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Funky Barn

Nintendo Wii U

Funky Barn, Covermotiv/Artwork
Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG Wii U GamePad
Releasedate: 30.11.2012, Preis: ca. 45-50€, 1 Spieler/in
WON'T YOU TAKE ME TO... FUNKY BAAARN
Diese leicht veränderte Textzeile eines bekannten Songs kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an das Game denke! :) Doch ich muss gestehen, keine allzu hohen Erwartungen gehabt zu haben. Ich rechnete mit einer schmälichen Minispiel-Party-Sammlung, die nach nicht mal 2 Stunden schon wieder total öde geworden ist. "Funky Barn", zu Deutsch in etwa "Irre Scheune", das klingt einfach schon so aufgesetzt fröhlich und partymäßig...
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Tja... Irren ist menschlich - nix ist mit Minispielen! Funky Barn ist eine Bauernhof-Simulation. Wer sich das Ganze nochmals genauer vorstellen können will, denke einfach an Harvest Moon, aber ohne das ganze soziale Gewese drumherum, mit Heiraten und Dorffesten und allem. Oder man könnte auch sagen, Funky Barn ist im Grunde wie SimCity, nur, dass man keine Stadt und seine Bürger aufbaut und hegt, sondern eine Farm mit all ihren Tieren.
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Eine nette Idee - und darum das "Funky" im Titel! - ist allerdings, dass das Spiel trotz aller Ländlichkeit einige Hightech-Spielereien einbaute, statt Traktoren, Pflüge und Mistgabeln. So gibt es mechanische Erntehelfer, die sogar fliegen können, es gibt mechanische auf Beinen laufende Eieraufsammler, die die Eier auch auf größere Distanz sozusagen "ansaugen", es gibt vollautomatische Scherautomaten (für Wolle), etc. Und nicht nur Füchse wollen ab und zu ein Huhn oder ein Schaf, sondern es kommen auch mal UFOs und entführen eines eurer Schützlinge. So wird die Realität ein wenig abstrakt gestaltet, allerdings auf eine Weise, bei der man nicht die "Das ist total unlogisch, normalerweise müsste..."-Keule schwingt.
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Man könnte viel eher sagen, dass Funky Barn absichtlich ein wenig schräg im Stil gehalten ist, ohne aber lächerlich oder krampfhaft witzig sein zu wollen. Der comichafte, etwas kuriose Look, kombiniert mit dem Anspruch einer Bauernhof-Simulation ist sogar in der Tat gelungen.
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ABGESTECKT
Nach dem Start werde ich begrüßt. Ich bin Farmer auf meiner nagelneuen Farm - natürlich besteht sie momentan nur aus Einöde. Ich soll meinen Namen eingeben, und auch den der Farm. Das erste Tier erscheint, ein Hühnerküken, und mir wird erklärt, dass ich es - per Touchscreen - streicheln soll, damit es sich gleich wohl fühlt. Dann wird mir nähergebracht, wie die Steuerung funktioniert, dass ich dem Küken Futter und Wasser geben muss, indem ich Tröge baue. Bald darauf habe ich einen Hühnerstall errichtet, die ersten Zäune ebenfalls und natürlich habe ich nach wenigen Minuten bereits mehr als nur ein Huhn...
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2 STUNDEN
2 Stunden später habe ich ein bereits riesiges Gelände abgesteckt. Dort die Hühner, dahinten die Gänse, dort drüben die Schafe, direkt neben den Kühen... Alles hat seine Tröge und Ställe - und natürlich musste ich Bäume und Blumen pflanzen, denn wenn die Tiere nicht zufrieden sind, dann verlassen sie meine Farm. Da sich immer mal wieder ein Fuchs blicken lässt, habe ich hier und da eine Hundehütte platziert, nebst Hunde, die den ungewollten Gast sofort vertreiben.
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Ich wurde schon dreimal von Tornados und einmal von einem Gewitter heimgesucht. Mehrere Zäune wurden deshalb bereits neuerrichtet, elendes Mistwetter! Aber ich habe mir ein passables Sümmchen zusammengerafft, sodass die Extraausgaben zwar ärgerlich, doch verschmerzbar sind. Doch die Kohle ist nicht nur, um einfach eine dicke Geldbörse zu haben, sondern sie muss wieder investiert werden. Denn der Hof wächst - und mit ihm seine Aufgaben. Längst hätte ich viel zu viel zu tun, wenn ich selbst alle Eier einsammeln, literweise Milch melken, Wolle scheren, Obst und Getreide ernten und und und erledigen müsste.
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Also muss ich Maschinen kaufen, die - wir erinnern uns an das "Funky" im Titel -, auf ihre Weise ihren Zweck erfüllen. Die Apparaturen bewegen sich von allein über den Hof, solange für sie gesonderte Wege bereitstehen, auf denen sie wandeln können. Und das ist wichtig, denn die Erzeugnisse müssen in den großen Sammeltrichter, der genau in der Mitte meiner Farm ist. Erst, wenn die Maschinen die gesammelten Güter dort hineingaben, klingelt die Kasse. Doch da jede Maschine oft nur für eines oder zwei Güter zuständig ist, flitzen nun bereits knapp 10 Helferlein über mein Grund und Boden. Auch für sie wird all das bald zu viel, sodass ich sie aufrüsten muss, damit sie schneller werden und mehr Güter auf einmal transportieren können, oder ich baue weitere. Was natürlich ganz schön ins Geld geht. So schnell, wie die man sich anfangs über seine ersten 1000 Gold freut, so schnell staunt man, was Ställe, Zäune, Pflanzen, Maschinen und all ihre Aufwertungen kosten.
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4 STUNDEN
4 Stunden später habe ich mehr und mehr und mehr erreicht - und ich bin überrascht von der Komplexität und den Dingen, auf die man zu achten hat, ohne, dass man jemals zu viel zu tun und deshalb keinen Überblick mehr auch schlicht keinen Bock mehr hätte: Gebäude erbauen, Gebäude ausbauen, die Ernte einholen, um die Tiere kümmern, den Hof wetterfest machen, weitere Maschinen kaufen, die das Drumherum etwas vereinfachen, damit man seine Nerven schonen und sich anderen Aufgaben widmen kann.
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Und jedes Mal, wenn man etwas Neues bauen kann oder erlernt hat, hatte man kurz zuvor bereits bekannte Prozesse irgendwie automatisiert, nur ab und zu muss man die Wasser- oder Futterbestände auffüllen, oder mal ein gestraucheltes Huhn aus dem See retten. Es kommt auch mal ein Tornado vorbei, reisst ein paar Zäune um oder einige Maschinen gehen unerwartet zu Bruch, was dann ersetzt oder repariert werden muss. Aber immer noch expandiere ich, stecke neues Gelände ab, und habe bereits auch Schweine, Alpakas, Büffel und Gänse. Ich musste sogar schon Wassertürme bauen, denn ohne die wird das Land nicht fruchtbar - und auch nicht bebaubar, was bedeutet, man kann nicht dorthin expandieren.
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6 STUNDEN
Nach nun etwas mehr als 6 Stunden bin ich voll mittendrin, nichts ist mir mehr fremd, und auch, wenn hier und da noch neue Gebäude, Pflanzen, Maschinen oder Tiergattungen ihren Weg ins Gameplay finden, ist das nichts, was noch großartig Aufmerksamkeit erfordert. Das ist einerseits gut, andererseits schade.
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Denn obwohl nach wie vor immer noch einige neue Dinge hinzukommen und ich weitere Wege, Maschinen, Ställe, Tröge und dergleichen erbauen und ausbauen muss, läuft die Farm mittlerweile beinahe schon ohne mich. Füchse lassen sich nicht mehr blicken, und Tornados oder andere Unwetter werden von Wetterkontroll-Ballons im Nu aufgelöst. Was mich vorher also ein wenig Zeit und Geld für den Wiederaufbau kostete, kostet mich nun nicht mal mehr Aufmerksamkeit. Weil all diese Mechanismen, sobald sie gebaut wurden, vollautomatisch sind und bei Bedarf direkt eingreifen.
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Ich habe schon eine ganzen Haufen Geld durch Aufträge von Farmen aus der Nachbarschaft gescheffelt. Mal will jemand 15 Ballen Wolle, oder 20 Eier, oder sowas. Und nicht nur liefere ich immer, ich liefere auch noch weit schneller, als gefordert, was einen fetten Bonusbetrag auf die Zahlung bedeutet. Würde ich einfach nur so 20 Eier produzieren, wären das 1100 Gold (55 Gold pro Ei), aber durch den Auftrag mit Bonus und so werden es gern mal 3500 oder mehr. So ist es einerseits natürlich super, wenn man so schön absahnen kann, doch andererseits hat man den Großteil der Farm eh schon automatisiert, sodass das Geld mehr oder weniger von allein eintrudelt und man dabei zugucken kann - und wenn man dann bei solchen Aufträgen nochmal zusätzlich die dicke Kohle einstreicht, denn führt das dazu, dass man sich nach und nach weniger herausgefordert fühlt.
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10 STUNDEN
Nach nun insgesamt schon 10 Stunden mit meiner Farm, stelle ich fest, dass ich selbst kaum noch gefordert werde. 95% aller Dinge funktionieren von ganz allein. Außerdem schauten schon seit Stunden keine Füchse oder UFOs mehr vorbei; selbiges gilt für Unwetter. Alles wird vollautomatisch abgewehrt. Sogar Zäune kann ich bereits viel stabiliere bauen; die anfänglichen Holzlatten sind nun soliden Steinen gewichen. Deshalb tue ich eigentlich nichts anderes mehr, als ab und zu die Wasser- und Futtertröge nachzufüllen, oder mal einen neuen Baum zu pflanzen, weil die Schafe sich das wünschen. Manchmal repariere ich auch noch eine der Maschinen, aber alles in allem ist meine gesamte Farm ein reiner Selbstläufer, während der Geldzähler für keine 15 Sekunden stillsteht und permanent ein "Ka-Ching" zu hören ist.
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Doch was soll ich mit all dem Geld? Wofür soll ich es noch ausgeben? Ich könnte hier ein paar Zäune abreissen und dort hinstellen, ich könnte da drüben einige Zubringerpfade etwas versetzen, oder die Hühnerställe da hinten wegeffizienter positionieren, oder irgendsowas. Doch wozu? Selbst mit diesen kleinen Optimierungen brächte das nichts Neues mehr - meine Farm wäre ein wenig hübscher, ein wenig profitabler. Doch wozu? Es gibt keine Gefahren mehr für mich, nichts, was mich und meine Farm aus dem Konzept brächte.
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15 STUNDEN
15 Stunden! Ich kann nun nicht mehr expandieren, das anfänglich kahle Gebiet ist eine große, gut geölte Maschinerie geworden. All das Geld, es ist einfach viel zu viel geworden, und bringt mir nichts mehr. Ich kann es weder in irgendwas investieren, noch sinnvoll ausgeben. Das Farmgebiet ist vollständig erschlossen und viel mehr lässt sich nicht optimieren. Alles ist bis auf's Maximum ausgebaut, der Platz so gut wie perfekt genutzt, und die paar Kröten für Reparaturen zahle ich müde lächelnd aus der Portokasse.
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Obwohl mir das Spiel eigentlich immer noch Spaß macht, fehlt mir dennoch die Lust am Weiterspielen. Was soll ich jetzt noch erreichen? Es ist alles erreicht, und meine Farm bringt mir pro Viertelstunde so viel Kohle ein, das erwirtschaften echte Landwirte nicht mal in einer Woche. Funky Barn bietet zu viele Automatismen und für jede Unliebsamkeit gibt es irgendeinen kaufbaren Schutz, der jeweils von allein eingreift, wenn es notwendig ist. Nicht zu vergessen, dass das Spiel mir keine neuen Inhalte bietet. Ich habe nach gut 15 Stunden den gesamten Pool des Möglichen zur Verfügung und trotz des tollen Spielkonzeptes und der netten Atmosphäre, gucke ich eigentlich nur noch zu, wie das Spiel sich quasi selbst spielt.
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EINE WUCHT
...da fiel mir ein, dass es ja noch einen zweiten Spielmodus gibt. Ich bekomme 3 Aufgaben und jeweils ein 20-Minuten-Zeitlimit. Bei allen drei Aufgaben muss ich je eine Farm wieder auf Trab bringen. Gebäude reparieren, Zubringerpfade wieder verbinden, Tröge füllen. Wobei das Spielkonzept hier genau dasselbe wie im Hauptspiel ist - mit Ausnahme des Zeitlimits. Aber sind 20 Minuten nicht viel zu wenig für ein solches Unterfangen? Leider nein! Nach jeweils ca. 8-10 Minuten habe ich das geschafft. Für drei angeblich total heruntergekommende Kaschemmen habe ich keine 30 Minuten gebraucht, um den Rubel rollen zu lassen.
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Und das bringt mich ins Grübeln! Wieso haben die Entwickler nicht einfach ein paar Dutzend Missionen ins Spiel integriert, die hübsch umfangreich sind? Zum Beispiel eine Hühnerfarm, oder Obstplantage, oder so, errichten, und dabei 70% des Spielfeldes in 5 Stunden erschlossen haben, oder irgendsowas. Nicht zu vergessen, dass Budget und Zeit immer schön knapp im Nacken säßen. Das hätte nett werden können.
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Super wäre Funky Barn auch als Multiplayer-Online-Game, also mit benachbarten Farmen, konkurrierenden Preisen, stets steigenden Kosten für den Unterhalt der Farm, nicht regulierbaren Wetterverhältnissen und vielleicht auch Extrakosten durch anfallende Steuern, oder sowas, sodass man immer gefordert wäre. Oder man schiebt sich gegenseitig Aufträge zu, oder man müsste versuchen, innerhalb von X Stunden die profitabelste Farm errichtet zu haben. Oder man spielt kooperativ, oder sowas. DANN wäre Funky Barn für viele, viele Stunden eine Wucht.
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FAZIT
Bis zu dem Punkt, wo man wirklich alles erreicht haben wird, kommt Funky Barn absolut klasse rüber - ich hatte tatsächlich eine Wertung von 85% oder mehr im Sinn (jawohl, dieser Part ist SO gut!). Es fordert immer genau richtig - nie zu viel, nie zu wenig! -, die Lern- und Motivationskurven sind optimal, die Steuerung geht toll von den Fingern, Grafik und Sound sind voll in Ordnung - wenn auch weit unter HD-Standards! -, nichts ruckelt, nicht zuckelt, keine Bugs, einfach ein tolles Spielerlebnis. Doch da man später jede Menge Knete hat, ab da dann so gut wie alles von allein läuft, ist das in etwa so, als spiele man eine Partie Tetris, bei der nach 20 Minuten nur noch die langen, geraden Teile kommen. Und das langt für einen Vollpreistitel einfach nicht.
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Bitte, liebe 505er-Entwickler/innen, bringt einen 2. Teil, bei dem man nicht nach wenigen Stunden an einem Punkt angelangen kann, bei dem ein Weiterspielen schlicht unnötig geworden ist. Das Konzept ist super, die Steuerung, ebenso die Gameplay-Engine, auch die Mischung aus Forderung und Motivation ist es. Das langt für einen Nachfolger, der ein sinnvolles, kontinuierliches Spielen, mit Unwillen wie Tornados oder Konkurrenten, die die Preise drücken, bietet. Please, 505 Games, make it happen!

TheUnknown *, 13.047 Zeichen, veröffentlicht am 03.08.2013 •
Singleplayer: 62%

Für die Bemusterung bedanke ich mich bei 505 Games
Der Text und dessen beinhaltende Bewertung für dieses Produkt sind nicht stellvertretend repräsentativ für die Redaktion von "Eyes on Nintendo", sondern einzig repräsentativ für die Meinung des/der Verfassers/Verfasserin!

Die "Spielspaß in Prozent"-Wertung resultiert nicht aus einer mathematischen Gleichung heraus, sondern sie steht einzig für den subjektiv empfundenen "Spaß beim Spielen" des/der Verfassers/Verfasserin (sofern nicht anders im Reviewtext erwähnt) und ist darüber hinaus auch als eine ungefähre Vergleichsmöglichkeit zu anderen Spielen zu verstehen.
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Bilder

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