Cover: One Piece Unlimited World Red - Deluxe EditionOne Piece ist so eine Sache, die völlig an mir vorüber ging. Ich hab natürlich schon mal davon gehört, aber ich weiss eigentlich nur, dass es um Piraten geht, die nach irgendwas besonderem suchen - und zwar seit mehreren hundert TV-Episoden... Aber wie dem auch sei, ich rezensiere jetzt trotzdem mal One Piece Unlimited World Red - Deluxe Edition für die Switch.

...und es stellt sich heraus, dass es nicht zwingend erforderlich ist, One Piece zu kennen, um dieses Spiel spielen zu können. Zugegeben, die gesamte Vorgeschichte zu kennen, würde sicherlich ein paar Infolöcher hier und dort im Spielverlauf stopfen, aber auch ohne dieses Wissen kam ich gut zurecht.

Es beginnt mit einer Introsequenz, die uns die Strohhutbande ein wenig näherbringt und erklärt, was der Grund für dieses Abenteuer ist: Unsere Helden bekommen es mit Red, auch genannt Der rote Graf, zu tun. Red wird als ruchloser Gegner geschildert, der schon so einige Piraten besiegte. Doch bevor es dazu kommt, finden wir uns nach dem Intro erstmal an Land wieder. Nami verteilt Aufgaben an alle, um die Schiffsvorräte aufzufüllen. Also werden Nahrungsmittel, Medizin und was sonst noch alles notwendig sein könnte, benötigt. Nur Ruffy enthält sich - er will sich ein wenig umsehen.
Screenshot Screenshot
Nun werden uns ein paar kleine Dialogtäfelchen eingeblendet, die uns die Steuerung näherbringen. Während unserer Erkundung entdecken wir zwei auf Krawall gebürstete Gestalten, die nach der Mafiamethode Geld eintreiben wollen, oder das Gasthaus würde demoliert werden. Das können wir natürlich nicht zulassen, weshalb wir unseren ersten von vielen Kämpfen kämpfen; garniert mit ein paar Dialogen, die uns die Buttonbelegung darbieten. Die besteht allerdings nur aus zwei Buttons, die wir in diversen Kombinationen drücken können, um diese oder jene Schlagkombination vom Stapel zu lassen.
Screenshot Screenshot
Bereits hier wird deutlich, dass das Kampf-Gameplay stark an Spiele angelehnt ist, wie die Dynasty-Warriors-Reihe es salonfähig machte - und das den Nintendoaffinen unter uns sicher aus Hyrule Warriors (oder bald auch Fire Emblem Warriors) bekannt ist. Im Grunde genommen werden also immer dieselben zwei Buttons gedrückt, während eine Spezialleiste sich füllt - ist sie voll, können wir eine Spezialattacke ausführen. Die macht zwar ordentlich Schaden, lockert aber das Kampf-Gameplay nicht einmal optisch durch seine Grafikeffekte auf. Außerdem gehen die Gegner alle paar Treffer zu Boden, bleiben ein paar Augenblicke liegen, stehen auf, kassieren von uns Schläge, gehen zu Boden, bleiben liegen... Das kann man durchaus als nervtötend bezeichnen.
Screenshot Screenshot
Die beiden Rüpel haben natürlich keine Chance, werden ein paar Mal mühelos die Bretter geschickt und sind nach etwa 20 Sekunden erledigt. Als Dank gewährt uns die Gasthausbesitzerin Zugang zu ihrem Gasthaus und gestattet uns, den Spielfortschritt zu speichern. Gerade will sie uns noch weitere Möglichkeiten erklären, als Pato angerannt kommt. Alle wurden entführt, einfach alle... Wir machen uns gemeinsam mit Pato sofort auf den Weg, als ein Ladebildschirm unsere Schritte unterbricht, Kapitel 1 startet und wir erstmal ohne weitere Erklärung gegen einen großen Drachen kämpfen müssen...
Screenshot Screenshot
Auch hier gibt es einige Dialogtäfelchen, die verraten, dass es wichtig ist auf den Gegner zu achten und im rechten Moment seinem Angriff auszuweichen, um ihn dann anzugreifen. Wir buttonmashen uns also durch Kampf, irgendwann ist der Drache besiegt und wir laufen fortan von A nach B nach C, tragen Kampf um Kampf aus, und prügeln uns durch ein Kapitel nach dem anderen. Immer wieder unterbrochen von plötzlichen Ladebildschirmen oder Zwischensequenzen - aber das war im Wesentlichen bereits das Kampf-Gameplay von One Piece Unlimited World Red - Deluxe Edition.
Screenshot Screenshot
Zu zweit spielen kann man übrigens auch; allerdings "nur" im Offline-Splitscreen-Co-op. Der ist an sich ok und kann zu fast jeder Zeit über das Menp aktiviert oder deaktiviert werden, ändert aber nichts am mononen Kampf-Gameplay - obwohl die Klopperei zu zweit ein wenig unterhaltsamer ist als ganz allein. Dennoch wird das Kampf-Gameplay dadurch nicht nennenswert aufgelockert.
Screenshot Screenshot
ERWEITERN
Doch schrieb ich jetzt die ganze Zeit von "Kampf-Gameplay", und zwar, weil es noch eine weitere Komponente in One Piece Unlimited World Red - Deluxe Edition gibt, welche die gesamte Spielerfahrung ausmacht: Das Erweitern der Stadt. Die Stadt zu erweitern ist an und für sich simpel gestaltet und kein wirklich tragendes Element im Spielverlauf, aber doch präsent genug, um ausreichend beachtet werden zu müssen. Immer, wenn wir im Gasthaus sind, können wir etwas bauen oder ausbauen. So können zum Beispiel Fabrik erstellt oder ein Gemischtwarenladen eröffnet werden. Hierfür ist aber nicht notwendig, ein bestimmtes Grundstück zu suchen und dann das Gebäude zu platzieren. Wir wählen lediglich den zugehörigen Menüpunkt aus, also etwa "Gemischtwarenladen eröffnen" und das war's. Ab sofort ist auf der Minimap auch unser neuer Laden zu sehen. Allerdings ist hierfür notwendig, das Land rund um die Stadt zu entwickeln (mit anderen Worten: bislang unzugängliche Bereiche werden zugänglich).
Screenshot Screenshot
Um aber überhaupt irgendwas bauen oder erweitern zu können, sind Materialien notwendig. Viele können wir auf unserem Weg durch die Areale aufsammeln, in dem wir Gegner besiegen, Büsche absäbeln und dergleichen, so finden wir Dinge wie Holzblöcke, Gold, Äpfel oder Blumennektar. Andere Materialien müssen aber auch erst gekauft oder hergestellt lassen werden. Das machen wir in Läden und Stätten, wie Fabriken. Um also einen oft benötigten Großen Holzblock zu erhalten, braucht es normale Holzblöcke und Gold; hiermit gehen wir zur Fabrik - und e voila, da ist der Große Holzeblock. Die Krux an der Sache ist, dass wir so manches Mal bereits erledigte Areale wieder und wieder besuchen müssen, um dort nach Materialien zu suchen.
Screenshot Screenshot
Jetzt entwickelt sich also nach und nach unsere Stadt, wodurch wir mehr Möglichkeiten erhalten, die Stadt abermals weiterzuentwickeln. Aber vor allem können wir neuen Leuten begegnen, die uns etwa weitere Quests bescheren oder vielleicht auch mal einen Tipp für uns parat haben.
Screenshot Screenshot
TECHNIK
Grafisch geht One Piece Unlimited World Red - Deluxe Edition in Ordnung. Natürlich merkt man dem Titel an, dass er schon 2014 optisch nicht gerade top-notch war, zu der Zeit erschien er unter anderem für Wii U und PlayStation 3, aber trotzdem ist der Artstyle durchaus ansehnlich. Könnte allerdings ein paar mehr Details vertragen.
Screenshot Screenshot
Die Musik ist eigentlich sehr schön; tolle orchestrale Untermalung, die im Hintergrund bleibt. Nur hört man nicht allzu davon, weil man die meiste Zeit nur Kampfgeräusche hört, die alles übertönen: Klatschgeräusche, "Hiiiijaaaa"-Schreie, Explosionen, Fässer zerbersten.. So geht das praktisch die gesamte Zeit. Der Großteil der Charakterdialoge ist auf Japanisch zu hören - und auf Deutsch untertitelt. Das unterstreicht den Japano-Charakter dieser Anime-Serie sehr gut, kann aber während der Kämpfe bisweilen sehr nerven, weil zum Beispiel Pato beim Kampf mit dem Drachen andauernd dieselben zwei, drei Sätze sagt - und irgendwann wünscht man sich nur noch, er möge bitte für immer den Mund halten.
Screenshot Screenshot
Die Steuerung ist simpel und geht gut von den Fingern - das mag dem ebenfalls simplen Kampf-Gameplay zuträglich sein, aber das permanente Rumgemashe auf zwei, drei Buttons kann bisweilen ziemlich langweilen. Hinzu kommt, dass wir im Laufe der Zeit die entführten Charaktere in unser Roster zurückholen und somit spielbar werden. Leider nur spielen sich alle Charaktere sehr gleich und die jeweilige Spezialattacke ist somit der einzige Unterschied.
Screenshot Screenshot
Der Beititel "Deluxe Edition" bezieht sich darauf, dass alle DLCs, die damals bei der Nicht-Deluxe-Version zu erstehen waren, hier direkt enthalten sind. Das aber ist kein wirklicher Grund zur Freude, denn die DLCs sind nichts anderes als Bonusoutfits für die spielbaren Charaktere und ein paar Zusatzquests, die die Spielzeit nicht nennenswert strecken, geschweigedenn varrieren. Dennoch spricht natürlich auch nichts dagegen, diese DLCs nun direkt greifbar zu haben.
Screenshot Screenshot
Die nackte Spielzeit für das Hauptabenteuer beläuft sich auf 10-12 Stunden, ohne dass man zu sehr trödelt oder man sich zu sehr beeilt. Wer allerdings restlos alles erledigt und erweitert und erkundet haben will, kommt auf 60-70 Stunden.
Screenshot Screenshot
FAZIT
One Piece Unlimited World Red - Deluxe Edition kann man spielen, muss man aber nicht. Grafisch finde ich den Titel trotz seines sichtbaren Alters sehr ansprechend, aber das Kampf-Gameplay ist mir zu dünn und repetitiv, um damit mehrere Dutzend Stunden zu verbringen; Stadterweiterungsmechaniken hin oder her, denn die fordern einerseits, dass man oft länger nach Materialien in bereits besuchten Arealen Ausschau halten muss, werden aber andererseits durch simple Befehle und Kontextmenüs ausgewählt, was schlicht unbefriedigend ist.
Screenshot Screenshot
Darum meine Empfehlung: Fans dürfen für die eine oder andere halbwegs spaßige Co-op-Prügelei zugreifen - sollten aber vorher sicher sein, dass der Titel mittlerweile zum Budgetpreis verfügbar geworden ist.
Jörg Singleplayer: 59%
Multiplayer: 65%


Verfasst von Jörg am 07.10.2017,
bemustert durch Bandai Namco
für bis zu 2 Person/en
Release am 28.09.2017