Cover: Shovel Knight: King of CardsMit Shovel Knight: King of Cards steht ein weiterer Ableger der Shovel Knight-Reihe auf der Matte. Und wer den Haupttitel oder beispielsweise auch Specter of Torment kennt, weiß genau, was man hier erwarten kann: Ein Jump'n Run der Extraklasse, gespickt mit Actionelementen, im guten, alten 8-Bit-Retrocharme.

Das heißt, auch Shovel Knight: King of Cards basiert auf derselben Engine wie der Serien-Urvater und spielt sich einerseits ähnlich und andererseits doch anders. Dieses Mal ist King Knight der Protagonist des Abenteuers. Seine Spezialität ist der Umgang mit seinem Zepter. Der für Jumper übliche Sprung ist natürlich gegeben, seine andere Basisaktion ist allerdings der Vorwärts-Dash, der zum Beispiel Gestein porös machen oder zerstören, aber auch Gegnern Schaden zufügen kann. Der Kniff ist, dass King Knight sich bei einer Dash-Kollision aufwärts schwingt und anschließend zu drehen beginnt.

Diese Phase dauert solange, bis King Knight wieder Boden berührt. Währenddessen kann er von vielen Dingen in der Umgebung oder eben Gegnern abspringen und nun die Drehphase verlängern oder einen weiteren Dash ausführen. Diese Mechanik zu meistern benötigt ein wenig Geschick und Übung, doch gibt es eine kleine Handvoll Passagen zu Beginn des Spiels, die eben jenes Element auf verständlichem Niveau abverlangen. Später kommt sogar noch eine Rollattack aus dem Dash heraus hinzu.
Screenshot Screenshot
Das Team bei Yacht Club verstand es hervorragend, massig Dash-Situationen in die Levelstrukturen zu implementieren, ohne, dass diese wie unnötiges Beiwerk wirken. Im Gegenteil, viele solcher Momente sind bisweilen nicht einmal ersichtlich, sodass man einen Level erstmal nur so durchspielt und dann bemerkt: "Moment mal, wenn ich dort oben mal soundso, dann könnte doch... hmm..." Und tatsächlich, Mitdenken und Ausprobieren wird belohnt. Mit kleinen Loots am Rande, mit Weggabelungen oder Ankürzungen, aber auch dem befriedigenden Gefühl, dass man gerade einen coolen Geisterblitz hatte, welcher dann auch noch versilbert wurde - weshalb man zukünftig noch mehr die Augen nach günstigen Gelegenheiten offenhält. Allerdings hat dies einen Preis: Shovel Knight: King of Cards ist nichts für ungeübte Naturen. Man sollte schon einige Jump'n-Run-Erfahrung mitbringen, behände mit dem Controller umgehen können und muss hin und wieder auch mal von seiner eigenen Frustresistenz Gebrauch machen, denn Shovel Knight: King of Cards ist mindestens am Anfang des oberen Drittels der Schwierigkeitsgrad-Skala wiederzufinden.
Screenshot Screenshot
Ein Shovel-Knight-Spiel wäre allerdings kein Shovel-Knight-Spiel, wenn es nicht noch ohne Ende Kram am Rande mitbrächte. Das Hauptabenteuer wartet mit einer Nettospielzeit von etwa 6-8 Stunden auf - netto, wohlgemerkt! Fehlversuche nicht eingerechnet! Wer aber einen makellosen 100%-Spielstand vorweisen können will, hat einiges zu tun. Es gibt Orden zu finden, Gold und Edelsteine zu mehren - die auf verschiedene Arten und Weisen für dieses oder jene Power-up investiert werden können -, und unter anderem auch eine Spielkartensammlung aufzubauen.
Screenshot Screenshot
Ganz recht! Spielkarten! In Shovel Knight: King of Cards wurde gewissermaßen ein weiteres Spiel eingeflochten, das Tjost genannt wird und in diversen Gasthäusern gespielt wird (nein, Tjost hat nichts mit dem Ritterturnier aus dem Mittelalter zu tun!). Alle Regeln von Tjost hier zu erklären, würde den Rahmen sprengen, aber es geht im Wesentlichen darum, aus all seinen Karten ein möglichst optimales Deck zu erstellen, das in einer Tjost-Partie zum Einsatz kommen soll. Auf einem 3x3-Spielfeld liegen nun 1, 2 oder 3 grüne Edelsteine. Wer alle oder wenigstens die meisten Edelsteine bei Partieende ergattern konnte, weil jeweils die eigenen Karten darunter liegen, hat gewonnen und bekommt Orden und/oder Geld, aber auch eine während der Parte ausgespielten Karten des Gegners in seine Kartensammlung. Karten haben immer vier Seiten und an einer, zwei oder drei ihren Seiten befinden sich Pfeile.
Screenshot Screenshot
Als Faustregel gilt: Je mehr Pfeile eine Karte hat, desto schwerer ist es für den Gegner, diese Karte aus dem Weg zu schieben - und sie dabei möglichst nicht unter einen der Edelsteine zu bewegen. Für den Sieg ist also einiges an Taktik notwendig - einfach nur blind loslegen und irgendwas irgendwo platzieren, führt höchstens bei ganz einfachen Gegnern zum Sieg. Zuallererst war ich verwirrt, verstand nicht gleich alle Feinheiten und fand Tjost einfach nur doof und die CPU unfair. Doch je mehr ich begriff, desto mehr vernachlässigte ich auch mal das eigentliche Abenteuer und spielte stattdessen eine Partie Tjost nach der anderen.
Screenshot Screenshot
FAZIT
Shovel Knight: King of Cards ist ein Muss für Freunde und Freundinnen des Jump'n-Run-Genres, so, wie eigentlich alle anderen Titel der Shovel-Knight-Serie ebenfalls. Und das bedeutet: Ansprechende 8-Bit-Grafik, dazu ein passender 8-Bit-Soundtrack, wunderbare Spielbarkeit, aber auch ein reichlich fordernder Schwierigkeitsgrad.
Jörg Singleplayer: 89%

Verfasst von Jörg am 17.12.2019,
bemustert durch PopAgenda
für bis zu 1 Person/en
Release am 10.12.2019