co., dass wir lediglich einen einzigen Button benötigen: A. Zum Loslaufen und Springen.

Es gibt auch keinerlei Zeitlimit oder irgendein Wertungssystem, das unsere Leistung kategorisiert. Wir spielen als entweder Jack oder Jill und müssen zum jeweiligen Levelende gelangen, wo Jill oder eben Jack auf uns warten. Dabei werden die Level in angenehmen Tempo immer schwerer und schwerer. Die Komplexität des Gameplays bleibt immer relativ niedrig und erklärt neue Elemente immer zuerst durch eine kleine Texteinblendung und ein bis zwei folgende Beispiellevel, doch stets mit dem richtigen Timing zu springen, beziehungsweise abzuspringen, ist echt eine Herausforderung.
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Einerseits, weil man ja immer nur einen Aufschnitt des aktuellen Levels sieht, als man nicht lange im Voraus weiss, was als nächtes kommt, sodass man sich den Levelverlauf oft erst durch Trial and Error erschließen muss, denn - andererseits! -, fällt man in die Tiefe, rennt in einen Gegner oder sowas, und fängt man im aktuellen Level ganz von vorn an. Richtig, es gibt keine Checkpoints. Die Level sind zwar alle nicht sonderlich riesig, aber zwischen 30 bis 60 Sekunden dauern die allermeisten. Und wenn man schon 20 Sekunden mittendrin ist - denn man kann ja niemals stehen bleiben! -, gerade eine kniffliege Passage hinter sich ließ, dann dummerweise ein virtuelles Leben lässt und nun alles neu machen muss, also, das ist schon eine kleine Strafe. :)
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Allerdings könnte die Kollisionsabfrage ein wenig genauer sein. Da wir uns ohne Unterlass vorwärts bewegen und das Einzige, das wir tun können, aufzupassen und zur rechten Zeit den A-Button zu betätigen, ist es umso ärgerlicher, wenn ein Sprung nicht klappt, also man nicht nah an der Kante abspringt, sondern in die Schlucht rauscht, oder man um 2 Pixel zu früh oder spät abspringt und man darum nicht die Plattform auf der gegenüberliegen Seite erwischt, sondern daran vorbeifällt. So dann und wann lebte ich virtuell ab und war mir absolut sicher, dass ich den Button ordnungsgemäß drückte, aber das Spiel zu penibel auf den korrekten Moment pocht. Kurz: Der Spielraum für Fehlertoleranzen und Reaktionsvermögen könnte um eine Winzigkeit angepasst werden.
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Technisch ist Jack N' Jill DX so basisch, wie es basischer gar nicht mehr geht. Ein Button für alles, dazu lediglich Schwarz, Weiss und ein paar Grautöne, nebst Musik auf Leicht-über-GameBoy-Niveau. Doch gelingt es dem Titel, beim Spielen eine heitere Note zu vermitteln. Die Melodien sind fröhlich, die Grafik, so simpel sie ist, so gut ist alles zu erkennen und deutlich von einander zu unterscheiden, und das Gameplay ist trotz des oberen Drittels angesiedelten Schwierigkeitsgrads und einer manchmal zickigen Kolisionsabfrage motivierend genug, dass man nie die Lust am Weiterspielen und Neuversuchen verliert.
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Der Umfang ist überdies sehr entgegenkommend, denn 140 Level sorgen dafür, dass man nicht an einem langen Nachmittag schon fertig werden kann. Andererseits gibt es keinerlei Wiederspielwert. Zwar sind Münzen in den Leveln, die man unterwegs einsammeln kann, aber letztlich schaltet man damit nur ein paar Bonusaufgaben frei, durch die man Tickets verdienen kann, welche ihrerseits wiederum Kopfschmuck für Jill und Jack freischalten. So sind die Bonusaufgaben an und für sich ganz nett gemacht - wie etwa in einem Ein-Bildschirm-Level möglichst lange hin- und herzuwandern und zu springen, ohne in irgendwas schädliches zu flitzen, das ständig hier und dort an zufällig auftaucht, nur sind diese Aufgabe nichts, in irgendeiner Weise tatsächlich unterhaltsam wäre. Doch für den Preis von schlappen 4,99€ ist es zu verschmerzen, dass man alle Level und Bonusaufgaben wahrscheinlich nicht mehr beachtet, sobald sie einmal erfolgreich absolviert wurden.
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FAZIT
Jack N' Jill DX ein simpel gehaltener, aber fordernder und spaßiger Autorunner-Timing-Jumper. Der Umfang ist klasse, der Wiederspielwert zwar nicht, doch bei DEM Preis ist das zum Einmal-komplett-Durchspielen schon in Ordnung.
Jörg Singleplayer: 75%

Verfasst von Jörg am 30.09.2018,
bemustert durch Ratalaika Games
für bis zu 1 Person/en
Release am 26.09.2018