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E3 - ein Relikt der Vergangenheit?

Kolumne vom 05.05.2019, 18:29

"Weihnachten für Gamer" - so wurde die jährlich stattfindende Electronic Entertainment Expo über eine sehr lange Zeit bezeichnet, doch langsam aber sicher scheint dieser Eindruck zu verblassen und eine Diskussion entstand darüber, wie wichtig dieses einst stets ersehnte Event überhaupt noch ist.


Den endgültigen Auslöser für jene Diskussion stellt Sonys Abstinenz in diesem Jahr dar, obwohl Nintendos Umstieg von Live Präsentationen auf der Bühne zu vorgefertigten Videos, die im Zeitraum der Messe veröffentlicht wurden, bereits einige Jahre vorher für Furore sorgte. Dennoch konnte man es damals immer wieder darauf schieben, dass Nintendo ihre eigenen Directs hätten und sowieso immer einen unkonventionellen Weg einschlagen würden, ganz egal, ob dieser der effektivste sein mag oder nicht. Sony hingegen ist der derzeitige Marktführer, welcher selten von der Norm abweicht; er hat sogar die Chance, diese zu etablieren und das dürfte auch der Grund sein, warum jene Entscheidung so hart für viele zu verdauen ist. Natürlich mag das alles nichts Großes bedeuten, denn es ist ja nur ein Jahr, von dem wir hier reden, aber vielleicht ist dies ein entscheidender Schritt, der diese Expo langfristig gesehen zu einem antiquierten Konzept machen wird.

Nüchtern betrachtet war die E3 seit Beginn nicht mehr als ein Event für die Presse, auf dem bis 2016 nicht einmal das ordinäre Fußvolk direkt teilnehmen durfte. Erst ein Jahr später durften auch Menschen Tickets erwerben, die nicht in die Sparte der Journalisten oder Publizisten gehörten, sodass die Expo mit der europäischen Gamescom verglichen werden konnte, auch, wenn die Besucherzahlen sich drastisch unterscheiden. Kann man den Aussagen diverser nordamerikanischer Journalisten glauben, so waren die Schlangen vor den jeweiligen Demos der Spiele, für die man angereist kam, jedoch ähnlich groß wie man es von der in Köln stattfindenden Convention kennt. Warum sollte man also als Pressemitglied den großen weiten Weg nach Los Angeles auf sich nehmen, wenn man wenige Tage nach dem Ganzen zu einem Post E3 Event eingeladen wird, bei dem deutlich weniger Leute unterwegs sind und man ohne große Wartezeiten alles spielen kann, was man möchte? Letztlich hat es nicht mit mehr zu tun, als schnellstmöglich erste Eindrücke liefern zu können, damit man die größte Aufmerksamkeit, heutzutage eher in Form von Aufrufen seiner YouTube Videos, auf sich zieht.

Gerade diese Videos sowie die daraus resultierende, nahezu unmittelbare Berichterstattung, illustrieren perfekt, warum man diese Messe per se nicht mehr braucht: Mittlerweile kann jede beliebige Firma zu quasi jedem Zeitpunkt einen Livestream starten, der theoretisch jedes Individuum weltweit erreichen kann, wenn dieses denn eine Internetverbindung hat. Bei gewissen Spielen reicht auch nur das Hochladen eines Trailers oder ein simpler Tweet, um die Existenz des Werkes zu bestätigen. Jene Zeiten, in denen man Wochen geduldig warten musste, bis die nächste Ausgabe des Magazins seiner Wahl erschien und man endlich in Erfahrung bringen konnte, was am anderen Ende des Ozeans vorgestellt wurde, sind längst vorbei. Insbesondere Nintendo hat, wie bereits erwähnt, für die E3 einen anderen Weg eingeschlagen, was durchaus viele Fans enttäuscht hat und auch, wenn sie behaupten, man könnte ja irgendwann wieder zu Präsentationen vor einem echten Publikum zurückkehren, bezweifle ich das stark. Betrachtet man die, zugegeben, rar gesäten Directs des letzten Jahres, wird man schnell bemerken, dass viele große Ankündigungen, die man sicherlich für die E3 hätte verwenden können, zurückgehalten wurden, um sie separat in einem eigenen Rahmen zu enthüllen.


Hier ist nur eine Hand voll Soft- und Hardware, welche nicht auf der E3, sondern separat enthüllt wurde:

  1. Super Mario Odyssey
  2. Splatoon 2
  3. Arms
  4. Super Smash Bros. Ultimate
  5. Luigi's Mansion 3
  6. Animal Crossing (Switch)
  7. WarioWare Gold
  8. Dark Souls: Remastered
  9. Mario Tennis Aces
  10. Die Nintendo Switch

Egal, wie man es betrachtet, gibt es für die E3 eigentlich kaum noch überzeugende Argumente. Für Nintendo sind ihre eigenen kleinen, vorgefertigten Videopräsentation deutlich kosteneffizienter, strukturierter und alles in allem auch kompakter. Der einzig wirkliche Vorteil, den eine Show auf der Bühne hat, ist der Applaus der Fans sowie das daraus erzeugte Ambiente. Dennoch war auch das etwas, an dem jeher nur sehr wenige Menschen, abgesehen von ein paar Videoaufnahmen, die Jahre später auf diversen Videoportalen auftauchten, teilhaben konnten, selbst, nachdem man 2017 seine Pforten für alle geöffnet hatte, die ein Ticket ergattern konnten. Selbstverständlich sind solche Reaktionen, wie damals bei der Enthüllung von The Legend of Zelda: Twilight Princess mittlerweile fast schon ikonisch, aber auch das ist nichts, was nicht vielleicht jeder individuell für sich oder mit Freunden vor dem Bildschirm erleben kann. Mittlerweile ist es eigentlich auch schon gang und gäbe, sich solche Videopräsentation mit anderen auf Discord anzuschauen oder zumindest die Reaktionen anderer Fans darüber zu betrachten, was vor wenigen Sekunden von der anderen Seite der Erde gesendet wurde. Man braucht schlichtweg keinen festgesetzten Punkt mehr im Jahr, um große Ankündigungen an die Leute zu bringen, wenn so gut wie jeder potenzielle Konsument Zugang zu einer Internetverbindung hat und man ihn somit über Dinge informieren kann, ohne, dass er spezifisch danach suchen muss.

Demnach empfinde ich Sonys Entscheidung, dieses Jahr keinerlei Präsenz auf der Electronic Entertainment Expo zu zeigen, als vollkommen gerechtfertigt. Selbst, wenn noch keiner weiß, ob es nur dieses Jahr betrifft oder ob 2018 nun wirklich ihr letzter großer Auftritt war, hat es viele Leute zum Nachdenken darüber angeregt, ob die E3 wirklich noch dieselbe Relevanz hat und ihren Untertitel "Weihnachten für Gamer" überhaupt noch verdient. Vielleicht war es auch genau der Denkanstoß, der die Leute langsam aber sicher an Erkenntnis heranführen wird, dass man selbst die größten Ankündigungen der gesamten Branche nicht mehr unbedingt dort erwarten muss, da sie an jeder anderen Stelle ihre Zielgruppe erreichen kann.

Doch wie steht ihr zu der fast schon traditionellen E3? Glaubt ihr, Sonys Abstinenz war nur der erste Schritt zur Ablösung dieser Messe oder wird sie noch lange eine große Instanz in der Industrie bleiben?

Lunk *, 6.448 Zeichen •

Wird die E3 noch lange relevant bleiben?

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Kommentare

Rolf Belmont *
Rolf Belmont
Registriert:
24.07.2018, 10:36:34
Kommentar #1 vom 10.05.2019, 23:30:22 Uhr
Die E3 ist für mich ein Event. Es ist eine Zeit im Jahr, auf die ich mich freuen kann. Sicher habe ich nichts gegen die Überraschung einer Nintendo Direct am nächsten Tag, aber sich langfristig und gezielt auf etwas zu freuen ist doch... Ja, wie eben Weihnachten. Ähnlich wie bei Gaming Awards oder anderen Veranstaltungen - wie beispielsweise PAX - finde ich, die Industrie sollte geschlossen darstehen und der Welt zeigen was und wen sie so bewegt.

Für mich sollte die E3 bleiben. Ich bin sehr angetan davon live dabei sein zu können und nicht wie damals ein paar Fotos und Artikel in der Woche darauf anhimmeln zu müssen. Und mal ganz ehrlich, Buchmessen und ähnliches gibt es auch noch, obwohl viele Leute sich sowas mittlerweile digital zulegen oder im Internet bestellen.
Lugmillord
Lugmillord
Registriert:
13.06.2014, 20:24:00
Kommentar #2 vom 11.05.2019, 14:21:17 Uhr
Puh! Also ich muss gestehen: Gute Argumente für die E3 habe ich nicht so wirklich, abseits von dem einen Grund, weswegen ich auch in Zukunft gerne weiter die E3 hätte:
Es ist dieser eine Fixpunkt, auf den man sich freuen kann. Die Tage herbei sehnt und ein bisschen angehyped wird. Es erzeugt einfach - unabhängig vom Endergebnis - eine Menge Vorfreude. Für mich ist es wirklich wie eine Art Gaming-Weihnachtne, weshalb ich mich auch dieses Jahr wieder darauf freue, dass es in einem Monat soweit ist. Ob es mir dann als Bühnenpräsentation oder Direct dargeboten wird, ist mir eigentlich egal. Ich brauche einfach nur diese Aura um das Event. Wenn aus dem nichts eine Direct für drei Tage später angekündigt wird, hat das einfach nicht den Impact. Außerdem weiß man bei denen nie, ob denn wirklich was Großes kommt, was auf der E3 garantiert ist (naja, meistens, *hust2008hust*).

Also kurzum: Ich wünsche mir weiterhin die E3, aber ich kann keine guten Argumente dafür liefern, abseits vom Kult.
Lunk *
Lunk
Registriert:
20.07.2016, 16:13:20
Kommentar #3 vom 11.05.2019, 14:29:36 Uhr
Die E3 ist für mich ein Event. Es ist eine Zeit im Jahr, auf die ich mich freuen kann. Sicher habe ich nichts gegen die Überraschung einer Nintendo Direct am nächsten Tag, aber sich langfristig und gezielt auf etwas zu freuen ist doch... Ja, wie eben Weihnachten.

Gerade dieser Aussage muss ich ganz klar widersprechen. Natürlich ist es schön, sich langfristig auf etwas zu freuen, aber vor allem in den letzten Jahren habe ich mitbekommen, dass jene Vorfreude nahezu immer in komplett unrealistischem Wunschdenken und somit einer riesigen Enttäuschung endet. Abgesehen von vielleicht 2017, welche war die letzte E3 Präsentation von Nintendo, die allgemein als gut erachtet wurde? 2014?

Im Vorfeld zu jedem, wirklich jedem einzelnen Digital Event im Zuge der E3 gerät der sogenannte "Hypetrain" komplett aus den Fugen, diverse Influencer machen sich ihn zunutze, indem sie ihn mit der Besprechung von Spekulationen lenken und am Ende des Tages erhielten wir vielleicht zwei Neuankündigen, welche stellenweise nicht einmal positiv aufgenommen wurden. Soweit ich mich erinnern kann, war die einzige (!) Neuankündigung in der letzten E3-Präsentation Super Mario Party, was definitiv erfreulich, aber schließlich viel zu wenig in Relation zu dem war, was sich viele Leute über Monate hinweg ausgemalt hatten.

Ich möchte dir deine Freude auf die Electronic Entertainment Expo nicht ausreden, jedoch hat ihre absolute Glorifizierung, welche bereits Monate vorher immer wieder von neuem beginnt, in meinen Augen keine Vorteile mehr in einer Welt, in der die Berichtserstattung durch das World Wide Web eben so dicht ist, wie sie nunmal ist. Immerhin scheinen die Verantwortlichen von Sony, EA und zu Teilen auch Nintendo da sehr ähnliche Meinungen zu haben.

Ähnlich wie bei Gaming Awards oder anderen Veranstaltungen - wie beispielsweise PAX - finde ich, die Industrie sollte geschlossen darstehen und der Welt zeigen was und wen sie so bewegt.

Da bieten sich die letzteren beiden Events deutlich mehr für deine Zielsetzung an, auch, wenn die Game Awards extrem viele Momente hatten, bei denen man sich einfach an den Kopf fassen muss.
Lugmillord
Lugmillord
Registriert:
13.06.2014, 20:24:00
Kommentar #4 vom 11.05.2019, 18:40:40 Uhr
Tja, da habe ich wohl den Luxus, dass ich dem Hypetrain einfach komplett ausweiche. Ich verfolge außer EON keine Spiele-News Seite aktiv, auch nicht auf Youtube (GameXplain hat mir zu oft Sachen gespoilert), weshalb ich gar nicht erst mit erhöhten Erwartungen ran gehe und entsprechend die letzten Jahre eigentlich zufrieden war. ich komme auch wegen der Arbeit nur noch selten zum Spielen, weshalb ich mit einer Hand voll Titel pro Jahr bedient bin. Vorhin hatte ich erst Baba is You runtergeladen, was sicher einige Wochen halten wird.
TheUnknown *
TheUnknown
Registriert:
08.05.2010, 09:25:43
Kommentar #5 vom 11.05.2019, 20:03:21 Uhr
ich muss auch sagen, dieses big time feeling ist schön und gut, aber eigentlich haben die sonst immer nur gelabert und diagramme und demographiegeseibel gebracht. öde und nur lahm. für diezwei spieleankündigungen, die am ende cool waren, lohnte das gar nicht.

heute zeigen sie alle samt und sonders dieselben trailer zu shootern und rennspielen. brauch ich auch nicht. will ich auch nicht. die sollen eine stunde lang interessant sein, dann guck ich gern jedss jahr. aber für zwei geile games so eine oper absitzen? nee, viele zeigen ja eh nur noch aufnummersicher-kram, und nintendo lässt nur noch ne direct laufen. das geht also auch so zwischen den wochen, einfach so, wenn gerade zeit ist.

kurz: e3 hat schon ein wenig einen besonderen flair, aber viel ist davon echt nicht mehr übrig. darum könnte ich darauf auch sehr gut verzichten. denn angekündigt werden games eh alle nase lang.

aber vmtl wollen die publisher genau das. die arbeiten drauf hin, dass keiner sich mehr wirklich dafür interesseiert. spart am ende viele kosten und man haut einfach ne pressemitteilung raus, wenn es soweit ist, statt auf krampf ne vorzeigbare beta hinzuferkeln, die wegen e3 eben jetzt fertig werden muss...

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